Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- Seite 333 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ein wußten-.?rief er int Abgehen dem.Publikum zu: „Die habe ich:aber gut etWMscherU" -:y-;.> . Berühmt waren seine Reden bei - festlichen Gelegenheiten. Er war' irn Jahre-1860 in den - Verband des. Quai-Theaters in Wiest getreten, hatte dann, im Jahre-1866 die Direktion des Cärl-Theaters. übernommen, das er -sechs Jahre lang leitete und durch das er ein reicher Mann wurde.- Die Rede/ mit der er seine; Bühne. damals eröffnete, war so reich an witzigen Anspielungen auf. politische. Tagesfragen und komischen Einfällen, daß . sie hellsten Jubel erregte, und, der „jrrnge" Direktor, wie er sich selbst in dieser Ansprache nannte, sofort die Wiener für sich gewann. Von einer anderen Rede berichtet .Wehl, voneinem Toast beim Festmahl, das man Zum,' siebzigsten Geburtstage Bauernfelds - gab: „Auersperg, Dingelstedt, Laube und. viele andere sprachen, aber niemand tat. es mit so viel Glück und durchschlagender Wirkung wie Ascher. Alle bemühten sich, durch Humor und heitere Gedanken im liberalen Sinne zu zünden. Dingelstedt .stießdabei sogar sein kosmopolitisches Nachtwächternaturell wieder zum Vorschein kommen, das er seit lange an den Nagel gehangen: Auersperg griff auf: den. politischen Ton seiner Wiener Spaziergänge zurück und Laube aus sein Peitschengeknall aus der Zeit des jungen Deutschland. Aber was half das alles? Ascher allein schoß, sozusagen den Vogel ab..- Die andern wollten bedeutend und gewichtig erscheinest- Aschepmur eben - wie er war, als Ausbund von Witz - und Laune. Das perschaffte ihm den Löwenanteil am Erfolge aller Txir;ssprüche?( - - Im-Jahre,.1872 /trat er Pie Direktion an Jauner gegen, eine, hohe Summe , ab und Zogsich zurück Am;21, April1884 starb er nach schwerer Krankheit in Meran. Seine Leiche wurde nach Wien gebracht und unter, großer Beteiligung des gesamten künstlerischen und literarischen Wien auf der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralsriedhofs bestattet. Nach einleitender Gesänge hielt zunächst Prediger Dr. Adolf Jellinek eine Dank--, rede, in der er unter anderm sagte: „Die Geschichte des jüdischen Volkes erzählt, daß bereits vor 2000 Jahren Kinder Israels an den römischen Kaiserhöfen als Künstler sich, auszeichneten. Schon damals gab es dort kein Vorurteil gegen diejenigen, welche der Kunst ihr Leben gewidmet. Der herrschende Lichtpunkt des Heimgegangenen ist eine religiös preiswürdige Tatsache. Er erschien einmal des Jahres im Gotteshaüse. Wenn er das Gotteshaus verließ, stellte er mir eine große Summe zurv Verfügung, zur Linderung der Not der Armen dieser Residenz... Freude und Fröhlichkeit sind nun geschwunden, auch die Trauer um ihn, die jetzt so lebhaft sich kundgibt, wird schwinden; aber das Andenken wird bleiben an einen Mann, der die Ehre seines- Standes und die .Ehre seines Stammes war.. In gleich warmfühlender Weise sprachen im Namen des Burg-; theaters Josef. Lewinsky und namens, des Schriftstellervereins „Eoncordia-' Josef. Rittervon-Weisau'.. ... . Das Märchen von dem Stier und dem Widder. ’ Dem RäbLi Nachmaü Von Bratzlaw (1772—1810) nocherzählt - - - v . •-..; von Martin Bub er. h ' . . . ^^^m fernen.Lande und zu einer fernen Zeit regierte ein König, der gab eines Tages einen' Erlaß, daß alle. Jupen, die aüf seines Reiches Erde und.unter seines Schwertes. . h Aus meiner - demnächst erscheinenden Bearbeitung, der Schutz lebten, die Taufe. empfangen und feinem Bekenntnis sich bequemen müßten, und daß die,-so sich weigern, von dannen zu ziehen und Heimat und Gut zu entsagen hätten. Viele waren, denen der. Glaube einzig Vaterland und Besitz, war: dieMohen in alle Weiten. Andere wollten die Saat,, die sie gesäet, reifen, sehen und mochten ihre Kleinode nicht im Gürtel bergen: die blieben und beugten sich zum Scheine und äußerlich übten sie eines fremden Glaubens verhaßte Gepflogenheiten, hinter sicheren Mauern und festem Riegel -aber hingen sie den Bräuchen ihrer alten Lehre an und blieben, wenn auch heimlich, Juden wi.ezuvor. Der König starb und nach ihm trug sein Sohn die Ebne. Dieser hielt seine Vasallen mit strenger Faust nieder und zwang fremde Reiche in den Bann seiner Waffen. Die Fürsten jenes Landes aber, auf denen seine Härte schwer lastete, empörten sich im Geheimen wider ihn und beschlossen, ihn zu ermorden. Unter diesen war einer von jenen Juden, die nur zum Scheine die Fessel eines fremden Glaubens trugen, der sagte sich: „Um meiner Güter willen, an dem mein Herz hängt,, scheut mein Bekenntnis das Sonnenlicht. Was wird mit diesen Gütern geschehen, wenn kein König im Reiche , ist, der Sitte und Gesetz, aufrecht hält? Wie die wilden Tiere werden die Menschen übereinander hersallen und der Gewaltige wird den Besitz des Zagen an sich reißen. Zu meinem eigenen Frommen ist es, daß ich. Hingehe und den König warne." Und er ging hin und tat so. Der König hörte , ihn an und ließ alsdann, die Wahrheit seiner Worte prüfen und es zeigte sich,. daß sie gerecht waren. Um. die Zeit, da die . Verschwörer, sich einschleichen wollten,, stürzten sich verborgene Häscher aus sie und. brachten, sie bezwungen und gefesselt vor den König. Der ließ jedem, seinen. Spruch nachdem Maße, seiner Schuld zuteil werden. Seinen Netter aber; Mach er also,an:, „Wie mag ich Dir lohnen? Ein Fürstentum kann ich Dir nicht -bieten, denn Du besitzest es bereits,.- und welches Kleinod überstrahlte, die Fülleder Deinen? Laßmich den Wunsch wissen, der in Deinem Herzen zu tiefst ruht, und sK der Erfüllung gewiß," Da. erwiderte der Fürst: .„Laß mich Jude sein vor aller Welt und meine Gebräuche im Lichte üben, gewähre mir, daß ich ohne Scheu Mantel und- Riemen zum Gebete legen darf."- Bei dieser Rede erstarb die Seeledes. . Königs in .Bitterkeit, denn.er haßte den Glauben - der Juden. Aber von seinem eigenen Worte, das er gegeben hatte, bezwungen, - gestand er widerwillige Gewährung zu. .; ' Der König verschied und sein- Sohn erbte das Reich. Aus dein Schicksal seines Vaters war ihm die Erkenntnis gestiegen daß es gutsei, das Land in Milde zu führen, und so wurde - er ein gütiger und sanftmütiger Herr. Zuweilen gedachte er. der Gefahr, die seines Vaters/ Leben bedroht hatte, und dann > erfüllte ihn Tagelang Bangigkeit um die Dauer seines Stammes.^ In einer solchen Zeit ließ er die Sterndeuter rufen und befahl. ihnen, in den schimmernden Himmelszeichen zu lesen, was/ fernem Geschlechts vorbestimmt sei und welche Fährnisse, ihm - drohten. Die Magier fanden nun zwei Zeichenübler Deutung, .- zwei Tiere, Stier und Widder:, vor diesen möge er sich.hüten-, kein anderes Wesen könne ihm. Verderben bringen. Der König - ließ den Schicksalsspruch im Buche der Erinnerungen eintragen, ermahnte seinen Söhn, gleich ihm milde zu. regieren- und starb.. . bald darauf. - . ' :^ Der ihm auf dem Throne folgte, war wie seine Ahnen - jäher undheftiger Gemütsart, gönnteden Waffen .keine Ruhe - utid -schlichtete Händel lieber mit.Gewalt als mit Worten. Als/ er in der.Chronik..von den beiden Tieren lasdie seinem Hause mit Verderben drohten-dünkte es. ihm gar einfach-. die Gefahr zu beseitigen: er verbot bei Todesgefahr, daß weder Stier noch - Widder im Lande gehalten würden, und von nun.nn.-.kannte - er' keine, Furcht, Er unterdrückte ^seine .Untertanen und llachte,