Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1905)
- Date
- 1905-07-07
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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einer Synagoge begonnen, nachdem das alte Bethaus bereits abgetragen worden ist. — In Filehne ist jüngst ein Siechenhaus eingeweiht worden, das ein früherer Bewohner dieser Stadt, Rentier Goldschmidt in- Berlin, gestiftet hat. — Dem Sanitätsrat Dr. Sachs in Schönlanke ist der Charakter als Geheimer Sanitätsrat verliehen worden. — Anläßlich seiner Uebersiedlung nach Breslau hat der Kaufmann Martin Mendelsohn in Ostrowo der dortigen Synagogengemeinde 600 Mark als Spende überwiesen. — Rentier Marcus Ziegler in Annaberg bei Ratibor beging neulich mit seiner Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem. Anlasse ist dem Jubelpaare die Ehejubiläumsmedaille verliehen worden. Herr Ziegler bekleidet schon seit vielen Jahren mehrere kommunale Ehrenäm.ter. — In Schrimm ist Frau Dorothea Mittwoch, ein reges Vorstandsmitglied des dortigen israelitischen Frauenvereins, gestorben. — Kaufmann Adolf Boas in Schwerin a. W., langjähriges Mitglied der Stadtvertretung daselbst, ist Plötzlich im Alter von 44 Jahren gestorben. Hannover, 2. Juli. Erst jetzt wird der Wortlaut des Testaments bekannt, das der verstorbene Konsul Moritz Simon in hochherziger Weise gemacht hat. Simon ßinterließ ein mehr als drei Millionen Mark betragendes Vermögen, dessen größter Teil zu einer Stiftung verwandt werden soll, die die Namen der Eltern des Heimgegangenen zu tragen hat: „Alexander und Fanny Simonsche Stiftung." In den kurzen, einfachen Sätzen prägen sich die Persönlichkeit des Mannes, sein Wollen und Streben aus. Es heißt dort: Die Grundzüge der Verfassung der Stiftung bestimme ich wie folgt: In der Erkenntnis, daß meine Glaubensgenossen infolge der Jahrhunderte währenden Unterdrückung und Ausschließung von Handwerk, Industrie und Landwirtschaft, von Beamtenstand und ähnlichen Berufen sich notgedrungen dem Handel zuwenden mußten, daß es aber im Interesse meiner Glaubensgenossen und des Vaterlandes' liegt, wenn sie sich allen rechtlichen Berufszweigen widmen, ordne ich als Zweck der Stiftung an: Hand-und Fabrikarbeit, Handwerk, Landwirtschaft, Garten- und Obstbau unter den Israeliten in größerem Umfange zu verbreiten. Aus den Einkünften der Stiftung sollen: a) israelitische Kinder vom frühesten Alter an, namentlich in den Volksschulen, in jüdischen Waisen- und Erziehungsanstalten, auch insbesondere durch Handfertigkeitskurse oder in sonstiger Weise Handfertigkeitsunterricht erhalten sowie in den Handgriffen des Garten- Und Obstbaues und, wenn angängig, auch in Landwirtschaft unterwiesen werden, d) In Lehrerbildungs- und Vorbereitungsanstalten oder in sonstiger Weise sollen angehende jüdische Lehrer praktische Kurse in Handfertigkeitslehre, in Garten- und Obstbau, Bienenzucht und, wenn angängig, auch in Landwirtschaft durchmachen, insbesondere sollen solche Anstalten, falls dieses zweckmäßig erscheint, Garten- und Ackerland zu Eigentum oder pachtweise erwerben, um die zukünftigen oder auch bereits tätigen Lehrer für die Heranziehung der Jugend zum Landbaue und zur Handfertigkeit zu befähigen: Es können solchen jüdischen Lehrern Prämien zuerkannt werden, die mit besonderem Eifer, Geschick und Erfolg Unterricht in Gartenbau und Handfertigkeit an jüdische Schüler erteilen, c) Würdigen, befähigten, bedürftigen israelitischen Arbeitern, Handwerkern, Landwirten und Gärtnern sollen zur Ausbildung ihres Berufes, namentlich beim Beginn ihrer Tätigkeit insbesondere in Form von Darlehen, Vorschüsse gewährt werden; je nach den Umständen zu niedrigem Zinsfuß, ausnahmsweise auch unverzinslich. Die zurückgezahlten Darlehen sollen dem Stiftungsvermögen zugeschlagen werden, ä) Ein Teil der Einkünfte der Stiftung kann nach bestem Ermessen des Stiftungsvorstandes für allgemeine Zwecke des Garten- und Obstbaues verwandt werden. Der Stiftungsvorstand soll auch ermächtigt sein, einen Teil der Einkünfte wrr Erteilung von Handfertigkeits- und Gartenbauunterricht an 'außerdeutschen israelitischen Schulen zu verwenden. Hierbei soll in erster Linie Galizien ins Auge gefaßt werden. Ich bestimme folgende Vermächtnisse: 1. dem Hilfsfonds für ehemalige Lehrlinge der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem (eingetragener Verein) den Betrag von 100 000 Mark, 2. der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem die Summe von 100 000 Mark. Ich beschränke nach reiflicher Ueberlegung meine Zuwendung auf diesen verhältnismäßig geringfügigen Betrag, weil ich den dauernden Bestand der Anstalt nur dann für gesichert halte, wenn sie von allen Glaubensgenossen als > Gemeingut betrachtet und. unterstützt wird." Diese Hoffnmrg wird Erfüllung finden. Ahlem entwickelt sich unaufhaltsam weiter; neues Land, neue Häuser kommen hinzu. In Sartorius Rheinhold. Simons berufenem Nachfolger im Vorstande, und dem Inspektor AL Silberberg besitzt es weitblickende Leiter. --- Kassel, 28. Juni. Die 37. Jahresversammlung der Israelitischen Lehrerkonferenz Hessens hat hier sta ttgefunden. Der Vorsitzende, Lehrer Amram-Borken, begrüßte die Versammlung mit herzlichen Worten, namentlich den Vertreter des Vorsteheramtes' der Israeliten zu Kassel, Bankier Blmyenthal und den Vertreter des Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde, Kaufmann Eisenberg. Im weiteren Verfolge der Eröffnungsansprache gedachte der Vorsitzende der kürzlich begangenen Schillerfeier, um daran die Mahnung zu knüpfen, im Schillerschen Geiste den Idealismus zu pflegen und einig zu sein immerdar. Namens des Vorsteheramts begrüßte Herr Blumenthal und namens der jüdischen Gemeinde Herr Eisenberg die Versammlung. Es folgte nun durch den Vorsitzenden die Verlesung des Jahresberichts. Die Unterrichtskommission des Abgeordnetenhauses hatte im vorigen Jahre beschlossen, die von den jüdischen Lehrern Hessens eingereichte Petition der Negierung zur Erwägung zu überweisen. Einem Wunsche der Regierung entsprechend, verwies das Plenum die Petition zu nochmaliger Prüfung an die Kommission zurück. Obwohl allseitig — auch vom Vertreter der Staatsregierung — anerkannt wurde, das den Petenten die Gewährung des Antrages zu gönnen wäre, wurde doch in diesem Jahre mit allen gegen 7 Stimmen Uebergang zur Tagesordnung beantragt und dieser Antrag vom Plenum zum Beschluß erhoben. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen und Konstituierung des Bureaus, in welchem Herr Oppenheim-Treysa die Stellvertretung des Vorsitzenden und Herr Nosenstein-Rotenburg die Führung des Protokolls übernimmt, wurde Herrn Neuhaus-Sterbfritz das Wort zu seinem Referate erteilt: „Der Unterricht in der biblischen Geschichte unter Berücksichtigung der einschlägigen Literatur". Die von dem Referenten vorgeschlagenen und von der Versammlung en bloc angenommenen Leitsätze lauten: 1. Der Bibelunterricht bildet einen integrierenden Bestandteil des . Religionsunterrichts. 2. Durch den Bibelunterricht sollen beim Kinde: 1. der religiöse Sinn geweckt und die Herzensbildung veredelt, 2. die Liebe'zu Gott, zum Judentume, zum Vaterlande und zu den Nebenmenschen eingepflanzt werden. 3. Der Bibelunterricht umfaßt sämtliche Schuljahre und ist wie aller Unterricht, dem Fassungsvermögen der Kinder anzupassen. 4. Neben der Persönlichkeit des Lehrers ist ein gutes Lehr- und Lernbuchdas wirksamste Mittel zur Erreichung des erstrebenswerten Zieles. Die beiden vom Ausschuß gestellten Anträge, die Petition, die Besoldung des Vorsängerdienstes im Abgeordnetenhause von neuem einzureichen und eine Enquete über die Frequenz der israelitischen Schüler zu veranstalten, fanden Annahme. Bei der Ergänzungswahl zum Ausschuß wurde der Antrag, in jedem Jahre zwei Mitglieder auszulosen; von der Auslosung jedoch den Vorsitzenden auszuschließen, trotz der schwerwiegenden Bedenken des Vorsitzenden und^ seines Protestes gegen den zweiten Teil des Antrags, einstimmig zum Beschluß erhoben. Für Herrn Spiro-Fulda, der vor dem Konferenztage sein Mandat niedergelgt hatte, wurde Herr Stahl-Bebra in den Ausschuß gewählt. Derselbe besteht sonach aus den Herren Amram-Borken, Oppenheim-Treysa, Schwarzschild-Schüchtern, Rosenstein-Rotenburg und Stahl-Bebra. Die nächste Jahresversammlung soll zu Fulda stattfinden. Das Referat: „Volkskunde in der jüdischen Schule" hat Herr Neuhaus-Fritzlar übernommen, das Korreferat Herr Perlstein-Gudensberg. v. Bayreuth, 28. Juni. Zu Ehren des bayerischen Thronfolgers veranstaltete Frau Cosima Wagner hier am 19. d. M. ein Festkonzert. Zur Mitwirkung waren Frau Fleischer-Edel und Max Dawison aus Hamburg erwählt. Nach Schluß des Konzertes beschied der Thronfolger den Künstler in seine Loge, beehrte ihn mit einer längeren Ansprache und versicherte Dawison unter Wiederholtem Händedruck mit Worten Allerhöchster Anerkennung für den herrlichen Genuß des besonderen Dankes. x Bruchsal, 27. Juni. Der 17. Jahresbericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden für 1904 berichtet mit Genugtuung, daß der Vorstand abermals in der glücklichen Lage war, allen berechtigten Anträgen,