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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-07-07 · Heft 27 (7.7.1905) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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die vor einiger Zeit im Repräsentantensaale der /jüdischen Gemeinde stattfättd, nahm den Geschäfts- und Kassenbericht entgegen und erteilter dem Vorstande und Schatzmeister die erbetene Entlastungi die satzungsgemäß vorzunehmenden Wahlen ergaben keine Verändernngen: - L2 Berlin, 30. Juni. Die Trauerfeier für den verstorbenen Anwalt der deutschen Gewerkvereine, Dr. Max Hirsch, fand heute im großen Saale des Verbandshäuses der Gewerkvereine statt. Schon' am Vormittag hatten Deputationen der Ortsverbände und der Ortsvereine, die aus allen Teilen Deutschlands, zumeist mit ihren Bannern und Fahnen erschienen warenan dem vor einem Hain von Blattpflanzen aufgebahrten Sarge Kränze niedergelegt. Fast die Hälfte des Saales wurde von den Kranzspenden eingenommen. Gegen 1 Uhr begannen sich Saal und Galerien zu füllen. Auf der Bühne des Saales war die Büste des Verstorbenen aufgestellt. Aus beiden Seiten des Sarges fanden die Banner und Fahnen der deutschen Gewerk-' vereine Aufstellung: Vor dem Sarge nahmen die Angehörigen Platz: Unter den Teilnehmern an der Trauerfeier, die den Saal bis auf den letzten Platz füllten, befanden sich als'Vertreter der Stadt Berlin der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Langerhans, Stadtrat Fischbeck und mehrere Stadtverordnete; von Abgeordneten der freisinnigen Volkspartei waren die Abgeordneten Träger, Kreitling, Zwick, Dr. Crüger; der Anwalt der Deutschen Genossenschaften Max Schulz, und ändere mehr erschienen. Die freisinnigen Bezirksvereine waren bei der Trauerfei er zum größten Teil vertreten. Nach dem Gesang sprach namens des Gewerkvereins der Vorsitzende des Zentralrates Generalsekretär Hartmann. Hierauf sprach namens der Humboldt-Akademie Reichslagsabgeordneter Stadtältester Kämpf, namens der Fraktionen der freisinnigen Volkspartei im Reichstage und Landtage Abgeordneter Träger und als Vertreter des Vereins für soziale Reform und des Vereins für Sozialpolitik Professor Ernst Franke, Lehrer Lews für den Verein für Volksbildung. Zum Schluß hielt der Verbandsredakteur Abgeordneter Karl Goldschmidt eine eindrucksvolle Rede. Mit bewegter Stimme trug er den poetischen Scheidegruß vor, den Albert Träger dem verblichenen Freunde zurief. Der Gesang „Harre meine Seele" schloß die Feier eindrucksvoll ab. Der mit Blumen und Kränzen überdeckte Sarg wurde auf den Leichenwagen gehoben. Ihm voran schritten die Abordnungen mit ihren umflorten Bannern, ein Bläserchor, ein zahlreiches Trauergefolge zu Fuß und in Wagen schloß sich an den Leichenwagen. Gegen 4 Uhr erreichte der Zug den Friedhof Weißensee. In der Kapelle sprach Rabbiner Dr. Weisse kurze Gedenkworte und verrichtete die'Liturgie. Dann wurde, was von Max Hirsch sterblich war, in der Ehrenreihe gebettet. LL Berlin, 2. Juli. Die Aufhebung des Redeverbots, das von dem Berliner Polizeipräsidenten vor dreiviertel Jahren gegen den Grafen Pückler erlassen würde, ist. wie schon kurz gemeldet, auf eine Verfügung des Ministers des Innern v. Bethmann-Hollweg .zurückzuführen. Polizeipräsident v. Borries hatte dem Grasen Pückler das Auftreten als öffentlicher Redner mit dem Hinweis darauf verboten, daß ein Berliner Gerichtshof den Grafen für unzurechnungsfähig erklärt hatte. Nachdem in dem nächsten Prozeß Pückler zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und damit als verantwortlich für seine Straftaten hingestellt wurde, verlangte der Graf vom Oberpräsidenten v. Bethmann-Hollweg die Aushebung des Redeverbots. - Das wurde aber mit der Begründung abgelehnt, daß durch die Einlegung der Revision gegen das zweite Urteil dieses noch nicht rechtskräftig sei. Nachdem jetzt das Reichsgericht die Revision des Grafen' verworfen hat, wandte er sich an den nunmehr Minister gewordenen Herrn v. Bethmann-Hollweg und erhielt darauf folgenden Bescheid: Euerer Hochwohlgeboren erwidere ich auf die bei meinem Referenten heute mündlich erhobenen Vorstellungen ergebenst, daß mit dem Erkenntnis des Reichsgerichts vom 23. Mai d. I., welches, rechtskräftig Sie als strafrechtlich verantwortlich beurteilt und damit die Frage Ihrer Zurechnungsfähigkeit bejaht hat, die Voraussetzung weggefallen ist, die dem hiesigen Herrn Polizeipräsidenten mit diesseitiger Billigung seinerzeit Veranlassung gab, Ihr Auftreten als Redner in Versammlungen nicht zu dulden, v. Bethmann-Hollweg." — Aber schon die erste . Versammlung des Dreschgrafen wurde polizeilich aufgelöst. Außerdem beginnt am 15. d. M. wieder eine Reihe von Pückler- Prozefsen vor dem Landgericht I. . ru.Äus Pommern, im Juli. Die diesjährige Generalver- 2 ßammlunM des Vereins israelitischer Lehrer Pommerns fand unter sehr guter Beteiligung am 18. Juni vorigen Monats in Schiv elbein statte Rach Begrüßung des Vorsitzenden, des Vorstandes der Gemeinde Schivelbein und des Gemeindeverbandes Pommern hielt Kollege Bäum-Rügenwälde seine Lehrprobe über „Die Juden zur Zeit der Kreuzzüge".. In der darauf folgenden Debatte wurde die Wahl der Lehrprobe als zu umfangreich nicht gebilligt; mit der Form der Darbietung erklärten sich die meisten einverstanden. Es folgte nun auf Antrag zunächst die Beratung des Minimal-Lehrplanes für die israelitischen Schulen Pommerns. Kollege Varonowitz- Repzin hielt das wichtige Referat; der Korreferent Dr. Goldschmidt- Kolberg fehlte.. Nach unwesentlichen Abänderungen wird der Lehrplan, der von einer Kommission im Laufe des Jahres bearbeitet war, angenommen. Der Kommission, besonders dem Kollegen Baroaowitz für sein Referat, wurde der Dank der Versammlung zu teil. Bei der Verlesung des Protokolls der vorjährigen Versammlung erhebt Dr. Vogelstein-Stettin Protest gegen das etwas einseitig abgefaßte Protokoll. Nach scharfem, jedoch immer vom Geiste des Friedens getragenen Wortgefecht wird ein Amendement Dr. Vogelstein angenommen, dahingehend, daß in das diesjährige Protokoll eine Berichtigung ausgenommen wirb. Der Vorsitzende hielt dann seinen Jahresbericht. Dem Kassenführer wurde Decharge erteilt.. In den Vorstand wurden gewählt: Saul-Schievelbein (Vorsitzender), Lion Wolff-Tempelburg (2. Vorsitzender), Heidenfeld-Schlawe (Schrift- und Kassenführer). Baronowitz-Repzin, Dr. Worms-Stettin, die Kollegen Frank-Bütow, Dr. Finkel-Pasewalk wurden nicht wiedergewählt. Es wurden dann noch Anregungen gegeben, die nicht hohen Leistungen des Vereins zu erhöhen durch Vorträge über die neuere und neueste Literatur und anderes mehr. Jedenfalls ging über aus den Verhandlungen hervor — wenn auch einige Gegner dort waren —, daß der Verein treu zum Verbände steht. Als nächster Versammlungsort wurde Stettin (Pfingsten 1906) bestimmt. Nach gegenseitigem Dank schloß man gegen 9l/2 Uhr die um 2 Uhr begonnene Versammlung. —Kantor Weißmann, der vom 1. April ab in Stolp wirkte, verließ diesen Wirkungskreis schon wieder am 1. Juli. — Der auch in dieser Zeitung gemeldete Tod des Herrn Goldstein in Stolp hat eine große Lücke im Gemeindeleben verursacht. Die Chewro Kädischo, der er ein Legat hinterlassen, verliert einen umsichtigen Führer. — Lehrer emer. Jaffö ist von Stolp an die Altersversorgungsanstalt nach Bojanowo berufen worden. — In Bütow feierte am zweiten Schewuaustage Frau Moses Caspary ihren 80.. Geburtstag. Dieselbe ist fast 40 Jahre im Vorstande des israelitischen Frauenvereins. — Der Synagogengemeinde Bütow hat Herr Sally Scheidemann-Berlin die Anlage und einen Ofen zur Gasbeheizung der Synagoge gespendet. Die Kosten zu einem zweiten Ofen sind durch freiwillige Spenden gedeckt. — Kantor und Lehrer Dobrowolsky-Stolberg ist, wie schon oft, als Stellvertreter an den städtischen Schulen daselbst unter besonderer lobender Anerkennung des Magistrats beschäftigt. Kantor Lippmann-Liegnitz ist nach Pomm.-Stargard, Kantor Hofmann-Pomm.-Stargard nach Neustadt (Westpr.), Lange-Fordon (früher Gartz) nach Culmse berufen.— Lehrer Lachm ann-Flatow, der ein Jahr die Hausvaterstelle in Wolfenbüttel (Samsonschule) verwaltet hatte, ist nach seinem früheren Wirkungskreise zurückgekehrt. — Das Kgl. Provinz ial-Schulkollegium' in Stettin, das erst in diesem Jahre erlaubte, daß den jüdischen Schülern der höheren Lehranstalten Stettins an den Anstalten der Religionsunterricht erteilt wird, hat nun auf Wunsch und Antrag des Rabbiner Dr. Vogelstein auch gestattet, daß wöchentlich einmal diese Schüler auch im „Hebräisch", beziehungsweise in. den hebräischen Unterrichtsdisziplinen der jüdischen Religion unterrichtet werden. Kp. Aus der Provinz Posen, im Juni. Oekonomierat D. Goldstein in Ostrowo ist zum Direktor des dortigen Vorschußvereins gewählt worden. — In Samter ist plötzlich Kaufmann Joseph Gers mann gestorben. Derselbe war langjähriger Vorsitzender des Vereins Sukkat Scholem und Vorstandsmitglied des Krankenpflege- und Leichenbestattungsvereins daselbst. — Dr. Wolssohn in Schwerin ä. W. ist zum Kreistagsmitgliede gewählt worden. — Die Stadtvertretung'in Ostrowo hat den Oekonomierat Gold stein daselbst zum ersten Vorsitzenden des dortigen Gewerbegerichts gewählt. — In Mixstadt wird demnächst mit dem Neubau

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