Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1905)
- Date
- 1905-07-07
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrgang. No. 27. BerU“’ Jn,il9ü5' Vellage zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums" Sorrelpondm-m und Kschrichtm. Deutschland.?. E. Berlin, 2. Juli. Am Sonnabend, den 1. Juli d. I. begingHerrAbraham Rosenthal, ersterKantor der hiesigen.jüdischen Gemeinde, das Fest seines 25 jährigen Amtsjubiläums. Schon am frühen Morgen brachte ihm der gesamte Chor der neuen Synagoge unter Leitung seines Dirigenten Herrn A. Kellermann ein Ständchen dar. Im Laufe des Vormittags erschienen unter den ersten Gästen Herr Rektor Holzmann, Herr Shnagogenvorsteher Bergel und viele andere, die dem Jubilar eine Menge prächtiger Geschenke und herrlicher Rosenarrangements brachten. Um die Mittagspause kamen die Kollegen des Jubilars, die Kantoren Berlins', an ihrer Spitze Herr Kantor Joseph Epstein. Mit kurzen, .von innerlichem Gefühl getragenen Worten hielt er als der nächstälteste Kollege eine Ansprache, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Er rühmte die Verdienste des Jubilars als Mensch, als Kantor, und überreichte ihm im Namen der Kollegen einen silbernen Pokal. Hierauf übergab Herr Kantor Dubowsky dem Jubilar eine künstlerisch ausgeführte Adresse der „Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte und deren Witwen und Waisen in Deutschland." Zugleich hob er die Verdienste hervor, die sich der Jubilar um die Begründung und Entwicklung des genannten Vereins erworben hat. Dann überbrachte Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher dem Jubilar seine besten Wünsche für seine Person. Als letzter unter den offiziellen Glückwünschenden nahte Herr Martin Simon in Vertretung des Gemeinde- Vorstandes. Auch er rühmte die Verdienste des Jubilars und übergab ihm neben dem Geschenke folgendes Schreiben des Gemeindevorstandes.'. Sehr geehrter Herr Jubilar! In Festesfreude begehen Sie heut die Wiederkehr des Tages, an dem Sie vor einem Vierteljahrhundert das Amt eines Vorbeters der hiesigen jüdischen Gemeinde angetreten haben. 25 Jahre hindurch haben Sie Ihres frommen Berufes in nie ermattender Pflichttreue gewaltet, haben es verstanden, bei den Besuchern unserer Gotteshäuser die Stimmung weihevoller Andacht zu wecken und die Empfindungen der Betenden in edlen Tönen wiederzugeben. Auch außerhalb der heiligen Stätten haben Sie durch Friedfertigkeit und frommen Sinn sich Freundschaft und Achtung in weiten Kreisen erworben und sind alle Zeit ein Muster gewesen an treuer Pflichterfüllung und idealer Auffassung Ihres Berufes. Darum beglückwünschen wir Sie heut namens unserer Gemeinde zu Ihrem Ehrentage und halten nicht zurück mit dem Ausdruck der Anerkennung für Ihre Wirksamkeit. Möge Ihnen Rüstigkeit des Körpers und Frische des Geistes noch lange beschieden sein. Möge Ihnen erhalten bleiben die Fülle des Wohllautes und die Zartheit der Töne, auf daß Sie noch viele Jahre Ihres Amtes walten zu Ihrer und unserer Freude, zum Segen unserer Gemeinde, zur Ehre Gottes!" — Am Abend versammelten sich die Festteilnehmer in Baumanns Hotel, Friedrichstraße. Hier brachte Herr Rabbiner Dr. Weiße im Namen des Rabbinates ein Hoch auf den Jubilar aus. Der Inhalt seiner Rede war eine Würdigung der Bedeutung des Kantorenstandes. Lange noch blieben Jubilar und Gäste in fröhlicher Unterhaltung zusammen, sodaß das schöbe Fest in vollster Harmonie verlief. L2 Berlin, 28. Juni. Dem Jahresbericht des Rabbiner- Seminars zu Berlin für 1903/4 geht eine umfangreiche, wissenschaftliche Arbeit des Dozenten Dr. I. Wohlgemuth „Beiträge zu einer jüdischen Homiletik" voran. Der Bericht des Kuratoriums beginnt mit einer Schilderung des-neuen Anstalts-Gebäudes auf dem Grundstück Artilleriestraße 32. Zu seiner Errichtung wurde aus dem Fonds des Instituts ein Kapital von 93 O0O Mark beigesteuert. Das dem Rabbiner-Seminar gehörige Haus in der Gipsstraße 12a wurde für den Preis von 195 000 Mark verkauft. Da das Grundstück noch mit 200 000 Mark zu Buch stand, mußte eine Abschreibung von 5000 Mark vorgenommen werden, durch welche sich die bereits im Vorjahre vorhanden gewesene Mindereinnahme vergrößerte und die Summe von 8650 Mark erreichte. Der unglückliche Abschluß wird durch eine Zuwendung des Herrn Jacques Snatich s. A. in Frankfurt a. M. im Betrage von 7200 Mark wesentlich verbessert. Wie wir den Mitteilungen des Rektors, Dr. Hoffmann, entnehmen, zählte die Anstalt im verflossenen Studienjahre 47 Hörer, von denen 5 und zwar die Herren M. Auerbach, Dr. Kramer, Dr. Pick und Winter, mit der Rabbinats-Autorisation entlassen wurden. Von ehemaligen Schülern sind die Herren Dr. M. S. Silberberg, früher Rabbiner der Adaß-Jsrael-Gemeinde in Königsberg in Preußen, als Rabbiner nach Schrimm, Dr. S. Galliner als Prediger und Religionslehrer nach Beuthen O.-S., Israel Nobel als Direktor der jüdischen Elementarschule nach Antwerpen, Dr. Arthur Liebermann, früher Prediger und Religionsschul-Direktor der Ohel-Jizchak-Synagoge in Berlin, als Rabbiner der Adaß-Jisrael-Gemeinde nach Königsberg i. Pr. berufen, Dr. Sally Daiches zum minister ok tbe old Hebrew Congregation in Hüll (England), Dr. Abraham Schweizer, bisher Rabbinats- Vikar in Weikersheim (Württemberg), zum Rabbiner daselbst, Dr. Emil Levy zum Rabbiner des Religionsvereins Westen in Berlin gewählt worden. Einer Anregung des Kurators Rabbiner Dr. Cohn- Kattowitz, den Hörern des Rabbiner-Seminars nach Absolvierung ihrer Examina vor dem Antritt eines Rabbinats Gelegenheit zu geben, sich ein Jahr lang unter Anleitung eines älteren Kollegen in der praktischen Ausübung ihres Berufes auszubilden, folgend, hat Herr Benjamin Hirsch - Halberstadt für einen Kandidaten, der ein solches praktisches Jahr in Halberstadt absolvieren würde, ein Stipendium von 50 Mark monatlich bewilligt. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 45 078 Mark (davon Legate 7790, Zinsen 9800 Mark, Jahresbeiträge 23 730 Mark rc.), die Ausgaben aus 48 729,35 Mark. 8. Berlin, 3. Juli. Der unter der trefflichen Leitung des Herrn Geheimrat Dr. Wiesenthal befindliche „Verein Israelitisches Lehrerinnenheim zu Berlin" ist in das 7. Jahr seines Bestehens eingetreten. Es befanden sich im Jahre 1904 fünfzehn Insassinnen im Heim, von denen nur zwei aus Berlin gebürtig sind. Der Gesundheitszustand der Pfleglinge war im Berichtsjahre leider weniger gut. Die Verpflegungskosten beliefen sich pro Kopf und Tag auf 1,01 Mark; die Extraverpflegung für erkrankte Insassinnen belief sich auf 309,47 Mark. Das dem Heim angeschlossene Erholungsheim war im Jahre 1904 meistens belegt; der Aufenthalt meist im Freien, die gute Pflege und Ruhe erwies sich sehr förderlich auf die Gesundheit der Pfleglinge, und neugestärkt konnten die Damen ihrem. schweren und verantwortlichen Berufe wieder zurückgegeben werden. Frau Fanny Neichenheim, welche seit der Begründung des Vereins unermüdlich im Dienste dieser guten Sache tätig war, hat leider aus Gesundheitsrücksichten die Leitung der Wirtschaftskommission niederlegen müssen; an ihre Stelle ist Frau Ada Jacoby getreten. In dem leider so früh verstorbenen Herrn Alphons Jacobson aus Leipzig hat gleich vielen anderen Humanitären Institutionen auch dos Lehrerinnenheim einen edlen und hochherzigen Gönner verloren. Zur Teilnahme an der Bestattung wurde Fräulein Pauline Münchhausen delegiert, die eifrige Werberin für den Verein, der es auch gelang, einen letzten Wunsch des Verstorbenen zu verwirklichen und in Leipzig eine neue Ortsgruppe zu bilden, welche dem verstorbenen Wohltäter zu Ehren den Namen „Alphons Jacobson-Gruppe" erhielt. Dem rastlosen Wirken des Fräulein Münchhausen ist auch die Bildung einer weiteren Ortsgruppe in Hamburg zu danken. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat sein Wohlwollen dem Verein erhalten und ihm auch in diesem Jahre eine Beihilfe von 300 Mark zufließen lassen; die Baronin von Cohn-Oppenheim-Stiftung hat wiederum 500 Mark aus ihren reichen Mitteln gespendet. Der Rechnungsabschluß des Vereins pro 1904 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 21 824,92 Mark. Der eiserne Fonds belief sich am 1. Januar 1904 auf 101205,56 Mark_Die Generalversammlung,