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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-07-07 · Heft 27 (7.7.1905) · p. Seite 318

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
Seite 318 (sequence 6)
Language
German
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Interpellation gewesen, wer vermochte dies zu entscheiden? Im übrigen hat — und auch das war eine Ironie der Geschichte — Ellstätters Ernennung zum Minister auf Jollys Vorschlag Lamey, den badischen Judenemanzipator, derart verblüfft und verdrossen, daß er, wie in einem bayerischen Blatte erzählt wird, abends in den „Darmstädter Hof" zu Karlsruhe gestürmt kam und dem Wirt wütend zurief: „Herr Cerf, nennen Sie sich Hirsch, dann werden Sie Minister." In unverfälschtem Karlsruher Dialekt wurde ihm aber aus der Tafelrunde zugerufen: „Deß hasch jetz dervon mit Deine Judde. Da hasch ja kam Ruh ge'habbt, bis d' emanzibiert gchabbt hasch!" Tatsache ist, daß den edlen Landesfürsten in seinem Entschlüsse nichts beirren konnte, daß Ellstätter, wie man hörte, sich sehr bald die Wertschätzung der Beamten seines Ministeriums erworben hatte. So lange ich im Seminar war, hatte ich keine Gelegenheit, den Minister Ellstätter zu sehen, so sehr ich mich auch darum bemüht hatte. Da stand eines Tages in der zweiten Kammer der Landstände ein interessanter Gegenstand auf der Tagesordnung und dieser, sowie der Umstand, daß ich noch nie einer Kammerverhandlung angewohnt hatte, führten mich aus einem Karlsruhe benachbarten Dorfe, wo ich als Lehrer angestellt war, nach dieser Stadt. Aus der Galerie hatte ich lange vor dem Beginn der Verhandlungen Platz genommen. Die Abgeordneten unterhalten sich sehr lebhaft miteinander. Da tritt ein Mann ein, den alle freundlich begrüßten. Ich frage einen neben mir Sitzenden: „Mer ist der Herr, dem man von allen Seiten so freundlich entgegenkommt?" „Das ist Minister Ellstätter." lksnitz und Kempen. Indiskretionen und Wünsche aus der Werkstätte der . Jewish Encyclopedia. Von Professor Dr. G. Deutsch-Cincinnati. II. u den erwähnten Schwierigkeiten kommen noch andere, viel ernstere, infolge des Mangels von Vorarbeiten, wie ich oft genug bei der Sammlung des Materials für einzelne der von mir selbst verfaßten Artikel, wie z. B. Hausierer (hawkers), Klaus, Landrabbiner, Leibzoll, Pfandverleiher (pleäges) u. a. m. gefunden habe. Das Material ist in unzähligen Aufsätzen und Einzelschriften zerstreut. Moise Schwabs Repertoire, obwohl verdienstlich, ist noch lange nicht ausreichend, ganz abgesehen von der Ungeschicklichkeit, die Artikel nach Autoren zu ordnen und die Schlagwörter in den Index zu verweisen, statt umgekehrt. Zunächst schließt die'Sammlung nur Aussätze in Zeitschriften ein und berücksichtigt selbständig erschienene Schriften nicht; ferner werden nur die Titel und nicht der Inhalt der Aufsätze berücksichtigt. Will jemand zum Beispiel über die Entwicklung der „Klaus" arbeiten, so wird er aus Schwabs Repertoire nicht nur nicht erfahren, daß er in Löwensteins Geschichte der Juden in der Kurpfalz wertvolles Material finden, kann, sondern wird auch nicht darüber belehrt, daß Kaufmanns Aufsatz über Berend Cohn im 40. Bande der Monatsschrift darauf bezügliche Informationen enthält. Das soll kein Tadel für Schwab sein. Seine Leistung bleibt immerhin eine wertvolle und ist als Arbeit eines einzelnen Mannes höchst respektabel. Die im Interesse der jüdischen Wissenschaft nötige Arbeit kann jedoch nur durch systematisches Zusammenwirken geschehen. Nehmen wir einen konkreten Fall an. Am 16. März 318- 1905 ist in Palm Beach, Florida, der Großindustrielle und Philanthrop Meyer Guggenheim gestorben. Es wäre nun nötig, bei etwaigen historisch-statistischen Arbeiten, die wichtigen Daten über die Teilnahme der Juden an der Großindustrie — was im apologetischen Interesse gegenüber der Anklage von dem jüdischen Schacher wichtig ist — oder die Statistik ihrer philanthropischen Tätigkeit zu.sammeln. Gleichzeitig mag es auch wichtig sein, für die jüdische Lokalgeschichte von Endingen, dem Geburtsorte Guggenheims, der Schweiz, seinem Vaterlande, Philadelphia, seinem früheren, und Newyork, seinem letzten Wohnorte, die Tatsache der Beziehungen Guggenheims zu diesen Orten zu wissen. Für meine eigenen Zwecke trage ich einen solchen Namen mit den nötigsten Daten ein, etwa: „Meyer Guggenheim, geboren in Endingen, 21. März 1828, gestorben 16. März 1905 in Palm Beach, Florida, Industrieller und Philanthrop, Biographie und Bild, Hebrew Standard, Newyork, 24. März, 1905." Ein solches Arrangement von Karten hat den Vorteil, daß sich die alphabetische Anordnung ohne Kritzeleien aufrecht erhalten und im Falle eines Irrtums jederzeit ohne Mühe korrigieren läßt. Karten mit den Aufschriften : „Industrie, Wohltäter, Lengnau, Philadelphia, Newyork" enthalten Verweisungen auf „Guggenheim Meyer", während die Karten mit den Aufschriften „Amerika" und „Schweiz" die Namen aller Städte, Kantone, Länder, eventuell auch hervorragender Persönlichkeiten enthalten, die zu der Geschichte dieser Länder gehören. Dasselbe geschähe bei der Meldung von dem Tode Ferdinand Jacobsons. Eine Karte „Jacobson Ferdinand" würde die nötigen biographischen Notizen enthalten, die Karte „Jacobson Israel" würde die Verweisung auf Jacobfon Ferdinand enthalten, „Jacobson-Schule" verweist neben Daten, die die Schule als solche angehen, auf „Jacobson Israel", „Braunschweig, Herzogtum" auf „Jakobson - Schule" und „Deutschland" auf „Braunfchweig". Die Wichtigkeit einer solchen handlichen Anordnung historischen Materials liegt gerade bei diesem Beispiel auf der Hand. Professor Berliner hat in seiner gegen die Orgel gerichteten Broschüre die Tatsache, daß ein Sohn Israel Jacobsons Prediger einer christlichfreireligiösen Gemeinde wurde, in eine solche Beleuchtung gerückt, daß der Leser den Eindruck erhalten muß, die Einführung der Orgel in Seesen habe die Apostasie der Nachkommen Jacobsons, von denen nur einer beispielsweise genannt sei, zur natürlichen Folge gehabt. Das Argument scheitert allerdings an der Tatsache, daß Nikolaus Donin, Paulus von Burgos, Pfefferkorn, Margaritha, Tremellius, Brenz, Karl Anton und so viele andere ihresgleichen von einer Orgel in der Synagoge nichts gewußt haben, und daß Söhne von Orgelgegnern, wie Michael Bernays, Heimann Tiktin und A. Sutro, endlich Orgelgegner selber wie Paulus Cafsel ohne die Sirenenstimmen dieses gefährlichen Instruments, den Weg zum-Taufbecken gefunden haben. Dazu gehört auch, daß in Wien, wo die Gemeindesynagoge bis jetzt die Orgel fern gehalten hat, alljährlich mehr als 600 Personen das Judentum verlassen, was zweifelsohne einen ganz beifpiellosen Abfall darstellt. Trotzdem wäre es im geschichtlichen Interesse wertvoll zu wissen, was aus Jacobsons Nachkommen geworden ist. Aus meinen eigenen Notizen weiß ich, daß Meyer, ein anderer Sohn Israel Jacobsons, etwa 1879 in London gestorben ist. Die Frau Finanzrätin, Israels zweite Gattin, ist etwa 1870 in Hannöver gestorben. Ich habe diese Notizen aus meiner sorgfältigen Lektüre der Allgemeinen Zeitung des Judentums gesammelt. Vielleicht bin ich der einzige, der sich eines solchen „Sijum" rühmen kann, wenn nicht etwa Professor Heidenheim in Sondershausen mir dieses Priv'legium streitig machen sollte; denn in dem ersten Jahrgange dieser Zeitung, 1837, las ich, daß Se.Hohei

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