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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-30 · Heft 26 (30.6.1905) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 26 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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69. Jahrgang. M. 26. Berlin, 30. Juni 1905. Wetlage zur „Allgemeinen Leitung deH Judentum?" Lorrelpondrn?en und Kschrichten. Deutschland. 8. Berlin, 25. Juni. In einstündiger Sitzung erledigte die heutige Repräsentantenversammlung ihre 16 Punkte umfassende Tagesordnung. Zum geschäftlichen Teil gab der Vorsitzende Herr Louis Sachs bekannt, daß Herr Oliven seine Aemter in deu Altersversorgungsanstalt wie im Hospital niedergelegt hat und an dessen Stelle seitens des Gemeindevorstandes Herr Leopold Badt. abgeordnet' worden ist. — Ein Legat des Kaufmanns Moses Tugendreich im Betrage von 1000 Mark zum Zwecke der Grabespflege wurde debattelos angenommen. — Der „Verband der deutschen Juden" hält seine erste Hauptversammlung am 30. Oktober d. I. ab, laut § 4 seiner Satzungen hat die Gemeinde Berlin 20 Vertreter hierzu zu entsenden; nach Bestimmung des Gemeindevorstandes sollen sich darunter acht Repräsentanten befinden. Der vorberatende Ausschuß hat die Herren Louis Sachs, Blumenthal, Julius Martin Friedländer, Manheimer, Geiger, Loewenthal, Blaschke und Hirsch vorgeschlagen. Herr Bodenstein hält es jedoch für geboten, die gleiche Zahl von Mitgliedern Leider Parteien zu wählen und schlägt noch als Vertreter die Herren Weigert, Baginskh, Senator und Cohn vor. Mithin ist eine Zettelwahl erforderlich, aus der im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit die Herren Hirsch, Sachs, Friedländer, Manheimer, Blumenthal, Geiger und Blaschke hervorgehen. Für den achten Vertreter ist eine Stichwahl unter den Herren Loewenthal, Baginskh und Cohn, welche acht Stimmen erhalten haben, notwendig; für Herrn Professor Baginskh werden in diesem Wahlgang 11 Stimmen abgegeben, dieser ist somit ebenfalls zum Vertreter gewählt. — Ein neuerdings mit den Erben aus der Louis Aaronffchen Nachlaßmasse getroffenes Abkommen wird von der Versammlung gutgeheißen. Hinsichtlich der Realisierung des Testaments hatten sich einige Schwierigkeiten ergeben, doch werden die sechs im Testament namentlich aufgesührten Erben jetzt voll befriedigt werden. Die jüdische Gemeinde, der ein Betrag von 150 000 Mark zugesprochen worden ist, wird die noch aus dem Nachlaß liquid zu stellenden Außenstände für sich einziehen. — In der Rentier Seelig Jacob'schen Nachlaßsache, zu deren Regelung ein komplizierter, Rechtsstreit notwendig gewesen ist, der allerdings durch einen Vergleich der Erben alsdann zum Abschluß gelangt ist, erklärt sich die Versammlung damit einverstanden, daß den Erben zur Auszahlung eines Legates der Betrag von 6000 Mark vorgestreckt wird. — Die Mietung der Sale der Neuen Philharmonie (Köpenickerstraße) zum Zwecke gottesdienstlicher Veranstaltungen wird, genehmigt. Die Säle sind hierzu vorzüglich geeignet. Im Hauptsaal können 1700 Personen und im kleineren Saal, der für einen Iugendgottesdienst bestimmt ist, etwa 490 Personen untergebracht werden. Der Mietvertrag läuft bis zum Jahre 1908 einschließlich, für die Jahre 1909—1911 ist der Gemeinde das Vermietungsrecht eingeräumt. Dem bisherigen Mieter des Lokals, das bereits seit Jahren sestgottesdienstlichen Zwecken dient, ist eine Entschädigungssumme von 1500 Mark zugesprochen worden. — Für die Aenderung der Beleuchtungsanlage in der Wochentagssynagöge Oranienburgerstraße werden 50 Mark bewilligt. Herr Benas Levy erhebt hierbei die gleiche Klage'über mangelhafte Beleuchtung in der Hauptsynagoge, namentlich in den Abteilungen A, B und G, und bittet dringend um Abhilfe. Herr Bodenstein beklagt den gleichen Uebelstand in der Synagoge Lindenstraße. Vom Kommissar Herrn Netter wird eine gründliche Prüfung der Beschwerde zugesagt. — Den bereits :m Ausschuß gestellten Antrag' des Maurermeisters Fraenkel, ein Bautenalbum mit Monographien sämtlicher Gemeindegrundstücke anzulegen, hat der Gemeindevorstand in der Ueberzeugung abgelehnt, daß der Wert und Nutzen eines derartigen Albums nicht den sehr beträchtlichen Kosten entsprechen würde. Herr Professor Geiger bedauert diese Ablehnung; er hält die Fixierung der wichtigen Gemeindegrundstücke in Wort und Bild im Interesse der Bibliothek und des demnächst anzulegenden Archivs der deutschen Juden dringend geboten. — Auf Grund der hochherzigen Schenkungen von Frau Erna Pa.kscher im Betrage von 120 000 Mark und von Frau Mathilde Priester in Höhe von 26500 Mark ist nunmehr der Anbau zweier Flügel an die III..A l t er s v er s o r g un g s an st a lt beschlossen worden. Die Baupläne sind geprüft worden und zur Ausführung derselben die Verausgabung von je 118000 Mark aus den beiden Schenkungen genehmigt worden. Für den Priester'schen Anbau muß allerdings erst Moch das Eintreffen der landesherrlichen Genehmigung abgewartet Werden. — In der Religionsfchule z u Pankow sind -gemäß dem letzthin gefaßten Beschlüsse der Repräsentanten die Knaben-, und Mädchenabteilung gesondert eingerichtet worden. Die Unterrichtszeit für jede Abteilung soll nunmehr auf wöchentlich zwei Vollstunden ausgedehnt werden. Der hierfür erforderliche Mehrbetrag von jährlich 200 Mark wird zur Verfügung gestellt. — An den Religionsverein Ahawat Torah wird die bisherige Subvention von jährlich 1000 Mark bewilligt, die Subvention an den Religionsverein Rixdorf wird dagegen von 2200 Mark auf 3400 Mark erhöht und dem Verein ein einmaliger Zuschuß von 300 Mark für Neuanschaffungen gewährt. — Die jüdische Reformgemeinde hat zur Vornahme einiger baulicher Veränderungen um die Bewilligung eines Extrazuschusses in Höhe von 15 000 Mark nachgesucht. Der Referent. Herr Bodenstein, wünscht die Besprechung dieser Angelegenheit in der geheimen Sitzung. Die Versammlung beschließt demgemäß. — Dem Verein „Jüdische Lesehalle ' und Bibliothek" wird neben der ihm für die Dauer der laufenden Etatsperiode bewilligten Jahressubvention von 300 Mark eine Extrasubvention von 200 Mark zugesprochen. Herr Benas Lewy hebt die erfreuliche Entwicklung des Vereins hervor und bittet in Anbetracht der gesteigerten Spesen die Jahressubvention in der Folgezeit aus 500 Mark zu erhöhen.^ In den Hospitalvorstand wurde einstimmig wiederum Herr Moritz Manheimer 'gewählt, der die jüngst auf ihn gefallene Wahl abgelehnt hatte. Herr Manheimer hat nunmehr erfreulicherweise erklärt, das Mandat wieder annehmen zu wollen. — Die Anstellung der Herren CHaim Witt und Hermann Selbiger als Lehrer im II. Waisenhause zu Pankow, welche bereits probeweise in der Anstalt tätig waren, wird zunächst für die Zeit bis zum 1. April beschlossen. — Damit schloß die öffentliche Sitzung. In der geheimen Sitzung wurde zum Schularzt der Gemeinde Dr. Th. Zlocisti gewählt. Der Extrazuschuß an die Reformgemeinde wurde natürlich bewilligt. §. Berlin, 27. Juni. Wie uns mitgeteilt wird, hat Herr Professor. Dr. M. Philipp so n nun auch seine Stellung als Mitglied des Geschüftsführenden Ausschusses des Verbandes Deutscher Juden niedergelegt. Es ist dies im Interesse der Sache tief bedauerlich! L2 Berlin, 25. Juni. Der „Verein jüdischer Studenten" zu Berlin (im B. I. C.), der unter günstigen Auspizien und erfolgreicher Keilarbeit in sein 21. Semester getreten ist, begeht in der ersten Juliwoche dieses Jahres sein zehnjähriges Stiftungsfest. Am 4. Juli. 1895 begründet, ist er die. erste studentische Korporation gewesen, die den Gedanken der auf geschichtlicher Grundlage beruhenden Entwicklung des.Judentums im Sinne eines gesunden Weiterlebens .in die. jüdische Studentenschaft hineingebracht hat. Dieser Gedanke iststark, genug gewesen, um aus den ersten kleinen Anfängen des Berliner Vereins eine große Organisation, den Bund jüdischer Korporationen, zu schaffen, der außer in Berlin noch in Breslau, München, Charlottenburg, Straßburg, Freiburg und Königsberg vertreten ist. Der V. I. St. hält es für seine vornehmste Aufgabe, das jüdische Selbstbewußtsein und Zusammengehörigkeitsgefühl bei seinen Mitgliedern zu wecken und zu vertiefen, und er ist bestrebt, sie mit dem geistigen Rüstzeug auszustatten, das sie befähigt, zu allen Fragen, die das moderne Judentum bewegen, Stellung zu nehmen.

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