Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1905)
- Date
- 1905-06-30
- Page
- Seite 312 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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„Höret, was ich Euch weiter zu berichten habe. Gar böse geht es zu im Palaste zu Belendscher. Unsere gute Chakun liegt im Sterben. Der König hat ihr den Scheidebrief geschrieben, weil sie, treulos halten wollte zu den Feinden, den Wjatitschen, ihrem Stamme. Wer unsere Königin kennt, weiß, das ist unmöglich. Doch auch unser König lügt nicht/ Wir wissen nicht mehr, was zu beginnen. Er hört nicht auf seine alten Freunde, noch auf ihren Rat. Alle Ratschläge kommenvon Byzanz, mit dem er ein, Bündnis eingegangen. Byzantinische Krieger stehen in unfern Reihen und dabei berichten mir Kundschafter, daß Gesandte aus Byzanz aufwiegeln die Tributvölker gegen ihren Herrn, unfern König. Wir haben es gar nicht gewagt, dem Chakan zu erzählen; er würde es doch nicht glauben und jene nur vorsichtiger werden. Habe ich selbst es doch kaum glauben wollen! Und nun erst er, den die Schönheit des teuflischen Weibes zu Byzanz behext zu haben scheint. Steht er doch stundenlang vor ihrem Bildnis!" „Irenes Werk!" rief Leo. „Und es scheint bereits Früchte zu tragen! Die Königin im Sterben, sagst Du? '§ ist Mord, sag ich Dir, Irenes Werk!" Er sprang empor, die andern folgten ihm. „Die Zeit ist kostbar. Soll die Königin noch gerettet werden, müssen wir eilen! Auf nach Belendscher, der Königin zur Hilfe und dem Chan zur Rettung!" Und zwei Tage und eine Nacht später trafen sie alle in Belendscher ein. Ihr Plan war gefaßt. Im Schlafgemach des Palastes trafen sie den Arzt und die Sklavin. Der Arzt reichte der Königin, die mit dem Tode zu ringen schien, soeben einen Trank. Mit schneller Handbewegung schlug Leo dem Manne das Gefäß aus der Hand. „Sieh da, der Eunuche Steurakius! Das Hab ich kaum erwartet! Hat Euch die edle Irene so lange von den Geschäften des Staates dispensiert, bis Ihr diesen Mord vollbracht? Nun ja, die Mahl war gut, 's ist wohl nicht Euer erster!" Entsetzt "wich der Eunuche zurück. „Leo!" murmelte er. „Leo, jawohl! — und hier Moreas! — Und die da kenn' ich auch. Sklavin, ha, ha! Thea, — dem Konstantin als Buhlin beigegeben, damit sie ihn verderbe! Nette Sklavin!" Die Königin lag in tiefster Ohnmacht. Vorläufig achtete niemand aus sie. - „Nun hört auf mich, Ihr edlen Byzantiner!" rief jetzt Jbn Muffta. „Ihr seht, . Ihr seid erkannt. Wenn morgen der König alles dies erfährt, fällt Euer Haupt! Nein, zittert nicht, wir schenken Euch das Leben. Jedoch verlaßt Ihr Belendscher noch diese Nacht. Und mit Euch die ganze Gesandtschaft! In aller Stille! — Halt, — wer ist der Anführer Eurer Krieger?" „Ich weiß es nicht." „Auch recht. So bleibst Du hier als Geisel, bis Du's weißt!-- Nun?!" . „Nun denn, — ich!" sagte Steurakius nach einer Pause. „Siehst Du! Also, Du erläßt sofort geheimen Befehl zum Abmarsch aller Deiner Krieger. Ihre Waffen bleiben hier. Dann verläßt Du, die Gesandtschaft und Eure Krieger noch heute Nacht Belendscher. Meine Krieger werden Euch eine Strecke das Geleit geben, damit Ihr auch wirklich geht. Und wehe Euch, spielt Ihr uns falsch. Dein Kopf fliegt ab zuerst, -Steurakius. Und nun komm mit uns!" „Die Königin stirbt," rief Leo erschreckt. „Gott helfe ihr! Wir müssen fort! Doch führe Rachel zu ihr. Nun aber kommt!" Zwei Stunden fpäter verließ ein eigentümlicher Zug die -Hauptstadt des Chazarenlandes und wandte seine Schritte der Steppe, zu. Dreihundert Mann zu Roß, ohne Waffen, begleitet von hundert chazarischen bewaffneten Kriegern; so verließen die byzantinischen Gesandten und Krieger, die teilgenommen ' hatten am Kampf, gegen die Wjatitschen, Belendscher. Kein Wort wurde gesprochen, denn auf die Brust des Steurakius gerichtet Hielt Jbn Muffta einen Dolch, Steurakius war für alle verantwortlich, allewußten es und keiner wagte zu sprechen. Und lautlos kehrten auch die chazarischen Krieger zurück in die Stadt. Mit ihnen die drei Freunde. Sie eilten zur Königin und fanden Rachel dort Die Königin schlief. Leo holte Wein herbei, den er noch übrig hatte von der Reise. „Den flöß' ihr ein," sagte er. „Vom Haus hier gib ihr nichts. Auch Du genieße nichts, denn es ist alles vergiftet." Er küßte Rachel, und die Männer verließen das Gemach. „Was sagen wir dem König, wenn der Morgen anbricht?" fragte draußen Leo besorgt. „Schlimmsten Falles die Wahrheit," erwiderte Jbn Muffta. „Aber womöglich nicht. Denn Reue und Scham werden an seinem Herzen nagen gar fürchterlich. Und ich liebe meinen Herrn, den Schmerz möchte ich ihm ersparen. Doch vorerst: Kennt Ihr keinen Heilkundigen, den man der Königin senden könnte?" „Laßt nur Rachel," sagte Leo. „Sie kennt gar viele Kräuter gegen schleichend Gift. Denn die Königin, ist vergiftet. „So wollen wir uns der nötigen Ruhe hingeben aus einige Stunden," sagte Jbn Muffta, „um morgen frisch dem Chan entgegentreten zu können." (Fortsetzung folgt.) Sprechfaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! estatten Sie mir eine kleine Berichtigung Ihres Aufsatzes über I. H. Weiß in Nr. 23. In demselben heißt es: „widmete sich der Knabe schon in jungen Jahren dem Talmudstudium auf den damals weltberühmten Jeschibot in Nikolsburg und Boskowitz." Ich habe sechs Jahre im Hause Weiß' gewohnt, also längere Zeit persönlich mit ihm verkehrt, aber nie von ihm gehört und auch in seinen „Erinnerungen" (Warschau 1895) nicht gesunden, daß er auf der Jeschiba zu Boskowitz gewesen wäre. I. H. Weiß lernte, wie er selbst schreibt, zuerst bei Joses Feilbogen in Groß-Meseritsch. dann zwei Jahre (1829 bis 1830) bei meinem sel. Vater Joachim (Chaim Josef) Pollak hier, dem er in den „Erinnerungen" von Seite 19 bis 27 eine ausführliche vortreffliche Biographie widmet, hierauf bei Jsak Moses Perles in Eisenstadt ebenfalls zwei Jahre und zuletzt bei Nachum Trebitsch, Landrabbiner in Nikolsburg, auch ungefähr zwei Jahre. Trebitsch, 13. Juni 1905. Mit aller Hochachtung Dr. S. Pollak, Rabbiner. & An die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", nter Bezugnahme auf § 11 des Reichsgesetzes über die Presse vom 9. Mai 1874 ersuchen wir Sie um Ausnahme folgender Berichtigung: „In dem Sprechsaal der „Allgemeinen Zeitung des Judentums ' vom 6. Mai 1904 ist unter denjenigen Firmen, die jüdische Chemiker grundsätzlich nicht anstellen, auch unsere Firma aufgeführt worden. Demgegenüber konstatieren wir hiermit, daß bei Besetzung unserer sämtlichen Beamtenstellungen, auch der der'Chemiker, religiöse oder konfessionelle Rücksichten keine Rolle spielen. Hannover, 24. Juni 1905. Hochachtungsvoll Gebr. Jänecke L Fr. Schneemann, Farbenfabriken." Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.