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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-30 · Heft 26 (30.6.1905) · p. Seite 310

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 26 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
Seite 310 (sequence 10)
Language
German
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kleineren kritischen Ausführungen hebt sich die -über die Phrase „mit dem Judenspieß rennen" (S. 92 ff.) hervor. Ich billige die von dem Verfasser vertretene Ansicht, daß es sich um einen dem Turnierwesen entlehnten Ausdruck handelt. Die Arbeit ist fleißig und beleuchtet einen für die jüdische Literatur wichtigen Gegenstand. Leider herrschen in der Schreibung der Namen viele Nachlässigkeiten. So wird Gustav Freytag fälschlich mit „t"', der Historiker Janffen unrichtig „Jannsen", der Herausgeber mittelalterlicher Quellen Mone „More" genannt und Franz Pfeiffer eines „f" beraubt. Der Romanschriftsteller des XVI. Jahrhunderts, Wickram, heißt nicht Jörck, sondern „Jörg". — Nicht so günstig wie über die erste, kann ich über die zweite Schrift desselben Verfassers urteilen. Vielleicht bin ich auch befangen, da ich über denselben Gegenstand in mehreren großen Artikeln der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" gehandelt habe.') Dem Verfasser ist diese Arbeit unbekannt geblieben; hätte er sie gekannt, so hätte er sich die seinige vielleicht sparen können. Denn neues findet sich bei ihm wirklich nicht. Was er über die Räuber (Spiegelberg und Bibel), über Schillers jüdischen Verleger, über die Schauspieler jüdischen Ursprungs, die mit Schiller verkehrten, besonders Herzfeld, was er über die Stellung zu Mendelssohn und Maimon, über die Urteile der drei Frauen, Henriette Herz, Rahel Levin, Dorothea Schlegel sagt, steht alles schon in meiner Schrift beisammen, und was hier sehr breit über Schillers Verhältnis zur Bibel vorgetragen wird, war in anderen Schriften mindestens ebensogut gesagt. Neu ist höchstens die Behandlung der Nathanbearbeitung Lessings durch Schiller (S. 53 ff.), aber gehört dies auch wirklich hierher? Es würde doch nur dann an dieser Stelle zu erörtern sein, wenn Schiller an die Figur des Nathan getastet, die Stellung der übrigen Personen zu jener Hauptfigur verändert hätte, aber Franks) sagt selbst ausdrücklich: „Die Hauptfigur, Nathan selbst, ist nicht verändert." Ich will den Fleiß des Verfassers durchaus nicht in Abrede stellen, aber es muß doch konstatiert werden, daß er in der Schillerliteratur nicht übermäßig fest ist. Die Gesamtausgabe der Briefe Schillers müßte schließlich jeder kennen, der über Schiller, besonders seine persönlichen Beziehungen schreibt. Um nur zwei Einzelheiten hervorzuheben: über Schillers jüdischen Verleger Michaelis ist neuerdings viel gefunden worden, das Frankl gänzlich entgangen ist. Ueber den Besuch des Schillerffchen Paares bei Henriette Herz war die wirkliche Quelle, ein Brief der Charlotte von Schiller, anzuführen und nicht auf Sekundärquellen zu verweisen. Zur Anmerkung Seite 65 bemerke ich, daß ich über „Jena, die Judenstadt" einen besonderen kleinen Artikel in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vor einigen Jahren veröffentlicht habe. Es ist lebhaft zu bedauern, daß der Verfasser, ein durchaus gewissenhafter und redlicher Arbeiter, einen Stoff zur Bearbeitung wählte, aus dem er nichts holen konnte, was nicht schon vor ihm ebensogut gesagt worden war. ') Schiller und die Juden. Allgemeine-Zeitung des Judentums 1903, Nr. 48—52. 2) Schiller in seinen Beziehungen zu' den Juden und zum Judentum von Oscar Frankl, Mährisch-Ostrau 1905, R. Papauschek. Sit gtfunütnt tzsndlchritt. Eine wahre Geschichte von Oskar T. Schweriner. XIII. der kleinen Holzhütte eines, armen Ackerbebauers lag auf einem Lager ausgestreckt ein junges Weib. Blaß war ihr Antlitz und geschlossen ihre Augen, wie nach langer Krankheit. Ihr zur Seiten standen drei Menschen; zwei Männer und eine alte Frau. „Gelobt sei Allah, sie ist genesen," sagte die letztere. „Die Kräuter haben doch gut getan." „Ja, Mütterchen," erwiderte einer der Männer, „und es soll Dir nicht vergessen sein. Reich will ich Dich machen." „Allah il Allah!" erwiderte die Alte, zupfte den Schleier zurecht, den sie vor dem Gesicht trug und verließ das Gemach. „Lieber Moreas," wandte sich der eine Mann an den andern, ihn bei den Händen fassend, „noch nicht ein Wort des Dankes ist über meine Lippen gekommen, denn zu groß war meine Besorgnis um Rachel. Doch jetzt, wo das Fieber gebrochen, wo mein Lieb genesen, jetzt laß mich Dir danken von Herzen. O, Moreas, Moreas, wie soll ich es Dir lohnen!" „Mit Deiner alten Freundschaft, Leo!" Einen Moment sahen sich die Freude stumm an, dann schlangen sie plötzlich die Arme umeinander, während Tränen der Freude aus ihren Augen quollen. Die Kranke regte sich, die Freunde eilten an ihre Seite. „Neschuschta! — Die Löwen! — Das Untier, — zu Hilfe, Moreas!" rief sie. Leo legte seine Hand auf ihre heiße Stirn. „Ruhig, Lieb, — ruhig, meine Rachel," bat er mit bebender Stimme. „Schau, ich bin doch bei Dir." Da schlug Rachel Benoni die Augen auf. „Wo bin ich? — Ah, Leo! Es ist mein Leo!" Und ohnmächtig sank sie auf ihr Lager zurück. Um Abend desselben Tages saß sie bereits aufrecht auf ihrem Lager und lauschte der Stimme ihres Freundes Moreas, der ihr berichtete, wie sie in dieses Haus gekommen. „Wie Du weißt," erzählte er, „flohen wir aus dem Gewölbe des Palastes nach meinem Hause, wo wir uns versteckt hielten. In der Nacht bestiegen wir drei Pferde und verließen mit einem getreuen Sklaven auf geheimen Wegen Byzanz. Schon damals machten sich Anzeichen Deiner Krankheit bemerkbar: Deine Stirn ward heiß wie im Fieber und gar bald redetest Du irre. Dann schwanden Dir ganz die Sinne. Da band ich Dich fest auf Dein Pferd mit dem Zaumzeug meines Rosses und wir eilten vorwärts, denn Eile tat arg not, wußte ich doch, daß wir verfolgt würden. Die Nacht hindurch jagten wir so, beim Morgengrauen aber trafen wir auf ein Rudel Wölfe. Nur durch Gottes Wunder entkamen wir, denn in dem Rennen auf Tod und Leben, das nun folgte, überholten wic einen Mann und ein Weib, die zu Fuß dahinschritten. Die Raubtiere ließen von uns ab und warfen sich auf die beiden. Gott habe ihre Seelen gnädig! Du wärst noch immer von Sinnen. Gegen Mittag trafen wir auf dieses Haus. Meine volle Börse und Versprechungen verschafften uns Einlaß und Verpflegung. Die Frau des Ackerbauers kannte die Kunst, die Heilmittel aus allerlei Kräutern zu bereiten; mit Gottes und

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