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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-30 · Heft 26 (30.6.1905) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 26 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
Seite 304 (sequence 4)
Language
German
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^NHMNMKWHWWWWMNGAMMBVMAMMWAWW^MMM^MWMWM^MWWWMW - ..- 304 —— verordneten leiten zu lassen, oder aber klein beizugeben und der jüdischen städtischen Bevölkerung die gleichen Rechte mit der christlichen zu gewähren. » Rußland steht nach der Ansicht aller, die einen Einblick in die Verhältnisse haben, am Vorabend einer Revolution. Die mit Blindheit geschlagene Bureaukratie aber veröffentlicht solgendes offiziöse Communique über eine Neubearbeitung der Judengesetze: Petersburg, 23. Juni. Am 21. Juni erfolgte die kaiserliche Bestätigung des von dem Ministerkomitee erstatteten Gutachtens betreffend die Revision der Judengesetze. Das Ministerkomitee hat der Meinung Ausdruck gegeben, vom Standpunkte der - Regierung aus bestände die richtige Lösung der Judensrage in rechtlicher Gleichstellung der Juden mit der übrigen Bevölkerung Rußlands. Jedoch erforderten die sozialen und die Rasseneigentümlichkeiten der Juden eine andere Lösung der Judenfrage, weil die rechtliche Gleichstellung der Juden die Interessen der übrigen Bevölkerung verletzen würde und unliebsame Ausbrüche des Volksunwillens Hervorrufen könnte. Das Komitee hat deshalb beschlossen, die Neubearbeitung der Judengesetze der ein zu berufend en Deputiertenversammlung zu überlassen, für die Vorarbeiten aber eine besondere außerbehördliche Konferenz einzusetzen, deren Mitglieder zum Teil vom Kaiser ernannt werden, zum anderen Teil aus Vertretern von Behörden bestehen sollen. Diese offiziöse Mitteilung ist so ziemlich das Empörendste und Nichtswürdigste, was selbst das russische Tschinowniktum in der letzten Zeit geleistet hat. Und das will viel sagen. Srirk aus MMngrn. Bad Kisfingen, 14. Juni, aum vier Jahre sind verflossen, seitdem durch den Badearzt Herrn Dr. Münz in Bad Kisfingen der glückliche Gedanke angeregt wurde, in mnferm durch seine heilkräftigen Quellen weltberühmten Bade eine israelitische Kinderheilstätte zu errichten, und heute ist dank seinen eifrigen Bemühungen und der Unterstützung edler Menschenfreunde unter denen Herr S. Bergmann-Fürth und Herr A. Schwarz-Nürnberg besonders hervorragen, der Gedanke zur Tat geworden. Die Anstalt wurde vorgestern in feierlicher Weise in Gegenwart der Behörden und zahlreich erschienener Gäste ihrer Bestimmung übergeben. Unter den Erschienenen erblickte man die Herren K. Regierungsrat Baron v. Bechtolsheim, r. Bürgermeister Hofrat Fuchs, M. N. Louis Vay, Major und Vezirkskommandeur Endres, Major und Bezirksoffizier Dietz, Adjutant Leutnant Zentgraf, Assessor Dr. Karl, Medizinalrat Dr. Vanselow, K. Vezirksarzt, Geh. Rat Dr. Oskar Diruf, Vertreter des ärztlichen Vezirksvereins der Kinderheilanstalt (e. V.), Hofrat Dr. Kaim und verschiedene andere. Der Akt der Eröffnung verlief in sehr würdiger und weihevoller Weise. Nachdem ein durch Herrn Lehrer Steinberger arrangiertes Doppelquartett den Psalm 8: „Wie lieblich sind Deine Wohnungen" in eindrucksvoller Weise gesungen, sprach in inniger effektvoller Betonung der 8jährige Alfred Münz folgenden von seinem Vater- Herrn Dr. Münz verfaßten Prolog: Wie klingt so hell das Dankeslied im Sängerchore, Da gastlich sich geöffnet dieses Hauses Tore, Und durch die Fenster flutet mild und warm hinein Des Himmels heller Strahl und sanfter Sonnenschein. Doch sagt! ist Menschenliebe und Erbarmen nicht Des Himmels schönster Strahl, der Sonne wärmstes Licht, Das Gott in jedes Menschen Brust so tief gesenkt, Daß er des Elends anderer li ebevoll gedenkt? Denn Milde und Erbarmen leuchtet in der Welt, Die dunkle Nacht des Leids mit lichtem Strahl erhellt. Wie leuchtet dieses Haus so klar, so hell und traut, Das Edelsinn und Menschenliebe hat erbaut! Der Jugend, die da krank und siech, ist es geweiht, Zu lindern ihres Daseins Jammer und ihr Leid. Die abgehärmt und bleich in dieses Haus hier einziehn, Zu neuer Kraft und frischem Leben bald erblühn. Drum nehmt im Namen jener Kinder Dank entgegen, Stets möge ruh'n auf diesem Hause Gottes Segen, Daß allzeit Freud' und Fried' in diesen Hallen walte Und nie der Menschenliebe warmer Strahl erkalte! ' Hierauf hielt Herr Wilhelm Ottensooser-Nürnberg eine formvollendete Festrede, in welcher er die hohe hygienische Bedeutung der Kinderheilstätten im allgemeinen, sowie die Geschichte und die Bedeutung der neugegründeten Anstalt in Bad Kisfingen in klarer und anschaulicher Weise darstellte. Bei der in heutiger Zeit sich leider vollziehenden Zentralisation des Großkapitals, der sich deshalb immer mehr verbreiternden Kluft zwischen Arm und Reich, sowie der sich immer mehr vervollkommnenden Technik und den damit in Verbindung stehenden erhöhten Anforderungen an Geist und Körper des Einzelnen sei es unbedingt vonnöten, daß dem Minderbemittelten Gelegenheit geboten werde, seine sowie auch hauptsächlich seiner Nachkommen Gesundheit zu fördern. Wohl sei man mit der Jnvaliditäts- und Altersversicherung auf sozialem Gebiete schon ein gut Stück vorwärts gekommen, aber noch lange nicht zum Ziel; auch könne man dem Staate schließlich nicht alles aufbürden, hier müssen vielmehr die Nächstenliebe und die praktische Religion einspringen. Einem wie großen Bedürfnis die Anstalt entsprungen sei, gehe schon daraus hervor, daß bereits 70 Anmeldungen und 60 Zusagen eingelaufen seien. In den Kinderheilstätten findet eine Reihe chronischer Erkrankungen die wirksamste Behandlung, sie wirken aber auch prophylaktisch gegen den Ausbruch der Volkskrankheit Tuberkulose. Auf die historische Entwicklung des Heilstättenwesens, das in Deutschland - in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ausblühte und bald einen ungeahnt hohen Aufschwung nahm, eingehend, feierte der Redner Herrn Dr. Münz als eigentlichen Vater der Anstalt, der vor einigen Jahren von einer benachbarten evangelischen Heilstätte derart eingenommen war, daß in ihm der Plan reiste, auch in Kisfingen eine solche Heilstätte zu gründen. Herr Dr. Münz fand hier bald Gleichgesinnte und nach vielen Mühen und Opfern gelang endlich das Werk, das ein solches weitgehendster Toleranz und edelster Nächstenliebe sein soll. Herr Ottensooser übergab nunmehr die Anstalt, die erste ihrer Art in Bayern, ihrer Bestimmung. Auch die neue Kinderheilstätte ist entsprechend den Heilindikationen Kissingens berufen, sich den anderen in Deutschland bereits bestehenden 60 Anstalten würdig an die Seite zu stellen. Herr Ottensooser hob die Verdienste, die sich die schon genannten und die auf den Votivtafeln verzeichneten Damen und Herren : S. Bergmann- Fürth, Adolf Schwarz-Nürnberg, Max von Goldschmidt- Frankfurt a. M., Frau Jennie H. Northmann-Würzburg durch die Stiftung je eines Freibetts im Betrage von 3000 Mark -erworben haben, hervor und dankte nicht nur diesen, sondern auch allen denjenigen, welche an dem Gelingen des Werkes mitgearbeitet. Auch den öffentlichen Behörden, die ihr Wohlwollen stets dem gemeinnützigen Werke gezeigt, zollte er Anerkennung und Dank. Ein tiefergreifendes, vom Doppelquartett gesungenes Gebet von Otto schloß die eigentliche Feier. An diese reihte sich unter Führung des Herrn Dr. Münz ein Rundgang durch die Anstalt und eine Besichtigung derselben. Nachher vereinigte ein Festmahl die Mitglieder des Kuratoriums und

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