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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-23 · Heft 25 (23.6.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 25 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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wm Klasse. An ihr unterrichten Herr Rabbiner Dr. Winter als Direktor, die Herren Auerbach, Dr. Stein, Wolfsohn/Leyi und Frau Wolfsohn. Nach den .Ergebnissen der letzten Volkszählung vom"1. Dezember 1900 befanden sich von 12 419 (9902) Juden in Sachsen: 3059 (2547) in Dresden, 6314 (4872) in Leipzig, 1137 (995) in Chemnitz, 114 (147) in Zittau, 208 (146) in Plauen, 116 (90) in Annaberg, 65 in Bautzen, 83 in Freiberg. Die eingeklammerten Ziffern sind die der Volkszählung vom 3. Dezember 1895. — Der Gemeinderat besteht aus den Herren ^) Vorstehern: 1. Adolf Salzburg, 2. Gustav Meyer, 3. Max Elb; B) Deputierten : 4. Carl Samuel Glückmann, 5. Julius Hirsch, 6. Oscar Lesser, 7. Max Levi, 8. Eduard Richard Mattersdorff, 9. Carl Meyer, 10. Dr. Pakscher, 11. Gustav Tuchler. — Das Gesetz, die israelitischen Religionsgemeinden betreffend, ist unter dem 10. Juni 1904 erlassen. Jngteichen hat das' Königliche Kultusministerium hierzu' eine Aussührungsverordnung unter dem 29. Juni 1904 erlassen. Danach ist die Vereinigung sämtlicher Israeliten des Landes zu Religionsgemeinden . verfügt, deren Bezirksabgrenzung durch das Kultusministerium erfolgt. Die Verpflichtung der Gemeindemitglieder zur Tragung der Gemeindelasten und die Berechtigung zur Einziehung der Gemeindesteuern und Gebühren auf behördlichem Wege durch Zwangsvollstreckung ist darin gesetzlich festgelegt. Die israelitischen Gemeinden sind als juristische Personen öffentlichen Rechtes, die durch ' ihren Vorstand vertreten werden, anerkannt. Die Errichtung eines Statutes für jede Gemeinde ist vorgeschrieben und die Genehmigung des Statutes dem Kultusministerium Vorbehalten. Zugleich regelt das Gesetz den Austritt aus den israelitischen Religionsgemeinden, sowie die religiöse Erziehung der Kinder aus gemischten Ehen. An. dem Bezirk unserer Gemeinde ist nichts geändert worden. Derselbe erstreckt sich nach wie vor über das ganze Gebiet der Kreishauptmannschaft Dresden. Diese Behörde ist als Aufsichtsbehörde bestimmt. Oberanfsichtsbehörde ist das Königliche Kultusministerium. Der Genehmigung der Oberaussichtsbehörde bedarf es zur Anstellung von Rabbinern und Lehrern, zur Errichtung von Synagogen und Begräbnisplätzen, zur Aufnahme von Anleihen, zum An- und Verkauf von Grundstücken und zu deren Belastung.- Die Aufsichtsbehörde hat alljährlich den Haushaltplan und die Steuererhebung zu genehmigen, auch Rabbiner und Lehrer zu verpflichten. Anzeige ist ihr zu erstatten über die Wahlen der Gemeindeorgane, über Anstellung der besoldeten Gemeindebeamten und alljährlich über Beginn, Ort und Zeit des Gottesdienstes und die Zusammensetzung des Vorstandes. Von Einrichtung des Religionsunterrichtes ist dem Schulvorstand und Bezirksschulinspektor Anzeige zu machen. Die Legitimation des Vorstandes erfolgt in Zukunft nicht mehr durch öffentliche Bekanntmachung, sondern durch behördliches Zeugnis. Behufs Uebereinstimmung unseres Statuts mit den neuen gesetzlichen Bestimmungen wurde dasselbe einer Umarbeitung unterzogen, und es ist in der neuen, von dem Gemeinderate genehmigten Fassung mit dem Datum 13. Oktober 1904 vollzogen, auch durch die Verordnung des Königlichen Kultusministeriums vom 28. Januar 1905 bestätigt worden. Die Sitze und Bezirke der israelitischen Religionsgemeinden Sachsens sind nunmehr laut Bekanntmachung des Kultusministeriums vom 7. März 1905 folgende: 1. Bautzen, Bezirk: Amtshauptmannschaften Bautzen und Kamenz; 2. Zittau, Bezirk: Amtshauptmannschaften Zittau und Löbau; 3. Dresden, Bezirk: Kreishauptmannschaft Dresden; 4. Leipzig, Bezirk: Kreishauptmannschaft Leipzig mit Ausnahme der Amtshauptmannschaft Rochlitz; 5. Chemnitz, Bezirk: Amtshauptmannschaften Chemnitz, Flöha. Glauchau und Rochlitz; 6. Annaberg. Bezirk: Amtshauptmannschaften Annaberg und Marienberg; 7. Zwickau, Bezirk: Amtshauptmannschasten Zwickau und Schwarzenberg; 8. Plauen, Bezirk: Amtshauptmannschaften Plauen, Oelsnitz und Auerbach. — Die Verwaltung der Marie Ascher-Stiftung hat beschlossen, aus Mitteln dieser Stiftung eine Gemeindebibliothek zu begründen, die bestimmt ist, als öffentliche Sammlung für' die Gemeindemitglieder zur Belehrung über das Judentum, als wissenschaftliche Amtsbibliothek für den Rabbiner und die Lehrer, als Sammelstelle für die Gemeindegeschichte — Archiv — und als jüdische Jugendbibliothek zu dienen.. Es ist hierüber eine Bibliotheksordnung unter dem 19. Januar 1905 ausgestellt und vom Gemeinderate mitbollzögen worden. Die Einnahmen der Gemeinde betrugen 209 732,51 Mark, die Ausgaben 203 740,89 Mark. Der Verwaltungsbericht ist geradezu musterhaft für mittlere wie für größere Gemeinden. o. Karlsruhe, 16. Juni. In der Halle des neuen israelitischen Friedhofes hatte sich heute vormittag um 11 Uhr eine zahlreiche Trauerversammlung eingefunden, um dem nach reich gesegnetem Leben hochbetagt dahingeschiedenen Staatsmann Dr. Moritz Ellstätter, dem man in seinem badischen Vaterlande dauernd ein dankbares Gedenken bewahren wird, die letzte Ehre zu erweisen. - Den anwesenden Angehörigen wurde von allen Seiten herzliches Beileid ausgesprochen. Der Größherzog war durch Oberschloßhauptmänn Kammerherrn von Offensandt-Berkholtz, die Großherzogin durch Oberstleutnant a. D. Schloßhauptmann von Stabel, Prinz Karl durch Rittmeister von Frisching vertreten. Außerdem waren anwesend sämtliche Staatsminister und Honoratioren der Verwaltung der Stadt und des öffentlichen Lebens, sowie Mitglieder des Landtages, des Bürgerausschusses und viele Vertreter, von Handel und Industrie. In der Halle hielt Stadtrabbiner. Dr. Appel die Trauerrede, in der er das schöne Bild des reich gesegneten Lebens des Verstorbenen in warm empfundenen Worten vorführte. Wir bedauern lebhaft, daß der karg zugemessene Raum dieses Blattes es uns nicht gestattet, diese würdige und ausgezeichnete Rede ganz abzudrucken, aber wenigstens einen Passus wollen wir doch den Lesern mitteilen, der für sie besonders interessant ist. Herr Dr. Appel sagte u. a.: „Danken wollen auch wir, die Glaubensgenossen des Dahingeschiedenen, der göttlichen Vorsehung dafür, daß wir ihn den unseren nennen durften. Denn wenn auch Moritz Ellstätter nicht direkt an dem kirchlichen Leben seiner Glaubensgemeinschaft teilgenommen hat, so hat er doch nie aufgehört, sich als Jude zu fühlen und sein Interesse für seine leidenden Glaubensbrüder an den Tag zu legen. ,Und wenn auch die Interessen seiner Glaubensgemeinschaft durch seinen Einfluß in hoher amtlicher Stellung niemals eine unmittelbare Förderung erhalten haben, so war doch schon der Umstand, daß ein Jude, der nie aufgehört hat, ein Jude zu sein, von unserem Landesfürsteir mit einem der höchsten Staatsämter betraut wurde, für uns von erhebender Wirkung. Hat er doch nicht bloß durch seine Leistungen, sondern auch durch seine Charaktereigenschaften und sein ganzes Auftreten so manche Vorurteile gebannt, unter denen seine Glaubensgenossen zu leiden hatten. Gott allein wollen wir danken. Denn dem Dahingeschiedenen Worte des Dankes zu weihen, wäre dem bescheidenen Sinne zuwider, den er im Leben an den Tag gelegt und der alles, was er tat, nur als Pflichterfüllung betrachtete." Die Rede machte auf die große Trauerversammlung einen tiefen Eindruck. -1- München, 16. Juni. Die Stelle eines Rates am Oberlandesgerichte ^'Bam berg wurde dem Oberlandesgerichtsrate am Landgerichte Bamberg, Julius Ulrich, verliehen. — Im Anschluß an diese Notiz sei auf verschiedene Anfragen betr. die sehr interessanten Mitteilungen unseres geschätzten Münchener Korrespondenten hier noch nachzutragen, daß Kommerzienrat Berolzheimer, welcher in Gemeinschaft mit seinen in Amerika lebenden Söhnen 300 000 Mk. für Errichtung eines Volks bildungsheims in Nürnberg bestimmt hat, neuerdings die Summe auf 320 000 Mk. erhöhte. Nach Wunsch des Stifters erhält das Gebäudes den Namen „Luitpoldhaus" . Die Stadtgemeinde überläßt unentgeltlich einen Bauplatz. Es wird jetzt unter bayerischen und in Bayern lebenden Architekten ein Preisausschreiben zur Einsendung von Konkurrenzarbeiten für Erbauung des Gebäudes erlassen. ' id. Augsburg, 14. Juni. Am 7. d. M. feierte hier Herr Justizrat Ludwig Bauer sein 25jähriges Jubiläum als erster Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde. Justizrat Bauer hat es während der langen Zeit verstanden, der israelitischen Gemeinde nach innen und außen den Frieden zu erhalten, den Vorsitz in Sitzungen in ^vollendeter Weise zu führen und auftretende Gegensätze durch seine Unparteilichkeit zu mildern oder zu beseitigen. Seiner Initiative verdanken viele Schöpfungen der Gemeinde ihre Entstehung. Mit Eifer und Begeisterung ist er allezeit für den Fortschritt im Judentum eingetreten. Auch der hiesige „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" erfreute sich seiner besonderen Fürsorge. Hoffentlich krönt Herr Justizrat Bauer noch fein Lebenswerk für die Gemeinde durch den dringend notwendigen Bau einer neuen Synagoge, die dem Ansehen und der Bedeutung unserer alten Gemeinde entspricht. -

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