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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-23 · Heft 25 (23.6.1905) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 25 (23.6.1905)
Date
1905-06-23
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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69. Jahrgang. No. 25. Berlin, 23. Juni 1905. Weilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums" Lorrelpondenffkn und Machnchtkn. Deutschland. 8. Berlin, 18. Juni. Der soeben erschienene ausführliche Bericht des Vereins „Jüdisches Genesungsheim Berlin" gibt ein hocherfreuliches Bild der stetigen Weiterentwicklung dieser Humanitären Institution und erweist mehr und mehr die Unentbehrlichkeit des Heims für die Wohlfahrt der weiblichen jüdischen Bevölkerung Berlins nicht nur als einer Rekonvaleszentenstation, sondern auch als eines segensreich wirkenden Faktors auf dem Gebiete der prophylaktischen Medizin, der vorbeugenden Fürsorge, jenem Zweige der Heilkunde, dem in Anbetracht des ruhelosen Hastens und Treibens in der Großstadt mit Recht in den letzten Jahren die Aerzteschaft größere Beachtung widmet. Im Jahre 1904 ist die Anstalt zrtm erstenmal bis zum Schlüsse des Dezembers hinein offen gehalten und bereits Mitte Februar wieder eröffnet worden. Die gesundheitlichen Ergebnisse des Winters standen den im Sommer erzielten Erfolgen durchaus nicht nach; der, wenn auch naturgemäß nur kurze Aufenthalt im Freien, die gute Pflege und Ruhe, das Verweilen in hygienisch einwandsfreien Räumen, die Sorglosigkeit des täglichen Lebens erwiesen sich von außerordentlich förderlichem Einfluß auf die Gesundheit der Pfleglinge. Bei Handarbeiten, Spiel und Musik werden die Abende verbracht. Mit besonderem Glanze wurde die Chanukah-Feier begangen, welcher auch der Vorstand des Genesungsheims beiwohnte. Die bewährte und umsichtige Oberin des Heims, Frau Herzfeld- Heynemann, welche sich gemeinsam mit den vom Verein jüdischer Krankenpflegerinnen gestellten Schwestern mit größter Sorgfalt den Pfleglingen widmet und in ihrem vollendeten Takt auf so manche derselben, denen es im Elternhause daran gefehlt hat, erzieherischen Einfluß ausübt, gibt in dem diesmaligen Bericht einen mit statistischen Zahlen belegten Ueberblick über, die Erholungsmittel und Erholungserfolge. Erst wenn die Mittel der physikalisch-diätetischen Heilmethode, Aufenthalt in guter Luft, regelmäßiges Leben, reichliche gute Kost, Ruhe, warme und kalte Duschen, nicht zu vollem Erfolge geführt haben und die Kräfte der Genesenden sich nicht heben wollen, kommen die medizinischen Hilfsmittel. Malzextrakt mit Eisen, Plasmon, heguminose Präparate, Sol- und Fichtennadelbäder, in Anwendung. Meist sind in der ersten Woche die Gewichtszunahmen der Pfleglinge besonders groß, und Zunahmen von. 7 Pfund in 7 Tagen zählen nicht zu den Seltenheiten. Am leichtesten erholen sich die an allgemeiner Schwäche Leidenden, danach die Blutarmen, doch auch bei Herzfehlern, Herzschwäche, bei Magenkranken wurden gute Erfolge erzielt; bei Rekonvaleszenten nach Operationen, bei schwer nervenkranken und schlaflosen Pfleglingen wurde ein überraschend gutes Ergebnis erreicht. Die Zahl der Verpflegungstage stellte sich im Berichtsjahre auf 14 860. Es wurden u. a. verbraucht 4206 Pfd. Fleisch, 62 Lungen, 20 Pökelzungen, 539 Pfd. Fische, 20 Gänse, 310 Fl. Rotwein. 200 Fl. Weißbier. 9368 Fl. Malzbier, 22544 Ltr. Milch, 125 Pfd. Kakao, 24 600 Stück Eier, 1156 Pfd. Butter, 680 Pfd. frisches und Dosen- Gemüse. Auch die Finanzen des Heims haben eine weitere Steigerung erfahren, doch ist man noch weit entfernt davon, aus den Einkünften des Kapitalvermögens die Erhaltung des Betriebes bestreiten zu können. Die Stiftungen haben eine Zunahme um 21 500 Mark erfahren, sie belaufen sich jetzt aus 47 550 Mark, der eiserne Fonds stellt sich auf 40 950 Mark, so daß der Gesamtbesitz — neben dem schuldenfreien Grundstück in Lehnitz — auf die Höhe von 88 500 Mark gebracht ust. Der Einnahme- und Ausgabeetat balanciert mit 54 806,24 Mark. Die durch die Winterpflege erwachsenen Mehrkosten von 2600 Mark sind durch die Mitstifterin des Heims, Frau Rosa Sachs, in hochherziger Weise gedeckt worden. Der Jahresbericht schließt mit d'er Bitte, die wir hiermit allen unseren vom Schicksal reichlicher bedachten Glaubensgenossen dringend ans Herz legen, durch weitere Förderung und den Gewinn neuer Gönner das Heim in den Stand zu setzen, sich auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit zu erhalten. — Zur heutigen Generalversammlung des Vereins, die, wie alljährlich, auch diesmal in dem herrlichen wald- und seeumkränzten Heim selbst stattfand, hatten sich wieder zahlreiche Mitglieder und Freunde des Vereins eingefunden, weit mehr, als sich sonst, wie der die Versammlung leitende Vorsitzende, Herr Martin Simon, konstatierte, zu derartigen Versammlungen einzustellen pflegen. Mit vollem Recht durfte er aber hinzufügen, daß die Freude an der gedeihlichen Fortentwicklung der Anstalt wohl auch als Motiv für die starke Teilnahme an der Versammlung zu gelten hat. Nachdem der Vorsitzende die form- und fristgerechte Einberufung der Sitzung festgestellt, gab er an der Hand des gedruckt vorliegenden Jahresberichts, dessen wesentlichste Angaben wir oben bereits erwähnt einen kurzen Geschäftsbericht. In den Sommermonaten,. Juni bis Ende August, der naturgemäßen Zeit der größten Frequenz, sind fast stets 60 Pfleglinge im Hause; eine Vermehrung der Zahl der Pfleglingeist, so länge das Haus keine Erweiterung erfährt, bedauerlicherweise nicht möglich. Auch im Frühling und Herbst ist noch die Frequenz eine mäßig starke. Für Neuanschaffungen an Inventar konnten dank den gesteigerten Einnahmen 1137 Mark verausgabt werden, auch die Verpflegung hat wesentliche Mehrkosten erfordert, eine erfreuliche Tatsache, aus der natürlich nur die Pfleglinge Nutzen ziehen; es konnten 15468 Mark verausgabt werden gegen 11120 Mark im Jahre 1902. Die Zuschüsse seitens der Armenkommission, des Krankenhauses und einiger anderer Institute sind ebenfalls verstärkt worden. Auf Grund des von Herrn Kommerzienrat Buch holz erstatteten Revisionsberichtes wurde alsdann dem Vorstande Entlastung erteilt. Die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes wurden sämtlich wiedergewählt. Herr Wassermann wurde an Stelle des verstorbenen Herrn Metzenberg neu gewählt; auch die bisherigen Revisoren wurden wiedergewählt. Dem Danke der Mitglieder für die Tätigkeit des Vorstandes nnd der Oberin gab Herr Justi^rat Dr. Kronfeld' Ausdruck. Herr Wassermann dankte für seine Wahl und sprach die Hoffnung aus, daß seine Kraft in nicht allzu großem Mißverhältnis zu seinem Willen stehen möge. Mit einem Begrüßungslied bei . Ankunft der Gäste und einem Abschiedslied bei Abfahrt derselben gaben die Pfleglinge ihrer Freude und ihrem Danke Ausdruck für die Wohltat, die ihnen in dieser prächtigen Stiftung geboten wird. — Der Zufall fügte es^ daß zu gleicher Zeit die Zöglinge des Mädchenhauses Pankow mit ihrem Direktor Herrn Grunwald und der Vorsteherin auf einem Ausflug sich in Lehnitz befanden. Bei heiterem Spiel belustigten sich die Mädchen bis zum Abend, erfrischt und neu gestärkt traten sie die Heimfahrt an, um am morgigen Tage wieder ihrer emsigen Werktagsbeschäftigung sich zuzuwenden. s. Berlin, 12. Juni. Der Israelitische Frauenverein der Oranienburger Vorstadt hat am 30. v. M. seine ordentliche Generalversammlung abgehalten. Der Rechnungsabschluß für das Verwaltungsjahr 1904/1905 erweist sich als ein günstiger. Die Einnahmen betrugen 1644,95 Mark,. die Ausgaben 699,16 Mark. Zur Feier des 25 jährigen Bestehens des Israelitischen Religionsvereins der Oranienburger Vorstadt überreichte der Verein als Ehrengabe eine wertvolle Schulchandecke für die Vereinssynagoge. Da die Kasse des Vereins durch die Kosten keine Einbuße erleiden und die Armen nicht geschädigt werden sollten, wurde eine Subskription veranstaltet, wodurch die Kosten für das Geschenk nahezu gedeckt sind. Der Verein zählt gegenwärtig 118 Mitglieder. Vorsteherin ist Frau Frieda Prenzlauer, Kassiererin Frau Jenny Freimann. 8. Berlin, 16. Juni. Am 14. d. M. ist hier der Musikdirektor LouiS Schlottmann nach langen und schweren Leiden, fast 80 Jahre alt, gestorben. Er war ein trefflicher Pianist und hatte als geborener Berliner Wilhelm Taubert und Siegfried Dehn zu Lehrern. Nach seinen Wanderjahren, die ihn auch nach Landon führten, wo er mit seinen Konzerten sehr viel Erfolg hatte, ließ er sich dauernd hier in seiner Vaterstadt als Lehrer nieder, wurde viel gesucht und geschätzt. Als Komponist schuf er Orchester- und Kammermusikwerke, Klavier-

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