Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- Seite 297 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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WWW 297 Lreslsurr „sserienkurlk für Milche Lehrer in NrlisiMSwjNenlchskten." Von H. Moops-Breslau. H^ie bereits berichtet wurde, beabsichtigt der Vorstand des Vereins israelitischer Lehrer in. Schlesien und Posen, einem dahinzielenden Anträge seiner letzten Generalversammlung Folge gebend, Ferienkurse in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer ins Leben zu rufen. Auf die allgemeine Bekanntgabe hin haben sich Teilnehmer aus der Stadt Breslau, aus andern Orten der Provinzen Schlesien und Posen wie aus anderen Bezirken angemeldet, so daß die angenommene Mindestzahl bei weitem überschritten ist. Zu ganz besonderem Danke sind wir Herrn Professor Dr. Badt, dem bewährten Vorsitzenden des Vereins, und Herrn Rabbiner Dr. Guttmann hier/verpflichtet, welche mit großem Eifer für das Zustandekommen des Kursus ftätig waren. Durch ihren Einfluß wußten sie maßgebende Instanzen für die Sache zu interessieren, wie den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, die hiesigen Gemeindebehörden/ den Ausschuß des Verbandes von Synagogengemeinden in Mittel- und Niederschlesien und in Posen, die in dankenswerter Weise materielle Beihilfen zur Verfügung stellten, welche es ermöglichen lassen, den Kursisten Zuschüsse zu dem Aufenthalt in Breslau zu gewähren. Auch einzelne leistungsfähige Gemeinden werden voraussichtlich ihren Beamten auf Antrag gern eine Subvention leisten. Nicht minder danken wir den Herren, welche in selbstloser Weise ihre Kräfte in den Dienst der Sache stellen und als Lehrkräfte Mitwirken wollen, so vor allem den Herren Dozenten am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar: Seminarrabbiner Professor Dr. Levy, Dr. Brann und Dr. Horovitz, ferner den Rabbinern Dr. Zuckermandel, Dr. Deutsch, Fabian und Oberkantor Cerini. Der Kursus ist auf etwa vier Wochen berechnet und soll am Montag, den 10. Juli seinen Anfang nehmen. Ein Stundenplan ist bereits aufgestellt. Seminarrabbiner Professor Dr. Levy wird lesen: Sonntag, Dienstag, Donnerstag, Freitag von 11—12 und eventuell Montag und Mittwoch von 12-4 Uhr Mischua (Berachoth, Aboth); Dozent Dr. Brann: Sonntag und Donnerstag von 10—11 praktische Kalenderkunde, Dienstag und Freitag von 9—10 Geschichte der Juden von der ältesten Zeit bis zu den Kreuzzügen, Mittwoch von 10—11 Uhr Methodik und Didaktik des jüdischen Religionsunterrichts (läßt es sich ermöglichen, so sollen daran Probelektionen angeschlossen werden); Dozent Dr. Horovitz: Montag und Donnerstag von 7—8 vormittags jüdische Religionsphilosophie mit besonderer Berücksichtigung von Maimonides. Dienstag von 7—8 und Donnerstag von 8—9 Uhr vormittags Midrasch, im Anschluß daran homiletische Uebungen; Rabbiner Dr. Zuckermandel: Fächer und Stunden werden später bestimmt; Rabbiner Dr. Deutsch: Oracb Ghajim und Chaj Odom, vormittags in etwa vier Stunden der Woche (Beginn im zweiten Teil der großen Ferien); Rabbiner Fabian: Hebräische Grammatik und Stilistik, zwei Stunden wöchentlich. Aenderungen bleiben Vorbehalten, die aber im allgemeinen eine große Umgestaltung des Planes nicht herbeiführen werden. — Außerdem hat sich Oberkantor Eerini gern bereit erklärt, diejenigen Kollegen, welche im Kantorat sich weiter sortbilden wollen, in vier und nach Bedürfnis in mehr Stunden wöchentlich zu unterrichten. Aus dem aufgestellten Stundenplan ist zu entnehmen, daß nach Möglichkeit gesorgt wurde, damit jeder wohl finde, was er zu seiner weiteren Fortbildung für nötig hält. Wünschenswert wäre es, wenn jeder die Hilfsmittel zum Unterricht, soweit er im Besitze solcher ist, mitbrächte. Hoffentlich erfährt die Einrichtung der Ferienkurse den Zuspruch, den sie verdienen, nicht allein bei den Kollegen in unserer Provinz Schlesien, sondern auch in weiteren Kreisen, denen es an Erweiterung und Vertiefung in religions - wissenschaftlichen Fächern gelegen ist; denn beschämend wäre es geradezu für das geistige Niveau unseres ganzen jüdischen Lehrerstandes, wenn trotz aller aufgewandten Mühe der maßgebendsten Kreise der Kursus aus Mangel an Teilnehmern sich nicht halten ließe. - Wir wünschen und erwarten bestimmt, daß nicht allein diejenigen, die ihre Teilnahme bereits angemeldet, sondern auch viele andere Kollegen noch an dem Kursus sich beteiligen werden. Nicht so bald würde ihnen eine so bequeme Gelegenheit zur Fortbildung durch bewährte Lehrkräfte geboten sein, und nur durch einen größeren Zuspruch ließe es sich ermöglichen, daß die Einrichtung zu einer dauernden sich gestalte, zur Hebung und Förderung des jüdischen Lehrerstandes. *) Lrirk aus der Mal?. selten dringt aus unseren Gemeinden etwas .in die Oesfentlichkeit. Und dann ist es in den letzten Jahren zumeist recht Unerfreuliches gewesen. 'Ich will daher heute einmal etwas Angenehmeres Ihren Lesern berichten. Gelegentlich der Eröffnung der IV. Gewerbe- und Industrieausstellung, die in Kaiserslautern am 1. Juni d. I. stattfand, war Prinz Rupp recht von Bayern als Vertreter des Prinzregenten Luitpold erschienen. Das wäre an sich nun freilich eine Tatsache, die zu registrieren mehr die politischen als die jüdisch-religiösen Blätter an geht, wenn nicht hiervon erfreulicherweise auch unsere religiöse Gemeinschaft berührt würde. Es gehört nämlich in Bayern zu den staatlichen Gepflogenheiten, die man nicht aufgibt, so oft die Gelegenheit sich bietet, daß ein gekröntes oder auch nur fürstliches Haupt, wenn dasselbe — offiziell oder nicht offiziell — als Gast das Land oder die Stadt bereist und besichtigt, jedesmal auch die verschiedenen Kirchen mit seinem Besuche beehrt, ja sogar meist nicht unterläßt, einer „Messe" beizuwohnen. Zu solchen „Kirchen" zählt der bayrische Staat in diesem .Falle auch das jüdische Gotteshaus, die Synagoge. So kam es, daß bereits zu wiederholten Malen gelegentlich des Aufenthalts des Prinzregenten und der Anwesenheit seines Sohnes, des Prinzen Ludwig, in der Pfalz jedesmal und überall, wo die Synagogen nur einigermaßen architektonisch hinter den Kirchen nicht zurückstehen, der Besuch derselben auf dem offiziellen Programm zu finden war. Daß bei einem solchen Anlässe, der vorher vom königlichen Bezirksämte dem Gemeindevorstand oder auch dem Rabbiner ausdrücklich avisiert wurde,- alles aufgeboten wird; um von dem, wenn auch kurzen Besuche eine angenehme Rückerinnerung zu hinterlassen, ist selbstverständlich. Daher der Usus, daß in diesem Falle die Gemeindevertretung in corpore *) Wir weisen noch darauf hin, daß in den großen Ferien auch Kurse in den allgemeinen Wissenschaften an hiesiger Universität abgehalten werden. — Den Kursisten, die nachträglich noch ihre Teilnahme bewirken, können leider nur nach Maßgabe der etwa verfügbaren Mittel Zuschüsse zu dem Aufenthalt in Breslau gewährt werden. Meldungen nimmt Lehrer Moops, Breslau, Sadowastr. 69 noch entgegen, der zu weiteren Auskünften sich bereit erklärt und auch den Nachweis von Wohnungen eventl. mit voller Beköstigung gern übernehmen, will. - Hi...-,-L:_• .- - ■ .