Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
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Gegenstand (Religionsunterricht) verhandelt. Gimkiewicz-Gnesen, Peritz-Königsberg und Loeb-Trier bringen die traurigen Verhältnisse in ihren Bezirken zur Sprache. Iustizrat Rothfels-Kassel regt an, etwaige Steuerzahlungen für christlichen Kultus, da verfassungswidrig, zu reklamieren, und zum Ausgleich eine Subvention des jüdischen Religionsunterrichts seitens der Kommunen zu perlangen. Apfel-Köln, Rawitsch-Osfenburg, Türk-Berlin sprechen nochmals gegen die Forderungen des Herrn Nansenberg, wahrend Elias- Darmstadt einen ähnlichen Standpunkt wie Nansenberg vertritt. Vogel stein-Königsberg spricht für die Inspektion des Religionsunterrichtes, ebenso Krön er-Stuttgart, der einen dahin gehenden Antrag einreicht. Dieser wird ebenso wie ein Antrag Cohen-Seligmann erst am Dienstag zur Abstimmung gebracht. In seinem Schlußwort besprach der Referent nochmals die einzelnen in der Diskussion erwähnten Punkte und gab die Zusicherung, daß alle Anregungen von dem Ausschuß des D.-I. G.-B. sorgfältig erwogen werden. Ueber den nächsten Punkt „Wanderbettelei und Arbeitsstätten" referierten die Herren Sanitätsrat Stern-Berlin, Lebrecht-Nürnberg und Feilchenfeld-Köln. Zum Schutz gegen die betrügerischen Bettler ist eine schwarze Liste ausgearbeitet worden, die periodische Vervollständigung erfahren soll. Für Arbeitswillige empfiehlt sich die Einrichtung von Arbeitsstätten nach dem Muster derer zu Weißensee und Köln, die gleichzeitig auch dem Zwecke dienen, arbeitsscheue Elemente zur. Arbeit zu erziehen. Als Folge dieser Einrichtung ist erfreulicherweise eine.Abnahme des Wanderbettels zu konstatieren gewesen. Heimerdinger - Wiesbaden befürwortet ein einheitliches Zusammenarbeiten der Hilfskassen in den verschiedenen Gemeinden und die Einberufung einer Delegiertenversammlung durch den D.-J. G.-B mit dieser alleinigen Tagesordnung. Hirschler-Frankfurt lehnt ein Denunzieren von Bettlern an die Polizei durchaus ab; das gehöre nicht zu den Aufgaben einer Wohltätigkeitsvereinigung. Es nehmen zu dieser Frage (Wanderbettelei) noch ferner das Wort: Lilienthal-Bochum, Horovitz - Frankfurt, Silberberg-Posen, Kopfstein-Beuthen, Magnus-Königsberg. Der Antrag auf Einberufung eines Delegiertentages aller Vereine gegen die Wanderbettelei wird mit überwältigender Mehrheit angenommen, alsdann schließt der Vorsitzende um 41/2 Uhr die Versammlung. Der Vorstand der Gemeinde Frankfurt hatte alle, die in ernster Arbeit durch die Verhandlungen die Interessen des D.-I. G.-B. und damit der deutschen Judenheit sich zu fördern bemühten, zur Teilnahme an einem Bankett eingetaden, zu dem sich denn auch fast alle, die auswärtigen teilweise mit ihren Damen, einfanden. Das vortreffliche Mahl wurde gewürzt durch eine Anzahl glänzender Reden, die wesentlich zur^Erhöhung der Stimmung beitrugen. Die Reihe der Redner eröffnete Herr S. Epstein-Frankfurt, der die Gäste nochmals im Ramen der israelitischen Gemeinde begrüßte und das Hoch auf den Kaiser, den Wahrer des Friedens, ausbrachte. Professor Philippson-Berlin sprach auf die Frankfurter israelitische Gemeinde, Herr Dr. Blau-Frankfurt auf den geschäftssührenden Ausschuß des D.-I. G.-B., Rabbiner Dr. Rawitsch-Offenburg leerte sein Glas aus das gedeihliche Zusammenwirken der norddeutschen und süddeutschen Juden, Dr. Baerwald-Frankfurt feierte die Gelehrten Geheimer Hofrat Professor Dr. Rosin und Geheimer Regierungsrat Dr. Cohen. Dann fbehandelte Rabbiner Dr. Horovitz-Frankfurt in launiger Weise die Hauptfrage der Tagung, das Verhältnis der Rabbiner und der Lehrer. Geheimrat Professor Dr. Rosin dankte für die ihm und seinem Kollegen Cohen dargebrachte Ovation und versicherte, daß er in der heutigen Versammlung sich so recht glücklich gefühlt habe, angesichts der Begeisterung, die alle erfülle; er schloß mit ein'em Hoch auf Professor Philippson. Auch Geheimrat Cohen dankte für die ihm erwiesene Ehrung und erhob sein Glas auf das Wachsen, Blühen und Gedeihen der Frankfurt-Loge. Zum Schluß betonte Kirchenrat^ Dr. K r o n e r - Stuttgart, daß nur im Zusammenwirken der Juden aller deutschen Staaten Segensreiches geleistet werden könne und verdichtete seine Worte in einem Hoch auf das deutsche Vaterland. Die Teilnehmer blieben noch lange in den Räumen des Logenhauses vereinigt, und auch dieser Teil der Veranstaltung wird allen Anwesenden in lieber Erinnerung bleiben. Am Dienstag begannen die Verhandlungen um 9 Uhr mit de Beratung über den 5. Punkt der Tagesordnung: „Bezirksrabbinate"r Der Referent, Professor Dr. Blaschke, behandelte vor allem, drei Fragen: 1. Wie ist das Institut der Bezirksrabbinate zu organisieren? 2. Welche Pflichten und Rechte sind ihm zu übertragen? 3. Welche Kosten sind mit dieser Einrichtung verbunden und wer hat sie zu tragen? Redner empfahl dem Gemeittdetag, den Ausschuß aufzufordern, durch Vermittlung der Bezirksbezw. Provinzialverbände die Durchführung von Bezirksrabbinaten zu versuchen und zwar ohne Jnanspruchnalime der staatlichen Organe. Für die Diskussion über diesen wichtigsten Punkt, der das Verhältnis der Rabbiner und Lehrer unter nochmaliger Berührung der Frage des Religionsunterrichts beleuchtete, hatten sich bei Schluß des Referats bereits 16 Herren zum Wort gemeldet. Die Gegner der Bezirksrabbinate betonten vor allem, daß diese Einrichtung das Ansehen und^den Einfluß der Lehrer in den kleinen, rabbinerlofen Gemeinden zu. schädigen geeignet sei. Auch bei der Durchführung werde man, abgesehen von den erheblichen Kosten, die nur wenige Gemeinden selbst zu tragen in der Lage sein dürften, auf große Schwierigkeiten stoßen, denn es fei ja gar nicht möglich, daß die Rabbiner in den Gemeinden ihres Bezirkes eine ausreichende Seelsorge ausüben könnten. Demgegenüber brachten einige der anwesenden Bezirksrabbiner ihre überaus günstigen Erfahrungen und Erfolge, die sie aus diesem Gebiete in ihrem Wirken zu verzeichnen haben, zu durchaus überzeugender Darstellung. Vor allem Rabbiner Dr. Munk-Magdeburg zeigte in beredten Worten, wie der Bezirksrabbiner durch Predigten und theologische oder religiöse Vorträge seelsorgerisch tätig sein könne, wie er allein durch seine Autorität kraft seines Amtes Streitigkeiten in den Bezirksgemeinden, sei es zwischen Gliedern untereinander, sei es zwischen dem Vorstände und einem Gliede zu schlichten geeignet sei. Der Vorschlag des Herrn Pros. Philippson, die Frage der endgültigen Regelung der Bezirksrabbinate bis zur Fertigstellung des gestern besprochenen Organisationsentwurfes von Geheimrat Rosin und seiner staatlichen Anerkennung zu vertagen, wurde von der Versammlung mit großer Mehrheit abgelehnt, da dieser Antrag Schluß der Debatte bedeutet hätte. Rabbiner Dr. Horovitz-Frankfurt führte aus, daß sowohl auf Seiten der Rabbiner wie auf Seiten der Lehrer in gleicher Weise gefehlt worden sei und daß beide Teile verpflichtet sind, die dadurch entstandenen Gegensätze auszugleichen. Durch ein gemeinsames Wirken werde der eine Stand bald den anderen schätzen lernen. Geheimrat Cohen wünscht eine akademische Bildung möglichst auch für einen Teil der Elementarlehrer; dann könne er in kleinen Gemeinden den Rabbiner ersetzen in seiner pädagogischen Tätigkeit, wenn auch nicht in seiner theologischen und rituellen; für diesen Zweig sei die Einrichtung von Bezirksrabbinaten erforderlich. Senator Fischer-Hannover empfiehlt den Antrag des Referenten Blaschke, aber mit Hinzuziehung der staatlichen Organe, denn so habe sich die Einrichtung der Bezirksrabbinate in dem ehemaligen Königreich Hannover aufs beste bewährt. Ein Antrag Burgheim-Minden, die Bezirksrabbinate nicht zu empfehlen, wird fast einstinunig abgelehnt. Dagegen wird der Antrag Blaschke, aber ohne das Amendement Fischer, angenommen. Ferner werden angenommen: Die.Resolution Kroner: „Die Einrichtung von Bezirksrabbinaten, so daß jede Gemeinde in zweckmäßiger Weise einem Rabbinate angeschlossen ist, ist nicht nur wünschenswert, sondern unerläßlich." Weiter eine Resolution Hirsch-Halberstadt: „Der Gemeindetag empfiehlt nachdrücklich den Provinzialverbänden und Großgemeinden, dahin zu wirken, daß jede rabbinerlose Gemeinde sich der nächstgelegenen Großgemeinde anschließe, damit mit Hilfe des Rabbiners, event. unter Mitwirkung des Vorstandes der Großgemeinde die rituellen Einrichtungen gepflegt und überwacht werden. Ferner soll der Rabbiner auch mit dem Lehrer beraten, neben der Pflege der Seelsorge auch für den Religionsunterricht sorgen und sich durch sporadische Inspektionen von der Erfolgen überzeugen." Damit ist dieser Punkt der Tagesordnung, der den ganzen Vormittag ausgefüllt hatte, erledigt, und es kamen nunmehr die vom gestrigen Tage zurückgestellten Anträge zur Abstimmung. Angenommen wurden folgende Sätze des Herrn Kirchenrats Kroner