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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-16 · Heft 24 (16.6.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 24 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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HPK i. Breslatt, 8. Juni. Der Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen hielt hier seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Professor Dr. Badt. erstattete Bericht über das verflossene Vereinsjahr und erwähnte außerdem die Erfolge der Kasse in den abgelaufenen 25 Jahren ihres Bestehens. Die Unterstützungskasse hatte im vorigen Geschäftsjahre den Verlust hochgeschätzter Mitglieder zu beklagen, welche seit dem Bestehen der Kasse ihr angehört haben. Der Kasse gehören jetzt 37 ordentliche Mitglieder an. Die Einnahmen betrugen 7438.68 Mark, die Ausgaben 6626,99 Mark. Das Vermögen ist auf rund 5(1600 Mark angewachsen. An Pensionen und Unterstützungen sind im verflossenen Jahre 2650 Mark gezahlt worden. In einer Vorbesprechung hat der Vorstand beschlossen, zur Erinnerung an das 25 jährige Jubiläum der Kasse durch eine Sammlung einen Fonds zu begründen, aus welchem solche notleidende Mitglieder unterstützt werden sollen, welche statutengemäß einen Anspruch auf Unterstützung nicht haben, ein Fall, der leider recht häufig eintrete. Die Generalversammlung genehmigte den Vorschlag. Als ersten Beitrag zu diesem.Fonds überreichte Professor Dr. Badt dem Schatzmeister eine ansehnliche Summe, welche im Namen der Hinterbliebenen des verstorbenen Partikuliers Eduard Bender in Breslau ihm für diesen Zweck überwiesen worden ist. Er sprach die Hoffnung aus, daß hochherzige Menschenfreunde diesen Fond recht bald auf eine ansehnliche Höhe bringen werden. — Ems, 8. Juni. Einer der wichtigsten und doch am wenigsten bekannten Vereine ist der Hilfsverein für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke, der hier seit zwei Jahren besteht und die wärmste Unterstützung aller Menschenfreunde verdient. Im ersten Rechenschaftsbericht wurde das maßgebende fachmännische Gutachten des berühmten holländischen Psychiaters Dr. pan Teventer, Direktor der großen Staatsirrenanftalt in Meerenberg, wörtlich angeführt, der auf Grund langjähriger Erfahrungen als Leiter einergroßen Irrenanstalt seiner Meinung dahin Ausdruck gegeben, daß die Errichtung einer israelitischen Zentralirrenanstalt für die unbemittelten jüdischen Geisteskranken Hollands einer ernsten Erwägung bedürfe. Kürzlich hat nun beim westdeutschen Logentag in Bremen ein jüdischer Irrenarzt in eindringlicher Weise dafür gesprochen, daß jüdische Nerven- und Geisteskranke nur in eine jüdische Anstalt gehören, der eben erschienene 2. Bericht des Vereins sucht dies wissenschaftlich und praktisch zu begründen. Tie Errichtung einer eigenen Anstalt konnte vorerst wegen der enormen Kosten eines solchen Unternehmens nicht ins Auge gefaßt werden, und es wurde deshalb beschlossen, die betreffenden Kranken in bereits vorhandene gut geleitete jüdische Anstalten unterzubringen. Es gelang, die bewährte Anstalt zu Sayn zu weitgehendem Entgegenkommen zu bestimmen, indem sie sich bereit erklärte, die von dem Verein unterstützten Kranken zu bedeutend ermäßigten Pflegesätzen aufzunehmen. In der kurzen Zeit seit der Gründung des Vereins im Frühjahr 1903 bis zum Schluffe des Jahres 1904 wurden 14 Kranke in der Anstalt zu Sayn untergebracht und bereits 8 dieser Kranken konnten als genesen entlassen und ihrem Wirkungs- und Familienkreise wieder zugeführt werden. Die Mittel des Vereins sind noch gering. Die Einnahmen betrugen im Vorjahre 16054 Mark, die Ausgaben 5898 Mark. Was aber trotzdem in der kurzen Zeit erreicht wurde, darf den Vorstand mit Befriedigung erfüllen. Wir wollen hoffen, daß die Begeisterung für dieses neue humane Hilfswerk Wurzel schlage in den Herzen aller Guten und Edlen. Der Vorstand des Hilfsvereins besteht aus den Herren: Bezirksrabbiner Dr. Weingarten, Ems, Vorsitzender; Dr. med. Carl Landau, Koblenz, stellvertretender Vorsitzender; Benni Jacoby, Sayn, Schriftführer; Gustav Abraham, Koblenz, Kassierer; Dr. med. Heinrich Beer in München; Dr. meV. Samuel Fränkel in Berlin; Tr. med. Laqueur in Ems; Hermann Lehmann, Rentner in Frankfurt a. M.; Dr. med. Lichtenstein, Neuwied; Rabbiner Dr. Nosenak, Bremen; Dr. med. Samter, Ems, Kaufmann Louis Schloß, Koblenz. r. Frankfurt a. M., 12. Juni. Der zehnte Deutsch- Israelitische Gemeindetag begann heute seine Tagung unter dein Vorsitz von Rechtsanwalt Dr. Blau-Frankfurt a. M. in dem Saale der Frankfurt-Loge. Anwesend sind 1L9 Delegierte, die 250 Gemeinden vertreten. An dem Vorstandstisch nehmen Platz außerdem schon erwähnten Vorsitzenden, Stadtverordneter Louis Sachs- Berlin und Hirsch-Halberstadt. Man genehmigte ohne Debatte den Geschäftsbericht und hört dann ein Referat von Geheimrat Professor Dr. Ro sin-Freiburg i. B., der über seine Arbeit betr., die Rechtsstellung der jüdischen Gemeinden in Preüßen berichtet. Herr Geheiinrat Dr. Rofin ist mit seinem Werke noch Nicht zu Ende gekommen; er gibt lediglich eine Skizze und^ lenkt die Aufmerksamkeit der Tagung auf das Verhältnis der Laien zu den Geistlichen, die in den Korporationen sitzen müssen; als Grundlage der Organisation habe die Gemeinde zu gelten, der die Provinzialorganisation in Form einer Synode folgen müsse, lieber allem aber müsse die rechtliche Gesamtorganisation unter Staatsaufsicht stehen, die allerdings nicht in rein religiösen, sondern nur in Verwaltungssragen eine entscheidende Stimme haben dürfe. Wichtig sei es auch, daß die Rabbiner in derOrganisation vertreten seien und daß Kautelen geschaffen werden, die die Minorität gegen die Majorität schützen. Es sei daher Proporz zu empfehlen. An den Vortrag schließt sich keine Diskussion an. Dieselbe setzt vielmehr in reichstem Maße ein nach dem Bericht von Prof. Blaschke-Berlin, der über den Religionsunterricht spricht, soweit es sich um die Bestrebungen der D. I. G. B. handelt. Der Referent singt wieder das bewegliche Lied von der Indolenz des preußischen Kultusministeriums, das den jüdischen Religionsunterricht nicht dem der anderen gleich stelle. Lebhaft wird die Debatte, als die Zweckmäßigkeit der Inspektion betont wird. Hier kommt es zu Zusammenstößen zwischen einzelnen Rabbinern und Lehrern, die auf dein. Standpunkt stehen, daß eine geistliche Schulinspektion unzeitgemäß sei. Zwei Resolutionen, die der Debatte eine Grundlage geben sollen, werden zurückgestellt, um die drei Referate über den Wonderbettel anzuhören, die von Sanitätsrat Dr. Stern- Berlin für den Osten, von Lebrecht-Nürnberg für den Süden und von Feilchenfeld-Köln für den Westen erstattet werden. Man wünscht die Exrichtung von Arbeitsstätten, die Positives leisten und den Bettler den Genuß ehrlich durch Arbeit erworbenen Brotes teilhaftig werden lassen. Auch wird die Einberufung eines Verbandstages jüdischer Wohltätigkeitsanstalten unter der Aegida des D. I. G. B. gewünscht. Hierauf werden die Verhandlungen auf Dienstag morgen vertagt. Abends gibt die Israelitische Gemeinde dem Gemeindetag ein Bankett. o. Frankfurt a. M., 3. Juni. Ein alter Freund, so erscheint auch in diesem Jahre der 40. Bericht der Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Witwen und -Waisen in Deutschland, die 1864 begründet wurde. Obwohl sich die Anzahl der Pensionäre bedeutend erhöht hat, war der Verein in der erfreulichen Lage, sämtliche Gesuche zu berücksichtigen und auch die Unterstützungsquote der jährlichen Pensionen von 159 Mark auf 160 Mark zu erhöhen. Er hatte sich aber auch vielfacher Beweise warmer Teilnahme und ehrender Anerkennung zu erfreuen. Wie die Zahl der von der Achawa unterstützten Pensionäre regelmäßig von Jahr zu Jahr wächst, ergibt sich daraus, daß sich im verflossenen Jahre diese Zahl von 107 auf 113 erhöht hat. Unter diesen befinden sich 39 durch Altersschwäche oder Gebrechen, dienstunfähig gewordene Lehrer, teils ohne und größtenteils mit Familie, 11 Witwen mit 16 unmündigen Kindern, sowie 63 alleinstehende Witwen. Außerdem wurden in besonderen, dringenden Fällen an 29 Parteien der aktiven Mitglieder auch außerordentliche Unterstützungen aus dem Reservefonds bewilligt. Ferner gelangten wieder die Zinsen des Spczialreservesonds an einige Töchter früherer aktiver Mitglieder, die sich in bedrängten Verhältnissen befanden, zur Verteilung. Die Summe der diesmaligen Jahresunterstützungen beträgt 21 880 Mark in 136% Teilen zu 160 Mark und mit Hinzufügung der aus beiden Reservefonds bewilligten außergewöhnlichen Unterstützungen im -Betrage von 1590 Mark ergibt sich für das Jahr 1904 eine Gesamtausgabe von 23 470 Mark gegen 21015 Mark im verflossenen Jahre. Das Vereinsvermögen beträgt jetzt 288 813 Mark. In der Zusammen-! setzung des Vorstandes ist im vergangenen Jahre keine Aenderung eingetretcn. — Die Zahl der aktiven Mitglieder betrug am 31. Dezember 1903 379. — Gestorben sind die Herren W. Buchsbaum in Crefeld, Tr. S. Dessau in Schweinfurt, N. Kronenberg in Bünde, S. Löbenstein in.Düsseldorf, A. Ollendorf in Bochum, Rabbiner i Dr. Rahmer in Magdeburg und I. Rosenkranz in Tilsit. — Dagegen sind 15 neue Mitglieder ein getreten, so daß sich Ende 1904 die Zahl MM»——L

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