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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-16 · Heft 24 (16.6.1905) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 24 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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§2 Berlin, 8. Juni. Wie wir bereits kurz gemeldet, ist am ' 5. fr in Homburg v. d. H. der Geh. Sanitätsrat Dr. Eduard ' Cron e r nach kurzer schwerer Krankheit im 68. Lebensjahre gestorben. Er war einer der beliebtesten Aerzte in Berlin, der neben seiner wissenschaftlichen Tüchtigkeit auch durch rein menschliche Tugenden seinen Patienten vortrefflich zu helfen verstand. Er übte seit 1861 hier die Praxis aus. Seine Tätigkeit erfuhr 1870—71 eine Unterbrechung dadurch, daß Croner als Militärarzt mit ins Feld zog. Er brachte aus Frankreich das eiserne Kreuz mit heim. Viele Jahre hindurch, bis sein Gesundheitszustand ihn zwang, seine Arbeit einzuschränken, nahm Croner an den Bestrebungen zur Hebung des ärztlichen Standes lebhaften Anteil. Gern stellte er sich auch, und zwar mit ausgesprochener Vorliebe in aller Stille in den Dienst humanitärer Unternehmungen. Besonders ist seiner Tätigkeit im' Vorstande des Hilfsvereins für jüdische Studierende, wo er Jahrzehnte lang die Hauptlast der Arbeit trug, ferner des Berlin - Brandenburger Heilstättenvereins zugunsten der Lungenheilstätte in Belzig, einer Schöpfung des Berlin-Brandenburger Heilstättenvereins, zu gedenken. Lange Zeit hindurch war Croner der Leibarzt des Prinzen-Georg von Preußen und Jahrzehnte hindurch Arzt der österreichisch-ungarischen Botschaft in Berlin. Die Beerdigung fand heute Nachmittag unter großer Teilnahme in Weißensee statt. T. Berlin, 8. Juni. Hier ist vor kurzem im jugendlichen Alter Frau Ernestine Lwowna Chalfin, geborene Sacker aus Odessa, gestorben, die Tochter der bekannten Frau Marie Sacker s. A. Die Verewigte arbeitete in den lokalen Bildungsanstalten Odessas. Sie nahm tätigen Anteil an der Leitung der Handarbeits-Mädchenschule, früher Sigal, und unterrichtete in der Sabbatschule. Dank ihrer Initiative entstand die Schule, die von der lokalen Abteilung der Gesellschaft für Verbreitung unter den Juden'in Rußland, unterstützt wird. Im Laufe des ersten Jahres ihrer Existenz leitete die Verewigte dieselbe. Die Gründung der Bibliothek derselben Gesellschaft fand ihre warme Teilnahme. Seit dem Bestehen der Gesellschaft für! arme und obdachlose jüdische Kinder, war die Heimgegangene Vorstandsmitglied und Sekretärin dieses überaus nützlichen Institutes.^ Als sie diese Posten aufgab. wählte sie die Generalversammlung zum Ehrenmitgliede. Erst vor einem Jahre heiratete die Verblichene den Schriftsteller P. O. Chalfin (Chotimsky), der Mitarbeiter des „Rußkoi Mysli" („Der russische Gedanke"), des „Wjestnik Jewrosy" (Der Bote Europas") und anderer hervorragender Zeitschriften ist. Alle, die die Heimgegangene in ihrem Leven und Schaffen für die Allgemeinheit gekannt, werden ihr ein freundliches Andenken bewahren! — Königsberg, 8. Juni. Der Hilssverein für kranke russische Jsrae li ten hielt am 28. d. M. im Hotel Epstein seine ordentliche Generalversammlung ab, welche der Vorsitzende, Bankdirektor G. Marx, mit dem Vortrage des Jahresberichts pro 1904 eröffnete. Danach sind für ärztliche Behandlung, Krankenunterstützungen, Reisekosten rc. 14795,45 Mark verausgabt. Die Mitgliederzahl ist von 281 aus 286 gestiegen. Der Kassenbericht schließt in Einnahme und Ausgabe mit 22 429,47 Mark ab. Der eiserne Fonds beziffert sich auf 28796,66 Mark. Es folgte sodann die Wahl von Vorstandsmitgliedern. Die nach dem Turnus ausscheidenden Herren: G. Marx, Eger, M. Grodsensky, Ch. Hurwitz wurden wieder- und M. Weißbrem neugewühlt; als stellvertretende Vorstandsmitglieder bestimmte die Versammlung die Herren Adler. Judesis und Jereslaw. Nach Erledigung interner Angelegenheiten fand zum Schluß eine Besprechung über Schritte zur Förderung der Agitation statt. z. Königsberg, 7. Juni. Ter Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens hielt am 1. d. M. hier seine 21.' ordentliche Generalversammlung ab, aus der 26 Gemeinden mit 35 Stimmen vertreten waren. Nachdem der Verbandsvorsteher, Rechtsanwalt Schey-Allenstein, die Erschienenen begrüßt hatte und das Bureau gewählt war, hieß Stadtrat Magnus nameus der Königsberger Gemeindevertretung in einer längeren Ansprache die Versammlung willkommen. Obersekretär Klein wies darauf hin, daß der Verband in diesem Jahre sein 25 jähriges Bestehen feiern könne, und teilte ans der Gründungsperiode interessante Einzelheiten mit. Sodann erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht, aus dem hervorging, daß der Ausschuß die Interessen des Verbandes auch im vergangenen Jahre wahrgenommen habe. Im Anschluß hieran entspann sich eine längere Debatte darüber, ob man der Regierung die obligatorische Aufsicht über die jüdischen Schülangelegenheiten übertragen solle; während sich auf der einen Seite gewichtige Stimmen, besonders seitens der Rabbiner, für eine staatliche obligatorische Aufsicht aussprachen, traten anbere, darunter Rechtsanwalt Holz und Justizrat Dr Lichtenstein, ebenso lebhaft gegen diesen Vorschlag auf. Auch ein Vermittelungsantrag, die Frage nochmals im Ausschuß zu erörtern, fand keine Gegenliebe, er wurde schließlich zurückgezogen und die Versammlung beschloß, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Der Kassenbericht wurde genehmigt. Rabbiner Dr. Vogelstein berichtete über die vom Bureau für Statistik der Juden angestellten Erhebungen über den Anteil der Juden am Unterrichtswesen' in Preußen und referierte dann über die Schulinspektion im Geschäftsjahr 1904. Die Schulinspektion könne ihre Aufgabe nicht so erfüllen, wie es nötig sei, es .fehle an Inspektoren, und außerdem erschwerten die schwierigen Verkehrsverhältnisse das Jnspektionsgeschäft sehr. Die Zustände seien deshalb nicht durchweg befriedigend und es müsse noch vieles besser werden, lieber die Gründung eines Alters- und Siechenheims berichtet Dr. Olitzki- Allenstein, die seiner Zeit von Allenstein ausgegangene Anregung habe überall Anklang gesunden, es seien mehr als 9000 Mark einmalige Spenden eingegangen und 2600 - Mark jährliche Beiträge gezeichnet worden. Der Plan sei also seiner Verwirklichung wesentlich näher gerückt. Dem Antrag des Berichterstatters, das Heim in Allenstein zu errichten, wurde zugestimmt. Als Eröffnungstermin ist der Oktober 1906 in Aussicht genommen. Bezüglich der Frage, ob die Kultusbeamten bei der Fleischereiberufsgenossenschaft gegen Unfall versichert werden müßten, teilte der Vorsitzende mit, daß die Synagogengemeinden sich dieser Pflicht nicht entziehen dürften, das Reichsversicherungsamt habe in einer Reihe von Fällen in diesem Sinne entschieden, und zwar vornehmlich deswegen, weil die Kultusbeamten in der Regel seitens der Gemeinden für den Fall, daß sie bei'Ausübung ihres Berufs Schaden erleiden, in keiner Weise geschützt seien. Man werde seitens eines Spezialjuristen für diese Frage noch ein Gutachten ausarbeiten lassen, vorläufig aber müßten die Synagogengemeinden die Versicherung bewirken. Eine Versicherungspflicht gegenüber der Alters- und Invalidenversicherung bestehe jedoch nicht. — In den Ausschuß wurden die Herren Rechtsanwalt Schey-Allenstein Stadtrat Magnus - Königsberg. Kaufmann Silberstein - Allenstein, Kaufmann Jacoby-Osterode, Kaufmann Jacoby-Rastenburg, Kaufmann Jacobsberg-Zinten, Kaufmann Lazar-Königsberg, Dr. Kamnitzer- Allenstein, Kaufmann Lublinski - Johannisburg, Amtsgerichtsrat Blumenfeld-Jnsterburg, Kaufmann Bernhard Holz-Insterburg wieder- und Rabbiner Dr. Vogelstein-Königsberg neugewählt. Als Stellvertreter fungierten wie bisher Bankier Otto Eichelbaum-Jnsterburg, Stadtrat Professor Dr. Lassar-Cohn-Königsberg und Bankier Sebba- Tilsit. Mit der Besprechung von Gemeindeangelegenheiten, war die umfangreiche Tagesordnung erschöpft und gegen 3 Uhr konnte die Versammlung geschlossen werden. u. Pinne, 7. Juni. Unser Rabbiner, Herr Dr. L. Lew in, ist durch einstimmige Wahl an die Gemeinde Kemp en berufen worden. Die hiesige Gemeinde sieht nur ungern ihren Seelsorger scheiden, der acht Jahre hindurch mit Hingabe und Treue, in Frömmigkeit und Friedfertigkeit seines Amtes gewaltet hat. Ein liebevoller Lehrer und Erzieher unsrer Jugend und zugleich belehrend und erbauend auf der Kanzel, hat er den religiösen Sinn unsrer Gemeinde erhalten und dieselbe vor geistigem Verfall bewahrt. In den ersten Jahren seiner Wirksamkeit hat er zur Pflege des Thorastudiums beit Verein „Auhawei Thauroh" gegründet und zur Hebung der allgemeinen jüdischen Bildung und edlerer Geselligkeit hat er unseren Literaturverein ins Leben gerufen und durch zahlreiche belehrende Vorträge gefördert. Seine wissenschaftliche Tätigkeit hat in Fachkreisen gebührende Anerkennung gefunden; mit emsigem Fleiß und unter Ueberwindung großer Schwierigkeiten hat er besonders die Geschichte der Juden im früheren Großpolen durchforscht und es sind zahlreiche Monographieen auf Grund seiner archivalischen Forschungen . von ihm erschienen. Die hiesige-Gemeinde begleitet Herrn Dr. Lewin mit den besten Segenswünschen in seine neue Wirkungsstätte.

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