Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1905)
- Date
- 1905-06-16
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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pV der aktiven Mitglieder aus 387 erhöht hat. Die Zahl der Ehren- Mitglieder konnte sich durch die Bemühungen der Verwaltung und if einiger aktiven Mitglieder auf ca. 1200, der gleichen Höhe vom - kr vorigen Jahre, halten. Der Bericht enthält auch einen sehr ausführlichen und interessanten Rückblick auf die Entstehung und Ent- Wicklung der Achawa, den der Vorsitzende in der 10. ordentlichen % Generalversammlung erstattet hat. Den Vorstand der Achawa bilden y die. Herren: Konsul Adolf Baer-Goldschmidt, Vorsitzender, Frankfurt y am Main.; Philipp Schiff,stellvertretender Vorsitzender,Frankfurt a.M.; % . Oberlehrer Dr. Alfred Löhren, Schriftführer, Frankfurt a. M.; Alfred y Rosenthal, Kassierer. Frankfurt a. M.; Julius Goldschmidt, Gegen- [>. schreiber, Frankfurt a. M.; Jacob Scherer, Reallehrer, Frankfurt a. M.; y Karl Marx, Lehrer in Alsheim (Rheinhessen); Heinrich Frei, Lehrer in München; M. Steinhardt, Lehrer in Magdeburg, y —t. München, 8. Juni. Die Zeitungen berichten, daß die v Genehmigung zur Entstehung nachfolgender Stiftungen erteilt!. wurde: der von dem Kommerzienrat Ernst Tuchmann in Nürnberg und seiner Gattin, Flora Tuchmann, geb. Kohn mit einem Kapital von 500000 Mark errichteten „Ernst und Flora Tuchmannschen r Familien- und Wohltatigkeitsstiftung" in Nürnberg; der von dem Kommerzienrat Joseph Hops in Nürnberg mit einem Kapital von 10 000 Mark errichteten, zur Unterstützung von. armen und kränklichen ' " Kindern bestimtnten „Joseph und Emilie Hopfschen Stiftung" in k Nürnberg. Ferner weiter aus Nürnberg: Die beiden städtischen Ir Kollegien beschlossen, Kommerzienrat Heinrich Kerolzheimer, der k. für ein Volksbildungsheim 300 000 Mark gestiftet hatte und außerdem k verschiedene gemeinnützige Unternehmungen mit großen Schenkungen k ' bedachte, das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. — Ueber den letzteren Stifter ist bereits vor einigen Monaten berichtet worden, daß er eine ähnliche'Stiftung zu ähnlichem Zwecke seiner Vaterstadt Fürth schon zugewendet hat. Daß wir dieses, wie hier mehrfach schon Aehnliches, - berichten, geschieht allerdings, weil wir der Vergessenheit durch diese Zeitung entziehen wollen, daß unsere Zeit und unsere Reihen Männer y mit solchen Herzen hervorgebracht haben, welche die Früchte ihres v Fleißes und ihrer Sparsamkeit der Allgemeinheit zuteil werden lassen, k Gerade in dem Nürnberg, welches 1499 seine Juden austrieb, werden, k jetzt nach 400 Jahren zwei Juden, von Gerngroß und Berolzheimer, k zu Ehrenbürgern, eine äußerst seltene Auszeichnung, ernannt, während s der vor nicht langer Zeit gestorbene Magistratsrat, Michael Kohrr, - ebenfalls der Stadt Nürnberg Millionen zuwendete. Freilich werden f; andere unfreundlicherweise sagen: Ja, die Juden haben eben das ly ' Geld. Nichts ist aber irriger; richtig ist nur, daß. von den Juden, i. die mit irdischen Gütern gesegnet sind, viele den ihnen zuteil! gewordenen Segen nicht für sich und ihre Familien behalten, sondern rihn der Oeffentlichkeit und der Armut zuzuwenden bemüht sind. Wie; einflußlos tatsächlich die Juden sind, davon kann der Beobachter sich k jeden Tag überzeugen. So ist in München vor langen Jahren die! inzwischen zu einer großen Bank herangewachsene Bayerische Vereinsbank unter tätiger Mithilfe von Juden begründet worden; > in ihrem Aufsichtsrat befanden sich früher nicht weniger als drei i- Juden: Moritz Guggenheimer, von Hirsch, Max von Wilmersdörffer. I- Sie sind weggestorben, nachdem sie zum Teil, insbesondere durch Unterbringung des Aktienkapitals in festen Händen, der Bank wesent-; liche Dienste geleistet haben; heutzutage ist der Aufsichtsrat der bayerischen Vereinsbank ebenso judenrein, als der aller übrigen Münchener Banken, von dem der Bayerischen Handelsbank abgesehen. l GesterreiH-Angarn.! EU Wien, 13. Juni. Das Leichenbegängnis des verstorbenen 4' Lektors am hiesigen Beth-Hamidrasch I. H. Weiß fand am 1. d. M. fr statt. Im Trauerhanse sprach Rektor Dr. Schwarz. In beredten I Worten schilderte er die Größe des Dahingeschiedenen und dessen k Bedeutung für die wissenschaftliche Literatur -der letzten Jahrzehntey Im Beth-Hamidrasch, dem Wirkungshause des Verstorbenen, spracht kV dessen langjähriger Kollege Lektor Friedmann und betrauerte seinen y langjährigen Genossen und Mitarbeiter. Oberrabbiner Dr. Güdemann 4 hielt die Trauerrede auf dem Zentralfriedhofe; am Grabe sprach 4 noch der Großneffe des Verstorbenen, Tr. Oppenheim aus Olmütz, -j im Namen der Hinterbliebenen, besonders der Familie Oppenheim, k mit der er verwandt war und.deren traditionellen Ruf des Thorastudiums er durch seine wissenschaftlichen Leistungen vermehrte. Ehre seinem Andenken, — Der Kaiser hat den bekannten Gelehrten Hofrat Dr. Iftb o r N e u in a tut, in Anerkennung der Verdienste, die er sich um das Sanitätswesen Bosniens erworben, in den Adelstand erhoben. — Heute ift hier Baron Nathaniel Rothschild im 69. Lebensjahre gestorben. Er war eine der bekanntesten Wiener Persönlichkeiten. Seit einer Reihe von Jahren schon hatte er sich eines Leidens wegen vom Geschäft-und aus der Gesellschaft zurückgezogen und den größten Teil des Jahres im Süden verbracht, wo er Erholung suchte. Baron Nathaniel Rothschild erfreute sich seiner Wohltätigkeit wegen, die er in reichem Maße ausübte, großer Beliebtheit. Erst im vorigen Jahre spendete er zum Ausbau, einer Klinik den Betrag von 2 Millionen Kronett. Umjüdische Angelegenheiten hat er sich übrigens wenig bekümmert. —' V Von Msh und jfern. -- Zum Direktor der für die Waisen von Kischinew in Jerusalem errichteten Schule ist Dr. E. Auerbach-Berlin ernannt worden. — Der Redakteur der „Staatsbürgerzeitung" E. Kammer, der am 23. April 1904 wegen Beleidigung des Amtsrichters Dr. Lieber von der 4. Strafkammer des Landgerichts I (Vorsitzender Landgerichtsdirektor Oppermann) zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ist begnadigt worden. Die Freiheitsstrafe wurde in eine Geldstrafe von 300 Mark umgewandelt. — In Groß-Strehlitz ist am 9. d. M. der Rechtsanwalt und Notar Justizrat Wohlauer im 51. Lebensjahre verstorben. Derselbe gehörte dem Vorstand der Gemeinde, des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur und anderer Vereine an. — Die Zerstörer der Denkmäler und Grabsteine auf der jüdischen Begräbnisstätte in Siegen sind von der Polizei ermittelt. Es sind drei schulpflichtige Knaben, welche die Grabsteine zu Objekten ihrer Zerstörungswut gemacht haben. Zwei dieser Knaben entgehen der verdienten Strafe, weil sie noch nicht strasmündig sind. Der dritte ist 12 Jahre alt und es wird ihn jedenfalls eine empfindliche Strafe treffen. — In Hagen haben einige Herren der sogenannten besseren Gesellschaft in Weinlaune eine ganze Reihe von Schaufenstern jüdischer Geschäftsinhaber beschädigt. Soweit bis jetzt festgestellt, beträgt der Schaden über 16 000 Mark.. Obwohl die Leute sich jetzt bereiterklärt haben, den ganzen Schaden zu ersetzen, kann das die erstattete Anzeige wegen Sachbeschädigung und Beleidigung nicht aufhalten, so daß die Folgen dieser Weinlaune für die Betreffenden recht fühlbare sein werden. — Der Eisenbahnbauinspektor Levy in Duisburg ist zum Regierungs- und Baurat befördert worden. — Das -Bankhaus Jacob S. H. Stern in Frankfurt a. M. hat anläßlich seines hundertjährigen Geschäftsjubiläums eine Stiftung von 100 000 Mark für einen noch zu bestimmenden Zweck gemacht. — Dr. Ignaz Goldziher, der bisher nur Titel und Charakter eines ordentlichen Professors erhalten, wurde zum ordentlichen Professor der semitischen Sprache und Literatur mit den systemmäßigen Bezügen an der Budapest er Universität ernannt. — Die Trennung jüdisch-russischer Ehen in Frankreich wurde in einem prinzipiellen Erkenntnis des Kassationshofes für tutmöglich erklärt, da nach dem russischen Gesetze Heirat und Scheidung ausschließlich religiöser Natur seien, so daß die französischen Laiengerichte keine Scheidung aussprechen könnten die vor dem russischen Gesetze gültig wäre. — In Minsk kam es am 8. d. M. abends wieder zu Unruhen. Die berüchtigte Petersburger Telegraphenagentur stellt sie folgendermaßen dar: „Wie sich ergüb, hatten Mannschaften der 40. Division Fenster eingeworfen und Israeliten mißhandelt, weil ein Israelit einem Soldaten einen Geldbeutel gestohlen hatte. Die angesammelten Israeliten gaben einige Revolverschüsse auf die Soldaten ab,' die sich dann nach dem Kathedralplatz begaben, wo Soldaten der 55. Brigade sich ihnen anschlossen. In die anliegenden Häuser flogen nun Steine. Die Polizei erwiderte die Schüsse der Israeliten, wobei viele verwundet und einer getötet wurde. Kosaken und Dragoner zerstreuten alsdann die Menge. Einige Schutzleute wurden verwundet, mehrere Soldaten verhaftet." Lord Avebury, der Urheber der „Sunday Closing Bill", hat erklärt, die Gesetzwerdung des Entwurfes liege noch weit im Felde und es liege keine Veranlassung für die Juden im Ostend von London vor, sich aufzuregen, da ihre Beschwerden berücksichtigt werden. '