Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-16 · Heft 24 (16.6.1905) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 24 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228661--61793-3275633
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

69. Jahrgang. No. 24. *■ Berlin, 16. Juni 1905. Weilsse zur „Allgemetnen Tettuns drK Judentums". KorrrlponÄkn?m und Sgchnchten. Deutschland. §2 Berlin, 13. Juni. Der allgemeine Kantorentag trat gestern im Sitzungssaale der Repräsentantenversammlung zusammen.' Die Beteiligung war eine sehr rege, die Verhandlungen nahmen einen durchaus würdigen und sachlichen Verlauf, so daß die Erreichung des großen Ziels: Jüdischer Kantorenbund mit Unterstützungskasse, gesichert erscheint. Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Nummer. s. Berlin, 12. Juni. Da über die Wahl der Frauen in die Verwaltungskommissionen der jüdischen Gemeinde jetzt so viel debattiert wird, dürfte es sicher von Interesse sein zu hören, was die Vorsteher, in deren Kommissionen Armenpflegerinnen beschäftigt wurden, in gutachtlichen Aeußerungen der städtischen Verwaltung berichtet haben. Die überwiegende Zahl der Vorsteher spricht sich recht 'günstig aus- So schreibt u. a. einer derselben: „Wenn ich ein Urteil abgeben muß, so würde es dahin lauten, daß die Armendirektion eine bedeutende und wertvolle Bereicherung der ihr zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte erfahren würde, wenn es gelänge, auch nur in ganz Berlin 20 Damen von der Befähigung' der diesseitigen Armenpflegerin zu gewinnen." Ein zweiter berichtet u. a.: „Die Beschäftigung der Frauen kann ich nur befürworten. Bezüglich ihrer Fähigkeit als Armenpslegerin bestehen meinerseits keine Bedenken. Selbst wenn sich eine oder mehrere Frauen als ungeeignet erweisen sollten, so kann dem durch richtige Auswahl vorgebeugt werden." In dem Bericht eines dritten heißt es u. a.: „Die Frauen sind ebenso befähigt wie die Männer, sie haben dasselbe soziale Verständnis und auch den richtigen Blick für die Not, nur leider fehlt ihnen sehr häufig die Zeit, mit tätig sein zu können." In einem anderen Bericht findet sich folgende Stelle: „Die pflegerische Tätigkeit der genannten Frauen ist eine ganz bedeutende zu nennen und zwar'sowohl im Hinblick auf die. eingehenden Referate bei Prüfung der Verhältnisse von Witwen und Eheverlasseneu, wie auch bei Durchführung sofortiger Hilfeleistung bei in Not befindlichen Frauen und ledigen Personen weiblichen Geschlechts." In dem Bericht Nr. 19 wird ausgeführt: „Der besonderen Erwähnung würdig ist es. daß die erschienenen Herren sich in keiner Weise durch die Anwesenheit der Damen beengt fühlen, im Gegenteil, es fand stets ein lebhafter Gedankenaustausch in der gewinnendsten und dezentesten Form statt." Aus den meisten Berichten geht hervor, daß vielfach die Ansichten sich zugunsten der Frauen geändert haben. Aus einem Saulus ist mehrfach ein Paulus geworden. Nur in etwa vier Berichten von 24 wird skeptisch geurteilt. s. Berlin, 12. Juni. Eine Expedition zur Erforschung und Aufnahme der Synagogenruinen Galiläas ist als erste Frucht der Rekognoszierungsreise der Herren Dr. Thiersch und Dr. Hölscher im Frühling und Sommer 1903 von der Deutschen Orieutgesellschaft in der letzten Vorstandssitzung beschlossen worden.. -Die Expedition besteht aus dem Negierungsbauführer Kohl aus Hannover, der bereits früher, unter Professor Puchsteins Leitung in Baalbek und an anderen Orten Syriens tätig gewesen ist, aus dem Privatd'ozenten an der Universität Berlin und Direktorialassistenten bei den dortigen königlichen Museen Dr. Watzinger und Dimplomingenieur Hiller. Die Herren sind in den ersten Tagen des März von Berlin abgereist, haben sich in Konstantinopel mit den maßgebenden Stellen in Verbindung gesetzt und sind nach Erledigung der notwendigen Vorbereitungen in Beirut, wo sie am 13. März eintrafen, in Damaskus, Baalbek und Heisa am 23. März mit ihrer Karawane vom letztgenannten Orte aus ins Innere aufgebrochen. Die Reise ist durch die Freigebigkeit eines bekannten Vorstandsmitgliedes der Deutschen Orientgesellschaft ermöglicht worden. 9. Berlin, 11. Juni. Mit besonderer Genugtuung weisen wir heute auf den Jahresbericht des „Kindersparvereins" für 1904 hin. Dieser Verein kann nunmehr auf eine achtjährige Tätigkeit zurückblicken; er hat in dieser Zeit eine sehr schöne Wirksamkeit entfaltet. .Der Ertrag von 1268 Sparbüchsen war im Jahre 1904 Mark 8547,90. Verausgabt wurden für 110 kranke Kinder für Verpflegung und Beköstigung, sowie für Eisenbahnfahrten und Solbäder Mark 6186 10, so daß noch verbleibt ein Rest von Mk. 2361,80. Die 110 Kinder . wurden zusammen 3262 Tage verpflegt und verursachten durchschnittlich au Gesamtkosten 1,90 Mark pro Tag und Kind; dabei konnte festgestellt werden, daß die Kinder durchschnittlich nach ihrer Rückkunft 5 Pfund an Körpergewicht zugenommen hatten. Wiederum sind bereits in den Monaten März—April. d. I. nach ärz'lich eingeholteu Gutachten 41 Kinder nach Elmen geschickt worden, um dort durch Gebrauch der Solbäder und gute Verpflegung sich in freier Lust Stärkung und Kräftigung zu holen. Durch das Entgegenkommeu der jüdischen Ferienkolonie ist einstweilen das derselben gehörige Haus in Elmen dem Verein unentgeltlich überlassen; die Kinder' haben darin schöne und gesunde Wohnräume. Um nun für seiue humanen Zwecke ein eigenes Heim zu gründen, und für alle Zeiten eine feste Basis gesichert zu sehen, haben einige hochherzige Wohltäter zum Bau eines jüdischen Kinder-Genesun gs heim die Summe von 120 000 Mark gespendet. Auf diese Weise könnte der Zweck: den schwächlichen erholungsbedürftigen Kindern Pflege und Stärkung unter sachkundiger liebevoller Aufsicht zu teil werden zu lassen — am besten erreicht werden. Der mit dem Bau beauftragte Vorstand des Kindergenesungsheims hat bereits in bester Lage von Elmen in der Nähe der ausgedehnten Gradierwerke ein Terrain käuflich erworben und ist bestrebt, den Bau noch in diesem Jahre zu vollenden und seiner Bestimmung zu übergeben. Die Statuten des „Jüdischen Kindergenesungsheims" sind vom Polizeipräsidium genehmigt und der Verein bereits in das Vereinsregister des Amtsgerichts eingetragen. Als Verein, der ausschließlich der Wohliätigkeit dient, ist uns vorn Ministerium Stempel- und Steuerfreiheit gewährt rvorden. Die Frau Minister Oberprüsident Sophie von Bötticher in Magdeburg hat das Protektorat über das jüdische Kindergenesungsheim übernommen und zeigt ein ' lebhaftes Interesse für diese neue Anstalt. Zum Schluß führen wir noch die Namen der Vorstandsmitglieder und Ehrendamen des Vereins auf: Frau Caecilie Friedländer, Vorsitzende, Frau Geheimrat Dr. Boas, Frau Nanny Voehm, Frau Dr. S. Byk, Frau Dr. A. Ginsberg, Frau Cäeilie Jacobi, Frau Marie Jaffee, Frau Kommerzienrat Helene Jsaac, Frau Marie Krafft, Frau Natalie Latz, Frau Geh. Kommerzienrätin Julie Loewe, Frau Bertha Manheimer, Frau Henriette Meyerstein, Frau Magüus Alsleben, Frau Anna Mosler, Frau Sanitätsrat Dr. Mühsam, Frau Julie Neumann, Frau Erna Pakscher, Frau Lea Philipsborn, Frau Hermiue Nathenau, Frau Elise Reiß, Frau Louis Sachs, Frau Sophie Strauß, Frau Helene Valentin, Bernhard Behrens, Geheimrat Dr. Blumenthal, Geheimrat Dr. Boas, Paul Dahlheim, Kommerzienrat Jul. Mart. Friedländer, Adolf Mayer, Moritz Manheimer. £2 Berlin, 11. Juni. Mit Beginn des Sommers stellen sich die Brände im Ansiedlungsrayon in Rußland vermöge der unzulänglichen Bauverhältnisse regelmäßig ein. Gegenwärtig kommen 'noch häufig Brandstiftungen behufs besserer Gelegenheit zur Plünderung durch die christliche Bevölkerung vor. So sind in der vergangeuen Woche eine Reihe von -jüdischen Gemeinden in der Nähe von Kowno durch Feuersbrunst gänzlich vernichtet worden: Janowo, Bobt, Soslau, Kurschani rc. Fast 10000 Glaubensgenossen sind obdachlos, der Materialschaden wird auf eine Million Rubel geschätzt. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat sofort 10000 Mark zur Verteilung unter die abgebrannten Glaubensgenossen nach Kowno überwiesen, zu denen das Frankfurter Hilfskomitee 5000 Mark beigesteuert hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.