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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-16 · Heft 24 (16.6.1905) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 24 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
Seite 282 (sequence 6)
Language
German
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Truppen erfolgreich in den Kampf führten und mit ihnen glänzende Siege erstritten. Was die Nachwelt nicht gibt, muß daher die Mitwelt einigermaßen bieten, nämlich den Zoll der Anerkennung und Würdigung für verdienstvolle Leistungen um die Ehre und den Ruhm des jüdischen Stammes. Zu diesen wackeren Pionieren der Volksaüfklärung auf dem Gebiete der Tagespreffe insbesondere, und der periodischen Zeitschriften im allgemeinen und zu den Bannerträgern freier Ideen auf dem Felde des Buchhandels, der ein Menschenalter hindurch seine journalistische Kraft, so wie sein Organisationstalent in den Dienst Israels gestellt hat, gehört der Prager Publizist, Verlagsbüchhändler und Humanitätsfreund Jacob B. Brandeis, der am 3. Juni d. I. ins biblische Alter trat und gleichzeitig das Jubiläum seiner dreißigjährigen Wirksamkeit als Präsident des von ihm gegründeten „Vereins zur Unterstützung der hilfsbedürftigen Jugend, Chanuka" in Prag feiern konnte. Der Jubilar, den ich seit Jahrzehnten persönlich kenne, ist ein abgesagter Feind jedes Personenkultus, aller geräuschvollen Demonstrationen und.vor allem jeglicher Beweihräucherung der .Verdienste, die sich jemand run die Wissenschaft, die Literatur oder um sein Voll erworben. Besonders widerwärtig sind ihm die heute .üppig wuchernden Jubiläumstage. Während man in der alten guten Zeit höchstens neunzig- oder hundertjährige Greise, die durch ihre großen Taten oder Gedanken auf die Unsterblichkeit Anspruch machen konnten, feierte, ist es gegenwärtig Tagesordnung, Jubelgreise von — fünfzig Jahren schon in den Himmel zu heben und sie zu verherrlichen, wobei man urplötzlich Vorzüge in ihnen entdeckt, die bis dahin in den weitesten Kreisen rühmlichst unbekannt waren und die man selbst nicht einmal durch die Lupe des Bakteriologen zu entdecken vermochte. Ich fürchte daher, daß Jakob Brandeis mir es mir sehr übel nehmen wird, daß ich seinen siebzigsten Geburtstag zum Anlaß nehme, um mit einigen Worten seine Leistungen zu würdigen, aber.es erscheint mir als die Pflicht der jüdischen Presse, dieses Mannes zu gedenken, der in seiner einfachen, schlichten und bescheidenen Weise sein Leben, seine Tatkraft und sein Können dem Dienste des Judentums geweiht hat. Jakob B. Brandeis wurde in Prag geboren. Sein Vater — gestorben 1859 — war zuletzt Hauptkassierer und Prokurist beim Bank- und Großhandlungshaus Simon Edler v. Laemel in Wien zehn Jahre lang, später bekleidete er diese Stelle auch bei dessen Sohn, Leopold Ritter von Laemel in Prag, und zwar volle 30 Jahre. Sein Großvater, der Rabbiner und „Unterjurist" in der -Prager jüdischen Gemeinde, Baruch Brandeis, war der Verfasser der Werke: „Leschon Chachomim" und „Seder Baruch". Zu den Ahnen des Jubilars zählt auch der Gaon Rabbi Moses Brandeis, Schwiegersohn des bekannten, ja berühmten hohen Rabbi Löw in Prag, des Günstlings Kaiser Rudolf II. Jakob Brandeis hatte nach fleißigen biblischen und talmudischen und allgemein wissenschaftlichen Studien sich ausschließlich der Publizistik gewidmet. Seit 40 Jahren schon steht er im Dienste der angeblich siebenten Großmacht, der Presse; er war hintereinander Redakteur der „Epoche" in Prag, des „Wanderer" in Wien, der „Gegenwart" und der „Israelitischen Gemeindezeitung" in Prag und ist seit Jahrzehnten Herausgeber und Schriftleiter des seinen Namen führenden „Illustrierten israelitischen Volkskalenders."' In allen diesen Organen trat er stets mit ebensoviel Sachkenntnis als Begeisterung für die Judenemanzipation, den konfessionellen Frieden, die religiöse Duldung, aber auch für die Ehre und Wissenschaft des Judentums ein. Obwohl er über eine schneidige Feder verfügt und» in Vers und in Prosa seine Ansichten unumwunden zu äußern pflegt, war er auch als Polemiker nie verletzend und wie im Leben, so auch als Journalist und Schriftsteller eine vornehme und konziliante Natur. Wie als Publizist, Schriftsteller und Schriftleiter hat er sich in seiner Eigenschaft als Buchhändler bezw. Verlagsbuchhändler gleichfalls Verdienste um die jüdische Literatur erworben. Er ist in dieser seiner Eigenschaft in weiten Kreisen rühmlichst bekannt und durch die große Rührigkeit, die er entfaltete, hat er nicht wenig dazu beigetragen, in alle Schichten des Publikums das Verständnis für die Wissenschaft, Literatur und die Geschichte des israelitischen Stammes zu tragen. Weit über hundert Schriften, unter denen manche schätzenswerte aus seiner eigenen Feder,, gingen aus seinem Verlage hervor und erfreuen sich allgemeiner Verbreitung. Eine treffliche Idee von ihm war die Begründung der „Jüdischen Universalbibliothek". Wie Neclam durch seine Universalbibliothek, die für einen überaus billigen Preis gediegene Werke liefert, den Nagel auf den Kopf getroffen und die Literatur in bis dahin noch nicht dagewesener Weise popularisierte, so hat Brandeis die Schätze der jüdischen Wissenschaft und der belletristischen Literatur für. wenige Groschen auch dem Aermsten im Volk zugänglich gemacht und so einem dringenden Bedürfnisse abgehölfen. Ein besonderes Wort der Anerkennung und Würdigung gebührt noch dem Humanitären Wirken des Mannes. Auf dem Gebiete der gemeinnützigen Tätigkeit für das allgemeine Wohl hat er sich rühmlich hervorgetan. Anfangs der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde er in den Gemeinderat der Hauptstadt Prag gewählt und wurden ihm die verschiedensten Agenden in den einzelnen Sektionen zugewiesen. Im Jahre 1872, als Prag von einer großen Ueberschwemmung heimgesucht wurde, gehörte er als einziger Jude dem städtischen Hilfskomitee an und trat mit allem Eifer ein für die Unterstützung jener israelitischen Gemeinden im allgemeinen und der einzelnen Glaubensgenossen im besonderen, die Schaden gelitten hatten; alle seine Schritte nach dieser Seite hin wurden mit Erfolg gekrönt. Welcher Beliebtheit das humanitäre Wirken von Brandeis für die Kommune sich zu erfreue n hatte, beweist schon der Umstand, daß nach seinem freiwilligen Scheiden aus dem Gemeinderat er von dem damaligen Bürgermeister Prags, Franz Dietrich, ein schmeichelhaftes Anerkennungsschreiben erhielt, worin das Gemeindehaupt unter andern.: sein Bedauern darüber ausdrückte, daß es der Prager Kommune nicht mehr vergönnt sei, eine so vorzügliche und verdienstvolle Kraft für die Gemeindeverwaltung ferner zu besitzen. Seit 1869, also seit 36 Jahren, gehört er dem Vorstande des Vereins „Chanuka" an und als Präsident leitet er, wie gesagt, volle drei Jahrzehnte den Verein. Unter seiner Führung hat der Wohltätigkeitsverein einen großen Aufschwung genommen; u. a. wurden mehr als - 4000 schulpflichtige israelitische Kinder für die strenge Winterjahrszeit vollständig equipiert und einer großen Anzahl israelitischer Handwerkerlehrlingen namhafte Stipendien verliehen. Er ist Mitglied des Ausschusses des im Jahre 1892 ins Leben getretenen israelitischen Ferienkolonievereins seit dessen Bestand; ebenso stand er der Gründung desselben, sowie der des „Zentralvereins für die Pflege jüdischer Angelegenheiten", dem er auch in' den ersten Jahren als Ausschußmitglied angehörte, nicht fern. Eine Zeitlang fungierte er als Vorstandsmitglied des Fortbildungsvereins für israelitische Mädchen. Seine mannigfachen Verdienste auf dem Felde der- Wohltätigkeit und des allgemeinen Wohls sowie seine echt vaterländische Gesinnung wurden bei zahlreichen Anlässen von hoher und höchster Stelle

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