Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-09 · Heft 23 (9.6.1905) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 23 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228636-3228660--61778-3275617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Handel zu bewahren. Der Kunsthändler Hermann Heinemann hat nun ein bescheidenes, von seinem Vater' .David Heinemann heg rundstes Kunsthandelgeschäft zum Segen der Münchener Kunst in einer Weise in die Höhe gebracht, daß es als Gallerie Heinemann wohl ein Weltgeschäst, jedenfalls - aberdas größte in München geworden sein dürfte. Während? früher^das Geschäft in gemieteten. Näamen betrieben wurde, wurde vor etwa zwei Jahren das Haus Nr. 3 am Maximiliansplatze eigens für die Zwecke einer Gemäldegallerie von einem berühmten Architekten, Professor Seidl, um gebaut und sind in dem Neubau ständig periodische Ausstellungen der hervorragendsten Gemälde der Welt untergebracht worden, die regelmäßig unmittelbar nach ihrer Eröffnung vom Prinzregenten besichtigt worden sind. Hermann Heinemann, wenn auch nicht der einzige Inhaber des unter dem Namen Gallerie Heinemann betriebenen Geschäftes, so doch sicherlich die Seele des Geschäftes, hat nun durch die Ausdehnung des Geschäftes und durch die Erbauung und Eröffnung des Galleriegebäudes um die Stadt München und Kunsthandel und Künstler zweifellos mit die größten Verdienste sich erworben, welche nach Zeitungsberichten jetzt anläßlich der Eröffnung der Internationalen Kunstausstellung die allerhöchste Anerkennung dadurch gesunden haben, daß, ohne daß bei dieser Gelegenheit von anderen Auszeichnungen bis jetzt etwas an die Oeffentlichkeit kam, der Prinzregent Hermann Heinemann, und zwar sicherlich aus eigenstem Antrieb, zum Königlich bayerischen Kommerzienrat ernannte. Es ist hier sehr selten, daß eine einzelne Persönlichkeit mitten im Jahr derartig ausgezeichnet wird. GesterreiH-Angarn. □ Wien, 5. Juni. Am 15. d. M. fand hier wieder einmal eine Sitzung des „Allg emeinen Oesterre ichisch-Israelitischen Bundes" statt, der bekanntlich wie ein Veilchen bisher nur im Verborgenen blühte. Nach den Berichten soll der Vorsitzende gesagt haben, daß bisher eigentlich nur „Vorarbeiten" geleistet worden seien. Die Debatten erstreckten sich so ziemlich über alle Fragen des jüdischen Lebens; hauptsächlich wurde über den Religionsunterricht gesprochen. Am wichtigsten erscheint die Schaffung einer Lehrerbildungsanstalt für jüdische Religionslehrer, da insbesondere in der Provinz großer Mangel an zu diesem Zwecke ausgebildete Personen besteht. Die Wiener Kultusgemeinde will sich gern an die Spitze stellen; doch sei die Mitwirkung zumindest der anderen großen Gemeinden erforderlich, in deren Interesse diese Anstalt ganz besonders gelegen sei. Ein Hauptinteresse haben aber diejenigen Gemeinden, wo derzeit noch konfessionelle Schulen bestehen. Leider fehle es der Mehrzahl dieser Gemeinden an der richtigen Würdigung dieser Angelegenheit. Dr. I. Bloch teilt mit, daß ein Gesetzentwurf mit Motirenbericht für eine Organisation der jüdischen Gemeinden im Ministerium nusgearbeitet liege und daß in der Negierung große Geneigtheit' für eine solche Organisation vorwaltet. Er bemerkt, daß man für die Popularisierung des „Bundes" und für eine größere Propaganda sorgen müßte und daß öfter Berichte im Wege der Publizistik veröffentlicht werden sollen. Das ist Zehr richtig! — Einer der ältesten Friedhöfe Wiens, der im Garten des israelitischen Versorgungs- Hauses in der Seegaffe bestehende Jüdenfriedhof, wird, einem Beschlüsse der Kultusgemeinde zufolge, restauriert werden. Es wurde eine eigene Kommission eingesetzt, 'bie sich mit der Entzifferung und Prüfung der Inschriften auf den alten Grabsteinen zu befassen hat. Die Kommission soll ferner Vorschläge erstatten, in welcher Weise man die historisch-interessanten Grabdenkmäler renovieren könnte, ohne ihre altertümlichen Merkmale zu verwischen. Die Kosten der Aktion müssen von der Kultusgemeinde getragen werden, weil keine Verwandten der auf dem Friedhofe Ruhenden mehr nachweisbar sind.' Man schätzt die Ausgaben auf 60000 Kronen. Es soll auch eine Beschreibung der Grabsteine im Druck herausgegeben werden. Das letzte Begräbnis auf dem alten Friedhofe fand zu Kaiser Josefs Zeiten statt. — Bndapest, 26. Mai. Im israelitischen Kultustempel in der Tabakgasse sand heute. Vormittag für weiland Rabbiner .Dr. M. Kahserling ein Trauergottesdienst statt? Im Gotteshause Hause hatten sich der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde mit dem Präsidenten Hosrat Sigmund Kohner, der Vorstand der Chewra Kadischa mit dem Präsidenten Jakob Boschan, ferner der Beamtenkörper der Gemeinde unter Führung des Generalsekretärs Professors Dr. Goldziher. dann die Familienmitglieder des Verstorbenen und ein' sehr zahlreiches Publikum eingesunden.' Die Feier wurde mit einem Psalm eingeleitet, den Oberkantor Professor Lazarus vortrug. Dann bestieg'Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn die Kanzel und hielt dem verstorbenen Kollegen eine gedankenreiche und warm empfundene Gedenkrede. Mit einem Gebet für das Seelenheil des Verstorbenen .schloß-Dr. Kohn seine Predigt. Oberkantor Professor Lazarus trug nun wieder einen Psalm: vor und verrichtete dann das rituelle Gebet für das Seelenheil des Verstorbenen, womit die pietätvolle Feiex schloß. Frankreich. G Paris, 1. Juni. Unter überaus großer Beteilignng hat am 29. v. M. die Beisetzung des Barons Alphonse Rothschild auf dem Pere Lachaise stattgefunden. Präsident Loubet hatte einen Vertreter entsandt. Unter den anwesenden bemerkte man die meisten Minister, sowie die Mitglieder des diplomatischen Korps. Nachdem der Großrabbiner von Frankreich ein Gebet verrichtet hatte, wurde der'Sarg auf einen zweispännigen Trauerwagen gehoben und der lange Zug fetzte sich in Bewegung. Vorerst zu Wagen die Rabbiner, sodann zu Fuß die Delegationen des Hauses Rothschild, der Bank von Frankreich, der Nordbahn und zahlreicher Wohltätigkeitsvereine, deren Gönner der Verstorbene war, unmittelbar hinter dem Trauerwagen schritten die Leidtragenden Verwandten/ Oberst Chabaud als Vertreter des Präsidenten der Republik, die Mitglieder der Regierung, die Vertreter der Akademie, die Delegierten des Maires von Paris, . des Konsistoriums, sowie viele andere. Auf dem Friedhofe wurden die letzten Gebete verrichtet und Psalmen gesungen (jede Grabrede hatte der Hingeschiedene sich verbeten), sodann der Sarg in der Familiengruft beigesetzt, welche sich auf der israelitischen Abteilung des Päre-Lachaise unweit vom Grabmal der Tragödin Rachel befindet. Das Kadisch-Gebet sagte der Sohn des Verblichenen, Baron Eduard Rothschild. L. A. F. Odessa, 21./4. Mai. Die jüdischen Soldaten der Grodnoer Garnison, namentlich der drei Regimenter der 26. Division, des Kobiner Regiments, der Festungssapeurs und Trainbataillons und der Artilleriebrigade, schenkten dem „Roten Kreuze" die ihnen zukommende Verpflegung während der. acht Tage des jüdischen Osterfestes. — In Wladiwostok befinden sich gegenwärtig ungefähr tausend jüdische Soldaten. — Auf dem dänischen Dämpfer „Kursn" und dem russichen Dampfer „Kurgan" sind vor' kurzem aus Libau nach England ungefähr 200 Auswanderer (Männer, Frauen und Kinder) verreist, die-sich nach Amerika' begeben. —- Der Chef der Telegraphenabteilung in Bragin verweigerte die Annahme eines Telegramms, welches auf' den Namen des Vorsitzenden des Ministerkomittees, Witte, von der lokalen jüdischen Gemeinde adressiert war. Die Depesche wurde Per Post übermittelt. — Der Ingenieur I. B. Bak machte der Gesellschaft, zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland den Antrag, daß er bereit sei, der Talmud-Thora in Swenzjanh eine j ährliche Subvention von 500 Rubeln zu leisten, unter der Bedingung, daß die notwendige innere Reorganisation vorgenommen werden solle. — Am 24. März feierte man in Warschau das fünfzigjährige Jubiläum des bekannten jüdischen Schriftstellers Sch. P. Rabinowitsch (Schefer). Die Hauptarbeit des Jubilarsist die Uebersetzung von Grätz' „Geschichte der Juden" in hebräischer Sprache, welche er mit reichlichen Anmerkungen versah. Außer dieser Uebersetzung, an welcher Herr Rabinowitsch viele Jahre hindurch arbeitete, hat er eine große Reihe von wertvollen Monographien verfaßt. — Der Direktor und Schatzmeister des Beßarabischen Gefängnis-Komitees, Ehrenbürger Moses Grünberg, erhielt den St. Stanislausorden 2. Klasse.' — Zum persönlichen Ehrenbürger wurde der Direktor der Akkermauer Gefängisabteilung, Kaufmann Michel Gutnik, ernannt. —, Der „Petersburger Listok" und die anderen Zeitungen sprechen die Hoffnung aus, das das Gesetz über Gewissensfreiheit in Bälde auch auf die Juden angewendet werden wirddie Beschränkungen^ in ihren allgemeinbürgerlichen Rechten erleiden. — Der Kapellmeister des 57. Modliner Regiments, L. Tschernezky (Jude), erhielt für seine'Teiln ah me an der Schlacht bei Mukden den St. Stanislausorden mit Schwertern. Außer diesem Orden' wurde ihm noch der persönliche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.