Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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r'y'" 'W* •, t Adel, und seiner Familie die erbliche Ehrenbürgerwürde verliehen.— Der Militärarzt aus dem Kriegsschauplätze, Tr E. Herrn an, vom hiesigen jüdischen Hospital erhielt den Stanislausorden mit Schwertern und dem Bande. — Die Zeitung „Israel Messenger", die in Schangai erscheint, erfuhr von den gefangenen Soldaten, daß in Port Arthur ungefähr zweitausend jüdische Soldaten sich befanden. Ungefähr sechshundert wurden getötet und die übrigen wurden gefangen genommen^ — In Zitomir wurde von der Bande der Aufwiegler der dortige hebräische Schriftsteller Sch. Setzer am Kopfe verwundet. — Im Projekt der Abänderung des Paßsystems befindet sich die Ausrechterhaltung desselben für Personen jüdischen Glaubens. — Eine Depesche aus Petersburg lautet folgendermaßen: „Die im Winter erlassene Verordnung, die nach Kiew kommenden Juden nicht zu belästigen, ist abgeändert worden. Der Kiewer Polizeimeister beauftragte bekanntlich, dieselben unverzüglich aus Kiew auszuweisen". —. Der von Port Arthur nach Odessa zurückgekehrteMilitärzt Dr.Bortschewsky (Sohn des gewesenen Kischinewer Rabbiners) erhielt für seine Verdienste auf dem Kriegsschauplätze zwei Medaillen und zwei Orden, einen derselben von der französischen Regierung. — In Regierungskreisenwird die Frage der Erleichterung derMöglichkeit derEmigration erörtert. — Das Ministerium des Innern revidiert das- Projekt der Reorganisation der jüdischen wohltätigen Anstalten. Von MH und Fern. — Der Privatdozent Dr. Moritz Borchardt, erster.Assistenzarzt von Geheimrat v. Bergmann, ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden. — Die Herren Louis Levin (in Firma: S. Levin) und Benno Orenstein (in Firma: Orenstein und. Koppel) sind zu Kommerzienräten ernannt worden. — Der bisherige Dozent an der Königlichen Technischen Hochschule in Berlin, Prosessor Dr. Leo Grunmach, ist zum etatsmäßigen Professor an dieser Anstalt ernannt worden. — Sanitätsrat Dr. Oskar Rosenthal hat den Roten Adlerorden IV.Klasse erhalten.— Einer der angesehensten Berliner Aerzte, Geheimer Sanitätsrat Dr. Croner ist am 5. d. M. nach langen Leiden gestorben. —: Anläßlich der Jubelfeier in Charlottenburg erhielten die beiden. Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Rosenberg und Kaufmann den Roten Adlerorden IV. Klasse. — Nach längerem Leiden ist in Charlottenburg Sanitätsrat Dr. Joseph Mühsam gestorben. Dr. Mühsam, der ein Alter von 53 Jahren erreicht hat, übte seit 1874 die ärztliche Tätigkeit aus. Er war bis zu seiner Uebersiedlung nach Charlottenburg zuerst im Osten Berlins und später im Zentrum der Stadt angesessen und hatte dort eine umfangreiche Praxis zu versehen. — Am 27. v. M. ist hier die Schriftstellerin Ottilie Bach im.68. Lebensjahre gestorben. Sie hat sich in den siebziger und achtziger Jahren durch eine Reihe von Romanen und Novellen, von denen einzelne auch in unserm Blatte erschienen, bekannt gemacht. — In Frankfurt a. M. ist am 29. v. M. Herr Jacob Sichel, der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes.der jüdischen Gemeinde im 55. Lebensjahre gestorben. — Der orthodoxe Rabbinerverband hat in. seiner Generalversammlung vom 25. Oktober v. I. die folgende erst jetzt veröffentlichte Resolution angenommen: „Die Prinzipien des Misrachi, als einer Fraktion innerhalb des Zionismus, sind mit den Grundsätzen des überlieferten Judentums nicht zu vereinbaren". Der Misrachi ist die Vereinigung der orthodoxen Rabbiner Rußlands, die dem Zionismus angehören. — In Paris ist am 2. d. M. die bekannte Bildhauerin Frau Elisa Bloch gestorben. Ihre bekannteste Leistung war der „Moses mit den Gesetzestafeln", eine Bronze (von Barbedienne vielfach gegossen). Frau Bloch, die übrigens auch journalistisch tätig gewesen ist auf dem Gebiete der Frauenfrage, war Otüeier de I'Instruction publique und Inhaberin vieler ausländischer Orden. —' In der am 6. v. M. abgehaltenen Generalversammlung der Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter den Juden, wurde mitgeteilt, daß die Einnahmen der Gesellschaft 40 349 Pfund, die Ausgaben 37 227 Pfund betragen haben. Die Gesellschaft unterhält in 49 verschiedenen Plätzen 212 Missionäre, von denen jeder im Durchschnitt das anständige Einkommen von 3572 Mk. hat. Wie viele Juden diese ungebetenen Wohltäter Israels selig gemacht haben, darüber schweigt sich der Berichterstatter wohlweislich aus. — Bekanntlich hat der Zar in seinem Erlaß vom 24' August bestimmt, daß die mit Auszeichnung in der Mandschurei kämpfenden jüdischen Soldaten das Wohnrecht in allen Teilen des russischen Reiches erhalten. Wie wenig jedoch der Tschin sich um diesen Erlaß kümmert, beweist die Tatsache, daß die Frauen und Kinder der im .Osten verwundeten im Militärlazarett zu Petersburg liegenden jüdischen Soldaten, welche ihre kranken Männer besuchen wollten, sofort nach ihrer Ankunft in Petersburg ausgewiesen wurden. Die Zahl dieser Ausweisungen wurde schließlich so groß, daß die Oeffentlichkeit und die Presse darauf aufmerksam wurde, und Herrn Trepow an den Erlaß des Zaren so energisch erinnerte, daß er. schließlich klein beigeben mußte. Seit einiger Zeit dürfen die Angehörigen der verwundeten jüdischen Soldaten ungestört nach Petersburg kommen, «nt ihre Familjenhäupter zu besuchen. — Nach einer stür-. mischen Sitzung beschloß der Belostoker Gemeinderat infolge Mitteilungen der Stadtverordneten über die Greuel, die die Kosaken veranstalten, wobei 37 Tote und Verwundete zu beklagen sind, folgendes: den Gouverneur zu ersuchen, diese Angelegenheit streng zu untersuchen und für die Zukunft Maßregeln für die persönliche Gefahrlosigkeit der Einwohner zu treffen. — Der Gouverneur bestätigte in Schitomir das Komitee zur Unterstützung der Beschädigten bei den dortigen antisemitischen Ausschreitungen. Der Vorsitzende desselben ist der Stadtrabbiner Dr. Skomarowsky. Geldsendungen sind an den Schatzmeister I. A. Spielberg zu richten. — Der Herausgeber des „Hazo fe" widerlegt die Mitteilung über Einstellung dieses Organs. Diese Zeitung hat ihre Existenz nicht beschlossen, sondern bloß provisorisch eingestellt. — „Der Freind" teilt mit daß 30 getaufte Juden sich an das Ministertum des Innern gewendet haben, ihnen die Bewilligung zu erteilen, zum Judentum zurückzukehren, auf Grund des kaiserlichen Gesetzes vom 17./30. April. — In Augustowo in Polen ist gleichzeitig mit Jules Verne der dort wohnende Uebersetzer seiner Werke in hebräischer Sprache, Herr Israel Sperling im 90. Lebensjahre gestorben ist. — Aus Kischi new berichtet man, daß in ganz Bessarabien neuerliche Judenhetzen befürchtet werden, da die Negierung berüchtigten Hetzern gerade jetzt die Bildung einer „Bessarabischen Patriotenliga" gestattet hat, deren Zweck es angeküudigtermaßen ist, die Regierung „in dem Kampfe gegen Feinde der jetzigen Staatsordnung zu unterstützen und fremde Friedensstörer unschädlich zu machen". Die Patriotenliga, eine Gründung Kruschewans, erfreut sich einer auffälligen Protektion der Behörden. — Der Verfasser des nachträglich als gefälscht festgestellten Berichtes über die Vorgänge in Schitomir, den der offizielle Regierungsbote veröffentlicht hatte, ist ermittelt. Die „Nowosti" teilen mit, daß dies agitatorische Machwerk vom Staatsanwalt des Schitomirer Landgerichts herrührt! — Wie der „Ssyn Otetsch." erfährt/ ist in den Kreisen der gebildeten Juden der Gedanke angeregt worden, im Hinblick aus die Opfer der Judenhetze in Schitomir, im Lause von drei Monaten keine Theater, Konzerte und andere Vergnügungen zu besuchen und Trauer anzulegen. Einen ähnlichen Beschluß sollen die Juden mehrerer anderer Städte bereits gefaßt haben. — In Siedlce hatten sich im Walde in der Nähe der Stadt mehrere hundert junge Israeliten versammelt. Sie wurden von Truppen umzingelt und ins Stadtgefängnis abgesührt. Dabei wurden 50 Personen verwundet, darunter 7 schwer. — In Mins kversuchten die „Hooligans" einen Exzeß gegen die Juden zu veranstalten. Letztere setzten sich tapfer zur Wehr. Viele Juden sind verletzt. — Der Minister des Innern sandte an diejenigen Ortschaften, wo in letzter Zeit Ausschreitungen gegen die Juden stattfanden, eine Kommission ab, um die Ursache der Exzesse zu ermitteln und die Arrangeure zur Bestrafung zu ziehen. — Der amerikanische Botschafter in Petersburg, Meyer-Lengerke, teilt offiziell mit, daß das neue russische Paßgesetz auch den Israeliten, die amerikanische Bürger sind, den Aufenthalt in Rußland gestattet, was zu erreichen einen fünfundzwanzigjährigen Kampf gekostet hat. Diese Nachricht bedarf aber einer Korrektur. Erstens ist das Preßgesetz überhaupt noch nicht angenommen. Zweitens gestattet der Entwurf allen ausländischen Juden unbeschränkte Bewegungsfreiheit in Rußland. — Der Newyorker Philantrop Jakob H. Schiff hat der Harvard- Universität 200000 Mk. gestiftet, damit fünf Jahre lang jedes Jahr eilte Forschnugsexpedition nach Palästina ausgeschickt werde.