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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-09 · Heft 23 (9.6.1905) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 23 (9.6.1905)
Date
1905-06-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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69. Jahrgang. No. 23. (|jj^|^|* Berlin, 9. Jnni 1905, Vetlsge zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums" lkorrelpondmffm und Mschrichtm. Deutschland. s. Berlin, 1.Juni. In der Wissenschaftlichen Vereinigung gab am 13. v. M. der Vorsitzende bekannt, daß ans Veranlassung des Kollegen Steinhardt-Magdeburg am 2. Osterfeiertage zwischen dein Genannten, den Kollegen Fiegel, Hauff und Auerbach und ihm selbst eine Aussprache über die namentlich infolge des Protokolls zum Kasseler Verbandstage eingetretene 'Mißstimmung stattgefunden habe. Von seilen der Berliner Kollegen sei aufs entschiedenste gefordert lvorden, daß im Verbände selbst und in seinen Publikationen der liberalen Anschauung der Lehrerschaft dieselbe Berechtigung zuerkannt werde wie der konservativen. An Stelle des angekündigten Kellermann'schen Vortrages treten zwei Referate. Zuerst berichtet Kollege Hirschfeld über Dr. Doctors Büchlein „Abram"; er meint, daß der Inhalt desselben, im wesentlichen nur Legenden, Kinder von höchstens acht bis neun Jahren interessieren könne, zum Verständnis der an sich recht hübschen, aber sehr gewählten, oft blühenden Sprache jedoch ein Alter von mindestens 12 bis 13 Jahren erforderlich sei; an diesem Widerspruch werde wohl die Verwendbarkeit des Büchleins scheitern. Darauf spricht Kollege Hauff über Dessauers Schrift: „Die jüdische Geschichte im Zeitbilde großer Kulturstufen". Der Referent sieht sich zu seinem Bedauern zu einem gänzlich ablehnenden Urteil gezwungei^: die Sprache sei gar zu schwülstig, der Ausdruck entbehre allzuerft der Klarheit, die Anlage lasse alle Oekonomie vermissen, da breite Ausführlichkeit und übermäßige Dürftigkeit gerade an unpassender Stelle aufträten; auch enthalte die Arbeit zahlreiche Jrrtümer und llugenauigkeiten. Die vielen Stellen, die der Redner zum Beweise seiner Behauptungen zitiert, zeigen, daß obiges Urteil gerechtfertigt ist. — Berlin, 3. Juni. Es wird hierdurch nochmals daran erinnert, daß der Kantorentag am 12. und 13. d. M. im Repräsentantensaale der hiesigen jüdischen Gemeinde stattfindet, und beginnen die Sitzungen an beiden Tagen präzise 10 Va Uhr vormittags. Eventuelle Anfragen sind an Herrn Kantor Alb. Rosenthal, Hierselbst, Johannisstraße 4, zu richten. - - 8. Berlin, 5. Juni. Der Israelitische Unterstützungsverein für Obdachlose hielt seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Rechtsanwalt Alexander ab, der bei „Erstattung des Jahresberichts zunächst auf die außerordentlich gesteigerten Ansprüche hinweist, die im verflossenen Jahre an den Verein gestellt wurden und die seine Mittel fast gänzlich erschöpften, so daß er sich gezwungen sah, für kurze Zeit seine Tätigkeit in der Stadt auszusetzen. Der ernsten Sachlage Rechnung tragend, stellte das hiesige Komitee für die russischen Juden dem Verein 10000 M. zur Verfügung und ermöglichte ihm so, seine Tätigkeit im vollen Umfange wieder aufzunehmen. Des Weiteren gedenkt der Vorsitzende eines hiesigen Philantropen, des Herrn Hermann Pinkus, der in seiner bekannten Munifizenz ein Kapital von 15000 M. bei der Depositenkasse der Deutsch-Israelitischen Gemeinde als Stiftung hinterlegte mit der Bestimmung, daß die Zinsen der Vereinskasse zufließen. Diesen! edlen Menschenfreund, dem unsere Stadt schon mehrere wohltätige Stiftungen verdankte, sagte er auch von dieser Stelle den wärmsten Dank im Namen der vielen Armen, deren Not und Elend dadurch gelindert werde. Was nun die Vereinstätigkeit anbelangt, so wurden im verflossenen Jahre in der rituellen Küche des Vereins in den Auswandererhallen 36020 Personen verpflegt. Im'Vereinsbureau in der Stadt wurden 4424 Anweisungen für Nachtquartier ausgegeben, während dort 4960 Portionen Kaffee und 2474 Portionen Mittagessen verabreicht wurden. An 2730 Durchreisende wurde Reiseunterstützung gewährt und 1812 Personen wurden gratis mit Stiefeln ünd Wäsche aus Kosten des Vereins versehen, außerdem kam der Verein noch für 527 Verpflegungstage im Hospital auf. — Eine derartige ausgebreitete Vereinstätigkeit erfordert auch große Mittel und so wurden auch für Speisung, Zehrgeld rc. 13639 M. verausgabt, während die Ausgaben für Nachtquartier 1770 M. und für Bekleidung 1280 M. betrugen. Die Ausgaben aus dem Krankenhausfonds (Baronin Klara Hirsch-Fonds) beliefen sich auf 1015 M., während das Bureau in den Auswaudererhallen (inkl. Köchin) 2005 M. kostete.. Die Abrechnung wurde als richtig anerkannt und dem' Kassierer Decharge erteilt. 8. Berlin, 2. Juni. Der zweite Jahresbericht des Hilfsvereins für die jüdischen Taubstummen in Deutschland pro 1904 meldet, daß dieses Jahr ein arbeitsames aber auch segensreiches 'gewesen sei. Der Appell an weitere Kreise, für die unglücklichen Taubstummen helfend einzutreten, hat überall in jüdischen Herzen einen lebhaften Wiederhall geweckt. Der Verein zählt heute bereits 1516 Mitglieder, außerdem sind von 373 weiteren Personen einmalige Beiträge geleistet. Das Vermögen des Vereins beträgt nach nur zweijährigem Bestehen 22 500 M. in Effekten, 325,55 M. in bar, ein Beweis für die Lebensfähigkeit und Existenzberechtigung dieser jungen Institution. In erster Reihe hat der Verein es für seine Aufgabe gehalten, für Arbeitsgelegenheit zu sorgen, von dem Gedanken ausgehend, daß auch für die Taubstummen Arbeit besser denn Almosen ist. Es ist gelungen, in den meisten Fällen den Arbeitsfähigen Arbeit zu verschaffen, ferner einzelne Taubstumme ihrer Fähigkeit dahin entsprechend in einzelnen Berufen ausbilden zu lassen. Leider ist auch eine große Anzahl Arbeitsunfähiger vorhanden; für diese trat in erster Reihe die Wohltätigkeit ein. Aber nicht nur dem materiellen, sondern auch dem idealen Wohl seiner Schützlinge galt das Streben des Vereins. Wie im vergangenen Jahre, so hatte der Vorstand auch in diesem für Gottesdienst an den hohen Feiertagen gesorgt, der überaus stark von den Taubstummen und deren Angehörigen besucht war. Eines ebenso regen Zuspruchs erfreuten sich die Vortragsabende. Erfreulicherweise hat sich auch in Breslau ein Zweigkomitee unter der verständnisvollen Leitung des Herrn Lippmann Bloch gebildet. Sein Hauptaugenmerk muß nun der Verein daraus richten, für alte und arbeitsunfähige Taubstumme überall in Deutschland Unterkunft zu verschaffen, um ihnen den Lebensabend menschenivürdig zu gestalten. Dieser großen Aufgabe ist jedoch der Vereiu mit seinen jetzigen Mitteln nicht gewachsen. Er bedarf daher dringend fernerer Teilnahme. Der Vorstand besteht aus den Herren: Theodor Löwenberg, Vorsitzender, William Neumann, Schriftführer, Moritz Leichtentritt, Rendant, Dr. Julius Moses, stellv. Vorsitzender, Adolf Köhler, stellv. Schriftführer, Jlia Ber, stellv. Rendant, Hugo Reichenheim, Beisitzer. Den Ausschuß bilden die Herren: Albert Silbermann, Vorsitzender, Julius Ebenstein, Schriftführer, David Struck, stellv. Vorsitzender, Max Salomon, stellv. Schriftführer, Rabbiner Dr. Eschelbacher, Prof. Dr. Julius-Lazarus, Prof. Dr. H. Rosin. 8. Berlin, 4. Juni. Am 31. v. M. ist hier infolge einer Blinddarmoperation plötzlich aus dem Leben geschieden Herr Siegfried Marcuse, einer der Leiter der Feldbahnfabrik Arthur Koppel. Derselbe hinerläßt eine in Kolonialkreise.n bitter empfundene Lücke. Trotz seiner Jugend — er zählte erst 37 Jahre — war er der Anreger der großen Ottavi-Bahn in Südwestafrika und ihr schließlicher Erbauer. In all dem Herero-Kriegslärm hat der kühne Kaufmann, dem ein großer Zug eigen war, sein Werk fortgesetzt und schließlich die deutsche Regierung bewogen, sich dem Unternehmen pekuniär anzuschließen. Jetzt ist der hochbegabte Mann, der auch gesellschaftlich allgemeine Beliebtheit genoß, unvermutet seinem Wirkungskreise entzogen worden, zu einer Zit, wo derartige Kaufleute unseren Kolonien fehlen. Die Beerdigung fand heute unter zahlreicher Teilnahme der beteiligten Kreise in Weißensee statt. Kp. Aus -er Provinz Posen, im Juni. Bankier Georg Galewski in Pleschen ist zum Königlichen Lotterie-Einnehmer daselbst ernannt worden. — Jüngst ist im Alter von 77 Jahren der emiritierte Lehrer Gustav Lißner, der bis zu seiner vor 10 Jahren erfolgten Pensionierung Lehrer an der jüdischen Schule zu

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