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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-02 · Heft 22 (2.6.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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. —— 3 n. Breslau, 23. Mai. Am 19. d. M. feierte Herr Rabbiner Dr. Rosenthal das Fest seiner silbernen Hochzeit. Der Vorstand der Gemeinde überreichteein paar prächtige silberne Leuchter und die israelitische Krankenverpflegungsanstalt einen Tafelaufsatz. Prachtvolle Geschenke und Blumenspenden wurden von Vereinen und Gemeindemitgliedern überreicht. Sämtliche jüdischen Vereine hatten ihre Vertreter gesandt, um dem Jubelpaare ihre Glückwünsche zu überbringen. Auch viele Vereine, die allgemeine Bestrebungen zum Ziele haben, waren vertreten. Auch eine Abordnung der Schulkinder unter Führung des Lehrerkollegiums war erschienen. Rabbiner Dr. Deutsch hielt eine Ansprache. Rabbiner Dr. Rosenthal antmortete allen Rednern in warmen und herzlichen Worten. Eine synagogale Feier ayr Sonnabendschloß das schön verlaufene Fest. — Dr. H. Chone, ein früherer Hörer des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars, wurde einstimmig zum zweiten Rabbiner und Religionslehrer in Nürnberg gewählt. Hamburg, 18. Mai. Der Verein zur Förderung jüdischer Interessen in Hamburg hielt im Logenheim eine Mitgliederversammlung unter Vorsitz des Herrn Alfred Cohn ab. Der Vorsitzende begrüßte die Anwesenden und teilte mit, daß der Vorstand der Verivaltung der Deutsch»Israelitischen Gemeinde sowie den Vorständen des Synagogen- und Tempelverbandes seine Konstituierung angezeigt habe. Ferner seien die einleitenden Schritte unternommen worden, um, dem Beschluß der vorigen Versammlung entsprechend, eine Verständigung zwischen dem Synagogenverband und der Verwaltung der neuen Dammtor-Synagoge anzubahnen. Alsdann trat die Versammlung in eine Besprechung ein über die letzte vorliegende Abrechnung der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Der Referent, dem vom Gemeindevorstand in liberaler Weise Auskunft über die Einzelheiten der Abrechnung gegeben worden, machte der Versammlung Mitteilung, wie sich die einzelnen Einnahme- und Ausgabeposten zusammenfetzen. Aus der sich an das Referat knüpfenden Besprechung sei erwähnt, daß der Wunsch geäußert wurde, die den Gemeindenritgliedern zugehende Abrechnung möchte in den einzelnen Positionen übersichtlicher und ausführlicher sein sowie einen Ausweis über den Bermögensstand der Gemeinde enthalten. Ferner wurde der Wunsch geäußert, daß in bestimmten Zeiträumen ein Verzeichnis der Gemeindemitglieder veröffentlicht und dadurch eine regere Agitation zur Gewinnung von Gemeindemitgliedern ermöglicht werde. Den zweiten Gegenstand der Beratung bildete der Antrag an das Repräsentantenkollegium, Gemeindemitgliedern zu gestatten, an den Verhandlungen desselben als Zuhörer teilzunehmen. Ein Antrag, zur Erreichung dieses Vorschlages eine Massenpetition unter den Gemeindemitgliedern zu veranstalten, wurde abgelehnt, dagegen beschlossen, zunächst eine dementsprechende Anfrage an das Repräsentantenkollegium zu richten und nach dem Eintreffen der Antwort dann weitere Schritte zu unternehmen. — Daß sich auch die jüdischen Turnvereine selbst in ihrer Mehrzahl von den Bestrebungen des jüdischen Turntags fernhalten wollen, zeigt folgende Zuschrift der Jüdischen Turnerschaft zu Hamburg: 1. Die Jüdische Turnerschaft von 1902 zu Hamburg gehört nicht der Jüdischen Turnerschaft an, der sich von elf jüdischen Turnvereinen Deutschlands überhaupt nur vier oder fünf beizählen. Die übrigen der jüdischen Turnerschast angehörigen Turnvereine sind außerhalb Deutschlands domiziliert. 2. Die Jüdische Turnerschaft von 1902 zu Hornburg identifiziert sich in keiner Weise, weder in nationaler Beziehung noch in ihrem Verhältnis zur deutschen Turnerschaft, mit dem Programm der Jüdischen Turnerschaft, wie es auf dem Turntag zum Ausdruck gebracht worden ist. 3. Die Jüdische Turnerschast von 1902 zu Hamburg verfolgt ledi glich den Zweck, dem Turnen eine möglichst weite Verbreitung unter der jüdischen Bevölkerung Hamburgs zu verschaffen. Im übrigen steht sie, wie auch ihre Statuten besagen, voll und ganz auf dem Boden der deutschen Turnerschast. ä. Mannheim, 23. Mai. Wie ich Ihnen bereits mitgeteilt, hat der Synagogenchor am 20. d. M. das Fest seines 50jährigen Bestehens gefeiert. Der Tag der Einweihung der neuen Synagoge rin Jahre 1855 ist zugleich der Geburtstag des Synagogenchors. Vorher seit 1844 bestand schon ein Knabenchor. Zur Feier des Tages veranstaltete der Synagogenchor in Gemeinschaft mit den Chören von Bruchsal, Karlsruhe und Ludwigshasen und mit Verstärkung durch Mitglieder eines hiesigen jüdischen Gesangvereins ein großes Festkonzert, daß außerordentlich, gut besucht war. Abends fand ein Festakt statt, an dem Deputationen von seiten' des Oberrats in Karlsruhe, des Rabbinats, des Synagogenrats nnd vieler benachbarten und befreundeten Synagogenchöre und Vereine Ansprachen hielten und wertvolle Geschenke überbrachten. Ein Festessen mit Tanz schloß sich an und so verlies die Feier in ebenso schöner wie angenehmer Weise. — München, im Mai. Im nächsten Monat werden es hundert Jahre, daß für die Juden in Bayern der sogenannte Judenschutz erlassen wurdet In dem Regulativ, das anfangs Juni 1805 erschien, heißt es: „Die Erteilung des Judenschutzes hängt von der landesherrlichen Stelle ab, die genehmigt, 'daß die Juden gemietete odereigene Häuser bewohnen dürfen. Jedoch hält die Polizei über ihre Geburts-, Trauungs- und Todesfälle eine Matrikel, in der jede Judenfamilie eine eigene Nummer erhält. Von jeder Familie kann nur ein Kind heiraten, jeder sich Verheiratende hat ein Vermögen von mindestens 1000 Talern aufzuweisen. Die Münchener Judenschaft darf einen Vorsteher wählen, erhält einen Begräbnis- und Versammlungsort zu Religionszwecken, darf Fabriken und Manufakturen anlegen, aber sich nicht mit Zunftgewerbe beschäftigen. Das Handeln wird ihnen erlaubt als Großhandel mit Gold, Silber, Juwelen, Stoffen, Pferden, Federn, Wachs, Hopfen, Malereien und Kunstgegenständen. Wein, Getreide, „Tee und Kaffee." Die Juden sind," so schließt das Regulativ, „befreit von Leib- und Pflasterzoll, dagegen bezahlt jede Familie jährlich 20 Gulden an die- Staatskasse" .. Aschaffenburg, 25. Mai. Mit einer schönen Stiftung bedachte vor Jahren der in Paris verstorbene Kaufmann Daniel Pilsheirner seine Vaterstadt Aschaffenburg. Er verfügte letztwillig daß alljährlich 2000 Mark in bar an ein vom Magistrate ausgewähltes Mädchen, das sich besonders durch Tugendhaftigkeit und Unterstützung seiner Eltern ausgezeichnet hat, als Heiratsstipendium ausbezahlt werden. Die Ueberreichung hat stiftungsgemäß öffentlich und feierlich zu geschehen, was einer französischen Sitte entspricht; auch im Monat Majmuß die sogenannte „Rosenbraut" beglückt werden. Für Heuer fiel das Stipendium einem jüdischen Mädchen und zwar der Dienstmagd Jettchen Hecht zu. Heute vormittag fand im Rathaussitzungssaale in Anwesenheit der städtischen Kollegien und von zahlreichem Publikum durch Herrn Bürgermeister Dr. Matt die feierliche Ueberreichung des Stipendiums von 2000 Mark in neuen 20 Mark-Stücken statt. Den Abschluß der Feier bildete die Ziviltrauung der Bedachten mit dem Kaufmann Isaak Neumann. Gesterreich-Nngsrn. □ Wien, 29. Mai. Am 25. d. M. erschien hier plötzlich eine Kundmachung des Bürgermeisters Dr.Lueger,daß mit dem 1.nächsten Monats des rituelle Schächten in den Wiener Schlachthäusern gänzlich aufzuhören habe. Am 27. v. M. hat aber die Statthalterei glücklichermeise dieses Schächtverbot aufgehoben! Daß der Statthalter selbst nicht zu dieser Tat sich aufgeschwungen, braucht'keinem gesagt zu werden, der die Verhältnisse kennt. Es ist hierzu jedenfalls vom Minister die Aufforderung ergangen. — Das große zionistische Aktionskomitee, das in dieser Woche hier tagte, hat einstimmig beschlossen, dem am 27. Juli in Basel zusammentretenden Zionistenkongreß, ein Kollegium bestehend aus den Herren Dr. Max Nordan-Paris, David Wolffsohn- Köln, Professor Dr. Otto Warburg-Berlin für die Leitung der Bewegung vorzuschlagen. Die genannten Herren haben ihre Bereitwilligkeit erklärt, die Kandidatur anzunehmen. Ferner hat das zionistische Aktionskomitee erklärt, nach eingehendem Studium des vorliegenden Berichtes der nach Ostafrika entsendeten Kommission nicht in der Lage zu sein, der zionistischen Organisation die Ausführung des Ostafrikaprojektes zu empfehlen. Der Beschluß wird sicher überall mit großem Beifall ausgenommen werden. Für die Stelle des Wiener Vizebürgermeisters, die durch ben Tod des bisherigen Inhabers , des Amtes, Strötzbach, frei geworden ist, ist der Antisemit Neumayer und qit dessen Stelle der Advokat Dr. Josef Porzer gewählt. Porzer ist jüdischer Abstammung und ausgesprochener Klerikaler, als welcher er auch in enger Verbindung mit den klerikalen Prinzen Alois und Alfred Liechtenstein schon vor Jahren im politischen Leben auftrat.

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