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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-02 · Heft 22 (2.6.1905) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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' ' Grundsatz des Gemeindevorstandes nicht einverstanden-erklären, die Lehrkräfte bis zum hohen Alter auszunutzen und dann zu pensionieren. In der Abstimmung, die noch zu lebhafter Debatte veranlaßte, wird ein Antrag Kalischer, eine neue Vorlage im Sinne des Antrages des Schulvorstandes zu erbitten, abgelehnt, dagegen der Antrag des Ausschusses, der'Vorlage des Gemeindevorstandes zuzustimmen, mit-neun Stimmen angenommen. Die Gegenprobe ergab, daß sieben Stimmen gegen diesen Antrag waren. — Für die Emporführung eines Schornsteins werden 306,25 Mark bewilligt. Dem Religionsverein' Westen werden für den Rest der Etatsperiode 9700 Mark wie im Vorjahre als Subvention gewährt, dem Verein Jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee eine Subvention von 1000 Mark. — Zu längerer Diskussion führte die Bewilligung eines Beitrages für das Gesamtarchiv der Juden Deutschlands. Professor Kalischer gibt als Referent die Vorgeschichte dieser.Vorlage, hebt die Verdienste der Großloge von Deutschland (U. O. B. B.) und des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes in dieser Frage hervor und weist darauf hin, daß bereits im Jahre 1902 im Schoße der Bibliotheks-Kommission die Gründung eines Gesamtarchivs von Sanitätsrat Neumann angeregt und von der Kommission grundsätzlich akzeptiert sei. Der Gemeindevorstand hat beschlossen, vom 1. Juli d. I. ab für die Dauer eines Jahres einen Betrag von 2500 Mark zu bewilligen unter der Bedingung, daß der Gemeindevorstand das Recht hat, drei Vertreter in die Leitung des Archivs zu entsenden. Falls die Gemeinde Räumlichkeiten für das Archiv zur Verfügung stellt, soll der Mietswert in Anrechnung gebracht werden. Der Ausschuß I empfiehlt diesen Antrag zur Annahme. Auch der Ausschuß III hat sich mit der Beitragsbewilligung einverstanden erklärt mit dem Amendement, daß die Leitung des Archivs dem D. I. G. B. überlassen bleiben solle. Gegen dieses Amendement erheben die Herren Adolf Mayer und Dr. Cohn entschieden Einspruch, indem sie die großen Verdienste der Großloge in dieser Frage nachdrücklichst hervorheben. Dr. Cohn beantragt demgemäß eine Resolution, die Leitung des Archivs, wie bisher, der Großloge und dem D. I. G. B. zu überlassen. Professor Geiger betont, daß von einem Mißtrauen gegen die Großloge natürlich gar keine Rede sein könne; er empfiehlt das für die Gesamtjudenheit außerordentlich wichtige Archiv als geeignetes Objekt für größere Stiftungen. Auch Syndikus Dr. Minden weist den Gedanken zurück, als ob es sich um eine Rivalität zwischen Großloge und D. I. G. B. handeln solle; der D. I. G. B. werde auch freudig bereit sein, in dieser Frage gemeinsam mit der Großloge zu arbeiten. Der Beitrag wurde bewilligt, die Resolution Cohn mit großer Mehrheit angenommen.— In Fortsetzung der Angelegenheit des Hospitals wurden heute die Mittel zur Anstellung einer Oberin mit 1200 Mark Jahresgehalt bewilligt. Es kam auch heute zu einer längeren Debatte hierüber. Professor Kali scher gibt noch einmal ausfühlich die Vorgeschichte der Vorlage und verteidigt das Vorgehen der Ehrendamen. Aus der heutigen Debatte ergibt sich übrigens nach den Angaben des Herrn. Manheimer, daß das Kuratorium des Hospitals gar nichts gegen die Anstellung einer Oberin einzuwenden, im Gegenteil dieselbe bereits im Vorjahre beschlossen hatte und nur mit einer Ueberstürzung der Frage, die erst in Einklang mit den Statuten des Hospitals zu bringen war, sich nicht einverstanden erklären konnte. Den Hinweis des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, Herrn Julius Jacoby, daß dieser Beschluß des Kuratoriums nur „leere Worte" gewesen seien, weist Herr Manheimer unter Berufung auf die hierfür vorliegenden Akten nachdrücklichst zurück. Ein Antrag Loewenthal auf Schluß der Debatte, gegen welchen Professor Baginsky spricht, wurde angenommen, das ausgeworfene Gehalt für die Oberin bewilligt. — In einer dringlichen Vorlage werden noch 400 000 Mark für den Neubau der Knabenschule bewilligt. Auf Wunsch von Professor Baginsky, der bei der Anlage hygienische Bedenken äußert, sollen die Bauplätze nochmals durchberäten werden. Zum Schluß werden für die Einrichtung eines Jugendgottesdienstes in der Greifswalderstraße im Hirsch-Dunker'schen Gewerkschaftshause die.Kosten im Betrage von 395 Mark debattelos bewilligt. — In der geheimen Sitzung stand als dringliche Vorlage die Wahl des Schularztes zur Debatte. Nach längerer Debatte wurde von der Beschlußfassung abgesehen. Erst nach 3 Uhr waren die Beratungen der heutigen Versammlung beendet. U. 8^ MH / Die? Lehranstalt für die Wissen-: y s chüft des Iudenstürns feierte am 22; d. M. zürn ersten Male das Andenken des Geheimen ÄommerzienrateL Louis' Simon, zu dessen dauerndem Gedächtnis seine Witwe, Frau Jda Simon, geborene Lehweß, einen Lehrstuhl für Religionsphikosophie begründet hat. — Mit der hochherzigen Stifterin undihren Angehörigen versammelten sich die Kuratoren, Dozenten und Hörer der Lehranstalt, in. der Synagoge Lindenstraße. Mit dem Gesang der prophetischen Trostworte: „Ich gedenke dir die Huld deiner Jugend", begann die Feier. Dann hielt Rabbiner Professor Dr. Maybaum die Gedenkrede. Einleitend verwies er auf die Bedeutung des Tages, der sich für die Familie des Verewigten, aus einer wehmütigen Erinnerung zu einem Born des Trostes gewandelt habe, der jüdischen Wissenschaft aber zu einem Quell dauernden Segens geworden sei. 'Denn in ihrem Kampfe gegen die geitzige Not, diesen argen Feind des Judentums, sei ihr eine Helferin erstanden in der edlen Spenderin, die in weisem Sinn der Pflichten höchste, die Pflege der Religionswissenschaft, erfüllt habe. Durch diese Tat habe sie ihren Namen und den des dahingeschiedenen Gatten der Hut der dankbaren jüdischen Wissenschaft anvertraut. Mit ihrer Erstarkung werde sich die Erinnerung an ihre Förderer vertiefen; unberührt vom Wandel der Geschlechter lebe ihr Gedächtnis fort und wirke zum bleibenden Segen. Gesang schloß die Feier. Sie stärkte bei allen die Ueberzeugung, daß sich die Zukunft des Judentums auf seine Wissenschaft, ihre Pflege und Förderung gründet. §£2 Berlin, 28. Mai. Der eben erschienene 72. Jahresbericht der Baruch Auerbachschen Waisenerziehungsanstalten weist gegenüber dem in dem früheren Anstältshause erreichten höchsten Bestand von 77 Zöglingsstellen jetzt 54 Knaben und 30 Mädchen auf. Die Zöglinge besuchen großenteils höhere Schulen, besonders begabte und würdige Knaben sogar bis zur Maturitäts-Prüfung, welche im Berichtsjahre zwei, unter diesen eineralsxriwus omnium des Sophiengymnasiums, abgelegt haben; die Mädchen scheiden in der Regel erst nachdem sie für ihren Beruf vorgebildet und erwerbsfähig geworden sind, aus der Anstalt. Im ganzen haben bisher 592 Waisen in den Anstalten eine über das Maß der notdürftigen Fürsorge hinausgehende Pflege, Erziehung und Ausbildung gefunden. Für das Fortkommen der entlassenen Zöglinge, aus deren Kreise wieder manches Rühmliche und Erfreuliche berichtet wird, sorgen bis zur Selbständigkeit oder Verheiratung eine größere Anzahl von besonders verwalteten Stiftungen, die für die unmittelbaren Anstaltszwecke unantastbar bleiben. Diese erforderten einschließlich Gottesdienst. Büreau, Renten u. «. Zuschüsse eine Gesamtausgabe von 76194 Mark, die Bekleidung etwa 82 Mark für jeden Zögling, die Verpflegung 0OV2 Pfennig für den Kopf und Tag. An Zinsen aus eigenem Vermögen und sonstigen bestimmten Einnahmen stehen nur etwa 58 000 Mark zur Verfügung; im übrigen sind die Anstalten, die weder Stadt noch Gemeinde jemals in Anspruch genommen haben, zur Deckung ihrer Bedürfnisse und zur Tilgung der noch in Höhe von über 100 000 Mark auf ihnen lastenden Bauschuld auf das Wohlwollen ihrer Gönner, an dem es ihnen auch in dem abgelaufenen Jahre nicht gefehlt hat, angewiesen. Vorsitzender des Vorstandes ist Herr Berthold Marckwald, Direktor Dr. A. Strelitz, Ehrenmütter Frau Recha Marckwald und Frau Professor Cäeilie Liebermann. — Liffa, 21. Mai. Der 17.Vereinstag desV ereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen findet in Rakel „Hotel du Nord" am 11. Juni er. von nachmittags 4V2 Uhr ab statt und wird am 12. fortgesetzt. Die Gemeinde Rakel gewährt allen Mitgliedern des Vereins freies Quartier und ladet die Teilnehmer der Versammlung zu einem gemeinsamen Mahl ein. Die Tagesordnung lautet: 1. Gesang: „Brüder reicht die Hand zum Bunde"; 2. Begrüßungen; 3. Jahresbericht; 4. Rechnungslegung und Entlastung des Kassierers; 5. Bericht über die letzte Delegiertenversammlung (Kadisch); 6. Vortrag: „Wie kann die Ausschaltung der jüdischen Lehrkräfte aus der öffentlichen Volksschule verhütet werden?" (Cohn- Wreschen); 7. Eine Unterrichtsstunde in der nachbiblischen Geschichte: „Hillel". (Becker); 8. Wahlen: a) des Vorsitzenden und der beiden Beisitzer, b) derbeiden Stellvertreter; 9. Anträge von Mitgliedern: 10. Bestimmung des Tages und des Ortes der nächsten Versammlung; 11. Anmeldung von Vortrügen für diese Versammlung; 12. Freie Besprechungen.

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