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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-06-02 · Heft 22 (2.6.1905) · p. Seite 259

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
Seite 259 (sequence 7)
Language
German
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Ä59 Kerl mitgebracht, dessen Heirat mit Lelia der Liebe zwischen dieser und Frunsa ein Ende zu bereiten vermag. Der Alte ist von dem künftigen Schwiegersohn seines Sohnes nicht entzückt, doch gibt er ihnen seinen Segen. Nur Lasar sträubt sich gegen diese Vereinigung. Weiß er doch, daß eine solche Ehe nie zustande kommen kann. Nach der Verlobung fährt Lelia mit ihrer Mutter nach Wien, um die nötige Ausstattung zu besorgen. Während des mehrere Wochen dauernden Wiener Aufenthaltes reift in der krank darniederliegenden Lelia der Entschluß, nach der Rückkehr aus dem Vaterhause zu entfliehen. Infolge einer Überschwemmung und einer hierdurch veranlaßten Unterbrechung des Verkehrs hat sich die Rückkehr von Mutter und Tochter verspätet; dieselben treffen erst an dem für die Trauung bestimmten Tag ein. Doch gleich nach der Ankunft verläßt Lelia ihr Vaterhaus und findet Zuflucht bei der Lehrerin Frunsa, der Schwester ihres heißgeliebten Matei. Der letzte Akt spielt im Hause Frunsas. Der in seinem Innersten verwundete Manasse versucht, seine Enkelin aus dem Hause des Christen heraus und ihrem Elternhause zurückzuführen. Er bietet Frunsa Geld, — glaubt er doch, daß es dem Richter nur an dem Geld der Jüdin gelegen ist, — und als dies zurückgewiesen wird, gibt er sich die Mühe, ihm das Unmögliche einer Ehe zwischen Christ und Jüdin verständlich zu machen. Vergebens; dann bittet er Frunsa, ihn mit seiner Enkelin allein zu lassen. Doch die tief aus dem Herzen füllenden Worte vermögen nicht, den Sinn Lelias zu ändern. Nun wendet sich der Alte an seinen Sohn, der kraft seiner Autorität die Tochter mit Gewalt aus dem Hause des Christen entreißen soll. Doch der liebevolle Vater, der um das Leben seines geliebten Kindes zittert, zögert — und der Alte stirbt. Das vorzüglich gespielte Drama hat allenthalben einen kiesen Eindruck hinterlassen. Die Aufführungen wurden selbst von den hiesigen aristokratischen Kreisen besucht. Die Königin Elisabeth (Carmen Sylva) hat die Manasse - Ausführungen zweimal mit ihrem Besuch beehrt, während König Karl dem zu besonderer Audienz befohlenen Dichter die Lene merenti- Medaille erster Klasse zu verleihen geruhte. Sollen dies Zeichen sein, daß auch bei uns die Morgenröte aufzugehen beginnt? LeiMmm. Wdilchr Nrgsnlrstionsideen. Von Dr. I. Le my-Danzig: LL/enn mftn *n c*tl*t f° akuten Krisis der Judensrage befindet, wie sie heute ist, wo sie ganz die mittelalterlichen Schrecken anzunehmen droht und uns Emanzipationsjuden ganz besonders entsetzt, tauchen von selbst die verschiedensten „Lösungen" auf, von anti- und Philosemitischer und jüdischer Seite. Jede beansprucht ein Allheilmittel zu sein, um jederzeit die leidige Judensrage s'aus der Welt zu schaffen. — Nun, wie man in der Medizin solchen Panaceen gegenüber mit Recht mißtrauisch geworden ist, so sollte man auch bei diesem Problem sich die Ueberlegung doch recht zu Gemüte führen, daß wechselnde Zeiten auch wechselnde Situationen und Menschen und mithin auch wechselnde Aufgaben und Ziele haben. Alles paßt nur für eine bestimmte Zeit, für einen begrenzten Abschnitt; alle politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Erfolge in einem bestimmten Lande, einem gewissen Gebiete, sind nur für eine begrenzte Zeit haltbar und nicht für eine Ewigkeit, und verfallen und machen andern Systemen Platz. Deswegen wird kein Mensch resigniert die Hände in den Schoß legen und von jeder Tätigkeit absehen, sondern, wenn er vernünftig ist, gesunde Realpolitik treiben und das für den Augenblick und für absehbare Zeit Richtige und wahrscheinlich Durchführbare in Angriff nehmen. Um ein Beispiel für tausend andere anzuführen, wählen wir eins aus unserer unmittelbarsten Geschichte. Das bismarcksche deutsche Reich, wie ganz anders ist es entstanden und zur Einheit geworden, als man allgemein nur zehn Jahre vorher mit Einschluß von Oesterreich geplant hatte. Und doch war es eine Lösung, die von Bestand zu sein scheint. Auf die Judenfrage angewandt, heißt dies nichts anderes als: Es gibt keine alleinige richtige'Lösung des verwickeltsten Problems, das die Welt seit Jahrtausenden kennt, es kann sich immer nur um eine zurzeit richtige Methode handeln, die momentan oder für absehbare Zeit durchführbar ist, oder richtiger nur Methoden. Damit fällt der müßige Streit.in sich zusammen, ob die Betonung des Nationalitäts- oder Religionscharakters, ob der Zionismus oder die Assimilationspolitik, die Konzentration oder die Expansion, die Separation oder die Dissoziation das Richtige wären. Alles zu seiner Zeit. Der Zionismus ist zu gewissen Zeiten gewiß berechtigt gewesen; die Gründung des Reiches unter Esra mit all ihrer strengen Exklusivität fremder Elemente, selbst der fremden Ehegattinnen, war eine zionistische Leistung. Die Sabbatai Zewi-Bewegung im Ausgang des Mittelalters war ein zionistischer Fehlschlag. Wenn nach der Vertreibung der spanischen Juden der damalige Sultan, so gut wie die Türkei, Palästina den Flüchtlingen zum Wohnsitz angeboten hätte, würde sich dann nicht eventuell ein jüdisches Reich, ein Tempel entwickelt haben können? Aber wir sind Konjunkturalpolitiker und fragen, was ist heute möglich und notwendig, und da muß wohl die zionistische Idee mit ihren Endabsichten zunächst zurücktreten, und es scheint, daß sie mit dem phantastischen Projekt von Uganda und mit der Einleitung von Kulturerziehung der in ihren jeweiligen Heimatsländern ansässigen Juden in einem gewissen Sinne bereits mit den momentanen Zeitströmungen und Forderungen zu paktieren angefangen hat. Denn letzteres, nämlich Glaubensgenossen zu Menschen, aber auch dabei zu Bürgern zu machen, beabsichtigen die Assimilanten. Wir müssen bei der Not des Tages mit dem am schnellsten Erreichbaren zufrieden sein; auch wenn diese Lösung selbst nur eine provisorische wäre und in späteren Zeitläuften rückgängig gemacht werden würde, so sollte uns dies nicht abhalten, sie anzustreben, denn wir sind kurzlebige Menschen. Und wenn unsere Zionisten dieses als kurzsichtige Politik belächeln, ja, ist denn ihr endgültiges Resultat, der zionistische Staat, für alle Zeiten und Wechselfälle äußerer und innerer Art gewährleistet? Ja, gab es denn schon überhaupt einen ewigen Staat? Wie liegt nun die Judenfrage heute? — Es erübrigt sich, darüber viele Worte zu verlieren, erstens, daß die Lage der Juden überhaupt mißlich und bedroht ist und zweitens, welche Ursachen dafür anzusühren sind. Jeder weiß, daß außer den religiösen vermeintlich nationale und Rasfenmotive. wirtschaftliche, soziale Gegensätze mitspielen und daß bald der eine, bald der andere Faktor feindselig in den Vordergrund tritt. Ich glaube an den religiösen Gegensatz in erster Linie, erstens weil er in der Tat immer vorhanden ist und nicht erst aufgesucht resp. erfunden zu werden braucht, und zweitens weil ich mir einen wirtschaftlichen Unterschied, der ausgerechnet schon dreitausend Jahre und unter den verschiedensten Zeitaltern, Völkern und Zonen bestanden haben soll und noch bestehe, nicht vorstellen kann. Auf den Leim der Rasse möchte ich mich von unseren Gegnern>uch nicht locken lassen und ich bin geradezu erstaunt, mit welcher Bereitwilligkeit unsere Forscher, nicht nur zionsfrenndliche, sich auf

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