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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-05-26 · Heft 21 (26.5.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 selbständig zur Staats- und Gemeindesteuer herangezogen sei. L. wurde jedoch mit der Klage abgewiesen.!>. Frankfirrt a. M., 19. Mai. Am Vorigen Dienstag den 9. b. wlwde in aller Stille das neue jüdische Lehrerseminar, in welchem - junge Leute zu Lehrern für Galizien und Rußland ausgebildet werden sollen und das unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz steht, eröffnet. Dank der Unterstützung der Jka ist schon eine Reihe junger Leute ins Seminar eingetreten. Wie wir hören, wird der Unterricht von Herrn Dr. Jacob Horovitz, Herrn Schwab, Herrn B. Stern, Herrn Einstädter und Herrn Levy in den Räumen der Synagoge am Hermesweg erteilt. Ob das Seminar eine Erweiterung auch für solche junge Leute, die in Deutschland bleiben wollen, erfährt, wie früher einmal gemeldet wurde, ist noch nicht bekannt. iä. Mannheim, 29. Mai. Eine Reihe von Festen finden jetzt in unserer Gemeinde statt. Zunächst feierte unser allgemein verehrter Stadtrabbiner Dr-Steckelmacher sein fünfundzwanzigstes Amtsjubiläum. Im Mittelpunkte der erhebenden Feier stand der Festgottesdienst, welcher vormittags in der Synagoge stattfand. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Außer dem vollzählig erschienenen Synagogenrat waren anwesend Herr Geheimer Negierungsrat Oberrat Dr. Mayer aus Karlsruhe, die Herren Bürgermeister v. Holländer und die Stadträte Hirschhorn und Leonhard. In seiner Festansprache dankte der Jubilar der Gemeinde für die guten Wünsche, welche ihm dargebracht, mit dem feierlichen Versprechen, iü den seitherigen Bahnen weiter wirken zu wollen zum Segen der ihm lieb gewordenen israelitischen Gemeinde Mannheims. Rabbiner Dr. Oppenheim hielt nach dieser tief ergreifenden Rede einen allgemein zu Herzen gehenden Segensspruch auf den Jubilar. Die Feier wurde verschönt durch die Gesangsvorträge des Kantors Nettler. Der Shnagogenchor brachte außerdem unter Leitung des Musikdirektors Hanlein einige Lieder zum Vortrage. Nach dem Gottesdienste versammelten sich die Ehrengäste auf Einladung des Vorsitzenden des Synagogenrates, Stadtrat Max Stockheim, in der Privatwohnung des Jubilars, wo der Synagogenrat und die Abordnungen der Wohltätigkeitsvereine Dr. Steckelmacher noch die besonderen Glückwünsche zu seinem Ehrentage darbrachten. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Jubilar eine Reihe wertvoller Ehrengaben überreicht. Am 21. ds. findet das fünfzigjährige Jubiläum unserer Synagoge und des Synagogenchors statt. Darüber berichte ich Ihnen' nächstens. Gesterreich-Anssrn. LZ Wien, 22. Mai. In der letzten Sitzung des Vorstandes der israelitischen Kultnsgemeinde gab der Präsident Dr. Alfred Stern auf eine Anfrage des Vorstandsmitgliedes Dr. Berger nach dem gegenwärtigen Stand der Schächt-Angelegen heit und den Schritten, die zur Verhinderung der Durchführung von den kompetenten Kultusbehörden getan wurden, eine Erklärung ab, in der er sagte: Die Kultusgemeinde habe gegen den Beschluß deS Gemeinderates eine Beschwerde an den Bürgermeister Dr. Lueger und eine zweite Beschwerde an die niederösterreichische Statthalterei gerichtet. Vom Bürgermeister sei am 5. d. eine Zuschrift eingelangt, in der es heißt, daß er der Beschwerde nicht Folge geben könne, da er verpflichtet sei, die Beschlüsse des Gemeinderats zur Durchführung zu bringen, so daß von seiner Seite eine Sistierung des Beschlusses nicht erfolgen könne.- Von der Statthalterei sei bisher keine Entscheidung herabgelangt, doch wurde bisher allerdings das Verbot praktisch nicht durchgesührt. Der Redner weißt hierauf mit Entrüstung die Anwürfe zurück, die aus Anlaß der Debatte über das Schächtverbot gegen die jüdische Religion erhoben wurden. Es sei übrigens charakteristisch, daß alle Argumente des Referenten den Ausführungen eines aus denr Anrte entlasserren und disziplirrierten jüdischen Theologen entnommen seien. — Bei den letzten Verhandlungen im Abgeordnetenhause am 14. d. M. über das Hausiererverbot kam es wieder zu lebhaften Auseinanderfetzungen zwischen den Antisemiten und dem wackeren Dr. Straucher, der sich aber' Porr ihnen nicht einschüchtern ließ. Monsignore Scheicher war empört, daß das Herrenhaus im Interesse der Juden das Gesetz gegründet habe, Abgeordneter Hauck brachte einen Antrag ein, daß nur die durch Geburt oder Ersitzung heimatberechtigten Bewohner zügelässen werden, damit nicht Juden sich 'in' armen Gegenden die Heimatberechtigung und dadurch die-' Befugnis zum Hausierhandel erkaufen, wurde abgelehnt. Dagegen führte Abgeordneter Dr. Straucher aus, es sei zu erwarten, daß das Gesetz vom Herrenhause wieder an das Abgeordnetenhaus zurückkommen werde und das sei noch der einzige Trost-Dem Redakteur des Neuen Wiener Tagblatt Bernhard Münz ist das Ritterkreuz I. Klasse des Wasa-Ordens verliehen. Von Sah und jfrrn. Der bisherige Leiter der chemischen Abteilungen des Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin, Professor Bernhard P'roskauer, ist zum Vorsteher dieser Abteilung ernannt worden. — Der Kaufmann Philipp Simson in Danzig, Stadtverordneter, beging die Feier des 70. Geburtstages. Der Jubilar steht mitten im öffentlichen Leben und ist erster Vorsteher der jüdischen Gemeinde, die ihm eine kunstvolle Adresse überreicht hat. Derselbe hat sich allen sonstigen Ehrungen durch eine Reise nach Tirol entzogen. — Der Rittergutsbesitzer und Verlagsbuchhändler S. Schottländer in Breslan hat das Kommandeurkreuz des Ordens der rumänischen Krone erhalten. — In Köln haben die Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung, welche seinerzeit gegen den Beschluß betr. die Einführung des Orgelgottesdienstes Protest erhoben haben, weil die Anordnung gegen das jüdische Religionsgesetz verstoße, und die nun gemäß § 88 des Gemeindestatuts einen auswärtigen Rabbiner zu benennen haben, welcher über den Streitpunkt mit zu entscheiden hat, den Provinzialrabbiner Dr. Cahn in Fulda gewählt. Von liberaler Seite find die Herren Rabbiner Dr. Mahbaum und Samuel gewählt. — In Wildu ngen ist der frühere Lehrer und Prediger Salomo« Kronenberg im 71. Lebensjahre nach langem Leiden gestorben. — In Höch st fand am 16. d. M. die feierliche Grundsteinlegung der neuen Synagoge unter großer Beteiligung statt. Der Architekt Münchhausen aus Köln, der Erbauer vieler. Synagogen, ist mit der Aufgabe betraut worden. — Die Münchener freie Studentenschaft hatte den Beschluß gefaßt: „Der Beirat der Münchener freien Studentenschaft hält es für unangebracht, daß Juden im Ausschuß sind." Dagegen protestierten in stürmischer Versammlung am 19. d. M. Studenten aller Konfessionen. Die Versammlung verlies tumultuarisch. Der Schluß jedoch geschah in ' versöhnlichem Sinne. — In Weilburg war am 23. v. M. der 61jährige Makler Adam Kohn gestorben. Die israelitische Kultusgemeinde hat nun nach der Frankfurter „Kleinen Presse" die Bestattung der Leiche auf ihrem Friedhof verweigert, indem sie erklärte, Kohn habe seit etwa sechs Jahren keine Kultussteuern mehr bezahlt. Die Leiche wurde vorläufig aus dem christlichen Friedhofe beigesetzt. — Der Beitrag der württembergischen Regierung zur Zentralkirchenkasse beträgt in diesem Jahre: Tit. 1, Pauschalsumme zufolge früherer Verabschiedung 18 515 Mark. Tit. 2. Zu Gehaltsaufbesserungen 27 857 Mark (mehr 9700 Mark infolge neuer Gehaltsaufbesserung). Tit. 3. Zu Pensionen 4828 Mark. Summa Kap. 60 : 50 000 Mark, mehr 1226 Mark. — In Böhmen bekannten sich 54 Prozent Juden zur tschechischen Umgangssprache, in Mähren 15 Prozent. — Die israelitische Kultusgemeiude in Fiume wählte Dr. Josef Frankl in Murassombat zum Rabbiner. — Professor Dr. Ignaz Goldziher in Budapest wurde zum Präsidenten der ersten Klasse der ungarischen Akademie der Wissenschaften gewählt. — Fräulein Dr. med. Sophie Getzowa ausNowogrodek(Rußland) ist zum ersten Assistenten am Anatomischen Institut der.Universität Bern ernannt worden. — In Venedig ist die Verwaltung der Polizei dem Advokaten Ravä übertragen worden.. — Im englischen Parlament soll eine von Lord Avebury unterbreitete Bill zur Verhandlung gelangen, der für einen Teil der englischen Judenheit von größter Bedeutung ist. Bisher konnten nämlich in dem von Juden bewohnten „Petticoad Lance" benannten Stadtteil im Osten Londons die jüdischen Händler und Trödler, die am Sonnabend geschlossen hatten, am Sonntag ihre Waren feilhalten. Die Bill will dies in Zukunft unmöglich machen, weil durch diese Durchbrechung der Sonntagsruhe das religiöse Empfinden der Engländer und auch das geschäftliche Interesse der englischen Geschäftswelt verletzt würde. Falls der Entwurf Gesetzeskraft bekäme, würde ein großer Teil der M

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