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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-05-26 · Heft 21 (26.5.1905) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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I. Jahrgang. No 21 Vellage zur „Allgemeinen Oeitung deK Judentums" Korrrlpon-rnzrn und Mschrichten. Deutschland. 8. Berlin, 21. Mai. Die Tagesordnung der heutigen Repräs entantenversammlung war eine sehr reichhaltige. Eine Unterbrechung erfuhren die Arbeiten der Versammlung durch die um 12 Uhr erfolgende Amtseinführung des letztgewählten Aeltesten- Stellvertreters Herrn Leopold Badt. Zum geschäftlichen Teil der Sitzung teilte der /Gemeindevorstand mit, daß behufs Besetzung der neu bewilligten Predigerstelle die Herren Rabbiner Dr. Norden- Myslomitz, Dr. Arnold Lazarus-Frankfurt a. M. und Rabbinatskandidat Dr. Julius Guttmann-Breslau zu einer Gastpredigt ausgefordert worden sind. Die erste hat am vorigen Sonnabend stattgefunden,' die Einladung des zweitgenannten Rabbiners hat insofern eine Erledigung gefunden, als Dr,. Lazarus inzwischen in Frankfurt a. M. zum zweiten Rabbiner der Hauptgemeinde ernannt worden ist. Die weitere geschäftliche Mitteilung, daß Herr Moritz Manheimer sein Amt im Kuratorium des Hospitals der jüdischen Gemeinde niederlegte, fand allgemeine Beachtung. Der Vorsitzende. Herr Louis Sachs, gab der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß der hochverdiente Mann der Gemeindeverwaltung seine schätzenswerte Kraft nicht entziehen und, über die gegenwärtige Meinungsdifferenz hinwegsehend, das große Ganze im Auge haben möge. Herr Manheimer erklärte dagegen sein ferneres Verbleiben im Kuratorium für unmöglich, da zum Gedeihen der Anstalt das einheitliche Zusammenwirken aller Organe unbedingt erforderlich sei; doch seien jetzt derartige Erscheinungen zutage getreten, daß eine ersprießliche Tätigkeit für ihn ausgeschlossen sei. In einem Schreiben, welches der Vorsitzende alsdann zur Verlesung bringt, gibt Frau Hedwig Lachmann, die stellvertretende Vorsitzende der Ehrendamen des Hospitals, in sachgemäßer Darstellung den Verlauf des gegenwärtige» Konflikts zwischen dem Vorstand des Hospitals und dem Damenkuratorium. Es wird in diesem Schreiben mit Nachdruck die Anschuldigung zurückgewiesen, als ob es sich im Hospital um „revolutionäre Bestrebungen" der Ehrendamen handelte, und noch einmal unter Hinweis auf die unzureichende Qualifikation des Personals die wahlberechtigte Bitte um Anstellung einer Oberin motiviert. Zu dieser Angelegenheit meldeten sich sofort mehrere Redner, an erster Stelle Herr Manheimer zum Wort, und da voranszufehen war, daß die Debatte doch wohl einen etwas lebhafteren Verlauf nehmen würde und' .Personalia unvermeidlich seien, beantragte Professor Geiger schleunigst die Verlegung der Debatte in die geheime Sitzung. Herr Manheimer widersprach zwar energisch der geheimen Beratung und behielt sich für diese die Beantragung der Zurückverlegung der Debatte in die öffentliche Sitzung vor. Eine Zurücknahme des Geiger'schen Antrages war jedoch.geschäftsordnungsmäßig nicht zulässig. Alsdann trat die Versammlung in' die Tagesordnung ein. Die Annahme der Zuwendung des Geheimrat Abra ham'schen Legates von 5000 Mark, das in einer der letzten Sitzungen abgelehnt worden war, wurde heute beschlossen und zwar mit der Maßgabe, daß die Verpflichtung der Gemeinde sich nur auf die Gräber, nicht aber auch auf das Erbbegräbnis und die Denksteine erstrecken soll. Debattelos wurden dann folgende Zuwendungen noch angenommen: das Legat des Herrn Rentiers David Benjamin im Betrage von 1000 Mark zur Grabeserhaltung, des Fräuleins Louise Jungblut im Betrage von 600 Mark zur dauernden Pflege der Gräber des Herrn Dr. Harry Hörtel und Fräulein Minna Hörtel, des Herrn Siegfrieds Sachs im Betrage von 5000 Mark zum Zwecke der Errichtung einer „Manfred Sachs-Stiftung" mit der Bestimmung, daß die Zinsen von 3000 Mark jährlich an einen jüdischen Studierenden der Jurisprudenz oder einen jüdischen Referendar als Beihilfe zur ersten bezw. zweiten juristischen Prüfung oder zur Vorbereitung für diese Prüfung überwiesen werden, die Zinsen von 2000 Mark an Schüler des Präparandeninstitnts der Lehrerbildungsanstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde verteilt werden; das Legat der Levy und Helene Friedlaender'schen Eheleute zur Errichtung einer Levy Friedlaender-Stiftung im Betrage von 75 000 Mark mit der Bestimmung, daß das genannte Kapital 35 Jahre nach dem Tode des Letztlebenden — d. i. nach dem 30. Januar 1905 — an die hiesige jüdische Gemeinde zum Zwecke der Errichtung einer Stiftung -übergeht, welche alljährlich zwei würdige Knaben und Mädchen, die das vierzehnte Lebensjahr überschritten haben, in allen Bestrebungen fördern und schützen soll, die auf Erreichung einer Selbständigkeit bezw. einer Stellung im bürgerlichen Leben abzielen; das Legat der Kinder des Ehepaares Eduard und Henriette Alexander im Betrage von 2000 Mark zur Verwendung durch die Armenkommission; das Legat des Herrn Regierungsrat Dr. G. Eg er im Betrage vvn 1000 Mark mit der Maßgabe, daß die Zinsen alljährlich einer bedürftigen jüdischen Familie zugewendet werden. — Ein dringlicher Antrag, welcher 12 Unterschriften trägt, verlangt, bereits heute in die Wahl eines Delegierten der Repräsentantenversammlung für das Hospital einzutreten, und ein fernerer Antrag wünscht die sofortige Erledigung dieser Wahl vor der Beratung der übrigen Vorlagen. Wie vorauszusehen war, wurde wieder Herr Manheimer als einziger Kandidat in Vorschlag gebracht und per Akklamatien erfolgte die einstimmige Wahl desselben — gewiß ein Vertrauensvotum, das den Gewählten nunmehr zur Nachgiebigkeit bestimmen und der Beseitigung der schwebenden Differenzen geneigt machen sollte. — Zur Annahme gelangte alsdann eine Zuwendung des Herrn Leopold Jsaac im Betrage von 1000Mark zur Verteilung an arnreBräute. Das Legat datiert bereits vom Februar 1887 und ist von dem Shnagogenvorsteher Jsaac zurzeit dem Synägogenvorftande übergeben worden. Ein Gemeindebeschluß über die Annahme hatte bisher noch nicht Vorgelegen. Die Verwendung der Zinsen ist infolge des heutigen Beschlusses auch fernerhin dem Vorstande der neuen Synagoge übertragen worden. Einer Anregung des Herrn Weinberg, das Legat dem Verein ^Haclinassat-Kallah“ zu überweisen, kann nach Auskunft des Gemeindesyndikus Justizrat Lilienthal nicht stattgegeben werden, da der Legatar bereits verstorben ist. — Zum Abschluß einer neuen Haftpflicht-Versicherung mit dem Allgemeinen Deutschen Versicherungsverein in Stuttgart gibt die Versammlung die Genehmigung. In den neuen Antrag sind nunmehr alle Gemeindegrundstücke, auch bereits das neue Krankenhausterrain, einbezogen gegen eine Jahresprämie von 600 Mark auf die Dauer von zehn Jahren. — Zur Vornahme von Reparaturen an verschiedenen Gemeindegrundstücken wurden 64000 Mark bewilligt, zum Ankauf einer Thorarolle 300 Mark. In Sachen der Verteilung von Mizwoth und Alijoth ist inzwischen ein Gutachten der vereinigten Synagogenvorstände eingegangen. Auf Grund desselben wird beschlossen, an den Feiertagen stets nur einmal ein und derselben Person diese Ehre zuteil werden zn lassen. — Um 12 Uhr wird alsdann die Sitzung behufs Einführung des neugewählten Aeltesten-Stellvertreters, Herrn Leopold Badt, abgebrochen. In einer längeren Ansprache heißt Herr Louis Sachs das neue Mitglied willkommen und vereidigt dasselbe auf das Amt. Er weist darauf hin, daß die Aufmerksamkeit der, Repräsentanten aus Herrn Badt mit Rücksicht auf den Wunsch des Gemeindevorstandes gelenkt worden sei, einen im Handelsstande erfahrenen und bewährten Mann als Mithilfe im Gemeindevorstande bei den großen finanziellen Aktionen zu erhalten. Die Versammlung sei im Hinblick auf die große Stellung, welche der Neugewählte in der Handelskammer und im gewerblichen Leben einnehme der Ueberzengüng, in ihm den richtigen Mann gefunden zu haben, der bei seiner großen Arbeitssrendigkeit und seinem weiten Blick sicherlich. die großen Ausgaben, die die Gemeinde in Zukunft zu lösen habe —neue Synagoge im Westen der Stadt, neue Knabenschule, neues Verwaltungsgebäude, neues Krankenhaus — zu erfüllen imstande sein wird. Zur. Erledigung aller dieser Aufgaben seien Männer erforderlich, die ejnen weiten Blick für die Bedürfnisse der Gemeinde hätten, die aber

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