Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1905)
- Date
- 1905-05-26
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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^52sagen. Das alles könne nicht mit richtigen Dingen zugegangen sein, sie glaubten, er sei mit dem Teufel im Bunde. Und sie machten das Zeichen des Kreuzes. Wenn es Irene auch nicht sagte, so meine doch ich, Schreiber dieser Zeilen, daß sie es gleichfalls glaubte. Dies schien ihr die erste Wirkung des Fluches, daß 17 Mann nicht imstande gewesen waren, eincst Mann zu bezwingen. Und nun würde Leo Hilfe finden und zurückkehren an der Spitze eines großen Heeres und Rache üben, sie bezwingen, verdrängen, Konstantin aus dem Thron setzen, ihr die Augen ausstechen, und das würde die Erfüllung deA Fluches 'sein. Angst, Zorn, Wut und Rachsucht müssen in ihrer Seele gewesen sein, denn sonst hätte sie nicht gehandelt; wie sie es getan. Neun von den zehn Mann schickte sie in Verbannung. Den zehnten aber, Bubas, den Anführer, hieß sie im Palast bleiben, und wenn die Sonne wieder aufgegangen, dann sollte er zu ihr kommen mit einem ausführbaren Plan, wie man Leo zurückbringen könne. Würde er einen solchen Plan nicht gefunden haben,, dann solle er mit dein Kopse dafür büßen. Dann stellte sie ihm alle ihre Spione zur Verfügung, die ihn gleichzeitig bewachen mußten. Und immer wieder gab sie neue grausame Befehle. Immer -mehr Getreue wurden verbannt, immer mehr Sklaven gepeitscht. Und darum herrschte Zittern und Beben im Palast zu Byzanz- In einem unterirdischen Gewölbe des Palastes hatten sich über 100 Männer versammelt. Es waren Spione der Stadt, eiligst zufammengerufen, um zu beratschlagen. Daß Leo eine Jüdin liebte und wer diese Jüdin war, wußten die Spione schon lange. Es galt nun dieser Jüdin habhaft zu werden, durch sie . würde man Leos Aufenthalt entdecken, vielleicht ihn auch zur Rückkehr nach Byzanz bewegen können. Jetzt galt es auf? zufinden, was aus der Jüdin geworden. Im Zirkus war sie nicht geblieben, verschiedene der Leute hatten dort jeden einzelnen Körper untersucht, ein solches Gesicht wäre ihnen bestimmt ausgefallen. In ihre Wohnung war sie auch nicht zurückgekehrt. Also nahm der Kommandant jeden Mann einzeln vor und fragte ihn aus. Niemand wußte etwas. Nun holte er die Liste der Freunde Leos hervor und nannte jedem Mann einen Namen. Die Spione entfernten sich um die Sklaven.auszufragen. Nach einer Stunde kamen sie zurück. Einer hatte Erfolg gehabt. Er wußte, daß der Patrizier Theodor Moreas seit dem Zirkustage eine schöne Jüdin in seinem Hause versteckt hielt. Nach der Beschreibung war es zweifellos Rachel. Eine halbe Stunde später waren Soldaten auf dem Wege zum Hause des Moreas, mit der Weisung, Moreas und die Juden unauffällig gefangen zu nehmen und lebend nach dem Palast zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Lin Held. „Seweriio-Zapadny Kraj“- wurde die Kopie eines Briefes^des^ stellvertretenden Oberarztes des 162. Achalzycher Regiments zugestellt, der folgenden Inhalt hat: Am 25.7Februar 1905, in der Schlacht bei dem Dorfe Knnsatun wurde durch den Splitter eines Schrapnels in einem Moment der Trommelschläger des 162. Achalzycher Regiments, der J u de S ch m u l (S a m u e l) S i.m a n o w s k y getötet. Nach dD Angabe des Regimentskommandeurs und der Offiziere, die aw der Schlacht teilnahmen, versetzte Simanowsky alle in Erstaunen durch seine Unerschrockenheit und seine Ergebenheit für die Sache. In der Schlacht von Defunschin aiU 18. Februar und dem dreitägigenIKampf bei Kundzjantun, der mn 23. Februar begann, arbeitete Simanowsky unermüdlich, jede ' Gefahr verschmähend. Er trug mit Eifer den Soldaten die Patronen ohne Gefahr zu fürchtend. dabei die Stellen beschreitend, die vom Artillerie-und Gewehrfeuer betroffen: waren. In freien Momenten^ wo er die Patronen nicht verteilte, las er-die Verwundeten auf und suchte die' in der Ferne stehenden Regimentsträger auf. Er schimpfte kräftig jene Sanitätsmänner, die an die Verwundeten heranzutreten fürchteten und sich von den stark beschossenen Bezirken fernhielten. Seine Energie,, seine beispiellose Tapferkeit und ' seine unbedingte Ergebenheit für die Sache setzte alle, die ihn -sahen, in Erstaunen. Tags darauf, nach der Schlacht, erzählte der Regimentskommandeur mit Entzücken von der seltenen Tapferkeit Simanowskys, und wie er förmlich das Sanitätspersonal um Versorgung der Verwundeten angefleht.. Mit Bewunderung äußerten sich auch über ihn die Offiziere. Nach den Worten des Regimentskommandeurs war er einer der ersten Kandidaten für das Kriegszeichen des Militärordens (St.-Georgskreuz). Der Regimentskommandeur sowohl als die Offiziere beklagten aufrichtig den Verlust dieses tapferen Mannes. Ehre seinem Gedächtnis! L. A. T . . . g. Literarische Mitteilungen. Die Frankfurter Stadtbibliothek hat, wie-uns der Direktor derselbe» Professor Dr. Ebrard mittelst von Frau Baronin Edmond von Rothschild in Paris, welche der Bibliothek ihrer Vaterstadt schon wiederholt ihr Wohlwollen bewiesen hat, eine überaus wertvolle Schenkung erhalten. Es ist dies eine reich illustrierte, im Jahr 1296 im Süden Deutschlands entstandene Pentateuch Handschrift, ein starker Foliant aus feinem Pergament und zierlich geschrieben. Er umfaßt den Pentateuch, seine aramäische Uebersetzung und den Kommentar des Salomo Jizchaki. Daran schließen sich die Haftarot (Prophetenabschnitte). Den Text begleitet die Massora (Kritische Lesarten des Pentateuch), die kunstvoll in Figuren geschrieben, den unteren Rand der Handschrift einnimmt. Der Anfang jedes Abschnittes des Pentateuchs und der Haftarot ist mit Bildern reich verziert. Die Initialen und Ornamente sind von seltenem Farbenreichtum, zuweilen mit starkem Gold überzogen. Jedes der fünf Bücher des Pentateuchs beginnt mit einem Vollbild. Die Abbildungen, meist Tiergestalten und Fabelwesen, zuweilen Jagdszenen und Turniere, verraten die lustige und übermütige Art des Jllustrierens, die dem 13. Jahrhundert eigen sind. Selten sind Darstellungen, die mit dem Inhalt in Verbindung stehen. Sehr wertvoll sind die Illustrationen für die Kostümkunde. Die große Anzahl von Familienwappen wird dem Heraldiker sehr belehrend sein- Die Handschrift gehört zu den schönst erhaltenen illuminierten hebräischen Manuskripten und wird für alle Zeiten eine Zierde der Frankfurter Stadtbibliothek sein. Das Manuskript wird der Ausstellung der Stadtbibliothek einverleibt werden und kann dort besichtigt werden. Lrirkkaltm der Krdaktwu. M. L. M. 100: Auf Ihre etwas allgemein gehaltene Anfrage nennen wir Ihnen außer Shakespeares „Kaufmann von Venedig" und Lessings „Nathan der Weise" und „Die Juden" von neueren Dichtern: Grillparzer: „Esther", „Die Jüdin von Toledo"; Hebbel : „Herodes und Mariamne", „Judith"; Otto Ludwig : „DieMakkabäer"; Franz Keim: „Sulamith", Leopold.Stein: „Hasmonäer", „Haus Ehrlich"; L. Philippson: „Esterka", „Jojachin"; Karl Gutzkow: „llriel Acosta"; Alfred Meißner: „Das Weib des Urias"; S. -H. Mosenthal: „Deborah". Von modernen Dichtern: H. Sudermann: „Johannes", „Der Siurmgeselle Sokrates"; Theodor Herzl: „Ghetto"; Max Nordau: „Doktor Kohn"; Richard Beer-Hofmann: „Der Graf von Charolais". Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. -