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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-05-19 · Heft 20 (19.5.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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—-: 3 i. Frankfurt a. M., 12. Mai. Viel besprochen wird hier eine Angelegenheit, in der es sich um den leistungsfähigsten Frankfurter Steuerzahler Herrn Goldschmidt-Nothschild, den Schwiegersohn der Baronin Willy v. Rothschild handelt. Sein Sohn diente bei den Gardedragonern in Karlsruhe als Einjähriger. Er wurde zum Offiziers-Aspiranten befördert und hatte auch die Absicht und den Wunsch, Offizier zu werden. Aber trotz der Erklärung des Kriegsministers, daß die jüdische Religion keinen Grund zur Ablehnung biete, wurde v. Goldschmidt-Rothschild vom Regiment abgelehnt. Der junge Goldschmidt ist in Frankfurt, seiner Vaterstadt, ziemlich bekannt, man weiß daher, daß persönliche Qualifikationen vorhanden waren; außerdem hatte man den Frankfurter Millionärssohn ja bis zum Offiziers-Aspiranten befördert, dann erst lehnten ihn seine Regimentskameraden im. Offiziersrang ab. Man kann sich denken, daß dieser Vorgang den Vater nicht wenig empörte. Herr Goldschmidt- Rothschild trug sich deshalb mit der Absicht, Frankfurt und Deutschland überhaupt den Rücken zu kehren und nach Paris überzusiedeln. Nun muß man aber in Betracht ziehen, daß der Schwiegersohn der verwitweten Baronin v. Rothschild mit dieser der stärkste Zensite, d. h. Steuerzahler in Frankfurt ist; hier zahlt, wie die „Sonne, Frankfurter Bürgerzeitung" (Nr. 100 vom 29. April) mitteilt, Herr Goldschmidt-Rothschild jährlich über 450000 M. Gemeindesteuer und entsprechende Staatssteuer. Welch ein Verlust wäre es für Frankfurt, wenn die städtische Verwaltung diese kolossale Einnahme verlieren müßte! Dazu kommen noch die bedeutenden Kapitalien für Wohltätigkeitszwecke, für die Lebensführung der Familie! .Nun erfreut sich aber die Großmutter des jungen Goldschmidt, Frau Baronin Mathilde v. Rothschild, der näheren Bekanntschaft der Großherzogin v. Baden, der diese Affäre natürlich zu Ohren kam. Da in diesem Falle auch der Großherzog v. Baden nicht eingreifen konnte, setzte er den obersten Kriegsherrn von dem Verhalten der Karlsruher Dragoner in Kenntnis und der Kaiser ernannte den jungen Goldschmidt- Rothschild zum Kammerjunker, woraus er natürlich zum Offizier avancieren mußte. Daraufhin entschloß sich der Vater, seine Abgaben der Vaterstadt und dem Vaterlande nicht zu entziehen. Die Vielen, die jahraus, jahrein bei der Offizierswahl durchfallen, finden keine solche Fürsprache, sie müssen die Ablehnung ruhig einstecken und sich mit den anderen trösten, denen es genau so wie ihnen ergangen ist. i. Mainz, 11. Mai. Wie wir bereits berichteten, feierte am 2. d. M. Herr Rabbiner Dr. Salfeld das Jubiläum feiner 26 jährigen Tätigkeit als Rabbiner der Mainzer Religionsgemeinde. Die Beteiligung an der Feier war eine allgemeine. Dem Jubilar wurden von allen Seiten, von Privaten, Behörden und Vereinen teils mündliche, teils schriftlich zahlreiche Glückwünsche dargebracht. Den Reigen der Gratulationen eröffnete der in corpore erschienene Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde. Ihr Präses, Justizrat Dr. F. Ph. Mayer, gab einen Rückblick auf das segensreiche Wirken des Jubilars und überreichte ein Ehrengeschenk der Gemeinde. Es folgten dann die Ansprachen der Deputationen von Vereinen. Für den großen Krankenpflegeverein d. ä. sprach Herr Karl Heiden- Heimer, für die Rhenus-Loge Herr Martin Mayer-Ganz, für den Verein zur Beschränkung des Wanderbettels und den Hospitalverein Herr Eduard Simon. Herr Karl Marx aus Alsheim, der Nestor der hessischen Lehrerschaft, schilderte die Verdienste des Jubilars um die Verbesserung der Lage der israelitischen Lehrer des Landes und sein erfolgreiches Wirken als Vorstandsmitglied des Vereins zur Heranbildung und Unterstützung jüdischer Seminaristen im Großherzogtum. Für das Lehrerkollegium der Religionsschule gab Kantor Nußbaum der Verehrung und Anhänglichkeit beredten Ausdruck. Nachdem noch mündlich, und schriftlich von den Behörden, den Direktoren der höheren Lehranstalten, der christlichen Geistlichkeit, dem Kaufmännischen - Verein, der Großloge für Deutschland, der Nassauloge in Wiesbaden und andere, dem Journalisten- und Schriftstellerverein, dem Mainzer Männergesangverein, dem deutsch-israelitischen Gemeindebund, von wissenschaftlichen Bereinigungen, dem Verband der Literaturvereine und von anderen Wünsche dargebracht und die Wohnung des Jubilars durch Geschenke und Blumenspenden überreich geschmückt war, erschienen am Nachmittag die Amtsbrüder Dr. Salselds, in deren Namen Dr. Stein-Worms eine meisterhafte Ansprache hielt und ein kostbares Kunstwerk, eine silberne Habdalabüchse, deren Zweck er geistreich gedeutet hatte, dem Gefeierten überreichte. Nach ihm sprach Dr. Lewit-Alzey im Namen des deutschen Rabbinerverbandes. Auch die auswärtigen Religionsgemeinden fehlten nicht unter den Gratulanten. Daß die Ehrungen wohlverdiente sind, bezeugt folgendes Schreiben, aus dem wir einen Auszug mitteilen. Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner schreibt unter anderem: „Am heutigen Tage sind es 25 Jahre, daß Sie das Rabbinat der Mainzer israelitischen Religionsgemeinde inne haben. Mit Stolz und Genugtuung dürfen Sie aus diese lange, stets der ernsten Arbeit und treuesten Pflichterfüllung gewidmete Dienstzeit zurückblicken, die zwar reich an Mühen und Sorgen gewesen, der aber auch der Erfolg und die Anerkennung nicht gefehlt haben. Nicht allein haben Sie in der Ausübung Ihres geistlichen Amtes die segensreichste Wirksamkeit entfaltet, Ihr milder und versöhnlicher Sinn hat auch wesentlich zur Erhaltung von Frieden und Eintracht unter den Bekennern der verschiedenen Konfessionen beigetragen. Den Bedrängten und Notleidenden waren Sie jederzeit ein warmer Freund und Berater. Eine Reihe von Vereinen schätzen in Ihnen ihren Gründer und werktätigen Mitarbeiter. Der städtischen Verwaltung haben Sie als Mitglied des Schulvorstandes und Erziehungsbeirates besonders nahegestanden; beide Körperschaften haben aus Ihre Mitarbeit jederzeit den größten Wert gelegt und wir geben uns gern der Hoffnung hin, daß Sie uns mit Ihren reichen Erfahrungen auf dem schwierigen Gebiete der Jugenderziehung und Jugendfürsorge auch fernerhin zur Seite stehen werden." Am Abend des Jubiläumstages fand eine würdige, schlichte Feier in der Rhenus-Loge und am 5. d. M. ein Festgottesdienst in der Synagoge statt. — Wiesbaden, im Mai. Der 34. Jahresbericht des Israelitischen Unterstützungs-Vereins für das Jahr 1904 bietet nicht ein in allen Teilen erfreuliches Bild. Trotz der großen Zunahme der hiesigen jüdischen Bevölkerung hat derselbe kaum ein Plus an Mitgliedern zu verzeichnen. Die eingegangenen Geschenke sind bedeutend zurückgeblieben und wäre nicht ein hochherziges Legat, so hätte der Verein mit einem erheblichen Defizit abgeschlossen. Der Bericht enthält ferner auch eine für weitere Kreise beherzigenswerte Mahnung: „Eine sehr peinliche Erscheinung haben wir in den letzten Jahren zu verzeichnen. "Angesehene israelitische Blätter nehmen Ausrufe zugunsten von notleidenden Glaubensgenossen auf. ohne daß wir in der Lage sind, uns vorher über die Bedürfnisfrage zu äußern. Demgegenüber müssen wir betonen, daß wir jeden uns zur Kenntnis gelangenden Fall ernster Prüfung unterziehen und inr Bedarf auch vor größeren Summen nicht zurückschrecken. Wir bitten daher unsere Mitglieder, auf derartige Ersuchen innerhalb unseres Regierungsbezirkes nur dann beisteuern zu wollen, wenn vorher bei uns Erkundigung eingezogen worden ist." Der Rechnungsabschluß verzeichnet an Einnahmen 14 544,57 Mark, an Ausgaben 12 207,50 Mark. Das Vereinsvermögen besteht aus 29 187,07 Mark. Der Vorstand setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Moritz Heimerdinger, Vorsitzender. Moritz Eisberg, Kassierer. Bernhard Groedel, Mayer Baum, Seligm. Blumenthal, Salh Hamburger, Simon Heß, Abraham Marxheimer, M. D. Strauß, Benedict Straus, Schriftführer. e. Bamberg, 12. Mai. Es verdient in weiteren Kreisen bekannt zu werden, in welch schönem Einvernehmen die verschiedenen Konfessionen der hiesigen Stadt leben. Die Persönlichkeit des neuen Erzbischofs - des hochwürdigen Herrn Dr. Friedrich Philipp Abert bürgt dafür, daß der Friede auch ferner bewahrt bleibe. Bei feinem Einzug in hiesiger Stadt sprach derselbe den Stadtvertretern, unter denen sich auch ein Israelit befindet, innigen Dank für den herzlichen Empfang aus und fügte hinzu: „Mit einem Herzen voll Frieden und Liebe komme ich hierher; den Frieden zu halten mit Euch, darin erblicke ich das Wesen meiner hohen priesterlichen Aufgabe und ich will ihn fördern in aller Liebe, denn er ist nötig in der jetzigen schweren Zeit!" Bei der Serenade hielt Seine Eminenz eine Ansprache, in deren Verlauf er folgendes betonte: „Der Gottesfrieden möge einkehren in jedes Haus und Herz allüberall, und ich rufe allen ohne Unterschied zu das Wort und den Gruß: „Der Friede sei mit Euch! Möge Gottes Segen auf allen Bambergern ohne Unterschied der Konfession ruhen!" Zu dem Festmahl, das nach der Inthronisation dem Herrn Erzbischof gegeben wurde, erhielt auch

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