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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-05-19 · Heft 20 (19.5.1905) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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in seinem Kreise, weitere Mitglieder zu werben. Am nächsten Morgen sand noch eine Besichtigung der Auswandererherberge statt, bekanntlich auch eine Institution des Hilfsvereins. Die Herberge, die an jenem Tage ca. 30 Auswanderer beherbergte, kann in. allen ihren Einrichtungen als mustergültig bezeichnet werden. Die Behandlung der Insassen ist eine besonders liebevolle und es ist die Opferwilligkeit der Komiteemitglieder des Hilfsvereins der deutschen Juden in Tilsit in hohem Grade zu rühmen. — Magdeburg, 15. Mai. Der Synago gen-Gemeinde- Verband der Provinz Sachsen hat am 9. v. M. hier einen Gemeindetag abgehalten und einen Verwaltungsbericht für das Geschäftsjahr 1904/1905 ausgegeben. Der Verband hat in den Herren Gotthold Simon von hier und Jsaac Lamm-Erfurt zwei vortreffliche Männer verloren. Es gehören ihm jetzt an die Gemeinden: Aschersleben, Bitterfeld, Bleicherode, Burg, Delitzsch, Egeln, Eisleben, Erfurt, Gardelegen, Halberstadt, Hallen. S., Calbe a. S., Magdeburg, Mühlhausen i. Th., Nordhausen, Neuhaldensleben, Quedlinburg, Schönebeck a. E., Staßfurt, Stendal, Suhl, Tangermünde und Zeitz. Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder ist im wesentlichen dieselbe geblieben. Auch die Tätigkeit des Verbandes war nach Art und Umfang im wesentlichen die gleiche wie in den früheren Jahren. Der Religionsunterricht und die Entsendung von Predigern zu den hohen Festtagen nehmen — und das mit Recht — die Kräfte des Verbandes hauptsächlich in Anspruch. Berücksichtigt wurden in dieser Beziehung Burg, Gardelegen, Merseburg, Neuhaldensleben und Zeitz. Durchweg günstig, zum Teil außerordentlich lobend und anerkennend, lauten wieder die Berichte über die Predigten, die an den hohen Festtagen in den Gemeinden Bitterfeld, Eisleben. Staßfurt, Stendal und Tangermünde gehalten wurden; in einigen der Gemeinden ■■ fungierten auf deren ausdrücklichen Wunsch dieselben Prediger, wie in dem Vorjahre, tmis hervorheben zu können uns besondere Genugtung gewährt. Der Kassenbericht ergibt an Einnahmen 3829,44 M., an Ausgaben 3229,08 M. Den Ausschuß bilden die Herren: Benjamin Hirsch-Halberstadt, Verbandsvorsteher. Justizrat Lichtwitz- Magdeburg, Stellvertreter. I. Lindenthal-Magdeburg, Schatzmeister. A. Korjanker, Burg b. M. Ad. Meyer, Stendal. W. Oppenheimer, Nordhausen. A. Sernau, Halle und Herm. Wolff, Egeln. 1. Hannover, 12. Mai. Der Jahresbericht des „Vereins zur Unterstützung der Schüler der Bildu ngsanstalt für jüdische Lehrer" zu Hannover ist erschienen. Bei Ablauf dieses Berichtsjahres blickt der Verein auf ein 25 jähriges Bestehen zurück. Dies darf wohl als eine Etappe angesehen werden, die zu einem prüfenden Rückblick auf die Leistungen der Vergangenheit und zu einer Beantwortung der Fragen auffordert. Auf Anregung des verewigten Landrabbiners Dr. Meyer s. A. traten im Oktober 1879 23 Herren zusammen, um einen „Verein zur Unterstützung der Schüler der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer" ins Leben zu rufen. Wohl waren durch die Hochherzigkeit vieler Mitglieder unserer Gemeinde die Zöglinge der jüdischen Lehrerbildungsanstalt bereits früher durch Gewährung von Freitischen und Zuwendung von kleinen Geldbeträgen unterstützt worden, aber die Art und das Maß dieser Unterstützung erwies sich weder als würdig und angemessen, noch als ausreichend, um auch nur die bescheidensten Lebensbedürfnisse der meist unbemittelten Schüler zu befriedigen. Daß der Verein einem dringenden Bedürfnis entgegenkam, bewies das Interesse, welches er sofort nicht nur in Hannover selbst, sondern in mehr als 60 Gemeinden unserer Provinz und ganz Deutschland wie auch im Auslande fand. Der erste Jahresbericht verzeichnet bereits 239 hiesige und 145 auswärtige Mitglieder, mit 6420,63 Mark einmaligen und jährlichen Beiträgen. Bald kam man zu der Ueberzeugung, daß bei dem geringen Kostgeld, welches gezahlt werden konnte, auch die Unterbringung der Schüler in geeigneten Privatpensionen schwer zu ermöglichen und nicht unbedenklich sei, und daß der Verein darum ein eigenes Heim beschaffen müsse, in welchem die Zöglinge gute Verpflegung und vertrauenswürdige Beaufsichtigung fänden. Diesem Ziele strebte der Notstand des Vereins nach. In einem am 20. Oktober 1895 in Benutzung genommenen Hause erhalten die Zöglinge seither gegen eine mäßige Vergütung eine allen Ansprüchen der Hygiene genügende Wohnung sowie Beköstigung von feiten unseres Jnternatsverwalters Lehrer Leopold Spier (feit 1898), dessen Aufsicht sie auch unterstehen. Jedoch von der Erwägung ausgehend, daß die im abgelaufenen Vierteljahrhundert verpflegten Zöglinge aus allen Teilen Deutschlands stammen, wie ja auch Lehrer für alle Gaue unseres Vaterlandes aus ihr hervorgehen, hält es der Vorstand mit Recht für eine Ehrenpflicht, nicht nur der Gemeinde Hannover in welcher sich zufällig dies Internat befindet, sondern aller Gemeinden Deutschlands, vornehmlich der größeren und solcher, in denen Schüler des hiesigen Seminars als Beamte wirken, diesen Verein durch einen angemessenen Beitrag zu unterstützen. Die im ersten Vereinsjahr an Schüler gewährten Unterstützungen betrugen 5667,17 Mark, während nach dem vorliegenden Jahresbericht in Summa etwa 16 850 Mark für das Internat und die Vereinszwecks verausgabt wurden. Es ergibt sich aus dem Vergleich dieser Summen, wie erheblich die Aufwendungen gestiegen sind, die zum Wohl der Schüler gemacht wurden. Der Vorstand besteht aus den Herren: Adolf Kann, B. Löwenstein, Gustav Cohen, S. Katz, Direktor Dr. Knoller, Dr. Sal. Hirsch, N. M. Falck, Julius Frensdorff. P. M. Hamburg, 14. Mai. Seit kurzem hat sich hier ein „Verein zur Förderung jüdischer Interessen" gebildet, der das Leben in unserer Gemeinde, für welches sich nur ein geringes Interesse bei den Gemeindemitgliedern zeigt, mehr zur Entfaltung bringen will. Bekanntlich hat die freie Stadt Hamburg keine eigentliche jüdische Gemeinde, wie sie beispielsweise in Berlin zu finden ist, denn in Hamburg sind Staat und Kirche voneinander getrennt und steht es im Belieben des einzelnen, ob er sich der Gemeinde anschließen will oder nicht. Aus diesem Grunde stagniert auch das Interesse für die Verwaltung der jüdischen Gemeinde und ihrer Kultusverbände. Ab und zu macht sich auf kurze Zeit ein etwas regeres Leben bemerkbar, besonders vor den Wahlen, das dann aber sogleich wieder verschwindet. Um hierin Wandel zu schaffen, ist der oben genannte Verein von einer Anzahl von Männern, den verschiedenen religiösen Richtungen angehörig, zusammengetreten, die in diesem Verein die jüdischen Gesanitinteressen fördern und in regelmäßigen Versammlungen die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde besprechen will. Eine besonders wichtige Aufgabe sieht dieser neue Verein darin, bei den Wahlen sür die Repräsentanten- und Delegiertenkollegien tatkräftige Männer aufzustellen. Als eine fernere Aufgabe sollte der Verein es betrachten: die Oeffentlichkeit der Sitzungen unserer Gemeindekollegien nach vorheriger Bekanntgabe von Tag und Stunde dieser Sitzungen zu erreichen. Vorsitzender dieses neuen Vereins ist Herr Alfred Cohn. Auch unter den Mitgliedern des Tempelverbandes regt sich das Interesse für die Verwaltungsangelegenheiten dieses Verbandes. Vor den Wahlen des Repräsentantenkollegiums haben eine Anzahl Mitglieder der Tempelgemeinde ein Zirkular veröffentlicht, in dem sie die bisherige Art der Repräsentantenwahlen, bei der solche Männer, die von der Direktion — das ist der Vorstand — ausgestellt waren, gewählt worden sind, geißelt und für die jetzt zu erfolgende Neuwahl bestimmte Anforderungen an die Kandidaten stellt. Es sollen solche Männer gewählt werden, die für eine Aenderung der seit ca. 40 Jahren in Kraft befindlichen Statuten bereit und in jeder Hinsicht die Rechte sämtlicher Verbandsmitglieder zu wahren gewillt sind. Dieser Ausruf hat seine Wirkung nicht verfehlt; es sind tatsächlich die nominierten Kandidaten mit Stimmenmehrheit aus der Wahlurne hervorgegangen. — Der Bau der ne.u en Gemein desynagoge schreitet rüstig vorwärts und soll noch im Laufe dieses Jahres im Rohbau fertig gestellt werden. v. Bonn, 8. Mai. Bei den gestern glanzvoll gefeierten Blumenspielen in Köln ist dem Vorstandsmitglied unserer Gemeinde Herrn Max Herfchel eine große Ehrung zu teil geworden. Die Jury der Festspiele hatte unter ca. 250 Rheinliedern dem von ihm eingesandten Gedicht als einzigem den Preis zugesprochen, und bei der Feier wurde ihm derselbe, eine vom Oberpräsidenten der Rheinprovinz gestiftete, prachtvolle Rebenranke aus vergoldetem Silber, von der für dieses Jahr ernannten Blumenkönigin, Fräulein Irene Schellander aus Triest, überreicht. Für die Oeffentlichkeit hat die Auszeichnung des Herrn Max Herschel um so mehr Interesse, als er demnächst einen Band jüdisch-religiöser Dichtungen erscheinen läßt, dem man nach dem Urteil anerkannter Autoritäten mit großen Erwartungen entgegensehen darf.

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