Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- Seite 240 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Begründung dieses Antrags etwa das folgende'vvr:^//IW habeu aber' nun noch einen Punkt zu erwähnen: Man hat sich, um diese Versammlung abzuhalten, an Herrn Dr. Hildesheimer gewendet. Gewiß ist niemand von uns würdiger dazu. als er; aber dennoch war'es nicht der rechte Weg. Wir sind hier als-die Vertreter des deutschen Rabbinerverbandes und an uns hätte man sich wenden müssen, da wir als solche die berufenen Vertreter dieser Angelegenheit sind. Daher beantrage ich, daß wir in dieser Eigenschaft in die Kommission gewählt werden. Den .hierin liegenden Vorwurf wies zunächst Dr. Werner zurück, indem er mit voller Entschiedenheit den eingeschlagenen Weg verteidigte, freilich um dann später zu bemerken, daß er mit dem Anträge an sich einverstanden sei. Gegen diesen Antrag erhoben jedoch die gesetzestreuen Mitglieder der Versammlung entschiedenen Protest; es sprachen in diesem Sinne Plato, Feilchenfeld, Auerbach und ich. Ich konstatiere also, daß Mahbaum damals sich beschwerte, daß man sich an Dr. Hildesheimer gewendet und ihn und Dr. Ungerleider „als die Vertreter des Rabbinerverbands" umgangen habe, während'er selbst heute öffentlich erklärt, die Anregung zu jener .Besprechung sei von dem Rabbinerverband ausgegangen. 3. Herr Dr. Mahbaum sagt ferner: „Nur Feilchenfeld-Posen widerstrebte anfangs." In vier Worten zwei Unrichtigkeiten! Denn nicht nur Feilchenfeld war es, sondern die sämtlichen anwesenden Vertreter des gesetzestreuen Judentums. Zwar sprachen „nur" vier dagegen; aber daß etwa Herr Dr. Breuer dem Antrag nicht „widerstrebt" hätte, dürfte Herr Dr. Mahbaum weder sich noch son^t jemandem einreden, oder Hirsch-Hamburg, dessen Stellung zum Rabbinerverband Herrn Dr. Mahbaum genügend bekannt sein dürfte. Daß aber Feilchenfeld-Posen nur anfänglich widerstrebt hätte, ..ist ebenso unrichtig. Herr Dr. Feilchenfeld hielt vielmehr zum Schluß nochmals eine Rede gegen den Antrag, in der er direkt erklärte: Wir wollen und werden. Sie nicht als unsere Vertreter in religiösen Dingen anerkennen. So schreibt mir Dr. Feilchenfeld auch jetzt (14. April) : Posen, 16. April. Geehrter lieber Freund! Gern bestätige ich, daß wir in jener Versammlung, die durch das in Marienwerder erlassene -Schlachtverbot veranlaßt war, mit Energie dagegen protestiert haben, daß eine bezügliche Petition im Namen des „Allgemeinen Rabbiner- Verbandes" erlassen werde, dem wir nicht angehörten und nicht angehören wollten." 4. Herr Dr. Mahbaum beruft sich auf „seinen verewigten Lehrer, Herrn Dr. Israel Hildesheimer der auf Grund der Kenntnis seines (Ms.) Charakters die Angelegenheit vertrauensvoll in seine Hände legte." Nun die Rede, die Herr Dr. M. kaum länger als ein Jahrzehnt vorher (am 3. März 1888) gehalten, zeugte nicht gerade von sonderlicher Verehrung für diesen Lehrer (vgl. Jüdische Presse, Jahrg. 1883, S. 103 ff.) Es ist wahr, das Herr Dr. Israel Hildesheimer für Mahbaums Antrag sprach. Aber gegen den Versuch, diese selbstlose Handlung unseres unvergeßlichen Lehrers y'uft zu einer Vertrauenskundgebung fürHerrn Dr. Mahbaum auszunutzen, kann nicht scharf genug Protest erhoben werden. iVleminisZe invat. So selbstverständlich den wahren Schülern Israel Hildesheimers die Forderungen des Kebod Horaw sind, so selbstverständlich haben sie es für ihre Pflicht gehalten, ihre abweichende Meinung in religiösen Fragen zu vertreten. Daß es auch in diesem Falle geschah, beweist das Auftreten von Feilchenfeld, Auerbach, Plato und mir. 5. Daß aber auf die Worte des Herrn Dr. Hildesheimer Vxt hin der betreffende Antrag „von allen anwesenden orthodoxen Rabbinern angenommen wurde," ist falsch. Denn einmal hat eine Abstimmung über den Antrag überhaupt nicht stattgesunden; somit kann von einer Annahme des Antrages gar keine Rede sein. . Ich habe aber noch das folgende hinzuzufügen: „Alsbald nach. der obigen Aenßerung des Herrn Dr. Hildesheimer ^"21 wurden verschiedene Anwesende als.Mitglieder der Kommission in Vorschlag gebracht. Auch mein Name wurde genannt. Da ich den Eindruck hatte, daß Mahbaum seinen Antrag stillschweigend als angenommen betrachtete, so lehnte ich die Wahl ab, indem ich erklärte, so schmerzlich es mir auch sei, der Ansicht meines Rabbi entgegentreten zu müssen, so könne ach doch nicht anders, da ich auf meinem wiederholt ausgesprochenen Standpunkte beharren müsse; ich ersuchte daher von.meiner Wahl Abstand zu nehmen. Hieraus kam.Herr Dr. Werner .aus mich zu und interpellierte mich, warum ich ' denn die Wahl nicht annehmen wollte. Ich erwiderte/ daß ich den Grund meiner Ablehnung ja deutlich angegeben habe. -„Aber der Antrag ist ja doch zurückgezogen!" entgegnete Dr. Werner.- „Davon habe, ich.nichts gehört!" sagte ich. . Er, ries nun noch einen der Anwesenden herbei, der bestätigte, daß der Antrag zurückgezogen schorden sei. Hierauf erklärte ich mich bereit, die Wahl anzunehmen. Alle diese Vorgänge habe ich damals sofort ausführlich in 'meine Rabbinatsnotizen eingeschrieben. Ein Zweifel an der Richtigkeit derselben ist ausgeschlossen. ' 6. Wenn aber schließlich. Dr. Mahbaum sich darauf beruht, daß das der Regierung überreichte Schriftstück „neben der Unterschrift des geschästsführenden Vorstandes des Rabbinerverbandes die. Unterschriften sämtlicher Vertreter der orthodoxen Rabbiner (?)" trägt, so hat Herr Dr. Mahbaum hiermit nicht bewiesen, daß er auch das Recht hatte, so zu handeln. Wir haben nicht geahnt und konnten nicht ahnen, daß das betr. Schriftstück von dem Vorstand des Rabbiner- Verbandes unterzeichnet werden würde. Alle Zirkulare, die mir als Mitglied jener Kommission zugingen, ich habe sechs vor ' mir liegen — sind unterzeichnet teils von Ungarleider allein, teils von Hildesheimer, Mahbaum und Ungerleider, ohne Erwähnung des Rabbinerverbandes. 7. Beiläufig bemerke ich noch, daß ich meine Schrift Herrn Dr. Mahbaum weder selbst zugesandt, noch zuzusenden veranlaßt habe. Der Prüfung meiner Wahrheitsliebe sehe ich, so weit sie ohne Voreingenommenheit unternommen wird, aeguo auimo entgegen. Fulda, den 8. Mai 1905. Ergebenst Dr. M. Cahn, Provinzialrabbiner. * Geehrter Herr Redakteur! s wird Ihre Leser gewiß interessieren, was der Professor der pathologischen Anatomie an der hiesigen Universität, Geheimrat Johannes Orth/ in einer .der letzten Sitzungen der Berliner Medizinischen Gesellschaft über ärztliche Schulen und Anstalten in Nordamerika sagte. „Wohl das schönste Hospital, das ich je gesehen habe, ist ein neues jüdisches Krankenhaus in New-Pork, das Mount Sinai-Hospital. Als ich in die Nähe kam und den Eingang suchte, glaubte ich, mich geirrt zu haben. Ich dachte, ein großes Hotel vor mir zu haben, bis ich mich überzeugte, daß das wirklich das Mount Sinai-Hospital sei. Es hat eine wahre Verschwendung von Marmor; Treppen, Wände, überall kommt der weiße Marmor zu Tage, schöne Hallen, gut eingerichtete Krankenräume mit allem möglichen Komfort., Ich verkenne nicht die'Wichtigkeit des Komforts für die Behandlung der Kranken. Allein, was mir hier in Europa schon wiederholt in den Sinn gekommen war, das kam mir auch da. in den Sinn: ob nicht doch etwas zu viel in dieser Beziehung geschieht, wenigstens in den Räumen, die für die Patienten der dritten Klasse — wie man hier zu sagen pflegt — bestimmt sind. Der Unterschied zwischen den Verhältnissen in den Heilanstalten und denjenigen in der eigenen Häuslichkeit ist doch zu groß, als daß nicht die Minderwertigkeit der letzteren unangenehm empfunden werden sollte. Es ist mir fraglich, ob der Wunsch und das Streben, die heimischen Verhältnisse gesundheitlich besser zu gestalten, größer sein wird, als die Unzufriedenheit über die Unzulänglichkeit der häuslichen Zustände. Das kommt natürlich nicht in Betracht für die Einzelzimmer. Da ist ein wahrer Luxus in diesem Hospital entfaltet: Wohnzimmer, Schlafzimmer^ Badezimmer, elektrische Nachtlampen — ein Griff läßt die Lampe'matt erstrahlen, ein zweiter läßt sie wieder in hellem Schein aufleuchten." Berlin, 10. Mai. I G. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.