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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-05-19 · Heft 20 (19.5.1905) · p. Seite 239

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
Seite 239 (sequence 11)
Language
German
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Lu den Schillertsgen. n den jüngst verflossenen, Schiller geweihten Tagen ist mehrfach auch des Jubeljahres 1859 gedacht worden, als die Begeisterung, gesteigert durch die politischen Verhältnisse, nicht minder hohe Wellen schlug als heute. Auch damals flutete es in Zeitungen, Zeitschriften von Schillerreden, Schillererinnerungen re. Und damals lebten noch und schrieben viele, denen der Dichter nicht nur der große lebensvolle Tote, sondern noch ein Lebendiger, war, denen aus der Jugend Tagen die Erinnerung an ihn und die unmittelbare Wirkung seiner Persönlichkeit und seiner Dichtungen herüberklang. In einer Nummer der Gartenlaube von 1860 findet sich ein Artikel über Schillers Aufenthalt in Bauerbach, dem wir folgende amüsante, für die Leser dieses Blattes nicht uninteressante Einzelheit entnehmen. In Bauerbach waren zur Zeit schon Juden. Schiller, der aus bekannten Gründen, seinen Aufenthalt geheim hielt und äußerst einsam lebte, hatte nur wenige Bewohner des Dorfes kennen gelernt. Nur mit einem Juden Mattich kam er häufig zusammen, den er wegen seiner ziemlichen Bildung und seines gesunden Mutterwitzes gern sah, und mit dem er bisweilen das damals in Bauerbach beliebte Kartenspiel „Sechs-Männchen" spielte. Die Frau des Juden sah freilich den Umgang ihres Mannes mit dem Unbekannten sehr ungern, ja sie machte ihm häufig darüber Vorwürfe. „Was läufst Du zu dem Ehattes (Lump)?" zankte sie. „Geh' lieber Deinen Massematten (Geschäften) nach." Der brave Jude aber antwortete seinem keifenden Weibe: „Schwag' mer still! Ich was net, wie mer wird, wenn er mich ruft. Ich muß folgen. Er ist ein braver, ein gescheiter Ma, und mer waß doch och. nicht, was dahinter steckt." A. G. Die wrlke Murm. Von Dr. S. Feßler. ^V^ief unten eine Blume steht in dürrem Boden, V*' Heber ihr weht der Vernichtung rauher Odem, Dürr die Wurzel, welk die Blätter, Ersehnt sie den Regen, den Lebensretter. Träuf aus den Wolken, erquickend Naß! Auf Feld, auf Wiesen, auf Kraut und Gras! Hauch' Kühlung entgegen den Kindern der Flur, Denn verdorrt sind wir bald, dahin ohne Spur! Israeldie flehende Blume heißt. Die der Sturm zerblättert, zerreißt, Die hier im glühenden Sonnenbrand steht, Dort wiederum durch Wetterstrahl vergeht. Wohin ach — soll die Blume Israel sich wenden? Wann denn wird ihre Leidenszeit enden? Will der Gärtner ihrer nicht mehr warten? Soll sie nicht mehr stehn im Völkergärten? Ach! voll Gram also meine Seele spricht; Darauf mein Ohr vernimmt: „Verzage nicht!" MreHsagl. Geehrter Herr Redakteur! dein Aufsatz von Adolf Kohut über Julius Fürst haben, sich V folgende Jrrtümer eingeschlichen: 1. Das Buch über Henr. Herz ist nicht 1858, sondern 1850 erschienen. > 2: Jub Fürst war ca. von 1820—26 in Berlin. Er kann dort unmöglich Marcus Herz kennen gelernt haben, denn dieser war 1803 gestorben. 3. Moritz Veit, 1808 geboren, war in Fürsts Berliner Zeit ein Knabe oder Jüngling zwischen 12—18 Jahren, kann also für jene Zeit keine „namhafte Persönlichkeit" genannt werden. 4. Der Orientalist Julius Fürst und der Biograph von H Herz, I.' Fürst, sind zwei ganz verschiedene Persönlichkeiten. Der letztere lebte und starb in Berlin und war jahrelang vertrauter Gast im Hause der Henr. Herz, während der erstere, wenn überhaupt, nur als Jüngling gelegentlich bei ihr verkehrt haben kann. Wie sollte der Leipziger Orientalist dazu gekommen sein, die Familienpapiere der Berlinerin zu erlangen und edieren? Vor allem: Wie sollte er, der in den letzten 20 Jahren an einem anderen Ort wie Henr. Herz lebte, neuerliche Mitteilungen von ihr empfangen haben? 5. Das Buch I. Fürsts über Henr. Herz enthält keinerlei „bemerkenswerte Beiträge zur Lebensgeschichte des Herausgebers." Berlin, 13. Mai. Hochachtungsvoll L. Geiger. 1'^nter der Ueberschrift: „Zur Steuer der Wahrheit" hat Herr Dr. Maybaum in Ihrem werten Blatte von einer in meiner Schrift über „Die Verbände und das gesetzestreue Judentum" enthaltenen Mitteilung behauptet, daß sie in allen ihren Teilen der Wahrheit widerspreche. Ich setze den Inhalt jener Mitteilung bei den Lesern als bekannt voraus und erkläre hiermit, daß die Darstellung des Herrn Dr. Maybaum mit dem tatsächlichen Verlauf der Sache in vollendetem Widerspruch steht, daß dagegen die Darstellung, wie sie in meiner Schrift gegeben ist, voll und ganz der Wahrheit entspricht. 1. Es ist nicht richtig, daß jene Besprechung von dem damaligen Rabbinerverbande angeregt worden ist. Vielmehr war ich es, der die Anregung zu derselben gegeben hatte. Am 23. August 1893 war ich nämlich in Hannover und erfuhr von Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann, daß er von dem damaligen Regierungs-Präsidenten. Grafen W. v. Bismarck eine Zuschrift erhalten habe, wonach dieser infolge des schächtfeindlichen Gutachtens des Professors H offmann zu Stuttgart das bisher den Israeliten gewährte Privilegium der Schlachtung ohne vorherige Betäubung in seinem Regierungsbezirk aufheben werde; , ferner teilte mir Dr. Gronemann mit, er habe von Dr. - Werner (Danzig) und Dr. Rosenstein (Graudenz) die Mitteilung empfangen, daß sie gegen das von dem Regierungspräsidenten der Provinz Westpreußen erlassene Schächtverbot eine Rekursbeschwerde an den Herrn Minister zu' richten im Begriffe ständen. Da ein ablehnender Bescheid des Ministers dem Erlaß eines Schächtverbots für ganz Preußen gleich zu erachten war, so machte ich Dr. Gronemann den Vorschlag, aus den 30. August eine Zusammenkunft in Berlin ins Werk zu setzen, und erklärte mich bereit, an Dr. H. Hildesheimer zu schreiben, während Herr Dr. G. sich sofort mit Dr. Werner und Nosenstein ins Einvernehmen setzen wollte. So geschah es. Ich teilte Dr. Hirsch-Hildesheimer diesen Plan mit und bemerkte, er möge seinerseits, einladen, wen er für geeignet halte, jedoch den Rabbinerverband als solchen wolle ich nicht eingeladen haben. — Als ich am 30. August mit Herrn Dr. Breuer, den ich eingeladen hatte, nach Berlin kam, war ich überrascht zu erfahren, die Versammlung finde im Gebäude der „Jüdischen Gemeinde" statt. Wie kommt nun Herr Dr. Maybaum zu der Behauptung, daß jene Besprechung vom damaligen Rabbinerverband angeregt worden sei? 2. Maybaum fährt dann fort: „Es war daher selbstverständlich.- daß die Aktion vom Rabbinerverbande unter Anschluß der anwesenden orthodoxen Rabbiner ausgehen mußte." Diese Schlußfolgerung würde stimmen, wenn die Prämisse nicht falsch wäre. Da es aber in Wirklichkeit nicht der Rabbinerderband war, der die Anregung gegeben hatte, so stand es diesem auch nicht zu, die Aktion seinerseits zu übernehmen. Uebrigens hat damals Maybaum selbst einen so weitgehenden Antrag gar nicht zu stellen versucht; vielmehr beantragte er lediglich, ihn selbst'und seinen Berliner Kollegen Ungerleider „als Vertreter des deutschen Rabbinerverbandes" in die Kommission, für die sie beide — jedoch ohne Erwähnung des Rabbinerverbands — in Vorschlag gebracht waren, zu wählen. Maybaum brachte al

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