Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- Seite 236 (sequence 8)
- Language
- German
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diejenige freundliche Aufmerksamkeit nicht versagen, wel che ich für systematische - Schilderung meines bisherigen geistigen Schaffens wohl mir erbitten darf." Der Bericht schließt mit den ebenso schönen wie warmen Worten: „Ich kann versichern, daß mein höchster Wunsch, der bei allen meinen Arbeiten mir vorschwebte, das Gedeihen der Wissenschaft war. Ich hübe mit menschlichen Kräften, mit redlichem Willen und fester Ausdauer das^Ziel verfolgt und muß Gott danken, daß er mir verstattete, so manches zu erreichen. Mein Lohn liegt in dem Bewußtsein, daß die vielen Studien einiges zur Förderung des Wissens und des geistigen Lebens beigetragen haben." Nicht minder bemerkenswert ist, was der Verfasser über Hie wissenschaftliche Journalistik und seine Betätigung an derselben sagt, indem er auf die zwölf Jahrgänge der von ihm redigierten Zeitschrift „Der Orient" hinweist. Er meint dort, daß er bei der Gründung und Leitung dieses periodischen Unternehmens von dem Gedanken ausgegangen sei, daß den geistigen Interessen des Judentums ein Sammelpunkt geboten Werden müsse, um dasselbe durch Belebung und Aufklärung zu heben. Der „Orient" sei zunächst für Staatsmänner und Gesetzgeber, für höhere Theologie und Orientalismus, für Bibliotheken und Museen, sodann aber auch für alle gebildeten Kreise bestimmt gewesen. „Mit edlem, hier und da zu stürmischen Eifer, mit Begeisterung für die Ideen ging ich ans Werk und hatte bald eine Schar trefflicher Mitarbeiter um mich gesammelt. Eine Fülle des gediegensten in literarhistorischer und phflysophischer Beziehung hervorragenden Materials stand mir zu Gebote und ich selbst schrieb für das Blatt fleißig wissenschaftliche Aussätze, so daß in dieser Beziehung das Unternehmen in gleich glänzender Weise einen langdauernden Bestand gehabt hätte, wenn das Publikum diesem Aufwands ununterbrochener Tätigkeit und Mühe fördernd und lohnend entgegen gekommen wäre. Obgleich alle Parteien den Zitierungen christlicher wie jüdischer Literatur, dem Inhalt des Blattes Beifall zolltep, mußte ich doch schließlich. mit meinen für den Ausbau der jüdischen Literatur gebrachten Opfern einhalten. So ging das wiffenschaftliche Unternehmen nach zwölfjährigem Bestehen zu Ende," Welch' beschämendes Bekenntnis ist doch dieser Stoßseufzer von Fürst, für die Teilnahmslosigkeit und die materielle Gesinnung eines großen Teiles des Lesepublikums! . Schließlich noch ein Wort über die Familie Fürst. Ein Sohn des Gelehrten, Dr. Livius Fürst, seit Jahrzehnten als Sanitätsrat und viel gesuchter Kinder- und Frauenarzt in Berlin lebend, hat sich schon lange als wissenschaftlicher und populär-wissenschaftlicher Schriftsteller in der medizinischen Literatur einen klangvollen Namen erworben. Er fungierte ü. a. im Kriege von 1866 als leitender Arzt im Leipziger Militärlazarett, ebenso tat er im Kriege 1870/71 als Etappenarzt in Leipzig Dienste, wofür ihm das Königlich Sächsische Erinnerungskreuz sowie die Königlich Preußische Medaille für Nichtkombattanten verliehen wurden. 1870 hatte er sich an der Universität zu Leipzig als Privatdozent habilitiert, dort hatte er in 42 Semestern gegen 1000 Mediziner als Schüler und las mit bestem Erfolge über Gynäkologie, Pädiatrie und Baccination, auch erteilte er praktische Kurse in Diagnostik und Therapie der Kinderkrankheiten. 1889 gab er seine 36 Jahre hindurch ruhmvoll geleitete Privatpoliklinik auf und Verzichtes, da ihm die akademische Lehrtätigkeit eine entsprechende Beförderung nicht zuteil werden ließ, auf seine fernere Dozententätigkeit. Seine zahlreichen Arbeiten gelten teils der Pädiatrie und der Kinderhygiene, teils der Gynäkologie, der Lehre von den angeborenen Mißbildungen und Baccination, aus welchem Gebiete er praktisch tätig^war und manche bewährte Neuerung angab. Auf den Hygiene-Ausstellungen wie Prüffel urch Bersin fanden die von Sanitätsrat -Dr. Fürst vorgeführten -Objekte - vielen Beifall, vor allem die Ausstellung der von ihm '1876 ins Leben gerufenen .„Anstalt für animale Impfung". Er war einer der ersten in Mitteldeutschland, der für die Kultur,^Einführung und Verbreitung der animalen Baccination nach den Vorbildern Italiens und Hollands wirkte. Als eine besondere Aufgabe hat er es stets betrachtet, in Schriften, Vorträgen und Kursen die Lehre von der Gesundheits- und Krankheitsfrage des Kindes, insbesondere auch die Ernährungsfrage, in gemeinfaßlicher Form aber im engsten Anschluß an den neuesten wissenschaftlichen Standpunkt zum Gemeingut weiterer Kreise zu machen und das Laienelement zur Mitwirkung an hygienischen Maßregeln heranzuziehen. Seine Schriften auf dem Gebiete der Familien- und Volkshhgiene wie z. B. die folgenden 5 „Die . künstliche Ernährung des Kindes im ersten Lebensjahre," „Das Kind und seine 'Pflege im gefunden und kranken Zustande," „Die häusliche Krankenpflege mit besonderer Berücksichtigung des Kindes," „Lexikon der Kinderheilkunde und der Kinder- . erziehung," Die Prophylaxis der Kinderkrankheiten" sind außerordentlich verbreitet, haben viele Auflagen erlebt und sind auch in mehrere Sprächen übersetzt worden. Die Töchter des Sanitätsrats Fürst sind hochbegabte Künstlerinnen; die BildhaUerin Else Fürst und die Geigerin Helene Fürst haben sich in weiten Kreisen einen klangvollen Namen gemacht. Bit Mkundmr tzsndlchrikt. Eine wahre Geschichte von Oskar T. Schweriner. VII. II*§ war also in der Morgenstunde. Der Gottesdienst war eben beendet, der König hatte das Gewand gewechselt Und sich auf sein Pferd geschwungen, das seiner vor der Tür des Tempels harrte, um nach dem Palast zurückzukehren. Seine Begleiter, zwanzig Soldaten in voller Rüstung, die den.Tempel gewöhnlich kurz vor dem Ende des Gottesdienstes verließen, saßen bereits in den Sätteln und scharten sich sofort um ihren König. Der Zug setzte sich eben in Bewegung, als vom andern Ende der Straße ein Reiter angesprengt kam, bei dessen Anblick der König seinen Begleitern ein Zeichen machte. Dann erwartete er den Reiter, während die Soldaten sich einige -Schritte zurückzogen. Der Reiter machte vor dem Könige Hält und salutierte indem er sein mächtiges Schwert zog und es zur Erde neigte. „Moses Jbn Muffta. gesegnet sei Dein Kommen. Wann bist Du eingetroffen?" . „Erst heute Nacht, o Herr. Ich hatte gerechnet, schon gestern Abend Belendscher zu erreichen, aber wir erlebten Eigentümliches unterwegs und wurden aufgehalten." „Eigentümliches?-Wie das? Begleite mich zum Palast und erzähle." Die Reiter setzten sich in Bewegung. - „Dann will ich erst Bericht äbstatten von dem, was ich ausgekundschaftet habe. Die Nachrichten sind nicht ganz gute. Wie ich jetzt bestimmt weiß, haben die Wjatischen Gesandte geschickt in die Länder der Poljaren, der SewerjareN und der Radimitschen und haben sie aufgefordert zum gemeinsamen Kriege gegen Euch, o Herr." > -