Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- Seite 231 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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' --- ■ 231 -- Am schlimmsten scheinen die Horden in Schitomir gewütet zu haben. Man schreibt darüber: „Die Unruhen begannen am 6. Mai, indem Christen auf Israeliten, welche auf dem Teterow Boot fuhren, mit Steinen warfen. Die Israeliten antworteten mit Schüssen, durch welche einige Leute verwundet wurden. Das Gerücht von dem Geschehenen verbreitete sich sofort in der Stadt. In der Vorstadt Pawlikowka kam es zu Ansammlungen der Israeliten einerseits und der Christen andererseits. Die Unruhen wurden jedoch sofort unterdrückt. Ein Israelit wurde zufällig von einem Pferd getötet. Am 7. Mai wurden bei einem Zusammenstoß von Christen und Juden auf dem Hauptplatze der Stadt zwei Christen und einige Israeliten getötet. In Podola sind gleichfalls einige der Erschlagenen und Verwundeten Israeliten. Die Menge wurde durch Truppen zerstreut, welche dabei mehr als 40 Christen sestnahmen. Am 8. Mai führten kleinere Haufen des niedersten Volkes einige Mordtaten aus und zerstörten den Juden gehöriges Eigentum, namentlich an der Stadtgrenze. Am 9. Mai war die Stadt ruhig: es wurde nur ein Jude leicht mißhandelt, und zwei jüdische Häuser im Vororte Kroschna wurden zerstört. Die Garnison von Schitomir . besteht gegenwärtig aus drei Regimentern Infanterie, einer Batterie reitender Artillerie und zwei von auswärts herbeigezogenen Schwadronen Dragoner." Ueber den Judenkrawall in Duschati, dem kleinen von Ackerbürgern bewohnten Städtchen im Gouvernement Kowno, wird uns berichtet: In einem Dorse dicht bei Duschati brach in der Nacht zum 30. April Feuer aus und verzehrte IS Häuser. Trotzdem unter diesen Häusern sich auch vier jüdische befanden, waren doch die Bauern davon überzeugt, daß das Unglück durch Brandstiftung entstanden, und daß das Feuer von Juden angelegt worden ist. Schon am nächsten Tage drang eine Gruppe junger Burschen aus dem abgebraunten Dorfe johlend und pfeifend in Duschati ein und begann die Fensterscheiben einzuwerfen. Die jüdische Gemeinde wandte sich an den Gendarm und dieser kleine Dorfthrann befahl ihnen, in der Synagoge zusammenzukommen und da vor dem Allerheiligsten zu schwören, daß sie an der Brandstiftung keine Schuld haben. So merkwürdig dieses auch ist, noch merkwürdiger ist es aber, daß die Juden wirklich dem Befehle Folge leisteten und den geforderten Eid ablegten. Alles dieses half jedoch nichts. Am 1. Mai stürzten sich zahlreiche Bauernscharen aus den umliegenden Dörfern auf Duschati und begannen da ihre Zerstörungsarbeit mit der Demolierung des Magazins des Herrn Moses Lewit, das in kürzester Frist buchstäblich dem Erdboden gleich gemacht wurde. Darauf begann ein regelrechter Krawall. In sämtlichen jüdischen Häusern wurden die Fenster eingeschlagen, Möbel und Spiegel zertrümmert, die Betten zerrissen und die Federn in der Luft fliegen gelassen. Ein Mann Namens Isaak Baron, ein Vater von sechs Kindern, wurde getötet und sein greiser Vater nebst zwei Kindern schwer verwundet. Im ganzen sind gegen 300 Häuser demoliert und ca. 50 Läden verwüstet worden. Erst zu spät besannen sich die Juden, daß gegen Barfüßler und Plünderer nicht vor dem Allerheiligsten geleistete feierliche Eide, sondern mit Nagaikas bewaffnete Kosaken helfen. Eine Botschaft zum Jsprawnik von Nowo Alexandrowsk brachte 15 Kosaken in das Städtchen und ihr bloßes Erscheinen genügte, um die feigen Räuber und Mörder binnen weniger Stunden aus Duschati entschwinden zu lassen. * Auch in Melitopol wäre es zu einem scharfen Krawall gekommen, wenn die Juden durch vorhergegangene wochenlange Hetze aufmerksam gemacht, sich nicht zu einer Selbstwehr organisiert, deren Scharen den raublustigen Pöbel wie die Hasen vor sich gejagt haben. Nicht durch die Behörden, welche sich den Gewalttätigkeiten, Brandstiftungen und Plünderungen in Melitopol gegenüber merkwürdig passiv verhielten, sondern durch die eigene Energie der gut organisierten Volksmassen ist der Krawall unterdrückt worden. Derselbe begann gegen 6 Uhr abends mit einem Auflauf an der Ecke der Marinskaja und der Alexandra Nowskaja-Straße. Hier versuchte eine betrunkene Rotte, welche kurz vorher einige außerhalb der Stadt gelegene Karussells zerstört hatte, die Konditorei vor Kublanowski und das Kleidergeschäft von Muschatzki zu.plündern, oder doch wenigstens in Brand zu stecken. Von hier mit Revolverschüssen verjagt, stürzte die Menge heulend und pfeifend in die benachbarten Straßen und versuchte die dort befindlichen Geschäfte zu plündern. Dieses gelang, da sie überall, von der gut organisierten Verteidigung verfolgt und in ihrer Arbeit gestört wurden, nur bei einigen wenigen Geschäften. Wütend über den begegneten unerwarteten und hartnäckigem Widerstand, lief sie nach dem Marktplatz und steckte da eine kleine Anzahl von Läden in Brand. Das Feuer fand in den zum Teil brennbaren Inhalt der Läden reiche Nahrung und griff rasch um sich. Eine furchtbare Verwirrung entstand. Gewimmel und Geschrei überall. Dazwischen läuteten die Sturmglocken und von allen Seiten eilten die Scharen der Verteidiger zur Hilfe. In diesem Getümmel blieb allein die Polizei ruhig. Sie kam überall zu spät, und bewachte nur solche Häuser und Läden, die entweder noch brannten, oder bereits in einen Trümmerhaufen verwandelt waren. Gegen 12 Uhr nachts gelang es der Selbstverteidigung eine so zahlreiche Mannschaft aufzubieten, daß sie in der Lage war, sich in zahlreiche kleine Partien zu teilen, um den Räubern überall entgegenzutreten, sie zersprengen und ihnen die geraubten Sachen wieder abnehmen zu können. Am 1. Mai gegen 1 Uhr nachmittags, da die Plünderer alle bereits spurlos verschwunden waren und in der Stadt wieder vollkommene Ruhe herrschte, traf ein Zug Militär aus Simferopol ein. Sie fanden in der Stadt nichts mehr zu tun. 40 Läden sind mit ihrem ganzen Inhalt ein Raub der Flammen geworden. Vier große Geschäfte, sowie 20 kleine Krämerladen nebst einigen Häusern wurden geplündert. Der Schaden an Hab und Gut ist sehr groß. Dagegen ist kein einziges Menschenleben zu beklagen. Fünf leichte Verwundete zählen in solchen unruhigen Zeiten, wie sie jetzt in Rußland herrschen, nicht mit." Die Regierung sieht dem Treiben mit einem großen Wohlwollen zu; aber die Folgen wird sie selbst zu tragen haben. Wie weit die Verblendung der sogenannten leitenden Kreise geht, zeigt der Brief sehr deutlich, den ein russischer Adelsmarschall, Fürst Urussow, an den „Dziennik Posnansky" gerichtet hat und in dem es unter anderem heißt: „Ihre Korrespondentin wundert sich darüber, daß die Juden die Erreger der Unruhen sein sollen und vom Auslände Bomben ins Land kolportieren. Für alle, welche in ihre unterirdischen Jntriguen und die traditionelle Art und Weise ihres Wirkens eingeweiht sind, ist das jedoch klar und verständlich. Aber zur Zeit einer solchen Niederträchtigkeit und andererseits eines solchen Uebergewichts des Judentums hat kein Mensch den Mut, die Wahrheit öffentlich zu erklären. Jawohl, die „^llianee israelite universelle“, welche vom früheren französischen Iustizminister Cremieux gegründet worden ist, hat die sozialistisch-revolutionäre Bewegung in Rußland und Polen organisiert, sie ist es auch, welche ihr Geld und Waffen besorgt und sie leitet. Zu welchem Zweck? Ganz einfach, um die Regierung der Möglichkeit einer gleichmäßigen Anwendung von Gesetzen zu berauben und das Werk des Panjudaismus zu beschleunigen. Aber die russische Regierung fühlt die heilige Pflicht, das Volk vor solchen geheimen Machinationen in Schutz zu nehmen vor dem ungeheuren Appetit dieser Kosmopoliten und zwar aus demselben Grunde, aus welchem England und die Vereinigten Staaten von Amerika ihren Besitz vor der chinesischen Flut wehren. Also Hunderte von verführten Polen gehen in den Tod, Tausende von ihnen schmachten in den Gefängnissen, und ihre Familien sterben Hungers, nur um der „Alliance israelite universelle“ oder dem Iudenbunde zu ihren großen und edlen Zielen zu verhelfen. Der Generalgouverneur von Warschau, welcher dies ebenso gut weiß wie ich, und vielleicht noch besser, da er in seiner Hand die diskontionäre Gewalt hält, hat ein untrügliches Mittel zur Wiedereinführung der Ordnung. Dieses Mittel ist die Auferlegung einer Kontribution von einer Milliarde Rubel auf alle Juden des ganzen Landes nach jedem verbrecherischen Attentate, Die Revolution wird aufhören wie mit einem Zauberschlage, denn ich weiß mit größter Sicherheit, daß die national-polnische Partei daran keinen Anteil hat."