Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1905)
- Date
- 1905-05-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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69. Jahrgang. No. 19. Der ' Berlin, 12. Mai 1905. Vetlsge zur „Allgemetnrn Leitung deK Judentums. Korrelpondkn?m und Mschnchten. Deutschland. s. Berlin, 8. Mai. Die Eröffnung des Sommersemesters an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums am 2. d. M. gestaltete sich zu einem feierlichen Akt durch die Einführung des für die Fächer der semitischen Philologie und Bibelexegese berufenen Dozenten, Herrn Dr. Pa hu da. Zu seiner Begrüßung ergriff zunächst im Namen des Kuratoriums Professor Dr. Oppert das Wort und führte aus, daß die völlige Vertrautheit des Dr. shahuda mit dem Orient, dem er entstammt, sein Leben in der semitischen Welt, ihn neben seiner wissenschaftlichen Bedeutung habe besonders geeignet erscheinen lassen, an dieser Stelle zu wirken. Deshalb habe sich die Wahl des Kuratoriums gerade auf ihn gelenkt in einer Zeit, die ein Neuerwachen der jüdischen Exegese auf wissenschaftlicher Grundlage dringend erfordert im Hinblick auf die getrübten Ergebnisse in dieser Disziplin durch gewisse gegenwärtige Interpreten. Darum knüpften sich große Erwartungen an die nunmehr beginnende Lehrtätigkeit der neuen Dozenten, die für das Gedeihen der Anstalt einen guten Schritt vorwärts bedeute. Herr Professor Oppert schloß seine Ansprache mit dem Hinweis, das Kuratorium werde von dem Bestreben geleitet, für jedes Gebiet der Wissenschaft des Judentums geeignete Vertreter zu gewinnen. So fei es gegenwärtig bemüht, die erfolgreichen religionsphilosophischen Kurse des Geheimen Regierungsrates Herrn Professor Dr. H. Cohen - Marburg auch weiterhin zu sichern, solange eine ständige Kraft für diese Disziplin fehle. Hieraus hieß der zeitige Vorsitzende des Lehrerkollegiums Dr. Baneth den neuen Dozenten im Namen der Kollegen und Hörer willkommen und führte aus, daß der Eintritt des Dr. Aahuda eine wertvolle Bereicherung des Lehrgebiets der Anstalt bedeute und den Schülern zumal ganz neue Perspektiven eröffne. Denn Dr. Zahuda werde sie in den Geist der heiligen Sprache und Schrift wie kein anderer einführen können und somit den Jüngern der Wissenschaft das wichtigste Rüstzeug in die Hand geben. Das Lehrerkollegium erhoffe darum für ihn ein reichgesegnetes Wirken, daß die Rückkehr zum einstigen Glanze der jüdischen Exegese und Sprachforschung wieder anbahnen möge. Tiefbewegt dankte nunmehr Dr. Aahuda für die herzliche Begrüßung. Er werde bestrebt sein, das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen und alle Kraft daran setzen, seine Aufgabe zu erfüllen. Wie er sich diese gedacht habe, zeigte Dr. Jahuda sogleich in einem längeren Vortrage, der sich zu einem klaren Einblick in die Grundlagen biblischer Exegese gestaltete. Es kann hier eine Würdigung der Ausführungen nicht folgen; nur von den Dankesworten, die Professor Dr. Mahbaum im Namen aller Zühörer für die meisterhafte Leistung dem Kollegen spendete, mag berichtet werden, denn sie sprachen uneingeschränkte Anerkennung aus und schlossen die Feier mit den besten Wünschen für Dr. Aahuda und sein Wirken. Berlin, 7. Mai. Wir erhalten heute den folgenden Aufruf an die deutschen Kantoren: Kollegen! Seit Jahren ist "die Lage der Kultusbeamten Gegenstand der Erörterung gewesen. Vorschläge zur Hebung des Standes sind in Wort und Schrift zur Genüge gemacht worden, ohne daß dieselben zu einem Resultate geführt hätten. Die Unsicherheit der Anstellungsverhältnisse, die traurige Aussicht für die Zukunft der Hinterbliebenen, die mangelhafte Besoldung bestehen noch heute genau so wie in den früheren Tagen. Wir wollen nicht mehr mit Worten kämpfen, die zu einem Endziele nicht führen, sondern energisch tätig sein für die Herstellung und praktische Durchführung einer Organisation, die allein geeignet ist, dem Kantorenstand zu helfen. Der Vorstand der „Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen in Deutschland", hat daher die Einberufung eines Kantorentages für den 12. und 13. Juni d. I. behufs Gründung eines allgemeinen Kantorenverbandes beschlossen und die Vorarbeiten zu demselben ausgesührt. Eine größere Anzahl Kantoren hat den Vorstand der „Hilfskasse" zu seinem Unternehmen beglückwünscht und ihre Unterstützung und Teilnahme bereitwilligst zugesagt. Auch .der Deutsch-Israelitische Gemeinde-Bund, sowie der. Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde sehen der Entwicklung der Kantorenorganisation mit dem wärmsten Interesse entgegen und haben die Absendung von Delegierten für diesen Zweck bereits in Aussicht gestellt. Durch gütige Unterstützung des ersteren sind wir auch erfreulicherweise in die Lage versetzt, den Delegierten einen kleinen Zuschuß zu den Reisekosten gewähren zu können. Wir ersuchen nun die Vorstände aller bestehenden Fachvereine in der Provinz, ihre Delegierten für den Kantorentag zu ernennen und sie baldmöglichst bei dem Vorstande der „Hilfskasse" anzumelden. Den Kollegen, die einem Fachverein nicht angehören, ist anzuraten, sich in ihren Kreisen zu vereinigen und durch eine Abordnung bei dem Kantorentag vertreten zu lassen. Von den in größeren Gemeinden amtierenden Kollegen erwarten wir besonders, daß sie die Kosten einer Reise nach Berlin nicht scheuen werden, um persönlich an den Beratungen des Kantorentages teilzunehmen. Und nun Kollegen, schart euch um uns! Die Zeit, in der es gilt, für die Hebung und Förderung des Kantorentages mit Wort und Tat energisch einzutreten, ist gekommen. Laßt den Augenblick nicht ungenützt vorübergehen, sondern zeiget, daß ihr der Beachtung, die ihr mit Recht erheischt, auch würdig seid. Seid eingedenk des Bibelwortes: Ein jeder bei seiner Fahne. Progamm für den Kantorentag -° 1. Tag. 1. Konstituierung des Kantorentages. 2. Gründung eines allgemeinen Kantorenverbandes (Referent: Kalischer-Berlin). 3. Wahl des Vorstandes für den allgemeinen Kantorenverband. 4. Wahl eines Komitees zur Ausarbeitung eines Verbandsstatuts. 5. Besprechung eingegangener Anträge. 2. Tag. 1. Beratungen zur Gründung einer Kantorenschule (Referent: Schönberger-Potsdam). 2. Reliktenversorgung (Referent: Dubowski-Berlin). 3. Verschiedenes. 4. Vortrag: Rück- und Ausblick über die Shnagogenmusik (M. Henk-Hamburg), Abraham-Frankfurt a. O., Asch-Berlin, Cerini-Breslau, Davidsohn- Gleiwitz, Dubowski-Berlin, Epstein-Berlin, Fabisch-Göttingen, Fränkel- Nürnberg, Friedmann-Berlin, Goldberg-Chemnitz, Goldberg-Berlin, Gottlieb-Braunschweig, Henk-Hamburg, Hofstein-Dresden, Jacoby- Danzig, Kalischer-Berlin, Kirschner-Berlin, Kirschner-München, Lemke- Krotoschin, Lewit-Berlin, Lichtenstein-Hamburg, Liehardt-Hannover, Neustadt-Berlin, Nußbaum-Mainz, Oswald-Posen, Peßachowitsch- Frankfurt a. M., Rosenthal-Berlin, Rosenthal-Briegg, Sacher-Berlin, Schidrowsky-Tilsit, Schönberger-Potsdam, Singer-Kattowitz, Singermann-Ratibor, Stabinski-Berlin, Süßkind-Hamburg, Tennenbaum- Stuttgart, Weill-Dessau. U. K. Berlin, 7. Mai. Der Verein zur Pflege hebräischer Musik führte unter Leitung seines Kapellmeisters Albert Kellermann am 1. d. M. vor einem zahlreichen Auditorium in wohlgelungenster Weise drei Kompositionen von Salomon Rosst auf. Das Konzert, das durch einen Vortrag des Herrn Dr. Leopold Hirschberg in interessanter Weise eingeleitet wurde, gab uns Gelegenheit, einige wirkungsvolle Chöre kennen zu lernen (Psalm 80, Laäileb und Adon olam) und weckte in uns den wohlberechtigten Wunsch, diese Kompositionen auch in der Synagoge zu hören, zumal dieselben einen durchaus verdienten Beifall bei den Zuhörern fanden. Wir waren erfreut, feststellen zu können, daß die Darbietungen des Vereins unter der rührigen Leitung seines Dirigenten in stetem Fortschreiten begriffen sind; dem Verein wird es hoffentlich gelingen, zu den alten neue Anhänger zu gewinnen. 8'. Berlin, 5. Mai. Die Leiterinnen des bekannten Pensionats von Salz und Dachs haben sich nach jahrelanger redlicher und fleißiger Arbeit entschlossen am 1. Juli ihr renommiertes Institut anderen Händen zu übergeben. Fräulein Jda Behrend und Fräulein Anna Friedländer, beide ausgezeichnet pädagogisch vorgebildet, von vornehmster Lebensauffassung, haben durch ihre bisherige Tätigkeit bewiesen, daß sie der Leitung des großen Instituts