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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-05-12 · Heft 19 (12.5.1905) · p. Seite 224

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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Aus dieser Liste zeichnen wir, zum ewigen Gedächtnisse, die jüdischen Aerzte (und die von jüdischer Abstammung) ein. 1. Goldblatt, (?) Johann Jwanowitsch, Arzt des TomboN/- schen Regiments, verschollen (Mukden). 2. Goldmann, Nikolai Nikolajewitsch, Arzt desselben Regiments (Mükden). 3. Jwenin (?) (dessen Name und der Name seines Vaters unbekannt), Oberarzt des 6. Moskauer Detachements, verwundet den 13.—21. August 1904 bei Ljaojan. 4. Salkind, Sußmann Moisejewitsch, Arzt der 9. Ostsibirischen Jägerartilleriebrigade, den 24. Oktober 1904 bei Schache verwundet. 5, Kahn, Ber Schliomowitsch, Arzt des 100. Ostromskyregiments, verschollen (Mukden). 6. Lewande, Samuel OsiPowitsch, Arzt des 138. Bolchower Regiments, verschollen (Mukden). 7. Lurje, Joel Nachmanowitsch, Arzt des 3. ostsibirischen Jägerregiments, verwundet (wann — unbekannt). 8. Mitschiner, Viktor Konstantinowitsch, verwundet den 2. Juni 1904 bei Wafangau. 9. Petelin (?) A. A., Oberarzt des 24. Rostower sibirischen Jägerregiments, verwundet. 10. Pistermann, Peter Alexejewitsch Arzt des 139. Morschansker Regiments, verschollen (Mukden). 11. Rabinowitsch, Eügen Lwowitsch, Arzt des 8. sibirischen Regiments, verwundet (wann unbekannt). 12. Rosenzweig, Salomon Romanowitsch, Arzt des 122. Tambower Regiments, verschollen. (Mukden). 13. Sinelnikow, Israel Moisejewitsch, Arzt des 20. ostsibirischen Jägerregiments, verwundet (wann — unbekannt). Wir benutzen diese Gelegenheit, um den Rabbiner der Petersburger Gemeinde, Dr. Drabkin, hiermit aufzufordern, im Generalstabe rechtzeitig die Listen der getöteten und verwundeten jüdischen Aerzte, und womöglich der jüdischen Soldaten, nachzusehen und dieselben im „Woschod" zu veröffentlichen. Er wird sich dadurch ein großes Verdienst um das russische Judentum erwerben; ihm ist es am Leichtesten, da er an der Quelle ist. Für den zukünftigen Geschichtsschreiber unserer Zeit sind diese statistischen Notizen von großer Wichtigkeit. Julius Mrtt. Von Dr. Adolph Kohut. Unter den Gelehrtewund Forschern, die durch ihre rastlosen Bemühungen die Vergangenheit und Geschichte des jüdischen Stammes aus Archiven, Bibliotheken, vergilbten Manuskripten, handschriftlichen und sonstigen Auszeichnungen ans Helle Licht des Tages zu ziehen und die Früchte ihrer Untersuchungen dem Gemeinwohl zugänglich zu machen, im 19. Jahrhundert sich besonders hervortaten, nimmt der vor einem. Jahrhundert, am 12. Mai 1805 geborene Orientalist, Lexikograph, Literarhistoriker und Geschichtsforscher Julius Fürst einen der ersten Plätze ein. Mit Leopold Zunz, Z. Frankel, H. Graetz, M. Steinschneider, A. Jellinik und vielen anderen Bahnbrechern der modernen jüdischen Wissenschaft wird er stets in der vordersten Reihe genannt werden müssen. Waren auch nicht alle Früchte der Erkenntnis, die er der Gelehrtenwelt bot, von tadelloser Beschaffenheit und hatte auch die Kritik an der einen oder der anderen Leistung des Gelehrten so manches auszusetzen, so wird man doch nicht umhin - können, seinem Fleiß, seinem Scharfsinn, seinen: Bestreben, die Wahrheit zu erforschen, der Vielseitigkeit seiner Studien und vor allem seiner von schriftstellerischem Talent zeugenden Darstellungsgabe volle Anerkennung zu zollen. Die Provinz Posen, die seit dem Mittelalter bis auf die Gegenwart Männer hervorgebracht, die durch ihre biblischen, theologischen und kritischen Forschungen die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt und zugleich befruchtend auf die Fortschritte der Wissenschaft gewirkt haben, war auch die Heimat von Julius Fürst. Geboren wurde er in Zerkowo von blutarmen Eltern. Die Anfangsgründe des Latein brachte ihm ein katholischer Geistlicher bei. Von Osten her zog es ihn gewaltig, wie einst Moses Mendelssohn, nach Berlin, der Hauptstadt Preußens und der Zentraleder Wissenschaft;. als fünfzehnjähriger Knabe klopfte er schüchtern an die Tür .des Rektoratszimmers im Gymnasium des Grauen Klosters zu Berlin. Auf das „Herein" des Rektors Bellermann überschritt der ärmliche, dürftig gekleidete Knabe die Schwelle der Wissenschaft. Seine Sprache und seine scharf ausgeprägte Physiognomie sagten dem Pädagogen, daß ein junger Israelit vor ihm stand. Auf die Frage „Was wünschen Sie?" erklärte ihm der Ankömmling in einem Gemisch von Polnisch und Deutsch, daß er seinen Heimatsort ohne alle Mittel verlassen habe, um sich in Berlin eine höhere Gymnasial- und Universitütsbildung anzueignen. Trotz der Zaghaftigkeit und Schüchternheit des Jünglings sprach sich in dessen scharf geschnittenem und geistreichem Gesicht und dessen funkelnden Augen eine solche Energie und Zuversicht aus, daß der berühmte Pädagoge und Menschenkenner Bellermann unwillkürlich die Frage nach den Geldmitteln unterdrückte, indem der offenbar vorhandene eiserne Wille diese zu ersetzen versprach. Freilich ergab ein vorläufiges Examen, das Bellermann mit Julius Fürst anstellte, daß diesem die nötigen klassischen Vorstudien, ja selbst genügende Kenntnisse in der deutschen Sprache fehlten. Allerdings war er bereits damals ein gründlicher Kenner der Bibel, des Talmuds und der jüdischen Literatur, die er sich durch jahrelangen Besuch einer Talmudschule, die seinen Geist ungemein geschärft hatte, angeeignet, doch besaß er keine regelrechte Vorbildung für klassische und philosophische Studien. Der humane Rektor,, der als bekannter Orientalist an Fürsts hebräischen Kenntnissen sich erfreute, mußte hier bald Rat. Die vorhandenen Kenntnisse in: Hebräischen befähigten den jungen Mann in dieser Sprache zum Unterricht, wozu ihm Bellermann durch Anschlag am schwarzen Brett empfahl. Von den Schülern, die zum größten Teil sich später der Theologie widmen wollten und unter denen sich u. a. der bekannte spätere Führer der evangelischen Orthodoxie, Hengstenberg, befand, erhielt er das Honorar für seine Stunden teils in Geld, teils in Gegenbelehrung. So gelang es der eisernen Energie des jungen Gelehrten, die schwierigsten äußeren Verhältnisse und Hindernisse in kurzer Zeit zu überwinden. Bald richtete sich auch die Aufmerksamkeit namhafter Persönlichkeiten auf den durch seinen Fleiß und seine Kenntnisse sich auszeichenden Jüngling. Varnhagen von Ense und seine geniale Gattin Rahel, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Eduard Gans, Moritz Veit, Markus Herz und seine Gattin, die schöne Henriette Herz und viele andere lernten ihn kennen und schätzen und förderten ihn auf die mannigfachste Weise. So kam es, daß er später in die Lage versetzt wurde, die interessanten Erinnerungen der Henriette Herz aus dem Nachlaß derselben herauszugeben l), welches Buch nicht allein in Deutschland, sondern weit über dessen Grenzen hinaus großes Interesse erregte. Diese Schrift enthält auch so manche bemerkenswerte Beiträge zur Lebensgeschichte des Hetausgebers selbst; auch zeigte sich schon hier das schriftstellerische, gleichsam seuilletonistische Talent von Julius Fürst, der in der Einleitung diese Dame mit den geistreichen Worten kennzeichnet: y Dgl. „Henriette Herz, ihr Leben und ihre Erinnerungen/' Berlin 1858.

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