Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1905)
- Date
- 1905-05-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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stehenden zehnjährigen Stiftungsfestes des Freiwilligen'.Erziehungs^- beirates ftir schulentlassene Waisen, wird ferner,- was' der Pankowen. Verein noch nicht registriert, ein Aufruf geplant, welcher Gelder, zur Errichtung eines ' Erholungsheims und ^einiger Lehrlings Heini e> - sammeln soll; mit der Summe von 15 000 Mark hat sich ein . ungenannter Wohltäter bereits an die Spitze der Zeichner gestellt. Mit berechtigtem Stolze kann das Lehrlingsheim auf diese Tatsache hinlpssisen, vermag es doch hierin die beste Anerkennung seiner.. Bestrebungen zu erblicken und die freudige Genugtuung daraus entnehmen, daß sein Wirken ein vorbildliches ist und bereits Schulezu machen beginnt. Der fast bei allen Humanitären Institutionen zu beklagende Mangel an zureichenden Mitteln macht sich bedauerlicherweise auch hier geltend. Mit vollem Recht weist der Bericht darauf hin, daß die wohlsituierten Mitglieder aller jüdischen Gemeinden des gesamten Vaterlandes die Anstalt mit reicheren Mitteln unterstützen sollten; denn in dem Heim finden nicht bloß Lehrlinge aus Berlin und Vororten, sondern aus ganz Deutschland und Oesterreich, ja. sogar auch aus dem übrigen Auslande Aufnahme, und mit jedem > Knaben, der in das Heim eintritt, wird seiner Heimatsgemeinde' ein großer Teil der ihr obliegenden Fürsorge abgenommen und damit ihr . Wohlstand und ihre finanzielle Kraft gestärkt. Aus Mangel an Mitteln mußten im Berichtsjahre von 41 an sich geeigneten Aufnahmegesuchen leider 27 ab gelehnt werden! Nach einem neuerdings gefaßten Beschluß , wird in der Anstalt eine Donatoren-Tasel angebracht, auf welche die Namen aller derjenigen eingetragen werden, die dem Verein die. Summe von mindestens 5000 Mark gespendet haben oder spenden;; werden. Infolge einer zu Beginn dieses Jahres erfolgten Propaganda ist eine größere Anzahl opferwilliger Gönner für den Verein geworben worden. Von dem Herrn Maurermeister Joseph Fraenkel ist eine Clara Fraenkel-Stiftung errichtet worden, . deren Zinsen zu den allgemeinen Zwecken des Vereins verwendet werden sollen und deren Kapital bereits 26000 M. betragt. Damit ist die Anregung zur Begründung eines festen Kapitalgrundstocks gegeben, die hoffentlich bald eifrige Nachahmung finden möge, um dem Institut die sorgenfreie Sicherstellung in finanzieller Beziehung für alle Zukunft zu gewährleisten. Die Ginsberg-Spende ist auch in diesem Jahre wieder durch erneute Zuwendungen von Frau Franziska Ginsberg vermehrt worden; neubegründet ist der Bernhard- und Salomea Ginsberg-Fonds, der gegenwärtig mit 1500 M. dotiert ist. Der mit 650 M. im Jahre 1898 begründete Joseph Fränkel-Juhiläumsr, Fonds beläuft sich jetzt aus 10600 M.; aus den Zinsen dieses Fonds ' wird Handwerkszeug für würdige Zöglinge angeschafft. Für bte Sparkassenbücher würdiger Zöglinge sind 1540 M. gespendet worden. Das Gesamtguthaben der Zöglinge beträgt zur Zeit 4324,59 M. Mit den Gemeindebehörden von Pankow wie auch von Berlin unterhält das Lehrlingsheim andauernd freundlichste Beziehungen, und wiederholt haben beide Behörden Beweise ihres Wohlwollens gegeben. Auch der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat dem Lehrlingsheim aus den Zinsen eines Nachlasses die Summe von 500 M. überwiesen. Die Zahl der Mitglieder des Vereins beläuft sich zur Zeit auf 845, darunter befinden sich 104 immerwährende Mitglieder. — In der gestrigen Generalversammlung, die unter Leitung des Vorsitzenden des Vereins, Geheimen Kommerzienrat I. Loewe, stattfand, wurde der Bericht der Revisoren entgegengenommen und dem Schatzmeister Entlastung erteilt. An Stelle des verstorbenen Herrn Markus Adler wurde Herr Bankier Leopold Friedmann in das Kuratorium gewählt; die Wiederwahl der bisherigen Kassenrevisoren, der Herren Julius Cohn und Emanuel Appel wurde genehmigt. Der Voranschlag für das Geschäftsjahr 1905/06, welcher 45—50 Zöglinge als , Bestand vorsieht, würde in Höhe von 27000 M. widerspruchslos angenommen. In demselben wird jetzt regelmäßig ein Konto für die . Instandhaltung des Vereinsgrundstückes geführt werden, für.welches 1000 M. angesetzt worden sind. Zum Schluß der Sitzung gibt Herr M. D. Feilchenfeld einen interessanten Ueberblick über den Lebensgang der bisher aus der Anstalt entlassenen Zöglinge, mit denen das ) Lehrlingsheim selbst und der Verein ehemaliger Lehrlingsheimer dauernde Beziehungen pflegt. Hiernach ergibt sich, daß alle bisherigen Zöglinge ihrem Handwerksberuf treu geblieben sind, sich zum großen Teil in sehr guten Stellungen befinden und auch einige für ihre Leistungen durch Medaillen ausgezeichnet worden sind. . .Der' .Ingenieur Herr Alfred. Lamm, welcher, wie wir zur Zeit Merichtek haben, die- Ehre, hatte, unserem Kaiser einen Röntgenftrahl- Apparat vorführen zw dürfen^ gehört ebenfalls zu den Zöglingen der Anstalt und ist in der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft tätig. W Berttii, 1. Mai. Der „Verein jüdischer Studenten zu Verl in" hat auch im v erst offenen Winter-Semester-eine.-rege Tätigkeit entfaltet. Zunächst galt es wieder, den Kampf, der Lesehallenwahl auszunehmen, und den Feinden hüben. und -drüben entgegenzutreten. Es gelang dem Verein auch wieder zwei Kandidaten in das Direktorium zu entsenden. Aus Anlaß der Wahl veranstaltete der Verein eine Akademikerversammlung, die zur vollen Zufriedenheit der Einberufer verlief. - Neben dieser äußeren Tätigkeit wurde aber auch die Arbeit im Innern nicht vernachlässigt. Zahlreiche Vorträge, die von aktiven Mitgliedern und alten Herren des Vereins gehalten'wurden, belehrten neben den Fuchsenstünden, die die jüngeren Mitglieder mit den modernen jüdischen Fragen vertraut machten, über alle Gebiete des jüdischen Wissens. Den Kursus über Nationalökonomie hielt in diesem Semester A. H. Dr. Feitelberg ab, der auch von zahlreichen Außenstehenden besucht wurde. Zur Konzentration des Vereinslebens trug viel, das neue Kasino, Gipsstraße 12a, bei, wo sich auch an den nichtoffizielen Abenden eine Anzahl Mitglieder zusammenfinden. Hier finden auch, die Arbeiterkurfe statt, die der Verein jüdischer Studenten in Gemeinschaft mit der freien Verbindung Hasmonäa organisiert hat, und die jetzt schon einen schönen Erfolg versprechen. S. Berlin, 2. Mai. Das zehnjährige Amtsjubiläum der nur die Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen hochverdienten Oberin des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin, Fräulein Rose Blau, wurde am 18. v. M. im „Schwesternheim" festlich begangen. Die Kundgebungen der Schwestern, welche außer Ehrendiplomen das Bildnis der Oberin überreichten, die Glückwünsche, Blumenspenden und Telegramme, welche von nah und fern einliefen, zeigten die hohe Wertschätzung, welche Fräulein Blau sich zu erwerben verstanden hat. Bei der Mittagstafel, an welcher eine große Zahl von Schwestern teilnahmen, hielt Frau Rabbiner Dr. Frankl eine zündende Ansprache, welche mit großem Beifall ausgenommen wurde. - Dieser Familienfeier folgte am 2. d. M. eine offizielle seitens des Vorstandes, - in welcher nach einer die Verdienste der Jubilarin würdigenden Ansprache des Vorsitzenden des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen derselben eine goldene, mit Rubinen besetzte Brosche namens des Vorstandes überreicht wurde. Da eine gedeihliche Entwicklung dieser segensreichen Institution wesentlich auf der Tüchtigkeit der Oberin beruht, so ist zu wünschen, daß es dem Verein noch lange Zeit beschiedeu sein möge, Fräulein Blau an der Spitze der Schwesternschaft in treuer Pflichterfüllung in ihrem schweren und verantwortlichen Amte wirken zu sehen.?. N. Danzig, 28. April. Die Hilfskässe für israelitische Beamte der Shnagogengemeinden Pommerns, Ost- und Westpreußens hat mit der Einladung zur Generalversammlung den Rechenschaftsbericht pro 1904 veröffentlicht. Aus demselben geht hervor, daß dieser Kasse 31 ordentliche Mitglieder angehören, die 487,50 M. Beitrag zahlen, 14 korporative zahlen einen jährlichen Beitrag von 550 M. und 75 außerordentliche Mitglieder haben 405 M. gezahlt. An Zuwendungen sind 122,65 M. und an Zinsen 611,76 M. eingegangen, so daß die Kasse eine Gesamteinnahme von 2176,91 M. betrug. Die Ausgaben für Beihilfen an vier Witwen betrugen 975 M., drei Pensionen 675 M. und sonstigen Unkosten 57,21 M., so daß eine Gesamtausgabe von 1707,21 M. gegenübersteht. Das am Ende des Jahres 1904 vorhandene Vereinsvermögen beträgt 17 884,02 M. In den 16 Jahren ihres Bestehens hat die Kasse 14135 M. an Beihilfen und Pensionen ausgezahlt. Der Vorstand besteht zurzeit aus den Herren: Justizrat Dr. Meyer-Danzig als Vorsitzender, Th. Kleembun als stellt,. Vorsitzender; Hugo Hirschberg Schatzmeister, Benj. Schreiber als Schriftführer, sämtlich in Danzig. Die Generalversammlung findet am 7. Mai d. I. in* Danzig statt. Br. Schwersenz, 28. April. Der in weiten Kreisen bekannte Lehrer Moritz Grün feld, welcher während seines mehr als vierzigjährigen segensreichen Wirkens am hiesigen Orte ' viele hunderte Schüler aller Konfessionen für die mittleren Klassen höherer Lehranstalten sowie für den kaufmännischen und gewerblichen Berns mit