Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1905)
- Date
- 1905-05-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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69. Jahrgang.. No. 18. Hcrlin, 5. Mai 1905. Vellsge zur „Allgemeinen Leitung deS Zudentumß° Sorrklpondkn?en und Mchrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 1. Mai. Wie wir hören, wird verschiedener Hindernisse wegen, deren Beseitigung in den nächsten Monaten nicht abzusehen ist, eine Sitzung des Zentralaussch.usses .des deutschen Rabbinerverbandes in diesem Sommer nicht einberufen werden können. Dagegen soll eine solche zur Erledigung dev schwebenden Fragen und Anträge noch im Herbst b. I. stattfinden. Berlin 2. Mai. Der Beginn der vom D.-I.-G.-B. für dieses Jahr geplanten Fortbildungskurse für seminaristisch gebildete Kantoren muß um 14 Tage verschoben werden. Es ist erwünscht,, daß noch weitere Meldungen geeigneter Bewerber eintreffen, da nur bei genügender Beteiligung in diesem Jahre die Kurse abgehalten werden. Bezüglich der. Meldungen verweisen wir auf die frühere Notiz in Unserem Blatte. 8. Berlin, 30. April. Heute fand im Saale des Brüdervereins die ordentliche Generalversammlung der Wohltäter der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums statt. Aus dem Bericht, .den das Kuratorium erstattet, ist folgendes, zu entnehmen: Die Generalversammlung hat den verewigten Geheimrat Professor Dr. Moritz Lazarus zum immerwährenden Ehrenmitglied ernannt. Die nach dem Turnus ausscheidenden Mitglieder des Kuratoriums Sanitätsrats Dr. Salomon Neumann, Professor Dr. Julius Pagel und Georg Meyer wurden wiedergewählt. .Die beiden Revisoren, Herr Benno Braun und Herr Oscar Wassermann, haben die Rechnungsabschlüsse für 1904 geprüft und für richtig gefunden. Der Propagandäkommission ist es wiederum gelungen, eine Anzahl neuer Wohltäter für die Lehranstalt zu gewinnen. Die von dem Rittergutsbesitzer Herrn Nathan Bernstein der Lehranstalt gemachte Schenkung im Betrage von '100 000 Mark behufs Erwerbung eines eigenen Heims hat am 29. April 1904 die Landesherrliche Genehmigung erhalten; das Gleiche ist geschehen am 1. Oktober 1904 für die von Frau Geh, Kommerzienrat Jda Simon geb. Lehweß zum ehrenden Andenken an ihren am 16. September 1903 Heimgegangenen Ehegatten, Herrn Geh. Kommerzienrat Louis Simon errichtete Stiftung von 100 000 Mark 'Kapital und 2000 Mark Jahresbeitrag zur Begründung eines.Louis Simonschen Lehrstuhls für Geschichte und Literatur^beziehungsweise für die Ethik und Religionsphilosophie des Judentums. Die Errichtung eines eigenen Gebäudes für die Lehranstalt hat sich mit. den zur Verfügung stehenden Mitteln bisher leider nicht ermöglichen lassen. Gegen ein Zusammengehen in dieser Frage mit dem Vorstande, der jüdischen Gemeinde, deren Gemeindebibliothek in ,^den Neubau eventuell verlegt werden soll, erhob sich aus der Versammlung kein Widerspruch. Doch glaubte Geheimer Kommerzienrat Goldberger darauf Hinweisen zu sollen, daß die Lehranstalt, selbst wenn sie auch an dem Neubau mit schwächeren Mitteln beteiligt sein sollte, vor allen Dingen ihre Selbständigkeit bewahren müsse.. Dem Wunsche des Leiters der Versammlung, Justizrat Veit Simon, zur Förderung der Bausrage eine Propagandakommission einzusetzen, wurde nicht zugestimmt, sondern es wurde dem Kuratorium überlassen, betreffs des Neubaus erst zu bindenden Beschlüssen zu gelangen und dann, die geeigneten Maßnahmen zur Vergrößerung des Baufonds. Nach längerer Erörterung wurden alsdann noch einige Statutenänderungen beschlossen. Das Kuratorium soll demnach. nunmehr aus 11 Mitgliedern bestehen, von denen wenigstens 8 in Berlin und seinen Vororten ansässig fein müssen. Die-Wahl der Kuratorialmitglieder soll mit Stimmzetteln, und zwar in einem Wählgange, vorgenommen werden. Die Generalversammlung ist, wie ferner bestimmt wurde, nur beschlußfähig/ wenn mindestens 20 Mitglieder und, sobald es sich um Aenderung der Statuten handelt, mindestens der zehnte Teil der stimmberechtigten Wohltäter anwesend sind. Als Revisoren pro 1905 wurden die Herren Benno Br a u n und Dr. Max G in s b er g gewählt. Die Zahl der ordentlichen Hörer betrug im Sommersemester 45, im. Wintersemester 1904/1905: 38. Sämtliche Hörer waren statutengemäß maturi. Die Zahl der Hospitanten betrug im Sommersemester 1904 : 7, im Wintersemester 1904/05: 8. Zur Teilnahme an den Ferienkursen haben sich gemeldet: 31 Hörer der Lehranstalt und 68 Hospitanten. .Unter den Hospitanten befanden sich 30 Damen. Es haben teilgenommen : a). an den Vorlesungen 98, b) an den Hebungen 27 Personen. Die Rabbinatsprüsung haben in diesem Jahre bestanden die Herren Dr. Arthur Biram aus Bischofswerda, Dr. Emil Moses Cohn aus Steglitz und Dr. David Neumark aus Szczercek in Oesterreich. , Von ehemaligen bereits im Amte befindlichen Hörern sind berufen worden die Herren Landrabbiner Julius Leimt von Hoppstädten im Oldenburg. Fürstentum Birkenfeld nach Alzey in Nheinhessen, Dr. Worms von Dresden als Hilfsprediger und Religronslehrer nach Stettin. Es find neu berufen worden die Herren Dr. Zemach Rabbiner als Religionslehrer nach Sofia in Bulgarien, Rabbiner Dr. Max Schlössinger als Dozent und Bibliothekar an . das Üebrew Union College in Cincinnatis Rabbiner Dr. Leopold Stein als stellvertretender Rabbiner und Religionslehrer nach Dresden. Für den eisernen Fonds der Lehranstalt wurden gestiftet: 1. Von Frau Stadtrat Nanny Meyer 2000 . Mark; 2. Von den Geschwister v. Bleichröder zum Andenken an ihren sel. Vater Gerson v. Bleichröder 1000 Mark; 3. Legat des verewigten Herrn Julius Oppenheim zur Erwerbung der immerwährenden Mitgliedschaft 1000 Mark. Der jährliche Beitrag der jüdischen Gemeinde hier beträgt 6500 Mark. Der Beitrag der Baronin von Cohn-Oppenheim- Stistung der Israelitischen Kultusgemeinde in Dessau 3000 Mark. Außerdem von Herren Jsaac Friedländer und Ludwig Born je 100 Mark und für Stiftungen: 1. Professor Dr. Martin Philippson für die Ludwig Philippson-Stiftung 1000 Mark; 2. Frau Geheime Kommerzienrat Jda Simon geb. Lehweß für den Louis Simonschen Lehrstuhl 2000 Mark gespendet. Das Kuratorium besteht aus den Herren 'Sanitätsrat Dr. S. Neumann, Vorsitzender, Justizrat Dr. Hermann Veit Simon, stellvertretender Vorsitzender, Professor Dr. Gustav Oppert, Schriftführer, Professor Dr. Julius Pagel, stellvertretender Schriftführer, Georg Meyer, Rendant, Max Weiß, Kontrolleur, Geheimer Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger, Oberregierungsrat Dr. Paul Meyer, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen. Dem Bericht voran geht eine gelehrte Abhandlung des Dozenten Dr. Baneth: Der Mischna-Traktat Abot mit Maimunis arabischem Kommentar. S£2 Berlin, 1. Mai. In der Beitel Heine EphraimFchen Lehranstalt, Oranienburgerstraße 27, lesen vom 3. Mai angefangen (gratis): Herr Professor Steinschneider: Leyi b. Gerson, Milchamot Adonai, eine Stunde wöchentlich. — Chisdai Crescas, Dr Adonai, eine Stunde wöchentlich. — Herr Professor Barth: Stücke aus dein arabischen Dalalat von Maimonides. eine Stunde wöchentlich. — Hebungen in der wissenschaftlichen Grammatik des Hebräischen, eine Stunde wöchentlich. Meldungen im Lehrsaale. ' 8. Berlin, 1. Mai. Der „Verein Lehrlingsheim Pankow", dessen Existenzberechtigung durch die erzielten Erfolge hinreichend erwiesen ist und auf dessen^gedeihliche Entwicklung hinzuweisen wir schon oft Gelegenheit hatten, ist nunmehr in das zehnte Jahr seiner Tätigkeit eingetreten. Besser und nachdrücklicher als alle theoretischen Erörterungen über das Ziel des Vereins, die Heranbildung tüchtiger Handwerker unter unseren Glaubensgenossen zu ermöglichen, vermag die Tatsache zu sprechen, daß sich in Berlin unter besonderem Hinweis aus die Pankower Anstalt eine interkonfessionelle Vereinigung gebildet hat mit dem Zwecke, junge Leute, die sich einem Handwerke widmen wollen, während der Lehrzeit unter der Aufsicht eines erfahrenen Inspektors in einem Heim unterznbringen; es sind bereits Räume gemietet und .Zöglingen ohne Unterschied der Konfession zur Verfügung gestellt worden. Anläßlich des im Januar 1906 bevor-