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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-05-05 · Heft 18 (5.5.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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bestem Erfolge vorbreitet hat, beschloß am 19. d. M. sein, siebzigstes Lebensjahr. Aus Rücksicht auf^ dieses für den' Zweck unbequemen Rüsttag des Passahsestes wurde behördlicherseits die Feier einen Tag vorher, begangen. An. der in der israelitischen Schule stattfindenden Feier beteiligten sich Mitglieder aller. Konfessionen, auch viele einstige Schüler waren aus der Ferne herbeigeeilt. Der freie Lehrerverein von Schwersenz und Umgegend leitete die Feier mit Gesang ein. Hierauf rezitierte Lehrer Broh den 90. Psalm, und eine Schülerin der Anstalt deklamierte ein aus die Feier bezügliches Gedicht. Der Königl. Schulrat Brandenburger hielt an den Jubilar eine zu Herzen gehende Ansprache, worin er dessen Verdienste hervorhob, und überreichte ihm den ihm höheren Orts verliehenen Kronenorden IV. Klasse. Der Jubilar befindet sich bereits im Besitz des Hohenzollern'schen Hausordens. Der Präses der hiesiger?jüdischen Gemeinde Kaufmann . M. Kaatz beglückwünschte den Jubilar im Namen der Synagogengemeinde, während Rechtsanwalt Placzek aus Posen sodann im Namen der ehemaligen Schüler des Jubilars eine Ansprache hielt .und ein ansehnliches Ehrengeschenk übermittelte. Lehrer Broh sprach im Aufträge des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen, zu dessen Vorstand der Gefeierte gehört. Rektor Raßmann aus Glowno hob als Vorsitzender des freien Lehrerveins die Verdienste des Jubilars um den Verein hervor und überreiche ein ihm gewidmetes ehrendes Diphom. Mühlenbesitzer Michaelis Herzog aus Posen, als ehemaliger Schüler des Jubilars, widmete ihm Worte der Verehrung und Dankbarkeit. Lehrer Grünfeld dankte allen tiefbewegten Herzens. Die Feier nahm sodann in den Räumen des Jubilars bis spät in die Nacht hinein einen frohen Verlauf. Es verdient noch besonders hervorgehoben zu werden, daß Herr Grünfeld, als treuer Mitarbeiter Ihrer geschätzten Zeitschrift auch sein .50jähriges Jubiläum begehen kann. Seine Beiträge für das zur Zeit mit der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" in Verbindung stehende „Jüdische Volksblatt" waren sehr reichhaltig. Er schrieb erst einige Jahre anonym, bis ihn Dr. Philippson sel. Andenkens aufmunterte, aus seiner Reserve herauszutreten, da er ganz besondere Anlagen zum humoristischen Schriftsteller bekunde. Grünfeld schrieb Novellen, Abhandlungen, Humoresken, 1863 und 64 erschien sein „Dubner Maggid", eine umfangreiche Arbeit voll gesunden Humors. Ebenso brachte die „Allgemeine Zeitung des Judentums" aus seiner Feder Abhandlungen über soziale Fragen, Rezensionen, Statistisches rc. Für seine umfangreiche Jugendschrift: „Gott hilft den Seinen", welche Toleranz und Friedensliebe unter den verschiedenen Konfessionen zur Tendenz hat, würde ihm vom Kaiser Friedrich III. eine ehrende Anerkennung. Grünfeld erfreut sich geistiger wie körperlicher Frische und beschäftigt sich auch gegenwärtig literarisch, wovon seine Arbeiten, auch auf pädagogischem Gebiet, ein ehrendes Zeugnis geben. Möchte dem jugendlichen Greise ein heiterer Lebensabend beschieden sein! ' — Speyer, 2. Mai. Dem. neuerdings zum Bischof von Speyer ernannten Domdechanten Busch überbrachte auch die hiesige israelitische Kultusgemeinde durch . ihren Vorstand, Herrn Sig. Herz, die innigsten Glückwünsche. Bei dieser Gelegenheit und wiederholt, als der hohe Herr den Besuch erwiderte, versicherte derselbe den Gratulanten seines aufrichtigen Wohlwollens und seiner Sympathie. Wie bisher, so werde er auch künftighin für den Frieden unter den Konfessionen und das Wohlergehen der Gesamtbevölkerung unserer Stadt von ganzem Herzen wirken. Es war der besondere Wunsch des Herrn Bischofs, daß dieser Ausdruck seiner loyalen Gesinnungen den Mitgliedern der israelitischen Kultusgemeinde bekannt gegeben werde. Gesterreich-Nnsarn. □ Wien, 1. Mai. Die christlich-soziale Mehrheit des Wiener Gemeinderates hat also nun das Schächtverbot für die städtischen Schlachthäuser doch verfügt und zwar mit 57 gegen 11 Stimmen. Von den antisemitischen Rednern zeichnete sich natürlich Monsieur Bielohlawek am meisten aus, indem er in einem fort von berühmten Autoritäten sprach, aus die.er nichts gebe, auch ans Virchow und Genossen nicht. Und solche Gesellen leiten -die Geschicke der Stadt Wien!. Man darf gespannt darauf sein, wie sich das Ministerium .dazuverhalten,welcheAntwort dieses .auf den. Rekurs des israelitischen Knltusvorstandes geben wird. — In Budapest ist vor kurzem ein sehr angesehener und wohltätiger Glaubensgenosse, Herr Ludwig Kraus de- MegYer, gestorben. Er hinterließ eine Million Kronen für wohltätige Zwecke. Den Rest seines etwa acht Millionen betragenden Vermögens hat er seinen nächsten Verwandten testiert, mit der Bestimmung, daß, wenn einer derselben vor ihm sterben sollte, das Erbteil auf dessen gesetzliche Nachkommen übergeht. Bei der Tochter seines Bruders Dr. Isidor v. Kraus, dem er 20 Prozent seines Vermögens vermachte, hat er aber diese Bestimmung als ungültig und diese ausdrücklich als der Erbberechtigung für verlustig erklärt. Er tat dies-darum, weil die Tochter zum Christentum übergetreten ist. Die getaufte Jüdin verliert somit ca. 1 600 000 Kronen. — Der Bndapester Buchhändler Arthur v. Wodianer wurde zum Hofrat ernannt. Der ungarische Adel wurde Anton Deutsch — nicht Deutrich — verliehen. - ä. Bndapeft, 25. April. Gestern fand hier das Leichenbegängnis unseres allverehrten Rabbiners Dr. M. Kayserling statt. Die Beteiligung war eine so große, wie sie nur selten gesehen worden. Die Leiche wurde zunächst nach dem großen Tempel gebracht, wo die Trauerfeier durch einen Choralgesang eröffnet wurde. Dann bestieg der Schwiegersohn des Heimgegangenen, Rabbiner Dr. E. Neumann-Groß-Kanißa, die Kanzel und hielt eine tiefergreifende Trauerrede. Die Feier schloß mit dem Vortrag der Trauergebete durch den Oberkantor Lazarus. Hieraus setzte sich der Kondukt in Bewegung nach dem Friedhofe. Dort sprach zuerst Rabbiner Dr. Samuel Kohn und dann Rabbiner Dr. Weißberg namens der hiesigen, Dr. A. Kis namens des Altofener Rabbinats. Als Vertreter der Wiener Gemeinde betrat zuletzt Dr. Feuchtwang die Kanzel, um im Namen der Schweftergemeinde der tiefen Trauer um das Ableben des großen Gelehrten bewegten Ausdruck zu geben. Die ganze Feier verlief in sehr würdiger Weise und legte ein rührendes Zeugnis ab für die Beliebtheit und das hohe Ansehen, dessen sich rder letzte deutsche Prediger in unserer Gemeinde zu erfreuen hatte. Ehre feinem Andenken! Von MH und Fern. — Professor Dr. O. Wassermann von der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität hat das Kommandeurkreuz des spanischen Ordens Jsabella der Katholischen erhalten. — Am 29. v. M. ist hier der Stadtälteste und Ehrenbürger der Stadt Strasburg in Westpr., Salomon Meyer Rosenow, im 85. Lebensjahre gestorben. — Dem Fabrikbesitzer Salomon Fabian in Tuchel wurde der Charakter als Kommerzienrat verliehen. — Am 19. v. M., genau 23 Jahre nach Begründung der. ersten deutschen Loge des U. O. B. V, nämlich der Deutschen Reichs- Loge, wurde in Lissa die 64 deutsche Loge unter dem Namen Raphael Kosch-Loge feierlich installiert. — Aus Anlaß der Einweihung der neuen Synagoge in Liffa ist dem ersten Gemeindevorsteher, Provinzial - Landtagsabgeordneten, Stadtältesten und Stadtrat, Bankier Jakobowski, der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. —. In Czarnikau ist Herr Lesser Beutler, der Jahrzehnte hindurch Mitglied des Synagogenvorstandes war, gestorben. — Die städtischen Körperschaften in Grätz haben Herrn A. Herzfeld bei seinem Wegzug von dort für die 21 jährige ununterbrochene Führung des Amtes als Stadtverordnetenvorsteher zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. — In Magdeburg ist am 14. v. M. Herr Gustav Schattmann gestorben, der ein Vierteljahrhundert hindurch Mitglied des Repräsentantenkollegiums und Vorsteher der Chewra Kadischa war. — Dem Fabrikdirektor Siegmund Seligmann in Hannover wurde der Charakter als Kommerzienrat verliehen. — In Apolda ist ein an den Gemeindevorstand und -Rat gerichtetes Gesuch der dortigen Israeliten um Ueberlassung eines besonderen Platzes auf dem Friedhofe zur Beerdigung ihrer Angehörigen dieser Tage in der öffentlichen Gemeinderatssitzung rundweg abgelehnt worden. — In St ein he im ist. am 16. v. M. Herr Abraham Weil, der viele Jahre Vorsteher der Repräsentantenversammlnng war und sich große Verdienste um die Gemeinde erworben hat, gestorben. — In Paderborn ist ain 1. v. M. der emeritierte Lehrer Jacob Neuhaus im Alter von

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