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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-05-05 · Heft 18 (5.5.1905) · p. Seite 216

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
Seite 216 (sequence 12)
Language
German
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„Deine Siede laß icft gelben Und vergeben sei den Mördern, Doch, nun glaub' auch an den Meister,' Wolle dich uns zugesellen." Aber unser Dichter würdigt Nun den König keiner Rede, Da sich seine Seele rüstet, Vor den Herrn der Welt zu treten. Wütend riß man von den Fingern - Ihm die Haut und danndie Nägel, Still erduldet er die Qualen, Läßt die Henker still gewähren. Eh' den Holzstoß er bestiegen, Wendet er sich zu dem Volke, Seinen Glauben zu verkünden, Zn lobsingen seinem Gotte. „Ew'ger Hort, dein Tun ist grade; Recht sind^alle^deine Wege, Dir allein will ich vertrauen, Meine Seele dir empfehlen. _ Dp, vollkommen, ohne. Zweiten,.' - _ Warft nock^eh' die "Welt erstanden,' Und in alle Ewigkeiten Wird regieren nur'dein Name! Hörk-mein letztes Wort, ihr Tauben-, Hör' es, Israel, mein teures: Unser Gott, er ist der Ew'ge, Unser Gott ist ewig^ einzig!" Wie empor die Flammen züngeln, Wie empor sie knisternd flackern! Abzuwehren mit dem Tuche Sucht Antonio die Flammen.. Da taucht einer jener Henker In das Pech faß einen Besen, Kreist ihn um den Bart Antonios Für die glühend mut'ge Rede. Wie der Schrei die Luft durchzittert! >-Wie jetzt selbst das Volk erbebet! Schauer malet jedes Antlitz, Dem noch eigen eine Seele. .Wer sind jene beiden'Frauen, ' . ' Dieverzweiflungsvollsichkrümmen?'' Ach, es ist'Antonios Gattin! Ach, es ist'Antonios Mutter! * Die man teuflisch hat gezwungen, . Diesem Schauspiel beizuwohnen, .. Ob vielleicht ihr Sinn sich andre ' , Vor dem Zorngerichte Gottes? Jetzt sieht man auch Männer weinen, Und beim Fortgeh'n sprach ein Alter: „Wahrlich,- der gleicht jenen Helden, Die für ihren Glauben starben!" .. Jener Bau der Glaubensrichter Ist verschwunden von dem Boden . Lissabons unfein Theater Hat die Stätte sich erkoren. Hoheitsvoll, blickt auf-Domingo Dieser heitre Musentempel,' Der den Lorbeer ewig wahret Allen, die gedient dem Schönen! - Sehr geehrter Herr Redakteur! n dem interessanten Artikel des Herrn H. Schalom über die „Juden in Marokko" (Nr. 14 Ihres geschätzten Blattes) werden die in Marokko bereits vorhandenen modernen jüdischen Schulen aufgezählt. Es sei hinzuzufügen gestattet, daß außer in Tetuan (seit 1862), Tanger (1865), Mogador (1888) auch in der Hauptstadt Fez (seit 1883), ferner in Casablanca (1897), Larache (1901), Marrakesch (ebenfalls 1901), Rabat (1903) Schulen der Alliance bestehen. Der Unterricht hat durch die Unruhen nirgends gelitten. Weitere Schulgründungen beabsichtigt die Alliance in Arzila, Mazagan, Alcazar, Safi, Mequinez und Udjda. Hochachtungsvoll Berlin, 14. April 1905. Dr. M. Friedlaender. Sekretär. * Geehrter Herr Redakteur! ' rrrch die Blätter geht die Nachricht, der offizielle jüdische Gemeindevorstand in Warschau habe es abgelehnt, die Petition um.Gleichberechtigung der Juden in Rußland zu unterschreiben; es habe deshalb diese Mission der zionistische Verein „Brüderhilfe" (Achieser) übernommen. Es wird dieses damit motiviert, daß der Gemeindevorstand sich von^ den Prinzipiell der „Polen mosaischer Konfession" leiten lasse, der Brüderverein aber zum Beweggründe die wirklichen Bedürfnisse^und Interessen der Juden habe. Wenn dem so wäre, so wäre das Verhalten des Gemeindevorstandes wirklich ein purer Unsinn. Ich berichtige auf Grund authentischer Quellen die obige Notiz, wie folgt: Es hat in Warschau unter Vorsitz des Grasen Tyszkiewicz eine Zusammenkunft der angesehensten Persönlichkeiten polnischer Nationalität stattgefunden zurBeratung darüber, welche Forderungen seitens des polnischen Volkes der Regierung zu stellen seien. Es wurde dabei ein Memorial entworfen. An dieser Beratung haben auch einige^hervorragende Warschauer Juden teilgenommen. Da die intelligenten polnischen Juden sich als Bestandteil der polnischen Bevölkerung fühlen, da in dem besagten Memorial die Gleichberechtigung aller Landesbewohner ohne Unterschied der Konfession ausdrücklich als eines der Postulats hingestellt ist, so hat die jüdische Intelligenz nur deshalb von der Aufstellung eines besonderen jüdischen Programms Abstand genommen. Achtungsvoll ergebenst -Warschau, 22. April, - - S. I. Geehrter Herr Redakteur! s ist zwar kein Vergnügen, aber ich habe es doch fertig gebracht, nämlich die Lektüre der gesamten Kammerverhandlungen des abgelausenen Winters. Dabei ist mir ein Kuriosum aufgefallen, das ich der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten will. . In einer Rede des antisemitischen Abgeordneten Böckler fand sich unter vielen anderen Anzüglichkeiten auch die folgende Bemerkung über die Einweihung des neuen Doms: „War doch der Teppich der Kaiserloge von einerjüdischen Firma geliefert!" Der stenographische Bericht verzeichnet hinter dieser Aeußerung: „Heiterkeit". . Vielleicht wird diese sich noch steigern, wenn ich Ihnen die folgende Notiz aus den Blättern vom 25. Oktober 1861 mitteile: „Die beiden Krönungsmäntel für Ihre Majestäten den König und der Königin sind aus den Ateliers des Hoflieferanten Gerson hervorgegangen. Derselbe ist auch vom Könige nach Königsberg geladen worden." Diese Nachricht brachten damals sämtliche Berliner Blätter, auch die konservativsten, ohne jede hämische Bemerkung. O wir haben es herrlich weit gebracht in diesen vierzig Jahren! Berlin, 20. April 1905. - ■ Ergebenst ' - L. Deutsch. ' * Geehrter Herr Redakteur! " ezugnehmend auf den Artikel in Nr. 16 des „Gemeindeboten" über die Sitzung des Verbandes für Jüdische Wohltätigkeitspflege erlaube ich mir folgendes zu bemerken: Zum Satze: Vorzüglich hat sich die vom Verein Hauspflege angestellte rc. muß es heißen: Der Israelitische Frguenunterstützungs-Verein (Vorsitzender Herr I. Weinberg) hat eine geprüfte Krankenschwester eingestellt, die sich vorzüglich bewährte. Die Angaben des Herrn Justizrats Breslauer bezogen .sich also nicht auf den Verein Hauspflege. Berlin. 26. April 1905. '' Mit vorzüglicher Hochtung . I. A.: Frau Henriette May. Druck und Verla» von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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