Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1905)
- Date
- 1905-05-05
- Page
- Seite 208 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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des Maybaum'schen Antrages durch den Mund desselben Mannes, der schon damals die Mittlerrolle zur Verwirklichung des Projektes einer Zusammenschmelzung der heterogenen Faktoren zu einem großen Kilajim-Bunde bereitwilligst übernahm, wurde das Ansinnen insbesondere durch das ebenso mannhafte wie charaktervolle Auftreten von Feilchenseld-Posen vereitelt." Diese Darstellung des Sachverhaltes in betreff des „Maybaumffchen Antrages" widerspricht in allen ihren Teilen der Wahrheit. Ich habe Herrn Provinzial-Rabbiner Dr. M. Cahn, der mir sein Pamphlet einzusenden die Güte hatte, sofort den wahren Sachverhalt mitgeteilt und das Ersuchen hinzugefügt, feine Darstellung hiernach recht bald öffentlich berichtigen zu wollen. Da er es aber bis heute nicht getan hat, so sei hier kurz auf Grund der Verbandsakten der Sachverhalt festgestellt: Die oben erwähnte gemeinsame Besprechung im Repräsentantensaal der jüdischen Gemeinde zu Berlin war vom damaligen Rabbiner-Verbande angeregt worden, der zur Vermeidung einer bloßen Parteikundgebung in einer so wichtigen Angelegenheit es für notwendig erachtete, auch die hervorragenden orthodoxen Rabbiner Deutschlands einzuladen. Es war daher selbstverständlich, daß die Aktion vom Rabbiner-Verbande unter Anschluß der anwesenden orthodoxen Rabbiner aus gehen mußte. Nur Feilchenfeld- Posen widerstrebte anfangs. Als aber mein verewigter Lehrer, HerrRabbiner Dr. JsraelHildesheimer^"L"f, erklärte, daß er auf Grund feiner Kenntnis meines Charakters die Führung der Angelegenheit vertrauensvoll in meine Hände lege, und als auch Herr Rabbiner Dr. Auerbach durch dies^Erklärung veranlaßt, feine Zustimmung dazu gab, wurde der „Mahbaumffche Antrag" von allen anwesenden orthodoxen Rabbinern angenommen. In der Tat trägt das der Königlichen Staatsregierung überreichte Schriftstück neben der Unterschrift des geschäftssührenden Verbandes in Deutschland die Unterschriften sämtlicher anwesenden orthodoxen Rabbiner. Ich überlasse es dem Leser, sich hiernach über die Wahrheitsliebe des Herrn Provinzial-Rabbiners Dr. M. Cahn ein Urteil zu bilden. 0 Berlin, den 28. April 1905. Jüdische Oberlehrer an den höheren Lehranstalten Kreutzens. ach dem soeben erschienenen „Kunze-Kalender" für das höhere Schulwesen Preußens rc. (Schuljahr 1904) sind an höheren Knabenschulen Preußens vom 1. 5.1903 bis 1. 5. 04 im ganzen 4 Juden neuangestellt worden. (Gesamtzahl der neuangestellten Oberlehrer 417). Von diesen sind 2 aus der Liste der anstellungssähigen Kandidaten entnommen, 1 war vorher an einer preußischen Elementarschule beschäftigt, 1 an einer nichtpreußischen höheren Lehranstalt. Da 1 jüdischer Lehrer in dem qu. Schuljahre gestorben, 1 Pensioniert ist, so hat sich die Zahl der jüdischen Oberlehrer an nichtjüdischen höheren Lehranstalten Preußens um 2 vermehrt; sie beträgt jetzt 70. Von diesen sind, wie in *) Wir haben bereits in Nummer 41 des vorigen Jahrgangs in dem Artikel „Einigkeit" unser Urteil über diese Bestrebungen, gerade in einer Zeit, die die Anspannung und Verbindung aller Kräfte im Judentum dringend erheischt, Uneinigkeit zu säen, ausgesprochen und haben auch heute nichts weiter hinzuzufügen als den sehnlichsten Wunsch, daß diese Bemühungen wie bisher keinen Erfolg haben mögen - zum Heil des Judentums! Die Red. den letzten zwei Jahren, 11 an staatlichen Anstalten (Ostpreußen 1, Westpreußen 3, Posen 5, Brandenburg 2 (davon 1 in Berlins. An städtischen Anstalten waren am 1. Mai 1904 59 jüdische Oberlehrer vorhanden, und zwar 1 in Westpreußen (Danzig), 45 in Brandenburg (Berlin 42, Charlottenburg 3), 1 in Posen (Bromberg), 8 in Schlesien (5 in Breslau), 1 in, Sachsen (Magdeburg), 3 in Hessen-Nassau (Frankfurt a. M.). In letzterer Stadt unterrichten außerdem' an. den beiden jüdischen Realschulen 16 jüdische Oberlehrer. i Von den 17 jüdischen anstellungssühigen Kandidaten, die im vorigen Jahrgang aufgesührt worden find, ist außer den 2, die. bis zum 1. Mai 1904 zu Oberlehrern ernannt worden sind, 1 wegen Uebertritts in ein anderes Amt ausgeschieden. Von den übrigen 14 Kandidaten sind 2 als Privatlehrer tätig, 3 an jüdischen Anstalten beschäftigt, 1 an einer (christlichen) Privatschule, 2 an einem (privaten?) Mädchenrealgymnasium, 1 ist im Aufträge der Generalverwaltung der Kgl. Museen zu Studienreisen beurlaubt. Die übrigen 5 sind an nichtjüdischen höheren Lehranstalten vollbeschäftigt; 1 von ihnen ist am 1. 10. 04 als Oberlehrer angestellt, 2 sind außerdem zu Ostern 1905 zu Oberlehrern gewählt worden. Der eine jüdische Proband des vorigen Schuljahres ist am 1. 10. 03 an eine jüdische Anstalt außerhalb Preußens übergegangen. Die drei jüdischen Seminarmitglieder des Jahrganges 1903/04 sind im lausenden Schuljahre vollbeschäftigte Probanden (2 in Berlin, 1 in Frankfurt a. O.). Einer von ihnen ist am 1. 10. 04 zum Oberlehrer in Betlin gewählt worden. - Neu hinzugetreten sind 4 jüdische Seminarmitglieder (von 519 Kandidaten). Von diesen werden 2 bereits vollbeschäftigt, außerdem 1 stundenweise. Der „Kunze-Kalender", der jetzt im elften Jahrgang steht, hat im ersten Jahrgang keine Angaben über die Konfession der Oberlehrer rc. gebracht. Es läßt sich also die Entwicklung der Anstellungsverhältnisse der jüdischen Oberlehrer erst vom Schuljahr 1896/1896 überblicken. Da somit seitdem ein Zeitraum von 10 Jahren abgeschlossen ist, so dürfte ein Ueberblick über diese Zeit in bezug auf jene Anstellungen recht interessant sein. Im Schuljahr 1895/96 waren von den 5268 Oberlehrern an öffentlichen (nichtjüdischen) preußischen Knabenschulen 33 Juden (Westpreußen 1, Posen 3, Schlesien 5, Brandenburg 2, Berlin 16, Sachsen 1, Hessen-Nassau 3); außerdem gab es damals 28 anstellungsfähige Kandidaten, 5 Probanden, 4 Seminarmitglieder jüdischen Glaubens. Von jenen 33 jüdischen Oberlehrern sind 2 in den Ruhestand getreten, 1 gestorben, 1 getauft. Von den 37 Kandidaten rc. wurden in der Zeit von Ostern 1896 bis Ostern 1903 30 zu Oberlehrern ernannt, und zwar an königlichen Anstalten 7 (1 in Ostpreußen, 2 in Westpreußen, 2 in Posen (von denen 1 zunächst in Sachsen!, 2 in Brandenburg (1 in Berlin), an städtischen höheren Schulen in Berlin 19 (darunter 1 an einer Mädchenschule), 2 in Frankfurt, 1 in Breslau, 1 in Danzig). Von diesen 30 Oberlehrern sind bereits 3 durch den Tod ausgeschieden, 1 ist getauft, 1 ist an eine andere städtische Lehranstalt seines Ortes übergetreten, die Kunze nicht unter den „höheren Unterrichtsanstalten" verzeichnet. Es sind also von jenen 70 jüdischen Lehrkräften, die im Schuljahre 1895/96 teils als Oberlehrer, teils als Kandidaten rc. verzeichnet waren, gegenwärtig 54 als jüdische Oberlehrer tätig. Von den 7 restierenden Kandidaten rc. ist 1 Oberlehrer an einer jüdischen Anstalt in Preußen, 1 an einer jüdischen Anstalt außerhalb Preußens, 1 ist in einen anderen Berus übergetreten (Ingenieur), 2 werden noch. immer in der Kandidatenliste geführt und 2 sind getauft, und zwar mit dem