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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-04-28 · Heft 17 (28.4.1905) · p. Seite 204

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
Seite 204 (sequence 12)
Language
German
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-,-Dafür sind wirauch Juden," antwortete -der. Führer. „Ich kanräs nicht fassen," erwiderte .der. andere -->,DiL Andersgläubigen, sie haben alle dieselben Rechte und denselben Schutz wie ihr, derselbe Richterspruch, gilt für' beide?" „Dasselbe Recht." - - .r . - / . „Wie nun," meinte der Fremde nachdenklich, „wenn z. B. ein Christ und ein Jude einen Streit haben. Glaubt Ihr, daß der jüdische Richter da ganz ruhig seinen Blutsverwandten Unrecht.sprechen würde?" ' „Fremdling, Ihr kennt unsere Gesetze nicht und nicht unfern gerechten König, oder Ihr würdet nicht so fragen. Unser Gesetz ist so.: Wenn zwei Juden streiten, kommen sie vor einen jüdischen Richter, wenn zwei Christen streiten, kommen sie.vor einen. christlichen Richter; streiten aber ein Jude und ein Christ, so kommen sie vor drei Richter, einen jüdischen, einen christlichen und einen muhammedanischen. Da kann keinem Unrecht geschehen." Der Fremdling starrte vor sich hin, zur Erde. „Fürwahr," murmelte er, „das ist der Jude, der verachtete, und jenseijs des Wassers sind wir, die Mächtigen — und die Christen, die Kunstjünger — die — Götzendiener —" fügte er nach einer Weile. verächtlich hinzu. Und so ritten die beiden nebeneinander her, jeder seinen Gedanken.nachhängend. Nur noch einmal unterbrach der Fremdling die Stille. „Sagt mir noch eins, edler Chazar, was führte Euch hierher heute nacht, hinaus in die Steppe?" „Lügen will ich nicht vor Euch," erwiderte der andere, „und sagen kann ich es Euch auch nicht, also entschuldigt, wenn ich schweige." Es trat eine kurze Pause ein. Dann meinte der Fremdling: „Ich achte Eure Gründe, doch sagt, wann sind wir in Eurer Hauptstadt Belendsher." „Morgen bei Sonnenaufgang." . „Und wann widerfährt mir die Ehre, Euren König zu sehen?". ' „Bald nach dem Morgengebet, wenn es ihm passen wird. Euch zu sich zu befehlen," erwiderte der Chazar kalt. Der Fremde hatte sich bei dem kalten, etwas zurechtweisenden Worten so straff aufgesetzt, wie seine Wunden es ihm erlaubten. Eine tiefe Falte des Unmuts zeigte sich auf seiner Stirn. Er wollte etwas erwidern. Aber im nächsten Moment hatte er sich wieder beruhigt, ja, er lächelte sogar unmerklich, und als er seine Lippen auftat, war es nur, um zu sagen: „Seid bedankt." Und bis zum nächsten Morgen sprachen sie kein Wort mehr miteinander. — — — Joseph hielt inne. Lautlose Stille herrschte im Zimmer. Da schlug eine Turmuhr in der Nähe. „Bier Uhr!" sagte der Großvater. „Jetzt ist's genug. ^„Es ist auch zu Ende," meinte Joseph. „Keine Buchstaben mehr." Der Alte erhob sich. „Also auf Wiedersehen morgen, Herr Graf," sagt er, Ludanhi die Hand reichend. Der schien in einiger Verlegenheit. Dann faßte er einen Entschluß. „Ich kann Sie jetzt nicht fortlassen, meine. Herren. Ob Sie wollen oder nicht. Sie müssen diese Nacht' in meinem Hause verbleiben. Ein Diener ist immer wach, er wird Ihnen Ihr Zimmer anweisen. Gute Nacht, meine Herren." Und während Großvater und Enkel die Treppe zum Fremdenzimmer^emporstlegen, sagte , unten der. Graf zu seiner Tochter: „Zwei Juden in meinem Hause als meine Gäste zu beherbergen, das hätte ich mir auch, nicht träumen lassen. Wenn das meine Freunde wüßten! — Aber eine andere Auffassung bekomme ich doch von den Juden! Die zwei da sind doch wirklich nette Kerls; na — und die in der Handschrift, — wie heißen sie -- Chazaren — alle Achtung! Wie edle Ritter waren die —" Während oben der Großvater zn Joseph meinte: „So weit macht sich die Sache famos, wird.-schon werden," was Joseph sich nicht recht erklären konnte und schließlich auf die Uebersetzungen bezog. — — ,, Als sich am nächsten Morgen die beiden Gäste von ihrem Wirt verabschieden wollten machte Maria einen Vorschlag.- „Das Diktieren der. Buchstaben am Abend , ist immer sehr langweilig und es ist auch Schade um die. Zeit. Wir sind alle sehr gespannt auf den Fortgang der Geschichte und wissen abends stundenlang vor Ungeduld weder ein noch aus. Wie wür's, Väterchen," — Ludanhi liebevoll beim Arm fassend — „wie wär's, wenn die Herren hier blieben, am Tage ihre alten Buchstaben in Ordnung brächten und abends die Uebersetzungen vornehmen. Dann hätten wir vielleicht in einer Woche erreicht, was sonst Monate dauern würde." Sie wandte sich an die beiden: „Nicht wahr, meine Herren, Sie tun mir schon den Gefällen und bleiben." Ehe der verdutzte Ludanhi noch antworten konnte, hatte der Großvater zugesagt mit den Worten: „Wenn Sie so bitten, gnädiges Fräulein! Das heißt, wenn der Herr Vater nichts dagegen haben." Der konnte nun wohl kaum etwas dagegen haben und die beiden blieben. Nur zu den Mahlzeiten verließen sie das Haus. ,,Das mit den: Geiz der Juden scheint doch nicht ganz zu stimmen," meinte Ludanhi so nebenbei. „Hier riskieren diese Leute, mich durch ihr Ausgehen zu beleidigen, wo sie andererseits doch das Geld ersparen könnten. Denn arm sind doch gewiß beide!" Und verwundert schüttelte er den Kopf. Fast den ganzen Tag hindurch diktierte der Großvater die Buchstaben und Joseph reihte sie zu Worten aneinander. Maria, die diese Beschäftigung abends so langweilig gefunden hatte, wich trotzdem nicht von Josephs Seite. Schon um fünf Uhr stellte sich Ludanhi ein und öfter wie einmal diktierte Joseph in den frühen Morgenstunden mit kauenden Backen. Bald war man mitten in der Arbeit. — — (Fortsetzung folgt.) Sprechsgal« Löbliche Redaktion! ezugnehmend auf den Brief betreffend Jules Verne's Herkunft, den Sie in Nummer?14 Ihres geschätzten Blattes veröffentlichten, erlaube ich mir, Ihnen eine Abschrift des Briefes, den ich vom Sohne des verstorbenen Schriftstellers erhalten habe, zu übermitteln. Es wäre wohl angebracht, diesen Irrtum über seine jüdisch-polnische Abstammung zu berichtigen. Uebrigens gehörte obenerwähnter Schriftsteller zu der nationalistischen Partei. Paris, 18. April. Mit aller Hochachtung S. Halff. Amiens, 17. 05. Ge n’est pas la premiere fois,. que des fantaisistes fout, naitre inon pere, eil Pologne. Clette legende ne rcpose absolument sur rien. Le grand-pere de *mon pere etiit magistrat a Provins, pres de Paris; son p6re etait avone ä Nantes, ou il est ne lui meine le 8. ferrier 1828. : Mon pere na’jamais ete-en Pologne. Michel Jules Verne. , Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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