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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-04-28 · Heft 17 (28.4.1905) · p. Seite 203

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
Seite 203 (sequence 11)
Language
German
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Königs) — Gott möge ihn segnen/ und -ich. gehöre zmn lÄrserwählteN Volke, dem einzigen/ richtigem Glauben.'-rUnd wer seid Ihr?" - „Ihr habt edel gesprochen- 'und an-mir ist es zum zweitenmal zu sagen-: Verzeiht. Aber Ihr dürft mir die Hand reichen, denn auch ich bin ein 'Großer in meinem'Lande/ in Byzanz. Wer ich bin, das darf ich Tuch-nicht sagen, — cm Unglücklicher — ein Verfolgter. Ihr seht ja mit Euren eignen Augen, wie man mir nachstellt, wie man versucht hat, mich zu morden. 'Als Kaufleute sind sie mir nachgeschlichen, verkleidet, und der da — daswar mein bester Freund. — Reicht mir Cure Hand, nehmt meinen Dank — braver Kamerad!" v .. - „Nein," erwiderte der Chazarensührer. „Ich kann Euren Dank nicht annehmen auch nicht die Hand eines Fremdlings. Ihr braucht mir nicht zu sagen, wer Ihr seid) aber Eure Hand nehme ich dann nicht." „Ihr sollt es später erfahren. — auf mein Wort." „Genug! — Soldaten, auf! Helft dem Fremdling auf eil: Pferd, doch vorsichtig, daß ihr ihm nicht Schmerzen verursacht. Doch halt! Nehmt den Toten ihre Kleidung ab, , und legt sie ans die Pferde. Dann verscharrt die Körper und sagt ein Schemah Israel!" Und die Soldaten taten, wie ihnen befohlen. Bald war die Arbeit vollendet und das Gebet verrichtet. Jeder Soldat schwang sich auf fein Pferd; . dem Verwundeten wurde auf das Roß eines der Erschlagenen geholfen, und dann setzte der Zug sich in Bewegung an dem Hügel vorbei, hinaus in die unendliche Steppe, während der zurückgebliebene Feuertops, der dicke.Rauchwolken zum Himmel sendete, in der großen Oede schier gespensterisch wirkte.. , In einiger Entfernung hinter der Truppe ritt der Führer, zu seiner Rechten der Fremdling. Der volle Mond trat hinter den Wolken hervor, so daß die Panzer der beiden in hellem Silberglanze erstrahlten und ihre Gesichter beleuchtet wurden. Als der Führer sich den Fremdling näher ansah, war er überrascht von seiner Persönlichkeit.- Er bemerkte etwas Eigentümliches in den Zügen dieses Mannes, eine verborgene Macht, die sich zuweilen in seinem Gesicht Zeigte, einen eisernen Willen, der anzudeuten schien, daß sich dieser Mann keinem andern Manne fügen würde, — unter keinen Umständen. Und wahrend der Führer noch seinen Gedanken nachging und bewundernd das schöne, offene Gesicht des Mannes neben sich sah, erhob jener plötzlich seine Stimmeund fragte-: „Wo nehmt Ihr mich hin, wenn es erlaubt ist zu fragen." „Zu unserm König, dem großen Chakan Bulan." „Und Ihr seid alle Juden?" — — — - V' Der Großvater unterbrach den Uebersetzer. „Wißt. Ihr auch, wie spät, es ist.?" -fragte er. „Es ist Mitternacht vorüber. Wollen wir nicht einhalten?" Doch diesmal kam er schlecht an. „Nein!" riefen alle drei wie auf Kommando. „Jetzt nicht) — Und wenn's die Nacht hindurch dauert," fügte Ludanyi so ungestüm hinzu, daß die andern ihn verwundert ansahen, „jetzt wird es interessant." Joseph diktierte schon wieder. . „Also, wo hörte ich auf. Ach ja, — da. — „Und Ihr seid alle Juden?" „Nicht alle, aber der Chakan und die Chakun, sowie alle Großen des Landes sind übergetreten zum einzig wahren Glauben und haben sich aufnehmen lassen in - den- Bund Abrahams." , . v „Entschuldigt meine Unwissenheit, aber was' bedeutet das Wort Chakun?" .fragte der Fremde. - .7^^un/.sa wie Chakan unser Herr, also- König bedeutet, so bebeuteL/^Chakun" Gemahlin unseres Herrn, also-Königin." Verzeiht, wenn. ich. zudringlich, scheine,.. aher Euer- Volk und Land interessiert michsehr. - Ist Eure'Chaknir auch ausgenommen im Bund-Israels?" - „Unsere .Chtiknn - denkt - - und glaubt^ wie unser Mhakan," erwiderte der Führer.- Much sie.ist so glücklich-rÄeni: heiligen Bunde-anzugehören."'. '...'u- - . X-'--v'' " „Sie ist die Tochter eines Fürsten -des-Landes?" 4-v;- „Nein, doch nicht, sie ist aus dem.Stamme der Wjatitschen." „Und sind das auch Juden?" . - „Nein, die Königin war eine Gläubige des-Islam/ ist aber in den Bund Abrahams ausgenommen worden.":---- - „Ihr sagtet, daß alle die Großen des Reiches-sDdeu -seien. Sind nun viel ausbem Volk andersgläubig?" - ' „O, eine ganze Anzahl." - '? „Aber warum?" fragte der Fremde erstaunt. ' ■ r '; „Nun, — weil sie wollen," antwortete der Führer^ gleichfalls erstaunt über die Frage. „Wollen?" fragte der Fremde seinen Begleiter ungläubig. „Wollen? Können die Untertanen Chakan Bulans tun, was sie'wollen? Befiehlt Chakan Bülan nicht/ oder frägt er, was man will?" „Fremdling,'Ihr werdet rhn kennen lernen, unfern großen König. Ihr werdet sehen, ob er befiehlt und’ ob nxan gehorcht. Sagt der Chakan zu einem seiner Untertanen, geh hin und töte dich, so gehorcht der Mann zur-Stunde." „Aber warum befiehlt er denn nicht, daß sie alle den Glauben annehmen, den er den einzig wahren nennt." ' ' - „Weil er ein Jude ist," antwortete der Führer einfach. „Wenn einer ausgenommen werden will in den Bund Abrahams, so muß er zu Chakan Bulan kommen und um die Ehre bitten. Wenn jemand ein Kleinod von Euchzum Geschenk will, so muß er Euch nachher dankbar sein, oder sucht'Ihr den andern auf und bittet oder befehlt, das Geschenk anzunehmen?"' Der Fremdling starrte den Sprecher einige Minuten an, dann ritten sie beide schweigend nebeneinander her. Dem Fremden aber war das Gespräch nicht aus dem Kopf gegangen, denn ganz plötzlich Hub er wieder an: „Und dieses Volk, das nicht Juden sind, welchem Gotte dienen die?" : „Allen," antwortete der Chazar kurz. „Dä sind Muselmannen und Christen und die vom Natürknltus." " „Und Ihr verfolgt sie nicht? Ihr kommt gut mit'ihnen aus?" ' - ' ' ' „Aber was habt Ihr nur," fuhr jetzt der Führer heftig auf, „warum sollten wir sie verfolgen?" - -V- „Verzeih meine Rede," erwiderte der. Fremdling, habest derartiges haben meine Ohren noch ' nicht vernommen. Wo ich herkomme, in Byzanz, da wird jeder Andersgläubige verfolgt, im Namen Gottes und seines Sohnes Christi. Und eben jetzt, während ich mit Euch spreche/'stehen sich vielleicht Bruder dem Bruder, Vater dem Sohne gegenüber, Schwerter in der Hand und morden sich auch im Namen Gottes und um Jesu Christi willen." - . „Wie das?" fragte der Chazar überrascht. - „Nun," antwortete der andere, „die einen' wollen Bilder Christi und Gott und Mutter Gottes in den Kirchen und auf den Plätzen, und vor diesen Bildern soll man sich beugen und Ehre antun, die andern wollen das nicht. Und deshalb mordet man sich gegenseitig im- Namen Gottes. Und nun erzählt Ihr mir, daß nicht nur Ihr einig seid/ sondern daß jeder bei Euch dem Gesetzen des. Gottes folgen kann/ denen er folgen will. Ich kann es kaum fassen.^ .

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