Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1905)
- Date
- 1905-04-28
- Page
- Seite 198 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Worte -zw? „Das eben istdas Unglück.der Königs daß sie die Wahrheit, nicht hören wollen." Des' Hochverrats angeklagt, wurde' er am 8. Dezember 1849 freigesprochen, v - Berthold Auerbach schreibt 1877 über 'Jacobh ineinem Briefe an seinen Vetter Jakob, der damals als Religionslehrer am Philanthropin in Frankfurt weilte: „Sein Leben war so rein und dem Allgemeinen hingegeben-, daß es nie. jemand wagte, ihmirgend - etwas vorzuwerfen. Und er. hatte, eine ähnliche Kraft wie Laster; in seiner Gegenwart wagten die Frivolen nie mit einem unanständigen Word -sich heraus- . . .. Ich war bei Uhland, als er eben in derselben Zeit den-Orden pour to merite abgelehnt hatte. Und Uhland sagte mir — ich sehe noch, wie seine Lippe zitterte —: ich kann keinen Orden annehmen von einem Fürsten, der meinen Freund Johann Jacobh auf die Anklagebank setzte, während er doch nur' dasselbe getan hatte; was auch ich getan habe." Professor Rühl, der noch heute an der Universität Königsberg wirkt, erzählt, daß noch am Tage vor der Operation, die Jacoby's Leben ein Ziel setzte, er sich mit seinem nach seinem Tode . von Rühl herausgegebenen Werke: „Geist der griechischen Geschichte" beschäftigte. Rühl ist auch Historiker' und er wird gleich vielen anderen dieantisemitischen Aeußerungen Treitschke's gegen Jacobh mißbilligen. Wir Juden aber wollen stolz sein auf diesenstahlharten Mann,'hinterdessen Bahre "Tausende aus dem Volke einhergingen, von denen viele den Gedächtnisworteu des Predigers - lauschten, der die Worte der-Schrift auf Jacoby anwandte: „Ein Fürst und Großer ist an diesem Tage gestorben in Israel!" Lin neues Luch über die Propheten. Von W. Menkes. - hat man so viel über die Propheten Israels geschrieben als heutzutage. In der Kulturgeschichte aller Nationen nehmen sie - unstreitig den ersten Platz ein, denn sie vereinigen in sich das Große und das Dichterische, das Schöne und das Gute. Homer, Shakespeare, Dante und andere Größen auf' verschiedenen Gebieten haben nie das Augenmerk in diesem Maße auf sich gelenkt, wie es die Propheten vermocht 'haben. Sie traten überall für ihr Ideal auf, begeisterten sich für alles Gute und sind.vor nichts zurückgeschreckt. Sie kämpften mit Priestern und Königen, kurz mit. der Regierung überhaupt, ja selbst in. ihrer Mitte waren solche, die ihnen auf-ihrem segensreichen Wege entgegentraten und mit denen sie kämpfen mußten. Kein Wunder also, daß sich , v.iele Gelehrte verschiedener Nationen gefunden haben, die die Erscheinung dieser großen Idealisten, behandelten. Renan und Cornill, Wellhausen und Stade, mit einem Worte: Gelehrte der verschiedensten Richtung und Auffassung haben, gleichwohl immer mit Begeisterung über die jüdischen Propheten gesprochen. Sogar in der-polnischen Literatur, in der dieser Gegenstand -bisher nur selten berührt und wenn 'ja, so mit einer Ignoranz und Verständnislosigkeit, die kaum ihres gleichen haben, ist in der letzten Zeit diese merkbare Lucke durch einen tüchtigen Forscher ausgefüllt worden, der ein interessantes Werk über dieses Thema schrieb. Er behandelt die Propheten vom kulturhistorischen Standpunkte aus und leistet wirklich viel, indem er uns Interessantes liefert?) In - h Die Propheten Israels in der Kritik und Geschichte, von I. Radlinski, Warschau 1904. (Polnisch). der Vorrede weist er nach,,- wie und auf welchem Boden die. Propheten erwachsen sind, wie das Individuum zur Gesellschaft' sich verhält, wie die Propheten die - Kulturträger waren,, wie sie sich heldenhaft den Großen und Mächtigenentgegengestellt haben - und ihre Ideale laut propagierten.: Mit Esprit-: und: Scharfsinn bemerkter, daß", die Propheten;nolens; volens'- ihren Ruhm bis heilte .beibehalten. Sie. wollten? keine Meisterwerke .schaffen,, um nie vergessen zu werden/ und nichtsdestoweniger sind sie bis' nun die! größten in -der Kulturgeschichte und dieam meisten gelesenen in der! Poesie. Radlierski hält die Mitte zwischen dem kritischen, nber unhistorischen Renan und dem weniger kritischen aber; -mehr historischen Eornill. Er behandelt, die. Propheten von allen Seiten und zeigt nach, wie groß ihr diplomatisches. Genie war pnd wie sie nicht selten, den Staat vor dem Ruin bewahrt haben. Der Verfasser setzt dies alles klar auseinander und gibt ein treues Bild vom Untergange großer, bedeutender Nationen; die Schilderung ist sehr-interessant, sie ist wissenschaftlich und künstlerisch zugleich. Diese Nationen mußten untergehen, nur die Juden konnten sich einzig und allein erhalten, da sie das Volk des Geistes waren und wenn sie auch ihre äußere Macht verloren haben, blieb doch ihr Geist unberührt. Sehr schön ist die Schilderung der Zustände im jüdischen Reiche zur Zeit des Propheten Sacharja. ' - Die Perser beginnen sich überall zu behaupten, viele Dynastien ändern sich, deshalb ist es den Juden unmöglich, ihr Reich wiederherzustellen und darum muß auch die Religion die Nationalität vertreten. Diese Bemerkungdie der Verfasser hier gibt, ist, wenn auch nicht neu, so. doch mit solcher Gedankenschärse durchgeführt, daß. die Arbeit-durch derartige Lichtblicke an Wert gewinnt. Die sozialistische und teilweise, kommunistische Begeisterung der Propheten wird hier meisterhaft geschildert.. Der Verfasser geht in den Fnßstapsen Renans, befreit sich aber auch oft von seinem Einflüsse, um. sich, nicht sklavisch' an dessen Autorität zu halten: Sacharja liegt eben sehr viel daran, daß die Gotteserkenntnis überallhin dringe, damit alle Völker wissen, daß der Gott Israels der wahre Gott sei. Der Verfasser bemerkt, daß das 9., 10. und 11. Kapitel aus dem achten Jahrhundert stammen, denn in diesen Kapiteln glaubt er die Babylonier zu finden: Sacharja selbst lebte im sechsten Jahrhundert, und diese drei Kapitel werden ihm mit Unrecht zugeschrieben. Wenn auch diese Anschauung im ersten Augenblick nicht einleuchtet, so beginnt sie doch allmählich klar zu werden, wenn man sich ein wenig darin vertieft. Sehr geistvoll spricht auch der Verfasser über Jesaja. Er bemerkt mit Recht, daß Jesajas Reden der Nation einen Wink gegeben haben, was sie zu tun habe in den Zeiten der Gefahr. Er sagt, daß die Einheit der. Prinzipien in Staunen setze. Das 13. und 14. Kapitel sind nach der Meinung des Verfassers zwei Jahrhunderte später als die früheren. Auch diese Anschauung entspricht vollkommen der Wahrscheinlichkeit. Der Verfasser vergleicht die jüdische Geschichte mit der Geschichte des übrigen Altertums und seine Ausführungen sind hier sehr interessant. Am meisten bedient er sich der- Afsyriologie, die tatsächlich immer, und überall das Verständnis fördert. Das dritte Kapitel behandelt die Entwicklung der Prophetie im Judentum. Zuerst spricht R. über den Urmenschen und seine Anschauungen. Das meiste darüber entnimmt er dem englischen Philosophen Hume, indem er zeigt, wie der - Urmensch zur Anerkennung Gottes oder einer Gottheit überhaupt gelangt sei. Die Geisterherrschaft und. das Opserdarbringen bei den Urmenschen werden sehr interessant geschildert. In diesem Kapitel zeigt er auch, wie sich der Prophet entwickelt, welche Gaben er besitzen Ämß und daß die Prophetie die Kristallisierung des