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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-04-28 · Heft 17 (28.4.1905) · p. Seite 194

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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heißem Bemühen durchforscht er Archive und BiblrothekenLin allerHerren Ländern, um die große Geschichte der Juden-, in Spanien und Portugal in ihrer .vollen Bedeutung darstDen zu 4önnett." Und sein Fleiß ist von. Erfolg gekrönt Er findet vieltz^neue Quellen/;- aus .denen er unsere Kenntnis von den -Zuständen der Hianischemund portugiesischen Juden-Äauf.den verschiedenen Gebieten ihrer Tätigkeit, ihres Geisteslebens' und ihrer sozialen Stellung wesentlich bereichert. ' Mit sprachlichen und allen anderen Wissenschaftlichen Mitteln vollauf ausgerüstet, mit einem klaren, von Vorurteilen, unbestochenem Urteil und , scharfsinniger geschichtlicher Auffassung, wie nicht minder mit einem glücklichen Kombinationsgeist begabt, hat er. weitklaffende Lücken in der bis dahin nur wenig erhellten Geschichte der spanischen und portugiesischen Juden ausgefüllt, viele dunkle Punkte aufgeklärt, zahlreiche Zrrtümer berichtigt, neue.Verhältnisse und Beziehungen entdeckt, bekannte wieder ins rechte Licht gerückt. Er verknüpftdie Tatsachen und Ereignisse nach ihrem ursächlichen Zusammenhang, erklärt sie aus, den herrschenden Ideen, der Zeit, aus der psychologischen Eigenart der handelnden Personen, stellt die Verhältnisse, Beziehungen, Motive und Handlungen unter, die geeigneten Gesichtspunkte und führt dann das Ganze dem Leser in einem lebensvollen Gesamtbilde so vor Augen, daß die Gestalten wie die Zeiten Farbe und Leben gewinnen. Aber nicht nur auf diesen beiden Gebieten, sondern auch auf vielen anderen unserer Wissenschaft erwies sich der Heimgegangene als ein treuer und emsiger Forscher. Es ist ein tragisches Verhängnis, das bei uns selten jemand auf dem rechten Platze steht. Sein Platz wäre der Berliner Rabbinatsstuhl oder das Katheder einer angesehenen deutschen Hochschule gewesen. Um so höher steht aber das Verdienst des Mannes, daß er auch den Platz, auf den ihn das Schicksal gesetzt, mit solcher Begabung und Pflichttreue ausgesüllt, daß eine der größten Gemeinden Europas heute um ihn wie um den Vater und Führer trauert. Denn wer den Heimgegangenen nicht auf der Kanzel gesehen und gehört, der vermag seine volle Bedeutung nicht zu würdigen.- Hier war er ganz der Lehrer der Religion, der Priester der Humanität, der Prophet der Menschenliebe, die das Judentum verkündet, hier brachte er mit einer Begeisterung, die alle, auch die Widerstrebenden mit sich fortriß, die Gedanken und Ideen zum Ausdruck, die der glühende Enthusiasmus für seinen Beruf ihm eingegeben. / Und die er im Leben, in einem alle Kräfte des Mannes anspannenden Amte zu voller Geltung brachte. Die den .lautern, stillen Mann seines Weges durch das Leben ziehen sahen, ahnten wohl nichts von den Kräften und Mächten, die in seiner Seele lebten. Beweise der Herzensgüte, des innigsten Wohlwollens, Beweise einer Freundschaft und Menschenliebe, die sich in die innersten Bedürfnisse des andern versenken und rastlos sich mühen konnte, diese zu befriedigen, Beweise für den schönsten Menschentrieb: den Trieb, Elend zu mildern und Unglück abzuwehren, kann und wird die Gemeinde, der er 35' Jahre als ein treuer Hirte vorgestanden, in reicher Fülle ihm nachrühmen. Aber sie würden das Wesen des Mannes nicht erschöpfen; denn er war mehr. Er hat nie der Leidenschaft' Gehör gegeben, sein Gemüt bewahrte ihn vor jeder Schroffheit, er erkannte das Menschenrecht in jeder Entwicklung des Menschengeistes, mochte sie auch seiner eigenen Erkenntnis, ja sogar seinem eigenem Interesse' widersprechen. Er hatte einen zu hohen und zu weiten Weltblick, eine zu umfassende Lebenserfahrung, als. daß er sich je der Herrschaft des Kleinen hätte unterwerfen können. So bewährte er sich die Ruhe seines Gewissens, die innere Würde seines Bewußtseins und einen stärcken DrangMach Gerechtigkeitder seinem sittlichen Menschen , die höchste Weihe perliehen hat. Und nun stehen wir an seiner Ba^e klagend ünß^ verzagend. Wieder ist-, einer vom dMen>hingegaNgM, die ^aüdem Aufbau des Tenrpels unserer/Wissenschaft eifrig^HitgeaÄeiket. Wo ist ein-Ersatz zu-finden?'Wo find /die JüflgepF die..,den Pfaden des Heimgegangenen Meisters folgen xuitr%m Werk fortführen wollen? Aber nicht mit dieser eitlen Klage 'wofien wir von dem Manne scheiden, , dessen ganzes Sein ein Leben der Arbeit und der Pflicht gewesen. Denn so mächtig sind diese Faktoren des Lebens, daß sie zu jeder Zeit' ihr Recht heischen und auch, erlangen, daß sie in jeder, auch in der trübsten Periode, die werktätigen Diener findenderen: die . Geschicke der Menschheit und Israels bange harren. - Mit dieser Hoffnung, in solcher Zuversicht erfüllen wir sicher das Vermächtnis des Heimgegangenen Freundes, dessen Andenken, nicht verlöschen, wird, solange die Wissenschaft.lebt,. für die er gelebt hat. '' Dir Woche. > __. Berlin, 25. April. ßj~in eigentümliches Licht fällt auf das Treiben gewisser antisemitischer Kreise durch ihre Haltung gegenüber dem deutschen Kronprinzen. Es ist noch in aller Erinnerung, wie selbst vom „Verein deutscher Studenten" die antisemitischen Jubelhymnen anläßlich der Anwesenheit des Kronprinzen bei einen: Kommers energisch zurückgewiesen wurden. Jetzt sind diese Leutchen auf eine andere Idee gekommen. .Sie machen einfach den Vorschlag, der Reichstag solle sich entschließen, „frei und losgetrennt von der Apanage, die dem Kaiser zukommt, eine laufende Summe auszuwerfen, die der Erbe des Thrones als Ehrenspende seines Volkes erhält." Wir versagen es uns selbstverständlich, zu dem Vorschlag selbst irgendwie Stellung zu nehmen, da es sich bei diesem um eine rein politische und finanzielle Frage handelt. Wohl aber dürfen wir einem nach dieser Richtung hin gewiß unverdächtigem Blatte, nämlich der offiziösen „Münchener Allgemeinen Zeitung", das Wort zu diesem Vorschläge geben. „Gutem Vernehmen nach liegt der Anregung einer Apanage für den deutschen Kronprinzen nur ein wenig taktvoller Mißgriff ihres Urhebers, der Staatsbürgerzeitung", zugrunde. Dieses Blatt hat die Vermögensverhältrnsse des Kronprinzen in ganz unrichtiger Weise geschildert. Die Einkünfte von Oels sind sehr beträchtlich; sie sind während der Kindheit des Kronprinzen nur zum allerkleinsten Teil in Anspruch genommen und im übrigen kapitalisiert worden. Der Gedanke der „Staatsbürgerzeitung", daß hon Reichswegen für eine Apanage, des Kronprinzen Sorge getragen werden solle, ist vollends abgeschmackt." Auch die nationalliberalen Blätter urteilen nicht anders, zum Teil sogar noch schärfer über das antisemitische Projekt. , . Ueber die Strafbestimmung wegen Beschimpfung einer Religionsgesellschaft, also den vielumstrittenen Z 166 des Str.-G.-B., dessen Wert für uns stets nur ein sehr zweifelhafter gewesen ist, spricht sich ein als objektiv allgemein geschätzter und kompetenter Fachmann, der eben pensionierte Kölnische Oberlandesgerichtspräsident H amm , in der „Deutschen'Juristenzeitung" aus. Hamm gehört nicht zu denen, die eine Beseitigung oder wesentliche Einengung des 8 166 für erforderlich halten. Es sei nicht richtig, daß die Strafbestimmung die Parität zwischen den Bekenntnissen ver-

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