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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-04-21 · Heft 16 (21.4.1905) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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s Berlin, 17. April. Am 13. d. M. hielt das „Hilfskomitee für die rumänischen Juden in Palästina" seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Rabbiner Dr. Winkler, der zuerst durch eine private Hilfsaktion das bittere Elend der Aermsten der Armen zu lindern suchte, erstattete einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit des Komitees im vergangenen Jahre und konstatierte mit Genugtuung die großen Sympathicen, die sich die in Safed errichtete Volksküche erfreut. Der Vorsitzende gab von der Finanzlage der Kasse Kenntnis und schloß mit dem erfreulichen Resultate, daß trotz der Barfendungen nach Palästina rc. 4343,60 Mark und sonstigen Ausgaben der Vermögensbestand am 10. März 1905 1926 Mark beträgt. Nachdem dein Vorstande wegen der Kassenverwaltnng Decharge erteilt und die Vorstandswahlen vollzogen waren, fand eine lebhafte Diskussion über den weiteren Ausbau der Volksküche statt. Der Vorsitzende schloß die Generalversammlung mit besonderem Dank an das Damenkomitee, das sich bezirksweise mit Büchsensammlnng befaßt und den Betrag von 2723,03 Mark in der Zeit vom 1./1. 1904 bis 10./3. 1905 abgeliesert hatte. — Die Einnahmen des Vereins betrugen 8529,20 Mark, die Ausgaben 6454,20 Mark. 8. Osterode i. O., 17. April. Am. 1. v. M. feierte Herr Lehrer Moses Katz in Wartenburg sein 25jähriges Amtsjubiläum in seiner Gemeinde. Er -wurde von seiten des Ostpreußischen Lehrervereins durch zwei Vorstandsmitglieder, Herrn Stermann-Osterode und Herrn Karo-Allenstein, beglückwünscht, durch Ansprache des erstern gefeiert und mit einem Werke erfreut. Die Gemeinde ehrte ihn durch Geschenke, Ansprachen und durch ein Festessen. Kp. Aus der Provinz Posen, im April. Lehrer Spield och in Buk ist in der letzten Generalversammlung des dortigen freien Lehrervereins zum ersten Vorsitzenden gewählt worden. —.Der kürzlich in Aachen verstorbene, ans Ostrowo stammende Arzt Dr. Berliner hat der Synagogengemeinde-Ostrowo ein Legat von 500 Mark hinterlassen. — Der Korporationsvorstand in M oschin hat auf die Ermittelung des Täters, der neulich die Leiche des im Alter von 85 Jahren verstorbenen Rentiers Rosenberg daselbst arg geschändet hat, eine Belohnung von 150 Mark ausgesetzt. — Kaufmann Herz seid in Gr ätz ist zum ersten Vorsteher der dortigen Synägogengemeinde gewählt worden. — Die Schülerzahl der jüdischen Schule in Witkow'o beträgt jetzt 13. Als der jetzige Stelleninhaber vor 18 Jahren die Schule übernahm, belief sich deren Zahl noch aus 50. In ähnlichem Maße schmilzen auch anderweitig die Zahlen der Schulkinder zusammen. — Nach einem Jahresbericht des israelitischen Frauenvereins in Schönlank zählt derselbe jetzt 102 Mitglieder. Im letzten Jahre wurden 450 Portionen Mittagessen an kranke und arme Glaubensgenossen verabreicht. Die Einnahmen des Vereins betrugen 860 Mark, die Ausgaben 760 Mark. Vorn Vaterländischen Frauenverein erhielt dieser Verein 50 Mark zur Verteilung an jüdische Arme. Während des Winters wurden 50 Zentner Kohlen an Bedürftige ausgegeben. — Im Alter von 62 Jahren ist der hochangesehene Kaufmann Isidor Fuchs in Schocken gestorben. Derselbe war langjähriges Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums und des Vorstandes der Synagogengemeinde daselbst. — Das Hirsch Zempel bürg sche Ehepaar in Mehlsack beging kürzlich das Fest der goldenen Hochzeit. Der Kaiser hat ihm die Ehejubiläumsmedaille verliehen. — Kaufmann Alerander Cohn in Tnchel ist zum Ratsherrn daselbst gewählt und bestätigt worden. X Lissa, den 13. April. Die Einweihung des um- resp. neugebauten Tempels, eines Prachtbaus, hat am 11. d. M. in Anwesenheit des Regierungspräsidenten Krahmer, des Polizeipräsidenten von Hellmann, beide aus Posen, des Landrats von Rosenstiel, der Spitzen der Militär- und Zivilbehörden, der gesamten Geistlichkeit der Stadt Lissa und vieler sonstiger Ehrengäste stattgcsunden. Fräulein Jakobi deklamierte bei Ueberreichung des Schlüssels ein sinniges Gedicht, den Schlüssel übernahm sodann der Gemeindevorsteher, Stadtrat und Stadtältester Jakubowski, und beim festlichen Einzuge in die Synagoge ertönte zum ersten Male der Klang der herrlichen Orgel. Das Weihegebet sprach beim Anzünden der ewigen Lampe Rabbiner Dr. Mandl aus Neutitschein, der Schwiegersohn unseres Rabbiners Dr. Böck, und dieser selbst ergriff dann das Wort zur erhebenden Festpredigt. Nnn folgte ein Sopransolo, das die Sängerin, ein Fräulein Wolff aus Berlin, in wunderbarer Weise zum Vortrag brachte. An diese Feier schloß sich ein -D.iner, welchem auch die genannten Herren aus Posen beiwohnten. Die Gemeinde in Lissa hat aber Grund, nicht nur mit dem Verlauf der Feier, sondern auch mit dem Tempel selbst zufrieden zu sein. ---- Leipzig, 14. April. Wegen Beleidigung eines jüdischen Amtsrichters ist am 20. Mai v. I. vom Landgerichte Eichstatt der Rechtsanwalt Rudolf Freiherr Schenk von Geyern zu einer Geldstrafe von 600 Mark verurteilt worden. Er vertrat in Ingolstadt den Hauptmann S. in einem Zivilprozesse. Seinem Mandanten sandte er einen Brief, in dem er zwecks Einlegung der Berufung das Urteil besprach. Darin wurde unter anderem eine Stelle des Urteils komisch genannt, aber auch von dem Amtsrichter gesagt, wenn es sich um einen Juden gehandelt hätte, würde der Amtsrichter wohl scharfsinniger gewesen sein. Dieser Brief kam mm mit den Handakten in die Hände des Gerichtes und es wurde Strafantrag wegen Beleidigung des Amtsrichters gestellt. Das Landgericht hat festgestellt, daß der Angeklagte dem Amtsrichter Parteilichkeit und. Oberflächlichkeit vorgeworfen und sich einer höhnischen Form bedient habe. Der Richter ist mit Rücksicht aus seine Abstammung in dem Briese „Jerusalem" genannt worden. Das Urteil hebt hervor, daß es dem Angeklagten nicht um sachliche Erörterung zu tun war. Die Absicht der Beleidigung gehe aus Form und Umständenhervor. Die Revision des Angeklagten, der Verkennung des § 193 rügte, wurde vom Reichsgerichte verworfen. t. Dortmund, 16. April. Das Anstaltsgebäude des Asylvereins für Westfalen, welches bei Bad Königsborn errichtet wurde, steht nun fertig da. In wenigen Monaten wird es seine Pforten Alten und Siechen öffnen. Es ist ein herrliches Haus geworden, dessen Einrichtung nichts "zu wünschen übrig läßt. Prachtvolle gesunde Räume, schöne Wandelgänge, ein stimmungsvoller Betsaal, freundliche Lese- und Unterhaltnngszimmer sind eingerichtet. Die Lage ist herrlich, man ist jetzt dabei, rund herum Garten- und Parkanlagen zu schaffen. Zahlreiche Anmeldungen von demnächstigen Pfleglingen liegen schon vor, auch von solchen außerhalb Westfalens. Der Vereinsvorstand ist hochherzig genug, alle zu berücksichtigen, wenn die zur Verfügung stehenden Mittel ausreichen werden. Da die vorhandenen Barmittel durch den Bau und die innere Einrichtung ausgebraucht sind, so wird der Haushalt hauptsächlich durch die Jahresbeiträge der Vereinsmitglicder unterhalten werden. Der Minimaljahresbeitrag eines ordentlichen Mitgliedes beträgt 5 Mark. Möchten sich viele Leser dieser Zeilen veranlaßt sehen, durch Zahlung eines Beitrags dem Vereine die Möglichkeit zu gewähren, recht zahlreiche Alte und Sieche aufnehmen und verpflegen zu können. „Wer den Bitten des Armen sein Ohr verschließt, wird einst selbst bitten und nicht gehört werden." Spr. 21, 13. r. Oldenburg (Gr.) 16. April. Die diesjährige Sitzung des Jüdischen Landesgemeinderates, der man, wie immer, in allen Gemeinden mit großem Interesse entgegensah, fand am 9. d. M. statt. Der Vorsitzende, Landrabbiner Dr. Mannheimer, eröffnete die Sitzung mit einer bemerkenswerten Ansprache an die Vertreter der Gemeinden. Er betonte den Segen, der durch die Einrichtung eines Landesgemeinderates für unsere jüdischen Gemeinden erwachse, indem durch diese Selbstverwaltung auf breitester Grundlage die Gemeinden in der Lage seien, alle Angelegenheiten unter sich zu ordnen, ohne, wie dies in Preußen der Fall sei, Negierungsorgane oft mit unerquicklichen Angelegenheiten zu behelligen. Deshalb bat der Vorsitzende die Vertreter, auch die Meinungen und Ansichten etwaiger Gegner innerhalb der Gemeinden wohlwollend zu behandeln, da Gegenansichten absolut nichts schaden, es müsse nur alles vermieden werden, Gemeindeangelegenheiten in öffentlichen Zeitungen auszutragen, nur so könne dem Antisemitismus der Boden entzogen werden. Darum sei auch er als Vorsitzender stets bereit, im Landesgemeindcrate diesem Prinzip zu huldigen. Von den Vorlagen wurde vor allem die seit einigen Jahren schwebende Frage „Bant als eigene Gemeinde mit einer Vertretung im Landesgemeinderate zu errichten", endgültig gelöst. Da der Vorsitzende im Namen des Staatsministeriums die Genehmigung zusagen konnte, so wurde Bant mit 27 jüdischen Familien einstimmig als eigene Gemeinde proklamiert. Nachdem ferner der Landesgemeindcrat in geheimer Sitzung Herrn Landesrabbiner Dr. Mann-

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