Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1905)
- Date
- 1905-04-21
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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; heimer nn dessen Abwesenheit eine erhebliche Gehaltserhöhung bewilligte, r erklärte der Landrabbiner bei seinem Wiedererscheinen, daß er von? nun ab auf sämtliche im -§ 24 d. Gs. Beschl. festgelegten Gebühren j für Trauungen, Beerdigungen und Geburtsscheine verzichte, damit er; voll und ganz rein.ideal in Freud und Leid seinen Gemeinden als \ Seelsorger zur Seite stehen könne. Diese Erklärung machte aus alle Anwesenden einenerhebenden Eindruck. Zum Delegierten für.' den! Gemeindetag wurde der Vorsitzende für die Shnagogengemeinden der! Herzogtümer bestimmt. Der Vorstand einer Gemeinde hatte beschlossen, \ am Sabbat und an den Feiertagen beim Hauptgottesdienste nur' i solche selbständigen Herrn zur Thora aufzurufen, welche einen Zylinder-;- \ Hut tragen. Gegen diesen Beschluß war eine Petition von einem Gemeindemitglied an den Landesgemeinderat - eingereicht worden, welche auf Aufhebung dieses Beschlusses hinzielte. Die Petition wurde abgelehnt; im Gegenteil man fand dies Verlangen des betreffenden Borstandes sehr zeitgemäß und nachahmungswürdig. Nach einigen anderen Vorlagen und nach der Verteilung des Staatszuschusses und den Bewilligungen für Kultus- und. Unterrichtszwecke wurde die Versammlung geschlossen, auf die ein gemeinsames Essen folgte. X Aus dem Elsaß, im April. Der langjährige Präsident des Landesausschüsses, Wirkl. Geheimrat Dr. von Schlumberger hat anläßlich seiner diamantenen Hochzeit u. a. der jüdischen Gemeinde 1000 Mark zur beliebigen Verwendung gespendet. — Das kaiserliche Ministerium in Elsaß-Lothringen hat nunmehr dievom israelitischen Konsistorium von Metz geforderte Gründung eines Rabbinats'Saarburg ebenso wie die für den Fall der Ablehnung geforderte.Verlegung des Rabbinatssitzes von Psalzburg nach Saarburg zurückgewiesen. So ist nunmehr Hoffnung vorhanden, daß (das seit dem 1. Juli durch die Berufung des Rabbiners Dr. Wiener nach Antwerpen erledigte Rabbinat wieder besetzt werden wird. .— In Schlettstadt starb am 16. v. M.. der dortige Rabbiner, Oberrabbiner Wahl. 20 Jahre hat er daselbst als.Rabbiner gewirkt und sich in dieser Zeit durch seinen geraden, versöhnlichen Charakter große Beliebtheit und die allgemeine Wertschätzung, nicht nur seiner Glaubensgenossen, sondern auch der ganzen Bevölkerung erworben. Ehre seinem Andenken! Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 17. April. In der abgelaufenen Woche hat es der von seinem Urlaub zurückgekehrte Bürgernieister Dr. Lueger für gut befunden, mehrere agitatorische Reden vom Stapel zu lassen, so bei einer Wählerversammlung im I. Bezirke, wo er die Wähler aufforderte, ja unter allen Umständen der christlich-sozialen Partei zum Siege zu verhelfen' — ein paar Tage später polemisierte Dr. Lueger im III. Bezirke gegen die Liberalen. — Der Unterrichts-? minister hat für die Moderne Galerie eine Kohlenzeichnung, den? Kopf eines polnischen Juden darstellend, David Kohn, angekaust. g Am 3. d. M. fand im Sitzungssaals der israelitischen Kultusgemeinde) unter Vorsitz des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde) Dr. Alfred Stern die erste Konferenz der Delegierten jüdischer) W o hl tätigkeitsvereine statt. Der vom Referenten käis. Reck Dr. S. Kohn gemachte Vorschlag, als erste Etappe der Reform? der jüdischen Armenpflege eine Zentral-Auskunftsstelle im neuen! Zentral-Armenkataster zu schaffen und zu diesem Zwecke ein engeres Komitee zu wählen, welches ein diesbezügliches Statut auszuarbeiten und dieses dem Delegiertenkomitee der Wohltätigkeitsvereine demnächst zu unterbreiten hätte, wurde einstimmig angenommen. — Vor dem! Osterfeste gibt es natürlich wieder Ritualmordlügen in Fülle. In - SMigrod bei Iaslo wurde ein 70jähriger Greis deshalb verhaftet und erst auf Intervention von Wien aus freigelassen; alsbald stellte! sich auch seine völlige Schuldlosigkeit heraus. Und nun wurde des. i gleichen Verdachts wegen der christliche Totengräber verhaftet. —;; Der Kaiser hat der Frau Gustav Ehrlich in Budapest als Arier-? kennung für ihre Verdienste auf dem Gebiete der öffentlichen Wohl-' tätigkeit das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. — Welche - Zustände in Galizien herrschen, zeigt ein Bericht aus Stanislaü an! hiesige Blätter. Der Jesuitenpater Miskiewicz hielt am 25. März in: Stanislaü eine Predigt, in der er ausführte, daß ein Jude sich am; „Purim" als Geistlicher verkleidete und mit einem Kreuz in der Handherumging. Dieser Predigt folgte ein Epilog im Stanislaner Gemeinderate, wo Pater Eiselt die Frage richtete, ob die von Pater Miskiewicz verbreitete Nachricht auf Wahrheit beruhe? Es wurden nun Nachforschungen auf dem..Bürgermeisteramte und auf dem Bezirksgericht gehalten, die ergaben, daß sich der Jesuitenpater auf die sich beständig widersprechenden Aussagen eines Knaben als einzigen Zeugen stützte. Der Bürgermeister erklärte nach Verlesung des Berichtes, daß er die Sache an die Bezirkshauptmannschaft zur weiteren Amtshandlung geleitet habe. Auf Antrag eines Gemeinderats wurde beschlossen, die Angelegenheit dem Gerichte zwecks Verfolgung der Verbreiter dieser gefährlichen Gerüchte abzutreten. ’J Von Sah und Sern. — Professor Dr. Mendel hat das Ehrenkreuz I. Klasse des Hohenzollernffchen Hausordens erhalten.— Dr. Josef Carlebach ist, nachdem er vor einigen Wochen die Staatsprüfung hier bestanden hat, für das Lehrfach der Mathematik und der Naturwissenschaften an das Lehrerseminar des „Hilfsvereins der deutschen Juden" in Jerusalem berufen worden und wird die Stellung im Mai d. I. antreten. — Aus Generalmajor z. D. v. Gersdorfs Erinnerungen . teilt Heinrich v. Poschinger in der „N. Fr. Pr." folgendes mit: „Unter anderem kam der Fürst (Bismarck) auf die Wahl des Antisemiten A hlwardt in den Reichstag zu reden. Der Fürst bezeichnete ihn als einen, „komischen Kerl". Er stemple sich zum politischen Tertianer durch die Verdächtigung, die ^.llianee IsraGlite habe die Löwe'sche Fabrik zur Lieferung schlechter Gewehre an Deutschland veranlaßt, als ob eine Deutschland durch die Russen beigebrachte Niederlage im jüdischen Interesse läge." — In Thorn feierte Herr C. Danziger am 21. v. M. seinen 70. Geburtstag. Eine Deputation des Vorstandes der Repräsentanten gratulierten den Jubilar und würdigte dessen Tätigkeit im Gemeindewefen. Herr C. Danziger gehörte 33 Jahre der Gemeinde als Repräsentanten an und ist seit drei Jahren Vorstandsmitglied. — Der Oberlehrer am königlichen Gymnasium in Meseritz, Dr. Pick, erhielt den Professortitel.' — Anläßlich der dieser Tage erfolgten Einweihung des neuen Rathauses erhielt der erste Vorsteher der Synagogengemeinde Liegnitz, Stad'tverordnetenvorsteher Herr Heinrich Cohn, den Kronenorden IV.Klasse. — Der König von Sachsen hat dem Küster und Synagogeninspektor der israelitischen Religionsgemeinde Leipzig, Herrn I. Wa sserstrom, in Anerkennung seiner langjährigen Dienstleistung das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. --- Rabbiner Dr. S. Frankfurter, Sohn des Stiftsrabbiners D. Frankfurter in Holleschau (Mähren), wurde zum Dozenten für die talmudischen Fächer am Lehrerseminar in Köln gewählt.— Dem Hoflieferanten Josef Fromm in Frankfurt a. M. wurde wegen seiner Verdienste auf dem Gebiete der Landwirtschaft der Kronenorden IV. Klasse verliehen. — Aus der an den Magistrat in Nürnberg gerichteten Zuschrift des Herrn Kommerzienrates Berolzheimer, wonach er in Gemeinschaft mit seinen in Amerika lebenden Söhnen eine Stiftung von 300000 Mark zur Errichtung eines gemeinsamen Heims für die Naturhistorische Gesellschaft, den Volksbildungsverein, den Verein für öffentliche Lesehallen und den ärztlichen Verein unter der Voraussetzung, daß. die Stadtgemeinde den Bauplatz unentgeltlich stellt, errichtet, ist zu erwähnen, daß der Wunsch ausgedrückt wird, es möge zum eigentlichen Bau von anderer Seite kein Zuschuß geleistet werden. Die Stadtgemeinde wird den Bauplatz unentgeltlich abtreten. — In Straßburg , feierte am 15. d. M. der Direktor der ersten medizinischen Abteilung des Bürgerspitals Dr. Gustav Levy unter allgemeiner Teilnahme seiner Schüler und Freunde den 70. Geburtstag. Derselbe ist auch seit langen Jahren Präsident des israelischen Konsistoriums des Unterelsaß, ferner Präsident der israelitischen Gewerbeschule und vieler anderer Wohlfahrtseinrichtungen. — Der Redakteur der in Warschau erscheinenden hebräischen Tageszeitung „Hazefira" Herr N. Sokolow ist am 3. d. M. von dem Vorsitzenden des Ministerkomitees Witte in .. Audienz empfangen worden. Die Audienz dauerte 40 Minuten. Der Inhalt des Gespräches soll nicht der Oeffentlichkeit übergeben werden. — Der russische Senat erklärte, daß das Händwerkszeugniß die Bedeutung eines Dokuments besitze, daß . der jüdische Handwerker fein Fach versteht, und diese Bedeutung im Falle, daß er sich mit seinem Handwerke nicht befasse, Nicht vernichtet.