Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1905)
- Date
- 1905-04-21
- Page
- Seite 192 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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192 stein, die die Leute immer mit sich tragen, welche reisen über die Steppe. Dann legte ein Mann die brennende Wurzel in, einen Topf und hängte den Topf an einen Pfahl, den er^ vorher fest gemacht hatte in der Erde. Das Helle Licht zeigte jetzt deutlich die Gruppen von Männern, die gebeugt standen über eine Gestalt, die bewegungslos am Boden lag. Es waren chazarische Soldaten, kernige große Gestalten mit langen, wallenden Bärten. Ihre Kettenpanzer blitzten im. Mondschein, die breiten Schwerter, die sie herausgezogen hatten aus der Scheide beim ersten Lärm, waren jetzt zu Boden gesenkt. Auf der Erde aber lag ein Mann, auch ein Soldat, in der glänzenden Tracht der byzantinischen Neitersleute. Seine Arme waren festgebunden an seinem.Leib und aus seinen: Kopse strömte das Blut unaufhaltsam. „Schnell, löset seine Fesseln und flößt ihm Wein ein," befahl der Kommandeur der Chazarentruppe. Er selbst löste seinen Panzer und riß von dem Hemde aus feinstem Linnen, das er darunter trug, einen Streifen ab, und verband damit die Wunde des Byzantiners. (Fortsetzung folgt.) Ltterarilchr Mitteilungen. — Gruuwald M., Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde, Heft XV, Berlin, S. Calvary & Co., 1905. Das neueste Heft der „Mitteilungen", welches bereits den achten Jahrgang dieser Zeitschrift eröffnet, enthält eine ungemein aufschlußreiche Arbeit des emsigen Sammlers Albert Wolf, Dresden, „Ueber jüdische Kunst und ältere jüdische Künstler". Es ist Herrn Wolf zu wünschen, daß seine so verdienstvollen Forschungen auf allen beteiligten Seiten wenigstens dadurch gefördert werden, daß man ihm mit dem Nachweis biographischer Daten nach Kräften an die Hand gehe. So wird der am Schluß seines Aufsatzes ausgesprochene Wunsch, in kurzem eine Fortsetzung bieten zu können, hoffentlich bald in Erfüllung gehen. „Eine jüdische Hochzeit in Süßrußland" schildert anschaulich und mit Wiedergabe der originellen Badchenlieder Dr. S. Weißenberch' Elisabethgrad. „42 Haggadahhandschrift-Jllustrationen", von dem bekannten Bibliothekar der kübliotbegue nationale, Moise Schwab, mit erläuterndem Text begleitet, bilden den Schluß des inhaltsreichen Heftes. Möge dem verdienstlichen Unternehmen auch in dem neuen Verlage der Erfolg blühen, dessen es sich bisher zu erfreuen hattet --- Selma Lintors: Masculini generis. Ein Lebensbild. Braunschweig, 1905. R. Sattler. In diesem fesselnden Buche wird bte, Frauenbewegung in weiblich idealem Lichte dargestellt, um dadurch einen Ausgleich herbeizuführen zwischen den heutigen „Frauenrechtlerinnen" einerseits, sowie der biblischen und natürlichen Bestimmung des Weibes andererseits. Unter dem Pseudonym „Sela Lintorf" ver> birgt sich die Tochter eines bedeutenden jüdischen Kanzelredners. Aber nicht bloß darum, sondern hauptsächlich seiner Tendenz wegen sei das Buch an dieser Stelle würmstens empfohlen. Denn diese Tendenz hilft die Ideale des Judentums, die zugleich die des reinen Menschentums sein müssen, kraftvoll fördern. Wir zitieren hier auf» Geratewohl nur die folgenden Stellen aus dem sehr interessanten Buche: S. 284: „Zurück zur Bibel! Den Ehrennamen „Männin" zu erwerben, ist das Hochziel des Frauenbundes. Vorwärts denn zu dem Ideal der „Männin", zu der die Gottheit die Frau einst prädestiniert hat." - S. 301: ^Es gibt ein Ich, das groß zu sein meint, wenn es auch nicht den winzigsten Teil von sich anderen, zuerteilt. Dieses Uebermenschen-Jch gilt mir zu klein. In die eigene Brust sich zu verschließen, das ist ein kleines Reich; mein Ich will nicht in mir allein sein abgeschlossenes Reich erschauen, sondern auch im Innern des Nächsten.. Zu ihm sage ich: Du bist mein Ich, ohne daß das meine nicht Ich sein könnte." S. 302: „Die Ehe ohne Liebe ist unmoralisch." S. 303: „Daß die Liebe männlich der Kraft helfe,, daß sie ein edles starkes Geschlecht erziehe: Das ist das ideale feminine Ich." --- „Jüdisches Leben" im Bilde ist der Titel einer Publikation die soeben in dem durch seine historischen Kunstblätter bekannten Verlag von I. Spiro, Berlin, erscheint. Es handelt sich bei dieser jüngsten Veröffentlichung um 20 Kunstblätter in Form von Ansichtspostkarten in eleganter Enveloppe, die Reproduktionen in vorzüglichster Technik nach meist holländischen und auch einigen deutschen Kupfer-' stichen aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts bringen. Die Nachbildungen dürften für jeden von um so größerem Werte sein, als di« nur sehr selten vorkommenden Originale sich in festem Besitze finden. Die zwanzig Blätter der hübschen kleinen Mappe schildern in figurenreichen, bewegten Gruppen das Leben der holländischen, Juden im Hause und im Tempel und gewähren einen überaus fesselnden Einblick in die Sitten und Gebräuche jener Tage, welche auch noch die Sitten und Gebräuche der gläubigen Juden unserer Zeit sind. Besonders interessant ist die Darstellung von der Weihe der berühmten Portugiesischen Synagoge in Amsterdam, die hier mit ihren hochragenden Säulen, ihrem mächtigen, breitausladenden Allerheiligsten und ihren Emporen klar und scharf vor Augen geführt wird. Und weiter sehen wir das Haus eines vornehmen Juden beim Passahsest usw., das heitere Treiben am Purimabend, die Bedeckung der Braut, das Laubhütten- und Versöhnungsfest usw. Die Bilder haben einen hohen religions- und kulturgeschichtlichen Wert und dürften sich sicher um so mehr Freunde erwerben, als ihr Preis in anbetracht der.hervorragenden Ausführung auf Kupferdruckpapier. ein verschwindend geringer ist. Sprechfaul. Geehrte Redaktion! ie Nummer 15 Ihres geschätzten Blattes brachte in einem Bericht über die letzte Repräsentantenversammluug der jüdischen Gemeinde einige Notizen über Anfragen und Diskussion betreffend die Amtsniederlegung „einer" verdienten Ehrendame des Hospitals Oranienburgerstraße 31. Da diese Angelegenheit zu unserem Bedauern in die Oeffentlichkeit getragen ist und in der Erörterung in der Repräsentantenversammluug bedauerliche Jrrtümer vorgekommen sind, bitten wir Sie höflichst, dieselben in Ihrer nächsten Nummer recht zu stellen und übersenden Ihnen hierzu Nachstehendes. „Revolutionäre Bewegungen" haben sich unter den Ehrendamen des Hospitals nicht geltend gemacht. Allerdings haben die Damen nebenbei auch auf die „seelischen Zustände" der Patienten hingewiesen. Der Hauptpunkt aber, der einen Konflikt zwischen dem Vorstand des Hospitals und dem Damen-Kuratorium hervorgerusen hat, war die einfache Bitte um Anstellung einer bisher im Hospital fehlenden geschulten Oberin über das Wärterpersonal. Da diese durchaus berechtigte Bitte ohne sachliche Gründe unberücksichtigt blieb, legten sämtliche zehn Ehrendamen am 18. März ihr Amt nieder. Dieselben blieben jedoch auf Ersuchen des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, die nunmehr diese Angelegenheit selbst in die Hand genommen hat, bis zur Erledigung derselben im Amte. Sie haben infolge des Zeitungsberichts zur näheren Erklärung dieser Angelegenheit ein Schreiben an den Vorsitzenden der Repräsentanten gerichtet und darin auf das Material hingewiesen, das sich hierzu in den Händen des Vorstands der jüdischen Gemeinde befindet. Berlin, 17. April 1905. Hochachtungsvoll im Aufträge der Ehrendamen des Hospitals der jüdischen Gemeinde Hedwig Lachmann, stellvertretende Vorsitzende. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.