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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-04-21 · Heft 16 (21.4.1905) · p. Seite 187

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
Seite 187 (sequence 7)
Language
German
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187 ständnis für Gelb und Geldeswert bei ihnen Wecken.' Die in der Jugend empfangenen Eindrücke üben eine tiefe, nachhaltige Wirkung auf das ganze Leben aus. Selbstverständlich müssen wir den rechten Weg Wahlen, um das Kind praktisch für das Leben zu erziehen. Ein Geizhals bietet ein ebenso trauriges Bild wie ein Verschwender. Wie überall in der Erziehung, so wirkt auch hier das Beispiel und gerade auf diesem Gebiete in besonderem Maße. Doch habe ich auch sehr oft die Erfahrung gemacht, daß Kinder auch sparsamer Eltern, wenn sie der elterlichen Aufsicht entzogen waren, verschwenderische Anlagen zeigten. Bei jungen Leuten, die vom Lande aus kleinen Verhältnissen heraus in die Stadt kamen, -nun ihr reichliches Auskommen hatten, habe ich beobachtet, daß sie durchaus nicht mit dem Gelbe umzugehen wußten, sondern daß es ihnen unter den Händen zerrann, wie Schnee in der Sonne. Es prickelte ihnen in allen Fingern, das Geld quälte' sie fürchterlich. Von den Eltern hatten sie derartiges nicht gesehen, und sie waren sich auch wohl eines Unrechts kaum bewußt. Wie denn auch eigentlich nicht ihnen, sondern den Eltern, die es versäumt hatten, ihren Kindern in diesem Punkte eine rationelle Erziehung angedeihen zu. lassen, die Schuld beizumessen ist. Denn wie es eine Sünde ist, die Saat des Geizes in die jugendlichen Gemüter zu senken, so ist es nicht minder ein Fehler, junge Menschen in die Welt hinausziehen lassen, ohne sie das richtige Verständnis für den Wert des Geldes gelehrt zu haben. Das Geld als etwas Verächtliches, nicht Erstrebenswertes hinzustellen, ist ebenso unrichtig, als dasselbe in den Augen der Kinder zu hoch zu bewerten. Es sollte den Kindern, sofern sie ein gewisses Alter erreicht haben, wohl klar gemacht werden, daß das Geld zum Bestreiten der Bedürfnisse des Menschen notwendig, daß der Erwerb desselben schwierig und daher Sparsamkeit bis zu einem mehr oder minder hohen Grade nötig ist. Dagegen lasse man niemals den Gedanken auskommen, daß das Geld allein glücklich macht, daß es das Erstrebenswerteste auf dieser Erde ist, sondern daß es noch höhere, heiligere Güter gibt, die zu erringen ungleich wertvoller ist. Es sollte im allgemeinen in der Familie möglichst wenig vom Gelde gesprochen werden. Die Kinder gewöhnen sich sonst leicht daran, alles und jedes nur von diesem einen Gesichtspunkte, der Geldfrage aus, zu betrachten. Ihnen erscheint das Geld dann wie in einer Gloriole, der Reichtum imponiert ihnen und reizt sie. Das aber muß vor allem in der Erziehung vermieden werden. In der Großstadt, wo die Kinder frühzeitig erfahren, daß all das Schöne, das sie sehen, alle Genüsse nur durch Geld zu erreichen sind, kann der Zauber, den das Gold ansübt, leicht unheilvoll werden. Die Gefahr ist hier ungleich größer als auf dem Lande oder in der Kleinstadt. Ohne in den Kindern die Geldgier zu wecken, muß man auf praktische und verständige Weise sie dahin zu bringen suchen, das Geld als ein unentbehrliches Verkehrsmittel zu schützen, das nicht leicht zu erringen ist, also auch nicht auf leichtsinnige Art vertan werden darf. Außer gelegentlichen Erklärungen und Ermahnungen sollte den Kindern von einem gewissen Alter ab ein kleines Taschengeld gegeben werden, von welchen: sie die Kleinigkeiten, die für die Schule erforderlich, Hefte, Bleistifte rc., eventuell auch Bücher, zu bestreiten hätten. Etwaige kleine Ueberschüsse dürften wohl als Fond für Geburtstagspräsente für Eltern und Geschwister oder für die Armenbüchse verwendet werden, damit das Kind gleichzeitig die Seligkeit des Gebens frühzeitig kennen lerne. Selbstverständlich müßte es gewissenhaft über seine Ausgaben Buch führen oder Notizen machen, und es läßt sich ja leicht kontrollieren, ob. es rechtschaffen, und gewissenhaft ausgibt und Rechnung ablegt. Aus diese Weise wird nicht nur eine gewisse Selbständigkeit ihm anerzogen, die ihm auch Freude macht, sondern es lernt, mit Geld umzugehen, was eben auch erlernt sein will. Mit der Zeit wird das Kind auch verstehen,'die Einteilung seiner kleinen Kasse zu regeln, Ordnung darin zu halten. Das ist eine schöne Aufgabe für unfern Liebling, Und sie wird ihn glücklich machen. „Spare in der Zeit, so hast du in der Not!" Notwendig ist es und klug, wenn wir dem Kinde diese goldene-Lebensregel tief einprägen. Fest müssen wir sein, wo im Kinde sich der Sinn für Ueppigkeit und Verschwendung zeigt. Wohlleben erschlafft — und jüdische Mütter, auch wir wollen unser bestes tun, ein kraftvolles, starkes, mäßiges Geschlecht zu erziehen. Eine einfache, schlichte, aber sonnige Jugend wollen wir unseren Kindern schaffen, ihren Sinn nach innen richten auf die wahren Schönheiten des Lebens. „Fest, treu und wahr," sei die Losung für uns, in deren Händen die Erziehung des Kindes und damit die Kraft und Zukunft der Menschheit ruht. . Sind es auch gewaltige, verantwortungsvolle Pflichten, die auf unseren Schultern ruhen, das höchste Glück, das die Erde zu geben vermag, das Mutterglück, ist dafür unser Teil. „Ooltulst" der prsktilchm oder „Lewem" der reinen Vernunft? Von I. Feinstein, Seminarlehrer. ekanntlich hat Kant in seiner „Kritik der reinen Vernunft" die drei Hauptbeweise für das Dasein Gottes: den ontologischen, kosmologischen und physiko-theologischen oder teleologischen, einer Kritik unterzogen und dieselben zu widerlegen gesucht. Nicht als ob der große Denker irgendwie die Absicht gehabt hätte, den Glauben an das Dasein Gottes nach der Weise der seichten Aufklärung (besonders der französischen) seiner Zeit zu zerstören. Im Gegenteil, er wollte „das Wissen aufheben, um Platz zum Glauben zu bekommen."') Er wollte der spekulativen Vernunft „ihre Anmaßung überschwenglicher Einsichten benehmen" und suchte die Quelle seiner „transzendentalen Ueberzeugung" im nie trügenden sittlichen Gefühl. Er bezeichnete die Glaubenslehren vom Dasein Gottes, der Willensfreiheit und der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, als Postulat e oder unbedingte Forderungen der praktischen Vernunft oder des sittlichen Bewußtseins, welche jedoch von der menschlichen Vernunft allein, deren Gebrauch nur innerhalb der Grenzen der Erfahrung zulässig sei, nicht bewiesen werden könnten. Seit dem Erscheinen des epochemachenden Werkes Kants sind nun bereits 124 Jahre verflossen, und noch immer gilt die Unbeweisbarkeit der transzendentalen Begriffe: Gott, Freiheit und Unsterblichkeit als ein Dogma des gegen alle Dogmatik aufs äußerste kämpfenden Kritizismus. Und selbst die Fortbildner der kritischen Philosophie, die sogenannten Neukantianer, wagen es nicht, trotz der sonst von ihnen mehrfach vorgenommenen Modifikation der Lehre ihres Meisters, an die Revision seiner Kritik der obengenannten Argumente heranzutreten. Sie begnügen sich einfach mit den „Postulaten", welche h Kritik der reinen Vernnnfi. S. 26.

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