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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-04-14 · Heft 15 (14.4.1905) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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— Generaldirektor Ballin wurde der Stern.zum Kronenörden II. Klasse verliehen. — In Pleschen ist der Vorsteher der Gemeinde, Bankier Louis Oppter, am 31. v. M. im 65. Lebensjahre gestorben. . Derselbe gehörte auch der Stadtverwaltung einundzwanzig Jahre lang an. — In den letzten Tagen sind auf d.em alten . jüdischen Friedhose in Neu-Ruppin Beschädigungen an Gräbern , und Grabdenkmälern ausgeführt worden. Wer die. Täter, sind, konnte . leider noch nicht seftgestellt werden. — Am 26. v. M. wurde ans den Synagogengerneinden Londorf, Allendorf a. L., Tweis a. L. und Nordeck ein Verband, gebildet, der bezweckt, .die idealen Interessen des Judentums zu fördern, und zwar durch Verbreitung der jüdischen Geschichte und Literatur, - durch die Pflege der Geselligkeit in den einzelnen Gemeinden und, durch die Ausübung der werktätigen Nächstenliebe. Der Verband führt den Namen „Jeschurun". — Lehrer S. Vogel aus Ehrenfeld ist als Hausvater an die Samson- Schule in Wolfenbüttel gegangen. — Fräulein Lilli Wedell, eine Tochter des verstorbenen Rabbiners Dr. A. Wedell in Düsseldorf, hat nach glänzend bestandenem medizinischen Staatsexamen an der Universität München mit Auszeichnung promoviert. Da Fraulein Dr. Wedell im jugendlichen Alter von 24 Jahren ihre Studien beendet hat, so dürste sie gegenwärtig die jüngste deutsche Aerztin sein. — Antisemitische Blätter haben — selbstverständlich bloß auf den Namen hin — den wegen Mordes an seiner Frau angeklagten Dr. I. Braunstein in München konsequent für einen Juden erklärt. Nach den Gerichtsakten stellt sich nunmehr heraus, daß Dr. Justin Iwan Braunstein 1859 in Wipperfürth bei Köln geboren ist, einer der angesehensten und vermögendsten Familien entstammt mrd ursprünglich Artillerieoffizier war! — In Neumarkt ist am 16. v. M. Herr Jsaac Wolf im 59. Lebensjahre gestorben. Er war Vorsteher der israelitischen Gemeinde und seit Jahren Mitglied der städtischen Verwaltung. — Das Zentralkomitee der .Alliance Israelite Universelle in. Paris bewilligte 10 000 Franks für die Notleidenden in Grodno und Minsk für die in Moskau und der Mandschureiemgetrofsenen Verwundeten;- ferner 1000 Franks zur Beschaffung von Mazzoth für die in Japan internierten russischen Kriegsgefangenen. Der Auftrag nach Japan wurde sofort durch mehrere dort vertretene; Firmen telegraphisch übermittelt. — In Paris ist David Masse Mn angesehener Anwalt, Mitglied des französischen Zentralkonsiftoriums^ge- ' storben. — Staatsanwalt Aron in Nancy ist zum Generalanwalt am Appellgericht daselbst ernannt worden. — In Toledo wurde in einem Hause der Calle .'de las .^ornerias eine Synagoge arabischen Stils, aufgedeckt,, die vor die bekannte Toledaner Moschee Kl Christ ) ■ de la Luz aus dem XI. Jahrhundert zurückdatiert. Das Grundstück, .wo der interessante Fund gemacht wurde, gehört Marques de la Torecilla, dessen Kunstsinn sachgemäße Freilegung des Baudenkmals verbürgt.-— Die rumänischen Behörden erhielten Berichte über eine bevorstehende Massenauswanderung der Juden aus Südrußland. Aus Odessa allein haben über 100 Juden ihre Auswanderpapiere geregelt und begeben sich über Rumänien mit Unterstützung ausländischen Geldes nach Amerika. — Zum Stadtrabbiner in Kischine io sind zwei Kandidaten vorgeschlagen worden: der frühere Rabbiner Etinger erhielt 227 Stimmen, und der bisherige Rabbiner Kotlower 226. Beide sind dem Gouverneur zur Bestätigung vorgestellt worden. — Der Vorstand der Petersburger jüdischen Gemeinde wendeie sich an den Kriegsminister mit der Bitte, dem Komitee für die Osterfeiertage einige Waggons eines Militärzuges zur Verfügung za stellen, um den jüdischen Soldaten im fernen Osten Mazzeh zu senden. Der Kriegsminister bewilligte diese Bitte. — Auf Verlangen mehrerer Stadtverordneten wird dieser Tage in der Petersburger. Duma (Munzipalität) die Frage, den Juden das Recht zu erteilen, als Stadtverordnete gewählt zu werden, geprüft. — Der Senat entschied, daß die jüdischen Apothekergehilfen das Recht besitzen, außerhalb des jüdischen Ansiedlungsrayons zu wohnen, gleichviel ob sie sich mit ihrer Spezialität befassen oder nicht. — Der Begründer der Privathandelsschule in Odessa, Professor Dr. Hochmann, gedenkt im Finanzministerium die Erlaubnis nachzusuchen, in Odessa ein Polytechnikum zu errichten, worin die Juden ohne Beschränkung ausgenommen werden sollen. Die nötigen Mittel dazu hofft er bei den Juden unter Mithilfe der „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung" zu sammeln. Dr. Hochmann reichte bereits eine Bitte dem lokalen Komitee der Gesellschaft ein. — Der Senat erklärte, daß die Juden aus den mittelasiatischen Staaten gebürtig, die in den russischen Untertanenverband traten, das Recht haben, Grundeigentum zu erwerben, und zwar in denjenigen Städten, zu denen sie zugeschrieben sind. — Der „Hasmann" teilt mit, daß laut Auftrag des Petersburger General-Gouverneurs Trepow vorläufig die Wiederaufnahme der jüdischen Arbeiter sistiert wurde. — Wie die Vlätter berichten, hatten die Juden in Tanger zum Empfang des deutschen Kaisers einen großen Triumphbogen errichtet. Der Kaiser hat auch eine Abordnung jüdischer Notabeln empfangen. — Deutsche Bierbrauerei A.-G. 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