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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1905-04-14 · Heft 15 (14.4.1905) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
69 (1905)
Issue
Heft 15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
Seite 175 (sequence 7)
Language
German
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175 Oejer, Sabbatai Zewi ist nicht tot, er lebt nur unter anderem 'tarnen. — Auch die Herstellung des ungesäuerten Brotes bereitet den smyrniotischen Juden schwere Sorgen. Smyrna besitzt nämlich nicht wie Konstantinopel und Saloniki eine besondere Fabrik hierfür. Obwohl das Osterfest erst gegen Ende April fällt, bildet diese Frage, ob man die Mazzoth ans Rußland, aus Konstantinopel oder aus Triest kommen lassen soll, bereits seit dein Monat Oktober einen Gegenstand ernster und allgemeiner Sorge. Wer wird die Konzession zürn Vertrieb erhalten? Wie teuer wird sich der Preis pro Kilo stellen? Ein starker Wettbewerb wird sich um das Monopol erheben, das natürlich nur den ohnedies armen Leuten Nachteile bringen kann. Ein schweres Problem — dieses Brot des Elends! Ilm diese „ernsten Sorgen" fortzuscheuchen, regen die jüdischen Zeitungen in Smyrna die Bildung einer jüdischen Schauspielertruppe an. Das Journal „El Messerel" schlägt sogar vor, eine Aktiengesellschaft zu gründen behufs Errichtung großer Räumlichkeiten, die als Theater, als Festsaal für Hochzeiten und andere Familienfestlichkeiten zu dienen bestimmt sind. Das sind also die großen Tagesfragen in Smyrna. Doch auch mit wirklich ernsthaften Dingen beschäftigt inan sich augenblicklich in dieser Gemeinde. Zunächst nämlich mit der Begründung einer großen Volksschule, deren Kosten aus 100000 Franks veranschlagt sind, wozu Baron Edmund von Rothschild bereits 70 000 Franks gespendet hat. Alsdann befaßt man sich dort mit einer großen Erweiterung und Ausgestaltung der Ackerbauschule „Or-Jehuda", welche, wenige Stunden von Smyrna entfernt, auf steinigem Wege belegen ist. Die Juden der dortigen Umgegend werden zweifellos große Vorteile aus dieser Institution ziehen, und man ist gewiß, daß dieses Institut, welches zahlreiche offizielle Besuche empfängt, den smyrniotischen Juden ein großes Prestige verleihen dürfte. Aus Rhodos berichtet man eine interessante Neuigkeit, nämlich eine ehrenvolle Auszeichnung, welche dem Vertreter der Alliance Israelite von dem französischen Vizekonsul dieser Insel überreicht worden ist. Mr. Leon Semach, der Leiter der dortigen Knabenschule, welche vorzügliche Erfolge aufzuweisen hat, ist mit dem Offizierkreuz der Akademie dekoriert worden und hat vom Minister des öffentlichen Unterrichts in Frankreich für seine Schüler eine Kiste Bücher zum Geschenk erhalten. Es ist übrigens nicht das erste Mal, daß ein Schuldirektor der Alliance von der französischen Regierung ausgezeichnet worden ist. So haben früher Mr. Jsaac Aftruc in Nouftschouk, Mr. M. Cazes und Pariente in Tunis, und Mr. I. Benchund in Dardania Orden erhalten. Dardanellen! Da mir gerade dieser Name beim Schreiben unterläuft, so lassen Sie mich Ihnen erzählen, daß jetzt eine neue Sitte ausgekommen ist, die, wenn sie Nachfolge findet wohl geeignet erscheint, in den Gemeinden des Orients eine völlige Umwälzung nach sich zu ziehen. Ein Notabel da-!^bst, der Kaufmann Elia Halyo, ein bereits bei seinem - Leben^ außerordentlich f wohltätiger Mann, vermachte dem heimatlichen israelitischen Konsistorium ein Legat in Höhe von 160 000 Franks und zwar in Gestalt eines Bazars Namens „Bedestin", der 40 bis 50 Verkaufsstände umfaßt, deren jährliche Einkünfte auf je 600 Franks berechnet sind. Eine gleichartige Gabe ist jüngst in Saloniki gestiftet worden — zwei Beispiele, die bisher in den letzten fünfzig Jahren einzig in ihrer Art in den Annalen der Juden des Orients dastehen. Auch von Saloniki, das' ja nur unweit davon entfernt ist, muß ich Ihnen ein wenig berichten. Ehre wem Ehre gebürt! Deshalb zunächst ein Wort über die vornehmste Familie der Stadt Namens Allatini. Italienischen Ursprungs haben sie dem italienischen Konsulat dieser Stadt aus Anlaß der Geburt des Prinzen von Piemont eine Spende von 15 000 Franks zu verschiedenen wohltätigen Zwecken übergeben. Eine zur vornehmen Gesellschaft zahlende Dame, Frau Jacob Saul Modiano, die Gattin des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Saloniki, ist soeben von Sr. Majestät dem Sultan mit dem Chöfakat-Orden ausgezeichnet worden. Doch weit mehr noch im Vordergrund des Interesses für die Juden irr Saloniki steht die feierliche Eröffnung einer glänzenden, großen Synagoge, die in ihrer vollen Ausdehnung nicht weniger als 38 Meter lang, 24 Meter breit und 15 Meterhoch ist. Dieses Gotteshaus, das den Namen Talmnd- Thora-Synagoge erhalten, hat etwa 103 000 Franks gekostet, wobei die Kaufsumme des Baugrundes noch nicht mit cinberechnet ist. Der glänzenden Eröffnungsfeier haben mehrere tausend Personen beigewohnt und eine große Zahl von offiziellen Reden rvrrrde hierbei gehalten. Die Optimisten — und solche Menschen findet nran überall, wie Sie wissen — glauben, dadurch, daß nunmehr noch eine Synagoge den bereits bestehenden Gotteshäusern angereiht worden ist, für die jüdische Gemeinde in Saloniki genügend den: Fortschritt gedient zu haben; die ernsthaften Skeptiker aber, oder, wenn Sie lieber wollen, die ewigen Nörgler, dringen beständig auf Errichtung eines jüdischen Hospitals, dessen Bau ihnen dringend notwendig erscheint. Sie halten es endlich an der Zeit, eine derartige Institution zu begründen, denn Konstantinopel, Smyrna, Jerusalem haben alle bereits ihre jüdischen Krankenhäuser. Saloniki befindet sich in dieser Beziehung zweifellos im Rückstände. M. F. „Die Himmel rühmen . . Eine Studie zur Psalmenforsctmng. Von Dr. D. Leimdörfer-Hamburg. ie geistige Kultur besteht in der Pflege und Förderung des Denkens unb Empfindens, des sittlichen Wollens und Tuns im Leben. Sie dient der Beglückung der Menschenseele dadurch, daß sie sie mit Harmonie der Zufriedenheit erfüllt, das Gleichgewicht ihrer Kräfte in allen Lebenslagen erstrebt und sie bewahrt vor Fall und Sturz von der Höhe j echten Menschentums in die Tiefen der Tiernatur. Die geistige! Kultur bewirkt die menschenmögliche Vollkommenheit, d. h. das Einssein des Vernunftwesens mit seinem Schöpfer. Aber nicht nur dem Geiste allein dient die geistige Kultur, sondern auch dem in die Erscheinung tretenden, in seiner irdischen Hülle von den Sinnen wahrgenommenen äußerlichen Menschen. Der ganze Mensch, wie er leibt und lebt, als Individuum wie als ein Teil des Staates und der Gesellschaft, muß, wenn er die Höhe der Menschenwürde erreicht haben soll, seine Harmonie offenbaren, die ein Produkt der einzelnen Faktoren der geistigen Kultur ist. Diese Faktoren an sich, dem Menschen eingeboren, sind der Entwicklung ebenso fähig wie bedürftig, sind daher Gegenstand der Schulung und der Schule. Seit dem Aufleuchten der wissenschaftlichen Pädagogik ist kaum ein Thema mehr in das Vorderinteresse getreten als das der harmonischen Ausbildung aller Seelenkräfte oder aller Fakultäten der

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